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Lully, Jean-Baptiste (1632-1687) |
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ThÉsée (1675) Harry Van der Kamp (Bass - Aegée) Orchestra & Chorus of the Boston Early Music Festival *** 3 CDs - CPO 777 240-2 - Mai 2007 *** Der Lieblingskomponist des Sonnenkönigs führte sowohl an den Opernhäusern als auch auf dem CD-Markt bisher eher ein Schattendasein. Mit der verdienstvollen, jedoch leider nicht sehr verbreiteten Lully-Edition der fanzösischen Universal-Tochter accord und durch das Engagement der Symphonie du Marais unter Hugo Reyne ist seit einiger Zeit eine "Besserung" der Lage für Lully- und Fans des französischen Barock in Sicht. Mit der neuesten Ergänzung der von Lully auf CD erhältlichen Werke um so mehr, haben wir doch nicht nur eine klanglich vollkommene, gesangstechnisch sehr gut besetzte Operneinspielung vor uns, sondern wie immer bei CPO, eine vorbildlich dokumentierte Edition vor uns, die nicht nur die Begleittexte, sondern auch das Libretto selbst, in Deutsch, Englisch, Französisch und Italienisch bietet. (So ist diese CD auch für nicht des Französischen Mächtige sehr gut erschließbar - anders als, leider!, die accord-Edition.) Künstlerisch besorgt wurde die Thesée-Einspielung vom Ensemble des Boston Early Music Festival, wo die im Jahre 1675 erstmalig aufgeführte Lullysche Tragédie lyrique im Jahre 2001 auch der Vergessenheit entrissen und in einer begeistert aufgenommenen Inszenierung wieder auf die Bühne gebracht wurde. In diesem Jahr, 2007, haben sich die Bostoner erneut einer Lully-Oper - Psyché - zugewandt, die vielleicht nicht 4 Jahre warten muss, bis sie auch auf CD verfügbar wird. Natürlich sind Lully-Opern gesangs-besetzungstechnisch immer ein Mammutprojekt, da der in Florenz geborene Hofmusikus nicht sparen musste: Zwar "nur" 50 Musiker des Boston Early Music Festival Orchestra & Chorus, standen bei der Einspielung für Radio Bremen insgesamt 14 Gesangssolisten vor den Mikrofonen, um die dreistündige Thésée einzuspielen. Dabei sind dies allesamt wunderbar anzuhörende Stimmen, so dass es schwer fällt einzelne herauszupicken. Für die Titelrolle wurde der bekannte Tenor Howard Crook gewonnen, der zwar in den USA geboren ist, aber seit mehr oder weniger 25 Jahren primär auf Bühnen in den Niederlanden und in Frankreich zu hören ist. Darüber hinaus ist der am Pariser Conservatoire als Professor für Barockgesang Tätige auch in der Barock-Plattenlandschaft kein Unbekannter, eher schon ein vor allem in den Rameau-Einspielungen unter Christie viel Gelobter. Neben Crook ist besonders auch die temperamentvolle Laura Pudwell als falsche Schlange "Médée" hervorzuheben. Krieg und Frieden, Zerstörung und Wiederaufbau bilden ein zentrales Thema der Oper, was in der Oper durch den sich wie ein roter Faden durch Thésée ziehende Kontrast zwischen der Liebesgöttin Venus, die in den wunderschönen Gärten von Versailles wandelt, und dem Kriegsgott Mars, der Zerstörung und Untöne bringt. Akustisch tritt dies durch das Wechselspiel heroisierender Weisen, ebenso bombastischer wie Unheil kündender Pauken und Trompeten und pastoraler Idylle dem geneigten Hörer vor die Ohren. Die im Nachklang der Feierlichkeiten aus Anlass der Eroberung der Franche-Comté im Frühsommer 1674 entstandene Oper nehme, so meinen Interpretatoren von Lullys Musik und der Libretti, die er vertonte, die völlige Umgestaltung der Versailler Lustgärten zum eigentlichen Herrschersitz inklusive der Errichtung des heute noch zu bewundernden Palastschlosses vorweg. Versinnbildlicht werde dies durch den Auftritt der Minerva, die in der tatsächlichen Tragödie die Athener im Krieg unterstützt und ihnen nach dessen Beendigung einen neuen Palast baut. Wie alle Opern Lullys ist auch diese Tragédie lyrique in fünf Akte und einen Prolog unterteilt, in dem der regierende König musikalisch verherrlicht wird. In der grandiosen Verfilmung von Lullys Leben - und noch viel mehr in dem Film VATEL (dessen Liebesgeschichte man indes getrost übersehen kann) - kann man sich auch einen nahegehenden, akustischen wie optischen, also "multimedialen", Eindruck davon machen, wie diese Tragédies lyriques in Szene gesetzt wurden und vor allem auch, wie die zweifellos zu den Höhepunkten zu rechnenden großen Chor- und Tanzeinlagen, die Divertissements (die die Handlung, die gerade präsentiert wurde, noch einmal kommentieren, herübergekommen sind. Ein weiteres Mal ist also zu bedauern, dass weder die Bostoner selbst, noch eine Fernsehanstalt oder ein Label diese sicher grandiose Aufführung seinerzeit auf Video aufgezeichnet haben. Wie zu lesen ist, wird diese Chance auch bei der aktuellen, 2007er Produktion der Lullyschen Psychée, vertan. Dirk Carius Beschreibung
der Oper (in Französisch) auf der Site Lully |
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Letztes Update: 19.07.2007, 19.26 Uhr |
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