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Mazzoni, Antonio (1717-1785) |
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AMINTA Madrid, Real Coliseo del Buen Retiro, 1756 Real Compañía Ópera de Cámara (Inszenierung: Isidro Olmo Castillo; in Koproduktion mit Festival de Sarrebourg-Le Couvent und dem WDR3 für die Herner Tage Alter Musik 2007) Aufnahme: Le Couvent de Saint Ulrich, 2006
Die Rede ist von der Real Compañía Ópera de Cámara aus Barcelona und ihrem ebenso engagierten wie (für den Klassikmarkt viel zu) bescheidenen Dirigenten, musikalischen Leiter und musikologisch agilen Forscher nach barocken Kostbarkeiten der iberischen Halbinsel - dem 1964 in Madrid geborenen Juan Bautista Otero. Vom Namen schon ahnt man, auf wessen Spuren die Barcelonesen auch wandern und auch die bislang vorliegenden Einspielungen suggerieren diesen Bezug nachgerade: War es bei der CD-Premiere bei K617 im Jahre 2005 das Meisterwerk ORLANDO von Nicola Antonio Porpora (1686-1768), des Lehrers der "gesuchten" Person, so ist es bei der neuesten Weltersteinspielung ein Kleinod, das der "Gesuchte" auf dem Höhepunkt seiner Karriere in Auftrag gegeben hat. Die Rede ist von Carlo Broschi (1705 – 1782), auch und viel besser bekannt unter seinem Künstlernamen FARINELLI. Der bekannteste Kastrat aller Zeiten hält nach wie vor nicht nur die Fachwelt in Atem, sondern kann seit Jahrzehnten ungebrochen auf eine riesige Fangemeinde zählen. CDs, die in ihrem Titel einen Hinweis auf Farinelli geben (z.B. Vivica Genaux's Farinelli Album; die Airs de Farinelli von Aries Christoffelis oder, ungeschlagen, der Soundtrack zum gleichnamigen Film über den Kastraten), haben immer das Zeug zum Bestseller gehabt! Dabei hatte Farinelli in Bühnenjahren eigentlich nur eine sehr kurze Karriere. Warum wir uns an ihn erinnern, hat mit seinem Aufstieg zu einem der wichtigsten Männer Europas um die Mitte des 18. Jahrhunderts zu tun: 1737 wurde er an den Hof des hochdepressiven Königs von Spanien, Philip V., engagiert - und siehe da, sein Privatkonzert beim König milderte dessen Seelenschmerz und so wurde er gleichweg zum Leibsänger des Königs ernannt. Und durch seine Macht über den Gemütszustand des mächtigen Philip suchte natürlich jedermann sich bei ihm einzuschleimen. Auch bei Philips Nachfolger Ferdinand VI blieb er im Amt, auch wenn er sich fortan mehr als Musikdirektor betätigte und diverse Opern in Auftrag gab, deren Aufführung organisierte und nicht selten auch überwachte. Und so kam denn auch Antonio Mazzoni (1717-1785) in Kontakt mit Farinelli - und mit den besten Empfehlungen des portugiesischen Herrscherhauses, bei dem er es 1755 mit zwei Opern, einer La Clemenza di Tito und mit Antigono zu einigem Ansehen gebracht hatte. Mit dem Komponisten zusammen sind auch der Kastrat Gioacchino Conti ("Gizziello") und der deutsche Tenor Anton Raaff aus Lissabon an den Hof des spanischen Königs gekommen, an den sie Farinelli verpflichtet hatte. Und Farinelli war es auch, der das Libretto auswählte und dafür auf keinen geringeren zurückgriff als den "Stammlibrettisten" der opera seria jener Zeit, Pietro Metastasio. Doch war dies zweifellos nicht nur dem Ruhm des am kaiserlichen Hofe in Wien seit Jahren etablierten Metastasio zu verdanken, sondern auch einem richtigen künstlerischen Einverständnis zwischen ihm und Farinelli, die seit Jahren in engem Briefwechsel standen. Aber auch für Mazzoni selbst war Metastasio kein Unbekannter, sondern im Gegenteil einer, dessen Libretti er des Öfteren vertonte (s. Werkeverzeichnis hier) Das Sujet der von Farinelli augewählten Oper - Il Rè Pastore - ist sicherlich weit bekannt: Im Phönizien des Jahres 334 v. Chr. freut sich der Hirte Aminta auf die bevorstehende Heirat mit seiner Geliebten Elisa. Da begegnet er niemand anderem als Alexander dem Großen (Alessandro), der gerade die phönizische Stadt Sidon von ihrem Tyrannen Strato befreit hat und den rechtmäßigen König wieder in Amt und Würde bringen will. Agenore teilt Alessandro mit, dass niemand anderes als justament der Hirte Aminta des Gesuchte ist, der allerdings von seiner königlichen Abkunft nichts weiß. Auch um den Friede zu bewahren, aber ungleich mehr noch, um dem metastasianischen Verwicklungsschema zu genügen, soll Aminta nicht nur zum König erhoben, sondern auch noch Tamiri, der Tochter des gestürzten Strato, verheiratet werden, die allerdings die Geliebte des Agenore ist. Während sich Agenore und Tamiri entschließen, aus Gründen der Vernunft dem Gebot des Königs zu folgen, und sich auch Elisa schon mit dem Verlust ihres Geliebten abgefunden hat, widersetzt sich Aminta: Er teilt Alessandro mit, dass er lieber auf den Thron als auf Elisa verzichtet. Der gerührte Alessandro stimmt nun zu, dass Aminta als König seine Elisa heiraten darf. Für Agenore und Tamiri, die so großen Edelmut bewiesen haben, will er ein anderes Königreich suchen, damit auch diese ihre Tugend als Herrscher unter Beweis stellen können. Während Mozarts Re Pastore recht bekannt, immer mal wieder gespielt und auch einspielungstechnisch gut erschlossen ist (s. zuletzt die DVD-Einspielung von den Salzburger "Jubiläums"-Festspielen 2006 mit Kresimir Spicer und Annette Dasch sowie die sehr zielgruppenaffine DVD mit der Academy of St Martin in the Fields), sind andere Vertonungen dieses Stoffes nahezu unbekannt - darunter eben auch die vorliegende von Mazzoni. Und das völlig zu unrecht, steht sie sowohl von ihrer Instrumentalisierung als auch von der Feinheit der Melodieführung in den arkadischen Pastorellen-Partien, der Ausgelassenheit der Tänze und anderen Belustigungen sowie der Monströsität der Alessandro-Partien dem Mozartschen Meisterwerk in keiner Weise nach. Nach einer schwungvollen Eröffnung umarmt uns schon nach wenigen Minuten Elisa, wundervoll interpretiert von der Sopranistin Delphine Gallot, mit ihrem arkadischen "Alla selva"-Ruf in die Wälder und zu den Wiesen, wo wenig später die bezaubernde Sopranistin Anna Maria Panzarella als Aminta im Gespräch mit dem sich noch nicht offen zu erkennen gebenden Alessandro ihr in seinen Augen geringes irdisches Glück gegenüber diesem Besitzes- und Standesdenken nicht nur verteidigt, sondern seinen Vorschlag ihn mit dem großen Makedonier in Kontakt zu bringen, schlichtweg ablehnt. Amintas leidenschaftliches Plädoyer für den Schäferstand und sein glückliches Leben endet hier mit einer in Metastasios Libretto so nicht enthaltenen Arie "So che pastor son io", einem der schönsten Stücke des gesamten ersten Aktes. Wie auch schon bei den Einspielungen der Real Compañía Ópera de Cámara sind auch hier erlesene Stimmen zusammen gekommen, um dieses bislang unbekannte Stück gebührend zu würdigen und in einer hochwertigen Einspielung hoffentlich viele Zuhörer zu finden. Einzig nachteilig, wie schon zuvor bei K617-Editionen kritisiert, ist anzumerken, dass zwar die sehr interessanten Begleittexte zur Oper und zur Einspielung zwar neben in Französisch und Spanisch auch in englischer Übersetzung vorliegen, das in der Mitte platzierte Libretto jedoch neben dem italienischen Original leider nur eine französische Übersetzung bietet. Bei dieser Oper mag das nicht ganz so störend sein, da eben über große Teile, aber nicht durchweg, das durch die Mozart-Editionen bekannte Metastasio-Libretto interpretiert wird. Im November 2006 war die Oper "Aminta" von Mazzoni in der hier vorliegenden Besetzung bei den Tagen Alter Musik in Herne zu sehen (und auf WDR3 zu hören) und bildete zweifelsohne einen der Höhepunkte im Programm. Daher auch die Zusammenarbeit mit dem WDR schon bei dieser Plattenedition. Dirk Carius
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Das Libretto Metastasios auf Deutsch Zum Orchester Real Compañía Ópera de Cámara und Juan Bautista Otero, dem Dirigenten
+ Das Orchester - die
Real Compañía Ópera de Cámara hat eine eigene, sehr informative Homepage
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Kurzbiografie bei wikipedia
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Letztes Update: 15.07.2007, 19.34 Uhr |
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