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Händel, Georg Friedrich (1685-1759) |
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RINALDO HWV 07 (1711) Musikalische Leitung: Alessandro de Marchi Gürzenich-Orchester Köln Solisten Goffredo - Hagen Matzeit Almirena - Krenare Gashi Rinaldo - Patricia Bardon Eustazio - Steve Wächter Argante - Wolf Matthias Friedrich Armida - Simone Kermes Mago - Yong Doo Park Araldo - Gustavo Quaresma Ramos 2 Sirenen - Ji-Hyun An Kathleen Parker Ein Diener - Harald Beutelstahl
Dieser Abend hat sich mehr als gelohnt und wird auf lange Zeit im Gedächtnis haften bleiben. In Köln hat man Händels Oper um den Kreuzritter Rinaldo (Titelfigur) und seinen "Chef" Goffredo auf christlicher Seite einerseits und Argante und Armida auf muslimischer Seite andererseits in die Neuzeit transponiert. Wobei nicht ganz: guckt man doch zunächst auf die muslimische Seite wie in einen Guckkasten und kommen die Darsteller dieser Seite in goldenen, bauschigen Kostümen, man könnte bald geneigt sein zu sagen: ziemlich barock, daher. Die christliche Seite ist zunächst ziemlich neuzeitlich kostümiert, transponiert sich im Verlauf des ersten Aktes aber selbst in eine frühere Zeit bzw. Kostüme einer früheren Zeit. Allerdings nicht unbedingt synchron und aus der Kreuzritterzeit. Zwar wechselt Ritter Rinaldo von einer Felduniform à la Golfkrieg in ein goldenes Muskelharness und unter einen Prachthelm mit Bausch, wie man ihn aus diversen Sandalenfilmen, aber auch aus Opernaufführungen der Barockzeit kennt, Goffredo wird zu einem Verschnitt eines absolutistischen Herrschers mit roter, pelzbestickter Robe und langer barocker Perücke, Eustazio schließlich wechselt von einem einfachen Priesterkostüm in eine Kardinalsrobe. Überhaupt bleibt die beschriebene religiöse Ebene natürlich primär durch die Kostümierung Eustazios spür- und sichtbar, ist es ansonsten mitnichten ein religiöses, sondern zutiefst menschliches Drama. Das Guckkastenprinzip der Kölner Inszenierung ist sozusagen eine Bühne in der Bühne. Man sieht zunächst eine Taverne in Arabien oder der heutigen Türkei mit einer großen Landkarte auf der Hauptbühne / Normalebene. Mit ihrer Glanzarie "Furie Terribili" zerreißt Armida alias Simone Kermes dann diese Karte und eröffnet damit ab der Mitte des ersten Absatzes den Blick in die arabische Welt in Form eines Guckkasten auf erhöhter Ebene und mit eben dieser Schachteloptik, wie sie auch früher für die Barockoper generell üblich war. Als Zauberin ist Armida zwar nicht wirklich erkennbar, aber gezaubert wird in Köln wirklich. Und das nicht nur auf der Bühne, auch im Orchestergraben. Musiziert wird durchweg auf höchstem Niveau. Das gilt sowohl für das "Hauspersonal" wie auch für die hinzugebetenen Gastsolisten. Eine richtige Entdeckung ist Krenare Gashi in der Rolle der Almirena, der Geliebten Rinaldos und ihm Versprochenen. In ihrer frischen Jugend ist sie natürlich auch optisch und darstellerisch ganz das junge Mädchen, das seinen Ritter heiraten wird, ohne freilich stimmlich schwach daherzukommen. Im Gegenteil. Auch die beiden Countertenöre Steve Wächter (der am Schluss auch in überzeugendes Tenorfach wandelt) und Hagen Matzeit als Christenheerführer und Louis-XIV-Verschnitt bringen das Publikum immer wieder zu spontanem Applaus. Einer der hinzugeladenen Stars des Abends war natürlich die oben schon erwähnte Simone Kermes, die prall eine lebenslustige wie Männer begehrende Armida gab. Sehr sexy, aber auch sehr gewaltig und direkt, was möglicherweise einige der Gäste im Saal so verschreckt hat, dass es eine Weile dauerte, bis sie Frau Kermes, wie aus diversen Sälen Europas und der Welt gewohnt, zu Füßen lag. Es ist einfach unglaublich, wie sie in der Rolle lebt und aufgeht und damit auch volle Energie gibt, ein Kraftpaket eben. Mit Wolf Matthias Friedrich in der Rolle des Sarazenerführers Argante hat sie auch einen ebenso engagierten, aber sich ihrer Wucht körperlich zwar fügenden, aber stimmlich gleichberechtigten Partner gefunden. Die beiden passen einfach wie die Faust aufs Auge. Freilich passen stimmlich auch Kermes und Rinaldo-Darstellerin Patricia Bardon, wie es nicht zuletzt in ihrem Duett "Fermati! No, crudel!" im zweiten Akt zum Ausdruck kommt. Mag im Vergleich zur wuchtigen Frau Kermes der mutige Ritter Rinaldo auch darstellerisch etwas verblassen, stimmlich lässt er / sie sich nicht unterkriegen! Noch mehr harmonieren tun naturgemäß Rinaldo und die ihn wie er sie liebende Almirena. Ihr spielerisches Duett "Scherzano sul tuo volto" bringt beide Stimmen bestens zur Geltung und macht den Zuschauern klar, wie sehr die beiden zusammengehören. Nach Rinaldos zu Herzen gehender Klagearie "Cara sposa, amante cara" und "Cor ingrato, ti rammembri" kurz vor Ende des ersten Aktes war das Publikum auch in Köln entsprechend hingerissen. Einen verdientermaßen tosenden Beifall bekamen am Ende aber nicht nur die durchweg überzeugenden Sänger, sondern auch Alessandro de Marchi und das Gurzenich-Orchester, das Ersterer souverän und überzeugend durch die unterschiedlichen Emotionskaskaden führte. Ein Opernabend der Extraklasse - mehr davon! D.C.
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Zusammenfassung in Deutsch http://www.operkoeln.com/programm/46952/ Offizielle Homepage zu dieser Produktion bei der Oper Köln
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Armida macht ihren Lover Argante an
und bedroht hier schweren Herzens den von ihr geliebten Rinaldo
Rinaldo in barocker Prachtuniform
Goffredo in barocker Königstracht, Eustazio als Kardinal Bilder: Paul Leclaire / Oper Köln http://www.operkoeln.com/programm/46952/
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Einspielung Jacobs
3 CDs Einspielung Hogwood |
Letztes Update: 20.03.2012, 23.18 Uhr |
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