Händel, Georg Friedrich (1685 - 1759)

 

DEIDAMIA  HWV 42 (1741)

Einspielung Virgin Classics / Complesso Barocco 2003

Simone Kermes (Deidamia)
Anna Bonitatibus (Ulisse)
Anna Maria Panzarella (Achille)
Dominique Labelle (Nerea)
Antonio Abete (Lycomede)
Furio Zanasi (Fenice)

Il Complesso Barocco
Alan Curtis


**** 3 CDs  -  EMI / Virgin  -  5 45 550-2  -   Juni 2003  ****



Eine rundherum-Muss-Oper für einen Barockfan, dazu eine, die es in sich hat. Da sind einige Arien dabei, die einfach bleibendes Kleinod dieses Genius der Musik sind!

Diese allein empfehlen die Einspielung für den heimischen Plattenschrank, zumal Auszüge hieraus nicht so weit verbreitet waren.

Deidamia ist die letzte Oper Händels, sein letzter Versuch eine Opera seria zu verfassen, die den Geschmack des hyperkritischen und ausländerskeptischen Londoner Publikums trifft und mit der er möglicherweise ein bisschen Geld verdienen und folglich sein Opernhausprojekt doch nicht vollends abschreiben zu müssen hoffte. Die Geschichte bietet jedenfalls genügend Rühriges, Liebe und Trauer, Kampf und - erstmals - auch ein Stück Travestie.

Der Griechenheld Achill ist allgemein bekannt, doch will sein Vater nicht, dass er in den Trojanischen Krieg zieht. So gibt er ihn an den Hof seines Freundes, den König von Skyros Lykomedes, wo er als Mädchen verkleidet aufwächst. Und natürlich passiert, was eine jede Oper braucht: die Tochter des Hauses, Titelheldin Deidamia verliebt sich in ihn.

Das Drama wird heraufbeschworen, als das Orakel den Griechen verkündet, dass sie nur mit Achill eine Chance haben, Helena zu befreien. Also wird alles in Bewegung gesetzt den Ausreißer ausfindig zu machen, was schließlich Odysseus auch gelingt. Die Trauer tritt hier schon ein, da das Orakel eben auch prophezeit, dass wenn Achill in den Krieg zieht, er eben auch sterben muss. Welch ein Dilemma.

Neben dem Stoff - was hat sich Händel nicht für tolle Arien einfallen lassen. Wahrhaft unbegreiflich, dass auch diese Oper nach nur wenigen Aufführungen abgesetzt werden musste. Die Klagegesänge der Titelheldin (Tochter des Königs von Skyros Lykomedes) "Se 'l timore il ver me dice, infelice abbandonata" in Szene 3 des 2. Aktes (Track 2/9) sowie im 3. Akt (3/9) "M'hai resa infelice" müssen einfach jedes Herz erweichen, noch dazu wenn sie von einer wirklichen Weltklassesopranistin wie Simone Kermes vorgetragen werden. Demgegenüber bringt Deidamias Schlussarie in Akt 1 (1/23) "Nasconde l'usignolo" mit ihrem reichhaltigen Barockarsenal den gesamten Opernsaal und eben auch das heimatliche Wohnzimmer zum Beben und läuft wohlig den Rücken runter und hinterlässt manche Gänsehaut und/oder aufgerichtetes Nackenhaar.

Auch die beiden Baritone (Lykomedes und Phoenix) haben einige ausgefeilte Arien bekommen.

Für die ausgewogene Einspielung wurde dem Complesso Barocco unter Alan Curtis einer der Jahrespreise 2003 der deutschen Schallplattenkritik verliehen. (Die offizielle Begründung findet sich hier).

Leider hat Virgin bei dieser Plattenedition an Übersetzungs- oder Lizenzkosten gespart und leider nur eine englische Übersetzung mit dem Text des Librettos nach der neuen Hallenser Gesamtausgabe mitgeliefert und keine deutsche, obwohl die erste Wiederaufnahme der Oper in der Neuzeit 1953 justament bei den Halleschen Händelfestspielen und in Deutsch erfolgte!

Eine würdige, nicht schlecht gemachte und üppig sowohl vom Bühnenbild als auch von der Besetzung ausgestattete Nachfolgeeinspielung, die unverständlicherweise nicht generell wohlwollend aufgenommen wurde, nahm das Händelfestival in Halle im Jahre 2002 in Angriff - mit nicht wenigem Erfolg und Anerkennung!

Eine Empfehlung!!! D.C.


Zu dieser Oper

- Inhaltsangabe in Deutsch (impresario)
- das Originallibretto in Italienisch als ausdruckfertig gestaltete pdf-Datei bei handel.it
- Besprechung dieser CD bei Rondo
- enthusiastische Besprechung bei gfhandel.org - in Englisch
- Beschreibung der Aufführung beim Händelfestival in Halle im Jahre 2002
 

Neben dieser gibt es per 2006 nur noch die Einspielung mit Deidamia: J. Baird Nerea: M. O'Brien Achille: D'A. Fortunato Ulisse: B. Harris Fenice: P. Castaldi Licomede: J. Cheek. Palmer Singers, Brewer Chamber Orchestra, dir. R. Palmer   bei  Albany Records (3 CD, 2001).

 

  

Deidamia und Achill (Kupferstich)

3 CDs 
EMI / Virgin
5 45 550-2 

Juni 2003

Spielzeit:
CD 1    69.45
CD 2    62.45
CD 3    48.25

Interpretation & Klang:

       hervorragend

 

Letztes Update: 27.02.2007, 01.18 Uhr

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