Rossini, Gioachino (1792-1868)

 

L'ITALIANA IN ALGERI

L'italiana in Algeri (Die Italienerin in Algier; Angelo Anelli, zuvor bereits vertont von Mosca 1808)
dramma giocoso 2 Akte

UA: 22. Mai 1813 Venedig, Teatro di San Benedetto

Mustafà, Bey von Algerien - Günther von Kannen, Bass
Elvira, seine Gattin - Nuccia Focile, Sopran
Lindoro, ein junger Italiener, Lieblingssklave des Mustafà - Robert Gambill, Tenor
Isabella, eine junge Italienerin - Doris Soffel, Mezzosopran
Zulma, Dienerin und Vertraute Elviras - Susan McLean, Mezzasopran
Ali/Haly, Kapitän in den Diensten Mustafàs - Rudolf A. Hartmann, Bass
Taddeo, Verehrer der Isabella - Enric Serra, Bariton

Eunuchen im Harem, Korsaren, Sklaven, Seeleute, Haremsdamen

Szenerie: Algier, der Palast Mustafàs, im 17. Jahrhundert

Radio Symphonieorchester Stuttgart
Bulgarischer Männerchor Sofia

Musikalische Leitung: Ralf Weikert
Inszenierung: Michael Hampe
Bühnenbild und Kostüme: Mauro Pagano

Aufnahme von den Schwetzinger Festspielen 1987
Südfunk EuroArts und Arthaus Musik


**** 1 DVD - Arthaus Musik - 100 121 ****

Die Italienerin in Algier - da sagt einem der Name schon, was man zu erwarten hat und man wird nicht enttäuscht. Zurecht hatte Rossini schon zu Lebzeiten schon mit seiner ersten "Orient-Oper" einen großen Erfolg beim Publikum, man spricht gar davon, dass er damit seinen Weltruhm begründete.

Auf jeden Fall ist es ein Paradestück der komischen Oper und man will gar nicht glauben, dass Rossini diese Oper in nur 27 Tagen (einige Quellen reden gar von nur 18) geschrieben haben und damit das den Auftrag vergebende Teatro San Benedetto in Venedig aus einem terminlichen Engpass befreit haben soll.

Worum geht es? Der Bey von Algerien ist seiner Frau überdrüssig und will sie, sozusagen als Abfindung für sie und Auszeichnung für den Empfangenden, seinem Leibsklaven Lindoro vermachen, da sein Herz entbrannt ist für eine in Algier weilende Italienerin, die sein Blut in Wallung bringt und seine Manneskräfte herausfordert.

Diese Titel gebende Figur heißt Isabella und war, rein zufällig natürlich, die Geliebte Lindoros, bevor dieser mit einigen anderen Landsleuten in algerische Gefangen- und dann Sklavenschaft geriet. Naja, und selbige Isabella ist natürlich auch diejenige, die die Befreiung ihrer Landsleute aus Algier herbeiführen will, indem sie den Bey umgarnt. Naja, und nachdem mit der geglückten Flucht der Italiener auch das Objekt der Begierde weg ist, wendet sich Mustafa reumütig wieder seiner angetrauten Gattin zu und alle sind wieder glücklich vereint.

Die ganze Story spielt in exotischem Ambiente, was natürlich spätestens seit der Entführung aus dem Serail voll im Trend war und so verspricht bis heute eine üppige, fremdländische Kulisse viele und sicher mehr interessierte Zuschauer als spartanisch ausgestattete Opern, die an nicht.besonderen Orten spielen.

So ist denn auch als erstes die von Mauro Pagano verantwortete Ausstattung der 1987 aufgezeichneten Inszenierung besonders zu loben. Michael Hampe, der in Schwetzingen nicht Unbekannte hat in Zürich, wo er lange Jahre wirkte und wo auch diese Opernproduktion ihre Premiere hatte, mehrere solcher Glanzpunkte verantwortet und stets mit Erfolg auf historisierende, authentisch wirkende Bühnenausstattung gedrängt.

Herausragend ist auch schon die Bildqualität zu nennen, um so mehr für Ende der 1980er Jahre. Da kennt man aus anderen Produktionen noch ganz andere Farbergebnisse und Unschärfen.

Auch die Besetzung ist, wie üblich, gut gelungen. Der selbst reichlich rundliche Bass Gunther von Kannen gibt einen überzeugenden, stimmlich in selten gekannte Tiefen vordringenden, klangvollen Bey und auch seine schauspielerische Darstellung ist erste Sahne. Auch sein männlicher Gegenspieler Lindoro wird durch einen stimmlich glänzenden Tenor, Robert Gambill, trefflich dargestellt. Dass er als Italiener blond bzw hellhaarig sein soll ist, nun ja, vielleicht der Komik geschuldet ...

Von den Damen überzeugen, mehr noch als Doris Soffel als Titel gebende Isabella, vor allem Nuccia Focile als Ehefrau des Bey und Susan McLean als ihre Vertraute, Zulma.

Eine bestens zu empfehlende Inszenierung! Von der Tonqualität indes überzeugt sie noch nicht ganz. Eine etwas verwundernde Petitesse ist, dass die DVD, obwohl die Aufführung seinerzeit vopm Südfunk produziert und im deutschen Fernsehen mit Untertiteln ausgestrahlt wurde, kommt die kommerzielle DVD nur mit Untertiteln in Italienisch, Französisch und Englisch daher.

Vgl auch die neuere, ebenso üppige Inszenierung mit Jennifer Larmore als Isabella und einem noch lustigeren Simone Alaimo als Mustafa aus Paris aus dem Jahre 1998, die bei TDK erschienen ist.

Dirk Carius

Pressetext Arthaus-Musik.com

Nach der triumphalen Premiere von L'italiana in Algeri am 22. Mai 1813 am venezianischen Teatro di San Benedetto bemerkte Rossini: "Ich glaubte, daß die Venezianer mich für verrückt halten würden, nachdem sie meine Oper gehört haben. Nun stellt sich heraus, daß sie noch verrückter sind als ich." Die Oper mit dem für die damalige Zeit typischen orientalischen Kolorit war Rossinis Durchbruch als Opernkomponist. Der eben erst 21jährige schuf dieses frühe Meisterwerk, das heute noch wie aus einem Guß geschrieben wirkt, in nur 18 oder 27 Tagen. Die vorliegende Aufzeichnung einer Gastspielproduktion des Opernhauses Zürich bei den Schwetzinger Festspielen 1987 wurde im Rokokotheater Schwetzingen aufgenommen. Die Inszenierung stammt von Michael Hampe, für Bühnenbild und Kostüme zeichnete Mauro Pagano verantwortlich, Ralf Weikert stand am Pult. Die deutsche Mezzosopranistin Doris Soffel, die vor allem als Wagner-Sängerin international auf sich aufmerksam machte, ist in der virtuosen Titelpartie als Isabella zu hören.


ZUSATZINFORMATIONEN / HÖRPROBEN


Links zur Oper

Zusammenfassung des Geschehens
Libretto in Italienisch
 

Links zu Rossini

- Leben (Deutsche Rossini Gesellschaft)
- Werk
- Leben und Werk (wikipedia)

Die Rossini-Minireihe von EuroArts 2006

- Der Heiratswechsel (La cambiale di matrimonio) (1810) + die Besprechung hier in der Gaystation
- Die seidene Leiter (La scala di seta) (1812) + die Besprechung hier in der Gaystation
- Signor Bruschino oder Der im Glücksspiel gewonnene Sohn (Il Signor Bruschino, ossia Il figlio per azzardo) (1813) + Besprechung hier in der Gaystation

 

 

1 DVD

Arthaus Musik

100 121


 

Interpretation:
Klang:
Inszenierung:
    sehr gut
    sehr gut
    ausgezeichnet

 

Letztes Update: 23.09.2008, 00.40 Uhr

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