Händel, Georg Friedrich (1685-1759)

 

RINALDO HWV 07  (1711)

Einspielung Harmonia Mundi 2003

Rinaldo ........ Vivica Genaux
Almirena ...... Miah Persson
Armida ......... Inga Kalna
Argante ....... James Rutherford
Goffredo ...... Lawrence Zazzo

Eustazio ...... Christophe Dumaux
Mago cristiano .... Dominique Visse

Freiburger Barockorchester
René Jacobs


**** 3 CDs  -  Harmonia Mundi   -  HMC 901796.98  -  April 2003  ****


Einspielung Decca / Universal 2000

Rinaldo .......... David Daniels
Almirena ....... Cecilia Bartoli
Armida ........... Luba Orgonasova
Goffredo ........ Bernarda Fink
Eustazio ......... Daniel Taylor

The Academy of Ancient Music
Christopher Hogwood


**** 3 CDs  -  Decca / Universal Classics  -  467 087-2  - Oktober 2000  ****


Eine fantastische Oper eines klasse Komponisten in zwei tadellosen Einspielungen aus neuerer Zeit

mit auserlesenen Künstlern

plus von zwei anerkanntermaßen herausragenden Labels

Beide Einspielungen sind grandios und mit einer gelungenen Besetzung. Singt die Titelrolle in der Decca-Einspielung mit dem ebenso einfühlsamen wie gefühlsbetonten Countertenor David Daniels ein auch optisch dem Ideal des verkörperten Kreuzzugshelden gerecht werdender Mann, wartet die Jacobs-Einspielung bei der Harmonia Mundi mit der Mezzosopranistin Vivica Genaux mit einer renommierten und wiederum sehr lobend hervorzuhebenden Händel-Interpretin ersten Ranges auf.

Noch fulminanter sind die Besetzungen für die Rolle von Almirena, der Tochter des Titelhelden: Barock-Schwergewicht Cecilia Bartoli gesangstechnisch mit (geringe) Punktvorteil, aber natürlich viel bekannter als die Schwedin Miah Persson.

In der orchestermusikalisch exzeptionell dastehenden Oper beeindruckt diesbezüglich vor allem das Spiel des Freiburger Barockorchesters unter der Leitung von René Jacobs restlos. Beide Einspielungen sind technisch hervorragend aufgenommen und unbegreiflich, dass nicht diese CDs so viele Ehrungen bekommen hat wie andere Einspielungen von Händelwerken.

Wahrscheinlich sagt man sich: die Oper ist auch so bekannt und damit erfolgreich genug. Mit bislang 10 verschiedenen CD-Einspielungen ist sie das auch bis heute, so wie sie es in der Tat auch bei ihrer Premiere 1711 war.

Nach dem fulminanten Erfolg der AGRIPPINA, mit der der noch junge Händel die italienische Opernhauptstadt Venedig im Fluge für sich gewonnen hatte, wollte er nunmehr auch in London mit einem ebenso grandiosen Zauberwerk debütieren und hat ganze Arbeit geleistet, voller Leidenschaft eine Musik geschaffen, die nicht nur damals das kritische britische Publikum, das ja ausländischem Gesinge auf der Bühne nie wirklich viel abgewinnen konnte, einzunehmen verstand, sondern auch heute noch den Hörer fesselt.

Bislang gibt es ja nur eine sehr modernistische Einspielung dieser grandiosen Oper auf DVD, nämlich die mit David Daniels, Deborah York und Axel Köhler aus der Bayrischen Staatsoper (bei Arthaus erschienen), der fehlt es jedoch am Verve einer Referenzeinspielung. Hoffentlich nicht mehr lange.

Für die beiden hier vorgestellten CDs gilt diese Einschränkung übrigens überhaupt nicht. Im Gegenteil. Beide sind grandios und - um mit dem Genre zu sprechen - zauberhaft.

Denn gezaubert wird hier wirklich. Und das nicht nur auf der Bühne, auch im Orchestergraben. Aber auch für die leisen Töne hat sich Händel als wahrer Meister erwiesen. Die Klagearie "Lascia ch'io pianga mia cruda sorte" (Lass mich beweinen mein grausames Schicksal) der Almirena im zweiten Akt kennt kaum ihresgleichen in der Opernliteratur, nicht nur ist sie ein wahrer Ohrwurm, man möchte Rinaldos Tochter am liebsten beweinen.

Genauso authentisch kommt die Wutarie des Titelhelden gegen Ende des 2. Aktes (2/20) rüber; man hört praktisch, wie sehr Rinaldo brennt lodert und vor Empörung und Wut schaudert ("Abbrucio, avvampo e fremo di sdegno e di furor") oder aber auch seine rührende Lamentoarie "Cara sposa" (1/18). Und so ließe sich die Aufzählung beliebig fortführen, selbst die Rezitative sind in dieser Oper ausgeschmückt und nicht eines verleitet einen zum Griff zur Fernbedienung, um weiterzuscrollen.

Auch die Orchestrierung und deren vorbildliche Realisierung durch das renommierte Freiburger Barockorchester verdienen höchstes Lob. Wahrlich nicht immer hat Händel so aus dem Vollen geschöpft und reichhaltig instrumentiert. Auch hat keine der späteren Opern eine solch beachtliche Anzahl von Instrumentalstücken (bei den zahlreichen Verwandlungen, zur Illustrierung des Schlacht-/Belagerungsgetummels, Marschmusik) aufzuweisen wie eben dieser Rinaldo von 1711.

Der war übrigens so beliebt beim Publikum, dass die Noten dazu (zum häuslichen Nachspielen und -singen) noch während der regulären Spielzeit der Oper veröffentlicht und wie folgt beworben wurden: "New Musick, just publish'd All the Songs set to Musick in the last new opera call'd Rinaldo ... as they are performd at the Queen's Theatre." (The Daily Courant April 1711).  D.C.


Zu dieser Oper

- Zusammenfassung in Deutsch
- Libretto in Italienisch (html) und hier als bild-geschmückte Pdf-Datei
- ausführliche, bebilderte Hintergrund-Doku bei haendel.it
- Besprechung der Decca-Einspielung bei Rondo
- Besprechung der Harmonia-Mundi-Einspielung bei Rondo
- Besprechung einer Alternativeinspielung mit Kimberly Barber (Rinaldo), Laura Whalen (Almirena), Barbara Hannigan (Armida), Marion Newman (Goffredo), Sean Watson (Argante) u. a., Opera in Concert und Aradia Ensemble; Ltg.: Kevin Mallon Naxos 6.660165-67

 

 


 

Einspielung Jacobs
Genaux, Persson, Kalna
 

3 CDs
Harmonia Mundi  
HMC 901796.98
April 2003

Spielzeit: 193 Min

Interpretation & Klang:

       hervorragend


 

Einspielung Hogwood
Daniels, Bartoli, Orgonasova

 

3 CDs
Decca / Universal Classics 
467 087-2 
Oktober 2000 

Spielzeit: 173 Min

Interpretation & Klang:        hervorragend

 

Letztes Update: 27.02.2007, 01.18 Uhr

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