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Händel, Georg Friedrich (1685 - 1759) |
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Teseo Susanne Rydén | Sopran – Teseo New York Baroque Dance Company Catherine Turocy (Regie) Göttingen 2011 - so was wie eine Ära geht zu Ende, aber grandios - und mit besten Chancen noch erfolgreicher zu werden. Die Ära, die zu Ende geht, ist die von Nicholas McGegan, dem künstlerischen Leiter des Göttinger Händelfestivals, der es in den letzten Jahren verstanden hat, Göttingen zu einem Mekka für Barockliebhaber aus aller Welt zu machen - aber auch, die Stadt selbst für Händel und seine Musik zu begeistern. Und Begeisterung für und sicht-, hör- und spürbares Aufgehen in der Musik, die er aus den Künstlern herauskitzelt ist, was McGegan ausmacht. Und dabei ist Nic, wie ihn fast ein jeder nennt, ganz bodenständig, umgänglich geblieben, ohne Starallüren. Im Gegenteil: nach der Vorstellung sieht man ihn sich unters Volk mischen und nicht sich abschotten! Was McGegan noch so interessant macht ist, dass er die Musik authentisch gut rüberbringen will und das nicht nur in der Orchestrierung, sondern auch und gerade auch in der Inszenierung. Über Jahre hat er sich nicht beirren lassen, dass eine Inszenierung nahe an dem, wie sie zu Händels Zeiten auf die Bühne gekommen sein könnte, mehr als nur ihre Berechtigung hat. Klar bezog er dafür von diversen Kritikern Prügel, die von Erstarren, Historismus und mangelnder Inspiration redeten und schrieben. Aber was bitte ist denn der Sinn, in der Musik zu versuchen, die ursprünglichen Klangbilder, sowohl im Orchester als auch in den Stimmen, zu rekonstruieren, aber auf der Bühne Leute in Ledermänteln oder Partyfeiernde in Festkleidern von Prada zu zeigen, nur damit man die Musik vermeintlich in die Gegenwart holt? Ich meine, wenn man Chinesisch essen geht, will man ja nicht ein zwar chinesisches Essen auf dem Teller haben, aber ansonsten ein Ambiente wie in einer mittelalterlichen Burg oder einer Synagoge. Auch dort versucht man ja, das Gesamterlebnis authentisch zu gestalten. Insofern, lieber Nic: DANKE; DASS du daran festgehalten und der historisierenden Aufführungspraxis die Stange gehalten und diese immer weiter authentisiert hast. DANKE; dass die Darsteller sich in diversen Aufführungen nicht nur barock kleideten, sondern zunehmend auch bewegten und die barocke Bühnengestik beherrschten. DANKE einfach für die Pracht und dass man den einen Abend oder Sonntagnachmittag einfach im Deutschen Theater in Göttingen auf Zeitreise gehen konnte und sich richtig in das 17/18. Jahrhundert zurückversetzt fühlen konnte. Auch mit der letzten Inszenierung und Händeloper unter seine Ägide ist McGegan diesem Prinzip treu geblieben und hat altbekannte, vertraute und den Göttingenbesuchern schon viele Klangerlebnisse verschaffen habende Künstler erneut verpflichtet. Ob er Teseo, die Händeloper, die 1947 erstmals wiederaufgeführt wurde in moderner Zeit, und das in Göttingen, bewusst gewählt hat, ist nicht bekannt. Unter dem "Personal" der Oper ist an erster Stelle Dominique Labelle zu nennen, bei der man wohl schon von einer Busenfreundin sprechen könnte. In Teseo gibt sie die böse Medea - und das in einem ganz grandiosen Kostüm. Als Medea blühte Madame Labelle richtig auf - ein Genuss sie dabei zu sehen - UND zu hören. Man könnte bald meinen, die Rolle sei IHR von Händel auf den Leib geschrieben worden. Freilich hatte Labelle schon im vorigen Jahr einen Vorgeschmack gegeben, als sie Cleopatra-Szenen aus diversen Barockopern in Göttingen zum besten gab. Als Medea konnte sie Diva sein, aber auch in Rage und Trauer und somit alle ihre Facetten zeigen, und das tat sie auch! Und selbst wenn sie nicht auf der Bühne stand, war sie im Opernhaus präsent (ein netter Einfall) - nämlich in einer Opernloge gleich neben der Bühne, zu sehen, wie sie von diversen Männern hofiert wird, angeregt im Gespräch diesen gelegentlich eine Gunst erweist etc. Das allein war schon toll. Eine andere Spezialität McGegans von Anbeginn war und ist, Männerrollen, die früher von Kastraten gesungen wurden, durch Countertenöre zu besetzen. Natürlich gibt es davon nicht allzu viele Vertreter, die in die Weltklasse gehören, aber gutes Personal hat McGegan immer gefunden. Ein Jaroussky, ein Laszczkowski oder Flavio Oliver war in Göttingen nicht zu hören, aber ein altvertrauter Drew Minter, der seinerzeit mit einer Einspielung von Arien, die Händel für Senesino, einen der größten Kastraten seiner Zeit, geschrieben hatte, für Aufmerksamkeit sorgte. Auch als Egeo im diesjährigen Teseo machte Minter auf der Bühne er im Spottkostüm eher eine witzige Figur. Ein niedliches Kerlchen bleibt er trotzdem - im übrigen auch im Adamskostüm, wie er neulich als Tolomeo im Giulio Cesare zeigte (http://www.youtube.com/watch?v=xu32FW94d88). Gesanglich freilich wurde er von dem zweiten Counter dieser Vorstellung - Robin Blaze - in den Schatten gestellt, zumindest in den Ohren des Rezensenten. Als Zugabe zu der so schon anregenden - UND unterhaltenden - Inszenierung gab es Einlagen des New Yorker Barocktanzensembles, freilich wirkte das - manchmal! - etwas unbeholfen, gerade in den Kampfszenen. Zumindest wenn man das mit Sigrid T. Hoofts Ensemble corpo barocco vergleicht. Aber das tat der Unterhaltung an dem Nachmittag, an dem ich im bis auf den letzten Satz ausverkauften Deutschen Theater (nicht mal ein Notsitz war zu haben, einzelne zu spät gekommene saßen auf der Treppe im Rang) war, nicht wirklich einen Abbruch. Ich wünsche dem Göttinger Festival einen würdigen Nachfolger für Nicholas McGegan und mir selbst noch viele so anregende Vorstellungen wie den Teseo in 2011. Eine ausführliche Inhaltsangabe findet sich im Übrigen bei wikipedia. Dirk Carius
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Susanne Rydén (Teseo)
Dominique Labelle (Medea)
Drew Minter (Egeo)
Robin Blaze (Arcane)
Amy Freston (Agilea) und Drew Minter (Egeo)
Alle Bilder: ©Theodoro da Silva
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Letztes Update: 20.03.2012, 23.18 Uhr |
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