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Schwuler Sex |
GayOut/GayLove |
von Thomas Trachsel
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Hört
man sich die Vorstellungen und Meinungen an, die ein Durchschnittsbürger von dem hat, was zwei Männer sexuell
miteinander treiben, stößt man immer wieder auf dieselben banalen Klischees.
Die Schwulen sind "Arschficker" und "Schwanzlutscher" und treiben 's mit jedem an jedem Ort.
Nun richtet sich dieser Text nicht an den Durchschnittsbürger, sondern an Dich, einen schwulen Mann. Auch kann er nicht zum Ziel haben, die gängigen Vorurteile abzubauen oder gar schwule Propaganda zu machen.
Was will denn dieser Text überhaupt?
Er will ansatzweise versuchen, a) dem sexuell völlig Unerfahrenen einen kurzen Blick unter die Bettdecke zu gewähren, b) dem sexuell Experimentierenden aufzuzeigen, "was es alles so gibt", und c) ein paar Vorurteile zu bestätigen und ein paar zu korrigieren.
Sexualität wurde von der Natur eingeführt, um die Erhaltung der Arten zu sichern. Sich zu vermehren soll angenehm sein, damit es ja nicht vergessen geht. Mittlerweile ist allerdings das Überleben der Gattung "Mensch" gesichert, und der rein vergnügliche, der lustvolle Anteil am Sex wurde zur Hauptsache. Wer von Sex spricht, meint das geile Gefühl, das entsteht, wenn sich zwei, die sich mögen, körperlich nahe kommen...
Damit wäre eigentlich schon sehr viel gesagt. Wer nämlich begriffen hat, dass Sex einfach ein sinnlicher Genuss ist - wie Spaghetti Carbonara oder Weißwein - der kann auch viel lockerer damit umgehen. Und der hat nicht nur weniger Vorurteile, sondern auch mehr vom Leben.
Ein cooles Verhältnis zur Lust erübrigt nämlich schon
fast die Frage: "Was tun zwei Männer im Bett?" Das Aufzählen von
"Techniken" birgt die Gefahr, dass beim intimen Zusammensein die Phantasie
verloren geht. Verschiedene Stellungen durchzuexerzieren kann übungshalber mal ganz gut
sein. Aber was das erste Mal geil ist, kann Dich beim nächsten Mal aus unerfindlichen
Gründen schon anöden. Daher eigentlich ist das wichtigste beim Sex: Sich gehen lassen,
treiben lassen in den schäumenden Wellen der Lust. Natürlich solltest Du die Sexualität
ab und zu im Zaum halten. Aber das heißt auch: Im richtigen Moment die Zügel fallen
lassen.
Erlaubt ist, was Lust bereitet - und den Partner nicht stört. Was Dir Lust bereitet, was Dich anmacht, wo Deine geilen Phantasien liegen, das kannst Du am einfachsten an Dir selber entdecken. Das heißt, Du tust es wohl schon. Sich mit dem eigenen Körper zu beschäftigen ist nicht bloß eine Notlösung, um Überdruck abzulassen. Es ist im Gegenteil eine vollwertige Form von sexueller Aktivität! Neben dem Sich-Selber-Kennenlernen hat es den Vorteil, dass es ganz ohne Partner auskommt.
Man kann sich immer und überall einen runterholen. Schon mal im Meer schwimmend versucht? Beim Autofahren? Unter der Kasernendusche? Der Reiz des Tabus erhöht die stimulierende Wirkung.
Alles klar mit Dir selbst? Dann ran an den Mann! Bei den ersten Malen ist es immer ein wenig schwierig. Man ist unsicher mit einem Partner und verkrampft sich.
Nicht so schlimm ist es, wenn der andere entweder gleich unerfahren ist, oder aber persönlich reif genug, um Dir die Hemmungen zu nehmen. Er wird Dir ohne viele Worte zeigen, dass er Dich mag und versteht. Bald fühlst Du Dich wohl genug bei ihm, um selber das zu tun, was Du geil findest.
Irgendwann stellt sich dann fast immer die Frage: "Möchtest Du gebumst werden / Möchtest Du mich bumsen?" Genaugenommen stellt sich diese Frage bei jedem Sexpartner von neuem. Das damit angeschnittene Thema ist ein heikles, und darüber zu reden macht vielen Mühe. (Abgesehen davon, dass Reden beim Liebemachen eh als unpassend empfunden wird.)
Mit Bumsen - um diesen Begriff gleich klarzustellen - ist
zwischen zwei Männern fast das gleiche gemeint wie zwischen Mann und Frau... Außer halt
dem kleinen Unterschied, dass der Mann keine Scheide hat. Durch dieses vermeintliche
Hindernis entdeckten die Schwulen eine alternative Möglichkeit. Wer sie kennt, für den
ist sie mehr als eine Notlösung. Ein männlicher Arsch ist also nicht nur ganz knackig
anzusehen. Er lässt sich auch sehr lustfördernd praktisch bearbeiten. Und das Gute
dabei: Bumsen kann für beide Partner geil sein. Gleichzeitig! Unerwarteter Weise sind
nämlich die feinen Schleimhäute im Bereich des Arsches von einer enormen Reizbarkeit.
Nun ist dieser "Quell der Lust" nicht ganz unproblematisch zu erschließen. Unser Verhältnis zum eigenen Hinterteil ist ein distanziertes, verkrampftes. Entsprechend schwer tun sich die meisten damit, es gern zu haben, bzw. eben dort etwas eindringen zu lassen. Solltest Du oder Dein Partner dabei Schmerzen empfinden, geht behutsam vor; mit der vorsichtigen Regelmäßigkeit müssten die Schmerzen automatisch abnehmen. Auch hier kann man vor dem ersten praktischen Einsatz ein paar Trockenübungen machen. Wie Du die verkrampfte Muskulatur etwas lockern kannst, findest Du schon selber heraus.
Dass hier dem "Analverkehr" (sorry für das Wort) recht viel Platz eingeräumt wurde, heißt nicht, dass er über alles wichtig ist. Es ist mehr die Tatsache, dass Bumsen einerseits immer wieder Fragen und Unsicherheiten aufwirft, andererseits viele Männer nur ungern darüber sprechen. Jedenfalls soll betont werden, dass schwuler Sex nicht nur Bumsen bedeutet. Es gibt viele Typen, die es überhaupt nicht mögen oder gut darauf verzichten können. Langweilig wird es trotzdem nicht im Bett.
Ein Wundermittel der Zärtlichkeit ist der Mund. Nicht nur küssen kann man damit, obwohl schon das alleine sehr erregend sein kann. Schon Babys wollen alles in den Mund nehmen und so erfahren. Lass also das Kind im Manne wach werden. Erforsche die Landschaft eines Männerkörpers ganz einfach mit der Zunge! Fang' mal mit den Ohrläppchen an (some guys get crazy for it), berühre die Brustwarzen, genieße seinen Bauch, danach landest Du automatisch beim Schwanz... Dieser ist nun mal das erogene Zentrum des Mannes. Früher oder später landet man immer beim Schwanz.
Beim Blasen, dem Liebkosen des Schwanzes mit Zunge und
Lippen, besteht obendrein die höchst effiziente Möglichkeit, gleichzeitig aktiv und
passiv zu sein ... die berühmte 69. Findest Du das unappetitlich? Nun gut: Fürs erste
ist Sex allgemein appetitlicher, wenn beide Bodies sauber sind. - Übrigens:
Tu 's doch mal
gleich unter der Dusche! Echt Spritzig! - Falls es Dich trotzdem nicht anmacht:
Lass es
bleiben. Denn wie schon gesagt: Beim Sex ist alles erlaubt, was beiden gefällt. Stehe
hemmungslos zu dem, was Dich anmacht. Aber sag auch ganz klar nein, wenn Dich etwas
abstößt oder Du Angst davor hast.
An dieser Stelle muss auch wieder einmal auf Safer Sex aufmerksam gemacht werden. Solange kein wirksames Medikament gegen die Immunschwächekrankheit AIDS zu haben ist, dürfen auch keine Ausnahmen von den paar einfachen Sicherheitsregeln beim sexuellen Zusammensein gemacht werden. Das heißt, dass beim Bumsen in jedem einzelnen Fall ein Pariser zu gebrauchen ist.
Nicht mal in festen Beziehungen sollte diese Bestimmung gelockert werden, auch wenn beide testnegativ sind und sich bei allfälligen Seitensprüngen konsequent schützen.
Die zweite Hauptregel von Safer Sex ist die, beim Blasen kein Sperma in den Mund zu kriegen. Da müssen eben beide etwas aufpassen.
Diese beiden Punkte sind eigentlich schon alles, was Du beachten musst. Einfach, nicht? Aber hey: Tu 's bitte von Anfang an und jedes Mal, okay?
Tatsache ist, dass sich die schwule Minderheit schon sehr gut organisiert hat. Mit ihrer Subkultur schuf sie sich (vor allem im Zug der allgemeinen sexuellen Liberalisierung) die Möglichkeiten, alle körperlichen Gelüste ungehindert auszuleben. Für viele hieß das: Jeder mir jedem, so viel wie möglich. Ob dies moralisch verwerflich ist, sei Deinem persönlichen Urteil überlassen. Jedenfalls kriegt niemand AIDS, weil er schlecht handelt. Das HIV-Virus ist eben eines, das sich unter anderem bei ungeschütztem sexuellen Verkehr übertragen kann. Und wer viel ungeschützten Sex hat, trägt auch ein größeres Risiko, das Virus zu kriegen. Und es weiterzugeben...
Gemäß den neuesten Statistiken hat die HIV-Ansteckung unter Schwulen inzwischen einen abnehmenden Trend, da die AIDS-Prävention bei ihnen recht erfolgreich zur Anwendung kam. Die Bezeichnung "Risikogruppe" scheint sich nun langsam auf die Heterosexuellen auszuweiten, die ja außerhalb von Europa und den USA ohnehin schon immer den höchsten Anteil der Infizierten stellten.
Sei also vorsichtig, aber
lass Dir durch AIDS kein
schlechtes Gewissen machen. Genieße Sex, so oft und mit wem Du das Bedürfnis dazu hast.
Habe einem festen Freund und sei ihm treu, wenn Dir das zusagt. Oder finde einen Freund, der sexuelle Treue nicht für zwingend hält.
Genieße Sexualität, genieße Deinen Körper und den von anderen Männern, genieße den Sieg der Eroberung, die Hitze des Gefechts, die Zärtlichkeit; genieße es, in einem fremden Schlafzimmer aufzuwachen.
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Quellennachweis:
Aus der Schweizer Coming Out Broschüre "Eigentlich... logisch: Schwul!"
Herausgeber: ISJS - Initiative Schwule Jugend Schweiz