Händel, Georg Friedrich (1685-1759)

 

ARMINIO (HWV 36)

ArminioArminio ..... Vivica Genaux
Tusnelda ................ Geraldine McGreevy
Sigismondo ........... Dominique Labelle
Varo ........................ Luigi Petroni
Tullio ....................... Sytse Buwalda
Segeste .................. Riccardo Ristori
Ramise ................... Manuela Custer

Il Complesso Barocco
Alan Curtis
 

**** 3 CDs  -  Virgin Classics/EMI  -  5 45461 2  -  Juni 2001 *****

Die Oper hätte Händel eigentlich in Teutonenland vertonen und aufführen müssen, ist doch der Stoff dort noch fassbarer. Und im Gegensatz zu England hatte man in deutschen Landen 1736 noch ein Ohr für Opern.

In England indes wollte man lieber Oratorien hören - von denen ja Meister Händel eine erquickliche Zahl von wahren Meisterwerken beigetragen hat. Ob der Zeitvorliebe kein Wunder, dass das Echo nicht überwältigend war und die Oper kein Erfolg wurde.

Ein anderer Einwand gegen ARMINIO war schon damals, dass sie viel zu schnell zusammengeschustert wurde - was zwar wahr ist, aber das tut der Qualität der Oper keinen Abbruch.

Die Oper ist einfach nur toll, nicht fantastisch, aber toll! Kraftvolle leidenschaftliche Arien und eine zum Teil sehr leidenschaftliche Unterstützung durch das Orchester. Lange genug hat ARMINIO ein Schattendasein geführt.

Und ist auch kaum aufgeführt worden. Naja, in gewisser Weise kein Wunder, galten ja die Noten verschollen und wurden nicht vor 1976 wieder aufgefunden und rekonstruiert. Doch erst 2000 kam es zu einer Aufzeichnung der Oper auf Platte - nämlich mit dem Complesso Barocco unter Alan Curtis, einem der Spitzengrößen in der Barockmusik, der um etwa die gleiche Zeit auch den absolut fantastischen Rodrigo, ei ähnliches Stiefkind, eingespielt hat!

Drittes Manko mag für manche das an manchen Plätzen nicht stringente Libretto sein - eine Folge der Kürzungen, die der unbekannte Bearbeiter Händels am ursprünglichen Libretto vorgenommen hat - doch merkt man das musikalisch überhaupt nicht. Im Gegenteil: gerade in den Arien hat der Wahlengländer ein berückendes, packendes Musikdrama geschrieben voller Leidenschaft und kraftvollem Gesang.

Kuriosum der Oper ist sicher auch, dass das eh seltene Duett hier - zwischen Germanenkönig Arminius und seiner Gattin Tusnelda - gleich am Anfang (Track 1/4) vorkommt und gleich hier ein eindrucksvolles Hört-Hört-Zeichen setzt! Beeindruckend in der Einspielung die Souveränität des Countertenors Sytse Buwalda in der Rolle des Zenturius Tullius (vier weitere Händeleinspielungen, darunter Susanna und Theodora bei MDG). Daneben glänzen Geraldine McGreevy als keifernde Gattin und Vivica Genaux als Titelheld Arminius. (Schon dass man eine Oper hat, in der man selbige Dame mal kennen lernt, sollte einen neugierig machen!) Ein Achtungszeichen schließlich für den Bass Ricardo Ristori, der seine Arien des Prinzen Segeste kraftvoll ausschmückt.

Ein musikalisches Erlebnis durch und durch und sollte drum in KEINER Klassiksammlung fehlen! D.C.

 

+ Besprechung bei RONDO
+ bei Amazon kaufen

3 CDs
Virgin Classics/EMI 
5 45461 2 

Juni 2001

Spielzeit:

CD1 - 75:23
CD2 - 71:03

Interpretation: 
Klang:

    ausgezeichnet
    ausgezeichnet

 

 

Letztes Update: 27.02.2007, 01.18 Uhr

- Alle Angaben ohne Gewähr! -

© 1997-2009 D. Carius, GayStation