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Tommaso Traëtta (1786-1826) |
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ANTIGONE
(1772)
Antigone : Miriam Sabba
Chor des Mittelsächsischen Theaters
musikalische Leitung: Jan Michael Horstmann
Premiere(n) weitere Aufführungen
21.10.2008 14.30 Uhr Theater Freiberg Kontakt:
Theater Freiberg Borngasse 1 09599 Freiberg Tel.: 03731/35 82-0 Fax: 03731/2 34
06 Mit „Antigone“ setzt das Mittelsächsische Theater seine Reihe der Opernausgrabungen fort. Ja, richtig gelesen: Ausgrabungen. Immer wieder graben Chefdramaturg Kunze und GMD Horstmann in der Schatztruhe der Musikgeschichte und fischen ein Werk wieder ans Licht, das man nicht mal in besten Handbüchern zur Operngeschichte mit mehr als nur Allgemeinplätzen erwähnt und in Opernführern, auch dem einzigartigen Großen Handbuch der Oper von Werner Wagner, gar nicht findet. Antigone ist die neueste dieser Ausgrabungen. Die Musik zum Libretto zum tragischen antiken Stoff schrieb Tommaso Traëtta, den Zeitgenossen den „italienischen Gluck“ nannten, der nach Jahren in seiner italienischen Heimat und auch in Wien schließlich am Hofe Katharina II in St. Petersburg als Hofkomponist wirkte. Sein spätes Werk, die Oper „Antigone“, gilt auch als sein reifstes Werk, auch und vor allem weil es sich musikalisch weitestgehend von den Traditionen barocker Musikalität verabschiedet hat und zudem die griechische Tragödie im Licht der Aufklärung spiegelt. Die Entfernung vom Barocken findet sich durch das ganze Stück hinweg. Es gibt in dem ganzen Stück eigentlich nur 2 Da-capo-Arien im alten Stil, ansonsten alles durchweg Gesungenes. Eine wohl tuende Neuerung ist die massive Einbindung von Duettszenen. Das sind auch die wahren Juwelen in diesem Stück! Ich habe sie nicht gezählt, aber es sind viele, sehr viele - und das ist sehr wohltuend. Inszenatorisch haben sich die Mittelsachsen einiges einfallen lassen und einen recht einfachen, sehr ansprechenden Bühnenraum entwerfen - der sich während der gesamten Handlung auch kaum ändert. Die Bühne des anheimelnd kleinen, gemütlichen wie Intimität schaffenden Theaters war voll von einem an die Stadtmauer - oder aber auch die Felswand der Höhle, die eine Rolle spielt in der Oper - symbolisierenden Podest mit treppenförmige Aufgängen rechts und links. Dazwischen ist ein Rundbogen gesehen, der, einen Grufteingang versinnbildlichend, am Anfang der Oper zugemauert wird, damit die Titelheldin später lebendig in die Gruft eingegraben werden kann. Davor eine Kuhle, in der Amfang die beiden Söhne des letzten Königs um die Nachfolge kämpfen, wobei keiner gewinnt. Am Ende ist Antigona dort wieder zu finden, eingebracht eben in die Gruft, zusammen mit ihrem Liebhaber, über die zur Verdeutlichung der aussichtslosen Lage und des Eingeschlossenseins ein die ganze Zeit über der Szenerie hängender Holzstreberahmen (also ein großer Rahmen mit kleineren viereckigen fensterartigen oder an ein Gitter erinnernden Verstrebungen) herabgelassen wird und die beiden völlig einschließt. Auch die Kostüme sind sehr ansprechend auf griechische Antike getrimmt und überzeugen. Musikalisch jedoch, und das ist ja die zweite, wenn nicht größere Hälfte eines Opernbesuches lief einiges suboptimal. Natürlich ist ein Liveerlebnis nicht mit einem Hörerlebnis von Platte zu vergleichen, aber es gibt eine Einspielung der Antigone aus den 1990ern, die v.a. ornamentarisch sehr viel mehr bietet als die gegenwärtige Aufführung. Hier vermag allerdings der Rezensent nicht sagen, ob eine der beiden Interprationen näher an den originalen Intentionen ist oder nicht. In seiner Werkeinführung gab der Chefdramaturg zu bedenken, dass GMD Horstmann anhand eines in der Bibliothek Preußischer Kulturbesitz in Berlin nachgelassenen Autografen die einzige editorische Ausgabe der Oper aus den 1960ern an vielen Stellen überarbeiten musste. Ob allerdings nur diesem Umstand zu "verdanken" ist, dass die Koloratur sehr viel weniger ansprechend ausfällt als auf CD. Selbst die mit einer kräftigen, sicheren Sopranstimme überzeugende Miriam Sabba hat nur wenige Möglichkeiten ihr Können unter Beweis zu stellen. Andererseits wird dieser Anteil nach der Pause bei allen Akteuren größer, was eher nahelegt, dass sich die Künstler erst warm singen mussten. (Was wiederum der intimen Atmosphäre im anheimelnden Opernhaus zuwiderläuft.) Vielleicht war es auch Zurücknahme der Titelheldin in Anbetracht stimmlich weniger überzeugender Mitstreiter(innen). Ein weiterer Glanzpunkt neben der Antigone ist die Besetzung ihres Liebhabers Hämon (Emone) mit Zsuzsanna Kakuk. Der Rezensent gibt gern zu, dass er die Mezzosopranistin für einen - und guten - Countertenor gehalten hat, so gut war die Maskerade. König Kreon brachte mit Christian S. Malchow wuchtige, darstellerisch deshalb in manchem etwas unbeholfene Argumente auf die Bühne, doch man staunte, dass und wie er auch die lyrischeren oder klagenden Töne sanft intonieren konnte. Dem allen gegenüber gab Jens Winkelmann als verkappter Alpha-Berater des Königs leider den stimmlichen Schwachpunkt der Vorstellung. Gerade die gayniale Arie am Ende des ersten Satzes, die man auch als die Quintessenz der ganzen Oper ansehen kann, kam so leider gar nicht zur Geltung. Im Gegenteil. Schade. So wie auch leider der Chor durch ein gehörig Maß Disharmonie leider die vielen Chorpartien nicht wirklich zu einem Glanzpunkt gestalten konnte. Das lag insbesondere am Tenorfach, von deren drei Vertretern sich zwei sehr im Hintergrund hielten oder auch an dem einen sehr gestaltungsbewussten Dritten anlehnten, der mitunter den gesamten Chor beherrschte. Auch in Partien, in denen es dem Rezensenten schien, dieser würde improvisieren, gab er seine Gesangsmeinung lautstark zum Besten. Versöhnt wird man jedoch dadurch, dass Traettas rund ein Dutzend Duette und auch zahlreiche Tutti bietet, in denen sich doch eine sehr überzeugende Harmonie ergab. Wie schon angedeutet, waren nach der Pause auch die Sänger und Sängerinnen deutlich entspannter und, warum gesungen, zu überzeugenderen klanglichen Ergüssen aufgefahren, so dass der Abend insgesamt als sehr schön in Erinnerung bleiben wird. DIRK CARIUS von der Homepage des Mittelsächsischen Theater „Antigone“ – Opernrarität des Mozart-Zeitgenossen Traëtta Es ist eine klassische Tragödie: Polyneikes und Eteokles, die zwei Söhne des Ödipus, führen Bürgerkrieg gegeneinander und fallen beide. Kreon, der neue Herrscher, lässt nur den Verteidiger Eteokles begraben, Polyneikes hingegen liegt den Vögeln zum Fraß vor der Stadt. Doch Antigone stellt das Gebot der Menschlichkeit über das Gesetz des Staates und beerdigt ihren toten Bruder, obwohl sie dafür mit dem Tod bestraft werden soll. In einer Felsenhöhle erwartet sie zusammen mit ihrem Geliebten Hämon, dem Sohn Kreons, den Tod ... Dass Tommaso Traëtta, Hofkomponist der Zarin Katharina II., 1772 aus dem Tragödienstoff „Antigone" eine Reformoper gestaltete, ist kein Zufall: Der „italienische Gluck" spiegelte den Klassiker im Lichte der Aufklärung. Darum beginnt seine „Antigone" an einem Punkt, der für Sophokles Vorgeschichte ist - der Sinnlosigkeit dieses Bürgerkrieges, dem beide Thronfolger Thebens zum Opfer fallen. Und darum endet die Oper glücklich: Der neue Herrscher Kreon wird durch die Menschlichkeit seiner zukünftigen Schwiegertochter bekehrt. „Antigone" ist die neueste Opernausgrabung des Mittelsächsischen Theaters: Eine bekannte Geschichte mit überraschenden Wendungen. Und wundervolle Musik, die immer wieder an den frühen Mozart erinnert.
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Antigone zelebriert den Totenkult für ihren Bruder
Hämon bietet seiner Schwester die Mithilfe an, die Urne des Bruders in der Familiengruft zu bestatten.
Antigone als Missetäterin wird lebendig in der Familiengruft begraben, weil sie sich dem Befehl König Kreons widersetzt und ihrem Bruder die Begräbnisriten nicht verwehrt hat.
Copyright der Bilder: Mittelsächsisches Theater
Theater Döbeln - ein Teil des Mittelsächsischen Theaters Hier das historische Gebäude mit dem modernistischen Anbau rechts daneben.
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Letztes Update: 07.11.2008, 18.12 Uhr |
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