Mika

Tipp für Bisexuelle Tipp für Schwule Besonderer Tipp

 

Life in Cartoon Motion

Inhaltsangabe:

1. Grace Kelly 
2. Lollipop 
3. My Interpretation 
4. Love Today 
5. Relax, Take It Easy 
6. Any Other World 
7. Billy Brown 
8. Big Girl (You Are Beautiful) 
9. Stuck In The Middle
10. Happy Ending/Over My Shoulder


Pop

Großbritannien, 2007

Bewertung:

Es ist zwar erst März... Aber für mich ist Mika schon jetzt der Newcomer des Jahres 2007.

Ein echtes Multitalent: Songwriter, Sänger, Musiker, Designer. Es gibt eigentlich Nichts, was Mika nicht selbst macht. Und er macht es gut. So gut, dass man nur staunen kann, wie "lange" er nun doch auf seinen Durchbruch warten musste. Aber vielleicht war es eben diese unkonventionelle Anhäufung von Talenten, die ihm den Weg an die Spitze der Charts doch recht schwer machten. Denn er wollte eben Alles nach seiner Vorstellung, nach seinem Geschmack machen, und sich nicht von "Beratern" und Plattenfirmen reinreden lassen. Aber das ist nun 'mal schwierig, wenn man noch keinen großen Namen in der Branche hat. Am 18. August 1983 als Michael Holbrook Penniman in Beirut geboren, sah sich Mikas Familie schon bald, am Höhepunkt des Krieges, dazu gezwungen, nach Paris zu ziehen. Als sein Vater dann Opfer einer Geiselnahme geworden war, fiel die Standortwahl schließlich auf London. „Es war wohl diese Kombination, die Umzüge, gepaart mit der grausamen Zeit, die ich anfangs in der Schule durchlebte. Daran lag es auch, dass ich schließlich verlernte, wie man liest und schreibt. Ich ließ eine Zeit lang sogar das Sprechen sein. Dann nahmen sie mich für ein halbes Jahr von der Schule, damit ich mich ein wenig sammeln konnte. Es geschah zu dieser Zeit, dass mir die Musik so unglaublich wichtig wurde. Und die Musik war es auch, die mir letztlich wieder auf die Beine geholfen hat. Als ich dann als kleiner Junge mit dem Singen angefangen hatte, bekam ich plötzlich Jobangebote von allen Seiten. Ich wurde damals von diesem unfassbar strengen russischen Gesangslehrer unter die Fittiche genommen, und durch dieses Training konnte ich plötzlich auf Gesangswettbewerben echt gut abschneiden. Ich habe alles ausprobiert, ob es nun Aufnahmen im Royal Opera House waren oder ein Werbe-Jingle für Orbit-Kaugummi – ganz egal. Ich werde wohl nie vergessen, wie es sich angefühlt hat, bei British Airways anzurufen, um ein Ticket zu bestellen, nur um plötzlich auf meine eigene Stimme in der Warteschleife zu stoßen. Das waren wirklich harte acht Minuten. Ein weiterer der Hauptgründe dafür, dass ich so viel zu tun hatte, war wohl, dass ich so verdammt billig war! Meine Mutter und ich hatten ja keine Ahnung, wir wussten einfach nicht, was angemessene Preise waren –, und natürlich war auch niemandem daran gelegen, uns über die Fehler in unserer Preispolitik aufzuklären! Wenn ich also heute zurückdenke, dann kommen mir die 45 Pfund für die Orbit-Werbung schon ein wenig dürftig vor...“ 

Als autodidaktischer Klavier-Virtuose, Stimmwunderkind und geborener Entertainer, hat Mika die Musik seit jeher in seinem Fleisch und Blut. So verwundert es kaum, dass er schon in so jungen Jahren bereit war, alles für seine Leidenschaft zu geben. Mit nur elf Jahren wurde er auf die Bühne einer Richard-Strauss-Oper katapultiert! Und kein Geringerer als David Hockney war während der Proben anwesend, um gemeinsam mit diversen Models das Set in Form zu bringen. (Das Poster zur besagten Oper hat Mika auch heute noch an der Wohnzimmerwand hängen – natürlich signiert von Hockney). Nach seiner fast vollständigen Ausgrenzung während der äußerst kurzen Schullaufbahn – „Ich wünschte, ich könnte behaupten, dass ich mein Eigenbrödler-Dasein bewusst gewählt habe. Aber so war’s nicht, ich wurde ausgegrenzt.“ –, kam ihm eine derartige Alternative natürlich gerade recht: Und so verliebte er sich schon am ersten Tag in die sprichwörtlichen Bretter, die für ihn sogar eine magische Welt bedeuteten: „Das war eine magische Welt, eine Welt, in der ich leben konnte. Eine Art Paralleluniversum für Menschen, das illusorisch, bezaubernd und verblüffend zugleich ist.“ 

Mit 19 verließ Mika (mit bürgerlichem Namen jetzt übrigens Mica Penniman) nämlich sein Elternhaus, um an der „London School of Economics“ zu studieren. Glücklicherweise überlegte er es sich jedoch bereits am Tag der Immatrikulation anders – und meldete sich zwei Wochen später kurzerhand beim „Royal College of Music“ an. Schon als (Musik-) Student ein besessener Songschreiber, war er es, der stets ungefragt auf Partys auftauchte, um mal eben fünf Songs aus seinem Repertoire zum Besten zu geben...  Man muss Mikas Stimme einfach gehört haben. Ohne Weiteres imstande, überdimensionale Hooks mit seiner vier Oktaven umspannenden Vokal-Reichweite auszuloten, befand er sich eines Tages in Miami, wo er Demo-Sessions mit jedem und in jedem nur erdenklichen Studio absolvierte, das ihm kostenlos Eintritt gewährte. Schließlich war es der Toningenieur der Bee Gees, mit dem er sich anfreundete. Der war auch sofort dabei, als es darum ging, ein paar nächtliche Überstunden (auf Kosten seiner Firma) im Studio zu machen... Und genau das macht auch die Magie von Mika aus: Furchtlos, obwohl gänzlich auf sich allein gestellt – denn daran ist er gezwungenermaßen gewöhnt –, vollbringt er es mit seinen Geschichten in der ersten und dritten Person, Außenstehende auf seine Wellenlänge zu ziehen und zugleich den Mainstream aus dem Innersten heraus auf den Kopf zu stellen. Ob es sich nun um eine Art Lobgesang auf eine „kräftigere“ Frau handelt (wie im Fall der Funk/Rock-Nummer „Big Girl (You Are Beautiful)“), um die bisexuelle Liebe (das burleske „Billy Brown“) oder aber um die pure Freude am Leben („Love Today“). „Den Song `Love Today´ habe ich geschrieben, als ich so richtig glücklich war. Und ich meine richtig glücklich! Dieses Gefühl, das man hat, wenn’s einem rundum gut geht, wenn alles wie am Schnürchen läuft, und man sich einbildet, dass alle Menschen um einen herum auch dieses Gefühl haben. Eigentlich habe ich dieses Gefühl ziemlich oft. Und darum habe ich auch einen Song darüber gemacht.“ Die Liebe fürs Detail. Persönliche Sorgfalt und Hingabe. Sicherstellen, dass auch alles am rechten Ort ist. Das sind die Losungen, die Mika und seinen Sound ausmachen. Sein Album-Artwork, das er gemeinsam mit seiner älteren Schwester Yasmine entwickelt hat, ist der erste Schlüssel zu seinem Werk. Danach übernimmt die Musik das Wort. 

Und in der Tat vermag dieses Album den Zuhörer mit in Mikas Welt zu nehmen, ihn zu be- und zu verzaubern. Frische Popsongs mit eingängigen Melodien. In einzelnen Stücken erkennt man, welche Künstler Mika inspirieren und Pate gestanden haben. Nicht umsonst gemahnt "Grace Kelly" durch einzelne Stimmfärbungen an Freddie Mercury (der ja auch im Text erwähnt wird). Auch der Bee Gees-Sound findet sich durch den partiellen Falsett-Gesang Mikas wieder. Elton Johns Klavieranschläge kann man auch erkennen und die lebendige Kraft des jungen Robbie Williams spiegelt sich in Mika wider. Aber dennoch hat Mika seinen eigenen Stil. Und der ist nicht eintönig. Auch eine klassische Ballade trägt Mika vor. Aber die fröhlichen Mitsumm- und -sing-Stücke sind in der Überzahl. Das Booklet ist liebevoll gestaltet. Mit Songtexten und Cartoons und einer ganzen Reihe Fotos.

Ob Mika nun schwul ist oder nicht... Darüber gibt es eine ganze Reihe von Spekulationen. Er selbst möchte sich in der Öffentlichkeit nicht dazu äußern. Also Jungs... Es besteht Hoffnung! :-)

"Life in Cartoon Motion" ist so oder so Pflichtprogramm für das schwule Plattenregal und wird mit Sicherheit nicht sein letztes Album sein und mit ebensolcher Sicherheit wird es ein Mega-Hit!

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Grace Kelly (Remixes)

Inhaltsangabe:

1. Grace Kelly   3:09
2. Grace Kelly (Tom Neville Mix) (Radio Edit)   4:32
3. Grace Kelly (Linus Loves Remix) (Radio Edit)   3:25
4. Grace Kelly (Bimbo Jones Remix) (Radio Edit)   3:00


Pop

Großbritannien, 2007

Bewertung:

Willkommen also in der Welt von Mika: Mika ist Songwriter, Performer und Produzent in Personalunion. Und süß. Die vorliegende Debüt-Single in Deutschland ("Relax, Take it Easy" war seine erste Platte in GB) ist ein wunderbares Beispiel für einen peppig-poppigen Sommerhit. Und das im Winter. OK, der Winter des Jahres 2006/2007 ist der wärmste seit Aufzeichnung der Wetterdaten... Und ich bin überzeugt, dass Mika seinen Teil dazu beigetragen hat!

"Grace Kelly" kommt so lockig-flockig-leicht daher wie ein Wasa-Knäckebrot; und auch so knackig; aber nicht so trocken. Dank Mikas unglaublichem Stimmumfang von 4 Oktaven brilliert der Song auch in den höchsten Höhen. Und der Text - so oberflächlich er beim ersten Hinhören auch zu sein scheint - hat es in sich.  
Mika: „Die Labelchefs haben kontinuierlich versucht, mich in eine Richtung zu verbiegen, die nichts mit meinem Naturell, nichts mit meiner Musik zu tun hatte! Im Grunde genommen wollten sie wohl, dass ich einfach nur das imitiere, was gerade angesagt war. Und da zu jener Zeit gerade Craig David durch die Decke ging, kann man sich wohl unschwer vorstellen, wie deprimiert ich war.“ 
Allerdings hatte seine Frustration auch ihr Gutes, denn aus dieser Stimmung heraus komponierte er denjenigen Song, der sich in Kürze zu seinem Markenzeichen entwickeln wird: „Grace Kelly“, eine Parodie auf ein Opernstück, die mit einem Pop-Gerüst und einem Technicolor-Hintergrund besticht. „Mit dem Song wollte ich ursprünglich den Leuten, mit denen ich mich eingelassen hatte, einen dicken klanglichen Mittelfinger zeigen“, erklärt er heute. „Daher kommt auch die Zeile, `shall I bend over, shall I look older, just to be put on your shelf´. Ich war wirklich richtig wütend. Diese Firma hatte alles, alle nur erdenklichen Mittel – nur eine Seele, die hatten sie nicht.“ 
Dazu noch ein griffiger, „catchy“ Refrain und fertig war der Superhit. Durch die Download-Charts stieg er in Großbritannien auf Platz 1 der Pop-Charts und hielt sich dort wochenlang. „Man darf keine Angst haben, wenn man mal aus der Reihe tanzt und auffällt. Wenn keiner drauf anspringt, na gut, dann eben nicht. Dann hätte ich eben alles im Alleingang gemacht!“ Das ist nun nicht mehr nötig, denn eine weltweite Fangemeinde etabliert sich.

Auch wenn es mit dem Mitsingen bei diesem Stück mangels Stimmumfangs eines durchschnittlichen Hörers wohl etwas schwierig werden wird... Versuchen kann man es... Und - aus eigener Erfahrung gebeichtet - das macht nicht nur im Badezimmer gute Laune! Und gespannt auf das 1. Album natürlich auch...

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Letztes Update: 16.03.2007

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