Haydn, Joseph (1732-1809)

 

ORLANDO PALADINO (Hob XXVIII:II)

Orlando ........ Michael Schade
Angelica ........ Patricia Petibon
Rodomonte ... Christian Gerhaher
Pasquale ...... Markus Schäfer
Medoro ......... Werner Güra
Eurilla ........... Malin Hartelius
Alcina ........... Elisabeth von Magnus

Concentus Musicus Wien
Nikolaus Harnoncourt


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2 CDs  -  Deutsche Harmonia Mundi/Sony-BMG  -  82876 73370 2  -  Mai 2006 ****

Recorded live July 2004 at the "Schlosstheater Neues Palais", Potsdam

Man soll es ja nicht für möglich halten, dass eine schon zu Lebzeiten des Komponisten beliebte, und somit erfolgreiche, zudem noch weit verbreitete und gut überlieferte Oper schon fast ein Stiefmutterndasein führt und die hier zu besprechende Einspielung erst die zweite ihrer Art ist.

Ja überhaupt ... Wer kennt schon heute noch Joseph Haydn als Opernkomponisten? Sicher, in den 1970ern und 1980ern gab es bei Philips eine ziemliche Offensive in dieser Richtung und es wurden zahlreiche Haydn-Opern eingespielt. Aber seitdem nunmehr die Gesamtedition dieser Oper in zwei Schubern vorliegt, ist es ansonsten in den letzten 20 Jahren eher ruhig geworden. Das heißt nicht ganz; Meister Harnoncourt hat sich nunmehr, nach Orfeo ed Eurydice und der ausnahmslos gelungenen Armida, der dritten Oper Haydns neu angenommen. Und selbstverständlich hatte man nach dem Erfolg der Armida ähnlich hohe Erwartungen auch an diese Einspielung.

"Der Ritter Roland" von 1782 geht wie die meisten Orlando-Opern (z. B. die von Vivaldi!!!) auf Ludovico Ariostos Epos "Orlando furioso" (1516) zurück und bietet ein interessantes Gemisch aus Heldenepos und Ritterroman mit Einsprenkelungen einiger Commedia-dell'arte-Figuren sowie einer bunten Reihe von lyrischen, dramatischen und komischen Bildern. So ist denn die Oper keine wahre Seria, aber selbstverständlich schon gar keine Buffa, auf jeden Fall schon sehr leidenschaftlich und pathetisch, mit vielen Zügen, wie sie die Oper des 19. Jahrhunderts perfektioniert.

Wie schon bei seiner Armida setzte Harnoncourt auch bei seinem neuen Projekt auf die gute Mischung von etablierten Gesangsgrößen wie der Petibon mit engagierten Neutalenten, wie der Rezensent es insbesondere in den Männerstimmen (Tenor) von Michael Schade (Orlando) und Werner Güra (Medoro) ausgemacht anzeigen will. Neben der sehr guten gesanglichen Mannschaft besteht das große Plus dieser Einspielung wie gewohnt in der engagierten, witzig-spritzigen Energetik des Wiener Concentus Musicus, das unter seinem Gründer Harnoncourt wieder zu Hochform aufläuft.

Indes bietet neben der hier besprochenen Live-Einspielung von der Styriarte 2005 die schon erwähnt Philips-Einspielung von 1975 unter Dorati einige Pluspunkte, die diese 30 Jahre alte Einspielung keineswegs entwertet oder gar überflüssig macht. Insbesondere die Sangeskunst der wohl auch schwer zu toppenden Arleen Augér wird dieser neuen Edition den Status einer Referenzaufnahme, wie sie im Falle der Armida einhellig zugesprochen wurde, noch vorenthalten, was aber den Wert der Edition als ganzer nicht unbedingt einschränken soll. Schließlich ist das einhellige Übertrumpfen nicht der Anspruch, den man an eine Neueinspielung stellen soll.

Besonders hervorzuheben ist schließlich Pasquale, dessen Arie „Ecco spiano - Ecco il mio trillo“ DAS Bravourstück Haydns in dieser Oper schlechthin ist und welches Markus Schäfer in tadelloser Weise intoniert! Hier werden sämtliche musikalische Vortragsweisen, von Trillern und Stakkati bis zu Koloraturen, persifliert. Ein Meisterstück!  D.C.

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2 CDs
Deutsche Harmonia Mundi/Sony-BMG
82876 73370 2

Mai 2006

Spielzeit:
CD1 - 69:44
CD2 - 71:37

Interpretation: 
Klang:

    sehr gut
    ausgezeichnet

 

Letztes Update: 27.02.2007, 01.18 Uhr

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