Vivaldi, Antonio (1678 - 1741)

 

CATONE IN UTICA

Cesare: Jacek Laszczkowski (Countertenor)
Catone: Simon Edwards (Tenor)
Arbace: Philippe Jaroussky (Countertenor)
Fulvio: Diana Bertini (Mezzosopran)
Marzia: Liliana Faraon (Sopran)
Emilia: Veronica Cangemi (Sopran)

Grande Ecurie et la Chambre du Roy
Jean-Claude Malgoire

 


**** 2 CDs - Dynamic / KlassikCenter Kassel - CDS 403/1-2 - 2002 ****


Der Rezensent ist platt, erschlagen von der Wucht der einfach nicht zu toppenden Höreindrücke. Diese CD sollte in jedem Plattenschrank einen Ehrenplatz erhalten. Sie ist ein Glücksgriff sondersgleichen - musikalisch wie vor allem auch besetzungstechnisch einfach gaynial. Leider ist es zwar so, dass die Darsteller nicht zu den von den großen Plattenlabeln Gepushten zählen und somit nicht zu den Namen, die in aller Munde sind. Zur ersten Riege der Sänger und Sängerinnen gehören sie alle durch die Bank und es ist bedauerlich, dass die Marketingbemühungen der BigPlayer es den weniger Bekannten oder sich eben nicht exklusiv Verpflichtenden schwerer machen.

DIESE Platte jedenfalls gehört in JEDEN Sammlerschrank!!!

Da haben wir zunächst die beiden Countertenöre. Der für Sänger dieser Klasse unüblich gewichtig-große Jacek Laszczkowski aus Warschau ist zwar auf den Bühnen Europas des Öfteren und gern engagiert, ist aber auf Platte gepresst nur selten zu leben. Dank des Themenabends bei Arte im Juli 2007 zu "Engeln wider Willen - Kastraten" und der eigens dafür produzierten Reportage über diesen einzigartigen, stets stimmsicheren und stimmumfänglich beeindruckenden Sänger mag er nun einer größeren Fangemeinde bekannt sein, doch vielleicht leistet diese CD einen weiteren Beitrag zur weiteren Popularisierung der Höreindrücke, die diese Sängergruppe hervorzubringen vermag. Übrigens liegen auch bei dem kleineren, in Deutschland kaum bekannten polnischen Label PMC (Pro Musica Camerata), das in Deutschland durch das KlassikCenter Kassel vertreten wird, noch einige weitere CDs mit Laszczkowski vor. (Das Label arbeitet ja auch eng mit der Warschauer Kammeroper zusammen, an der Laszczkowski angestellt ist.) Jedenfalls kann mit den Klangfarben und der Klangsicherheit des Polen ein von großen Labeln wie Harmonia Mundi oder zwischenzeitlich gar Universal geförderter Andreas Scholl in keinem Falle mithalten.

Noch weniger kann er dies mit den wahrlich schon göttlichen Tönen gleichkommenden Gesangeskünsten Philippe Jarousskys in der Rolle des Arbace, der mit dieser Platteneinspielung sein Debüt im Klassikmarkt gab. Inzwischen ist er von Virgin / EMI unter Exklusivvertrag genommen und hat schon einige einfach nur fantastische Platten vorgelegt, darunter auch immer wieder Einspielungen der Musik Vivaldis, dem er also treu geblieben ist bzw. auf den er immer wieder zurückkommt. (Mehr zu diesem herausragenden Vertreter der Countertenöre siehe auch in unserem Exklusivinterview!)

Den - nur aus persönlicher Vorliebe des Rezensenten zuerst behandelten - beiden Countertenören steht der als Rossini-Spezialist zu einem Namen gekommene Tenor Simon Edwards in keiner Weise nach. Eine klare, stets wohlklingende, höhensichere Stimme umschifft alle musikalischen Stolpersteine Vivaldis souverän. Schließlich sei noch Mezzosopranistin Diana Bertini herausgestellt: eine solche Vokalität - einfach nur ein Genuss. Ihre Interpretation von Fulvios fulminanter Arie "L'ira mia bella sdegnata fulminata" (Meine schöne Erzürnte, du wirst meinen Zorn ... entladen sehen) sollte in die Top 100 der Höhepunkte klassischer Musik unbedingt eingehen!!!

Alle zusammen ein handverlesenes Ensemble, das Jean-Claude Malgoire 2001 zusammenfinden ließ, um mit ihm eine vergessene Oper Vivaldis wiederauferstehen zu lassen. SOOOOO macht man Perlen der alten Musik wieder populär und dieser Einspielung ist ganz sicher so schnell keine weitere ebenbürtig!

Ein Genuss sondersgleichen. Nur zu empfehlen!!!
Dirk Carius

*** HANDLUNG (aus dem Beiheft der CD) ***

ERSTER AKT
In der afrikanischen Stadt Utica haben sich die letzten Vertreter des republikanischen Widerstands gegen Caius Julius Cäsar versammelt, der nach seinem Sieg über Pompejus zum absoluten Beherrscher der politischen und militärischen Szene Roms geworden ist. Diesen letzten zähen Widerstand leisten der römische Senator Cato, der Jüngere, und der königliche Prinz Numidiens -Arbaces. Dieser ist Catos Freund und liebt dessen Tochter Marzia. Seine Liebe wird aber von der ihm versprochenen Marzia, die heimlich in Cäsar verliebt ist, nicht erwidert. Cäsar kommt mit Friedensplänen zu Cato, aber Emilia, die Witwe des Pompejus, vermag ihre Empörung gegenüber dem für den Tod ihres Gemahls verantwortlichen römischen Feldherrn nicht zu zügeln. Unterdessen wird der zu Cäsars Partei gehörende römische Legat Fulvius, der Emilia liebt, zwischen seinen Gefühlen für sie und der Staatsräson hin- und hergerissen. Marzia trifft mit Cäsar zusammen und fleht ihn an, im Namen ihrer Liebe zu ihm mit ihrem Vater Frieden zu schließen.

ZWEITER AKT
Fulvius tritt vor Cato und trägt ihm das Verlangen Cäsars nach einem Treffen vor. Weiters überbringt er ein Schreiben des römischen Senats, mit welchem Cato befohlen wird, sich dem Willen des Volkes zu beugen, doch er lehnt beides stolz ab Nachdem Freunde und Gefährten darauf bestehen, willigt Cato schließlich zur großen Freude Marzias, die endlich eine positive Entwicklung ihrer Liebesnöte erhofft, ein, mit dem Diktator zusammenzutreffen. Dies erstaunt Emilia, die in Marzias Kummer ein unmissverständliches Liebesverhältnis zu Cäsar gewahrt. Cäsar trifft mit Cato zusammen, aber es gelingt ihm auch m~ der Verheißung auf eine Teilnahme am kaiserlichen Ruhm nicht, dessen republikanische Rechtschaffenheit zu untergraben. Und Cäsars Heiratsantrag an Marzia vermag Cato nur noch mehr zu empören. Marzia ist verzweifelt, und ihre Versuche, zwischen den beiden Römern Frieden zu stiften, gehen ins Leere. Nicht nur das, denn Marzia gelingt es gegenüber den hartnäckigen Liebeserklärungen Arbaces' nicht mehr, sich zurückzuhalten; sie offenbart dem Vater und Emilia ihre Liebe zu Cäsar. Cato rast vor Zorn.

DRITTER AKT
Cäsar hat beschlossen, auf jeglichen Versöhnungsversuch mit Cato zu verzichten und möchte ihn mit seinen Soldaten bekämpfen. Er stößt zuerst auf Marzia, die dem Zorn des Vaters zu entgehen sucht, und dann auf Emilia, der es mit Hilfe einer List gelingt, ihn in einen Hinterhalt zu locken. Der Diktator würde einem sicheren Ende entgegen gehen, wenn nicht Cato erschiene, der - empört über die Niederträchtigkeit der Pläne von Pompejus' Witwe - Cäsar einen Zweikampf vorschlägt, um eine Lösung der Frage zu finden. Die Nachricht vom Angriff der Römer auf die Mauern von Utica lässt sie jedoch innehalten, und beide eilen zu ihrem jeweiligen Heer. Utica wird besiegt Cato ist im Begriff, sich zu töten, als ihm von Marzia und Arbaces Einhall geboten wird. Cäsar ist siegreich, aber das Leben Catos ist gerettet.

Erstmals im Teatro delle Dame in Rom im Karneval 1728 mit Musik von Leonardo Vinci aufgeführt, liegt Catone in Utica wenige Jahre vor der vollen literarischen Reife, die Pietro Metastasio mit Werken wie Artaserse, L 'Olimpiade, Demofoonte zwischen 1730 und 1733 erreichen sollte. Zusammen mit Didone abbandonata (1724) und Attilio Regolo (1740) ist Catone in Utica die einzige Oper, für welche der Hofdichter einen Iragischen Schluß geschrieben hat. Nicht nur dies, denn im Unterschied zu den beiden vorgenannten Werken ist für Cato der Tod auf offener Bühne in den Armen seiner Tochter vorgesehen. Eine offenbar für das Publikum des 18. Jhdts. ein wenig starke Szene. Insgesamt eigentlich auch für die ausgewogene, aufgeklärte Poesie Metastasios, der - vielleicht auf an seinem Werk geübte Kritik hin - den Schluss mit einem konventionelleren Bericht Marzias über den Tod ihres Vaters umschrieb. Der Dichter wollte aber so sehr nicht auf seine ursprüngliche Inspiration verzichten, dass er dem Verleger, als er 1733 die zweite Fassung in Druck gab, empfahl, beide Fassungen des Finales zu veröffentlichen. Vivaldi gehl daher über Metastasios Umarbeitung hinaus. Neben Kürzungen des Librettos, die die dramaturgisch-musikalische Entwicklung erleichtern sollen, wählt er entschieden ein Happyend. Dieses hat sicherlich wenig mit der geschichtlichen Wirklichkeil zu tun, weist aber seinem Catone in Utica einen Platz in der Strömung eines stärker verbreiteten und gefestigteren Geschmacks zu.
(Von Stefano Olcese)


Links zu dieser CD

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+ Libretto auf der Metastasio-Homepage

+ Szenen und Arien der Oper (Tracklist)

+ ausführliche Zusammenfassung und z.T. fotografisch unterlegte Aufführungsgeschichte (in FRA)
+ ausführliche Beschreibung in ITA


Zum Komponisten Antonio Vivaldi

+ ausführliche Biografie bei Wikipedia
+ Werkeverzeichnis nach Gattungen
+ umfangreiche Diskopgraphie (natürlich in keiner Weise vollständig) und Bibliographie zu Vivaldi
+ Portraits und Autographen bei karadar.com
+ Portraitssammlung bei chez.com
+ Original-Opernmanuskripte (Auswahl)
+ aktuelle Aufführungen von Vivaldis Opern weltweit

Jacek Laszczkowski in der Gaystation

+ Händel. Teseo (DVD)
+ Hasse: Zenobia (Querschnitt)
+ Vivaldi: Rosmira Fedele 
 

Philippe Jaroussky

Jacek Laszczkowski

2 CDs
Dynamic / KlassikCenter Kassel
CDS 403/1-2

2002

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Klang:

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Letztes Update: 13.10.2007, 22.29 Uhr

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