Händel, Georg Friedrich (1685 - 1759)

 

GIULIO CESARE IN EGITTO
Julius Cäsar

Giulio Cesare ......... Sarah Connolly
Cleopatra .............. Danielle de Niese
Cornelia ................ Patricia Bardon
Sesto .................... Angelika Kirchschläger
Tolomeo ................ Christophe Dumaux
Achilla .................. Christopher Maltmann

Orchestra of the Age of Enlightenment
Glyndebourne Chorus

William Christie


*** 3 DVDs  -  Opus Arte (Vertrieb Naxos)  -  OA 0950 D  -  September 2006 ****

Nun ist Giulio Cesare zweifelsohne eine von Händels erfolgreichsten Oper - sowohl was das Einkommen zu Händels Lebzeiten angeht als auch die Anzahl der Aufführungen und Einspielungen, die seitdem zu verzeichnen sind. Auf CD (bzw. vorher LP) waren bis zum Jahr 2000 15 verschiedene Einspielungen verfügbar, seitdem ist 2003

- die wunderbare Einspielung mit Marijana Mijanović, Magdalena Kožena, Anne Sofie von Otter, Charlotte Hellekant mit den Les Musiciens du Louvre unter Marc Minkowski - bei Archiv (Universal)

neu erschienen.

Daneben gibt es auch schon auf DVD

- die kostümatorisch und gesanglich ansprechende, wohl Standardeinspielung zu nennende Aufzeichnung mit Janet Baker als Julius Caesar, Valerie Masterson als Cleopatra, Della Jones als Sesto von 1984 (unter MacKerras) - erschienen bei Arthaus
- die Aufzeichnung aus dem Gran Teatro del Liceu Barcelona von 2004 mit einem traumhaften Countertenor Flavio Oliver in der Titelrolle und einem Superbass (David Menéndez) als Curio (bei TDK) - Besprechung hier auf der Gaystation
- die historisierende Aufzeichnung aus der Australian Opera bei EuroArts
- die hypermoderne Inszenierung von Pete Sellars bei der Decca

und nun eben die Applaus über Applaus einheimsende Aufführung vom Glyndebourne Festival 2005.

Das ist aber auch wirklich eine gelungene Inszenierung. Nicht historisch und nicht richtig modern, sondern so dazwischen, spielt die Handlung schon in Ägypten, aber im 19. Jahrhundert, als die Britten das Land okkupierten. Sie treten wie Cesare seinerzeit als Kolonialherren auf, aber in völlig anderer Aufmachung eben - mit dem allseits bekannten Tropenhut zum Beispiel. Die Szenen der Einheimischen, allen voran der Cleopatra, wirken demgegenüber wie aus einem orientalischen Animiercafé ...

Aber gerade in diesen lasziven, ausschweifenden Bewegungen und den sagenhaft kolorierten Arien und Rezitativen kommen der Unterschied in der Lebenswelt und eben die Gegensätze zwischen Kolonialherren und Kolonisierten ganz gut zum Ausdruck.

Auch ansonsten haben wir eine sehr interessante, farbenprächtige und mit viel Liebe gestaltete Kulisse ...

Am hervorstechendsten für den Rezensenten waren jedoch die einzigartige Cleopatra (Danielle de Niese), die die schwierigen Arien mit Bravour meistert und auch schauspielerisch ansprechend untermalt sowie der neu am Countertenorhimmel aufgehende Stern des Christophe Dumaux in der Rolle des Tolomeo.

Gewohnt prächtig kommt zudem das (vielleicht etwas dock anmutende) 3er-Pack von Opus Arte daher mit einem wiederum ausführlichen und reich bebilderten Booklet als Beigabe. Wie sonst auch bleibt nur zu kritisieren, dass OA zum Inhaltsverzeichnis keine Tracknummern dazu gibt, so dass man nicht einfach per Skip-Funktion schnell zu der einen interessierenden Arie etc. gelangen kann.

Das ändert aber nichts am generellen Qualitätsurteil: den Beifall voll verdienende Einspielung unter William Christie mit einem überzeugenden Leistung in einer etwas anderen, aber eingängigen Inszenierung. D.C.
 

Diskografie der noch verfügbaren Einspielungen dieser Oper auf CD und DVD (in Italienisch)

 

 


Sarah Connolly als Caesar

Christophe Dumaux
- ein neuer Stern am Countertenorhimmel

3 DVDs 
Opus Arte (Vertrieb Naxos)
OA 0950 D 
September 2006

Spielzeit: 305 Minuten

Inszenierung
Interpretation 
Klang
Bild:

ausgezeichnet
ausgezeichnet
sehr gut
sehr gut

 

Letztes Update: 27.02.2007, 01.18 Uhr

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