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Händel, Georg Friedrich (1685 - 1759) |
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ARIODANTE - 1735 (HWV 33) Opera in three Acts Ariodante
Lorraine Hunt Lieberson, ms Freiburger Barockorchester Produktion der Göttinger Händelfestspiele 1995 *** 3 CDs - Harmonia Mundi Amerika - HMU 907 146.48 - 1996/
Wiederauflage 2007 *** Ariodante, die erste der Opern, die Händel, nachdem er zum Ende der Spielzeit 1733/34 aus dem King's Theatre am Haymarket "vertrieben" worden und vieler seiner Vorzeigestars verlustig gegangen war, komponierte, kommt zusätzlich zu faszinierenden Arien mit Tanz- und Balletteinlagen daher, da er im Ausweichdomizil, dem Covent Garden Theatre, auf die Compagnie der später zu einigem (Un)Ruhm gelangten Mademoiselle Sallé zurückgreifen konnte. Zusätzlich zu den Tanzeinlagen wartete Händel in seinen Covent-Garden-Opern mit Chorszenen auf (die bei Ariodante den Abschluss der Oper bilden), für deren Ausgestaltung das Ensemble, das John Rich an seinem Theater etabliert hatte, in die Inszenierung einband. Nachdem Händel nach dem 1733er Orlando 1734 neben seinem eigenen Pasticcio Oreste vor allem auch solche "Pastetchen" aus der Feder Vincis oder auch Hasses auf dem Plan hatte, wartete er an der neuen Heimstätte 1735 gleich mit zwei Kassenschlagern auf: neben Ariodante mit seinem Evergreen Alcina, die seitdem ungebrochen Besucher an Bühnen in aller Welt in ihren Bann zieht. Der Stoff des Ariodante beruht auf Ariostos Rasendem Roland, einer schier unerschöpflichen Quelle im Barock, und erzählt die Geschichte eines hoffnungsvollen Prinzen, Ariodante, der auf die Gegenliebe von Ginevra, des Königs Tochter, trifft und auch vom Herrn Papa freudig aufgenommen und schon zum offiziellen Thronfolger gekürt werden soll. Dies ruft naturgemäß Neider auf den Plan, hier in Form des Herzogs von Albany Polinesso, der mittels einer Intrige die Liebe der beiden vernichten und Ariodante aus dem Wege räumen soll. Im Zeitalter ritterlicher Ehre gehört dazu nicht viel: man verführe lediglich eine Hofdame (Dalinda), die in Liebe zu einem entfacht ist, dazu, sich in die Kleider der Königstochter zu zwängen und einem Einlass in den Palast zu gewähren und spitze den Liebhaber (Ariodante) an, dass seine Liebste ihm, wie leicht zu zeigen Hörner aufsetzt, und schon ist der Plan geglückt. Der vermeintlich Gehörnte will sich töten, die untreue und Unheil und Schande über den Thron bringende Tochter wird verstoßen und soll nur wieder in ihre Rechte gesetzt werden, wenn sich ein Edler findet, der ihre Ehre verteidigt. Na, und wer soll diese Ehre natürlich retten: niemals anders als Polinesso selbst. Die Rechnung hat er jedoch ohne den Bruder des vermeintlich toten Ariodante gemacht, Lurcanio mit Namen, der Polinesso seiner gerechten Strafe zuführt. Und weil natürlich die Oper glücklich enden muss, stellt sich am Ende heraus, dass Ariodante sich gar nicht umgebracht hat, im Gegenteil Dalinda vor dem Mord durch Polinesso (der sie zum Schweigen bringen wollte) rettet und die wahre Geschichte der Täuschung erfährt und glücklich jubelnd stimmen alle ins Happy End. Im Gegensatz zum Original ist die Geschichte in Händels Libretto gekürzt, was dazu führt, dass die Rezitative recht kurz und knapp sind, was viel Raum für wunderschöne Arien und damit Charakterisierung der Figuren ließ. Besonders für den Titelhelden gibt es einige Perlen, die dem neuen Star der Händelschen Truppe, Carestini, auf den Leib geschrieben wurden. Dieser muss wirklich ein wahres Stimmwunder gewesen sein, so dass adäquate Besetzungen heute nur sehr schwer zu finden sind. In der hier zu besprechenden Einspielung hat die Mezzosopranistin Lorraine Hunt Lieberson die Titelrolle übernommen und füllt die hohen Partien mit einem beeindruckenden Timbre, erweist sich aber beim Wechsel in die tieferen Lagen in den Augen des Rezensenten nicht wirklich als "eine Callas der Alten Musik", wie Jürgen Kesting in Scala schrieb. Ann Murray (English Colliseum 1996, DVD) vermag diese Wechsel doch viel geschmeidiger zu interpretieren. Die beeindruckendste Interpretation zweier Glanzstücke des Ariodante ist jedoch auf dem aktuellen Soloalbum der tschechischen Mezzosopranistin Magdalena Kožená zu hören. Im Gegensatz zu der etwas zu dünn geratenen Interpretation von Otters (Archiv 1997, CD) und der subtil- aggressiven Darstellung Janet Bakers (Philips 1978; als CD 1994/2003), singt die Kožená sowohl die Klagearie "Scherza Infida" (2/7) als auch das "Doppa Notte" (3/16) mit in Höhen und Tiefen gleich voller Stimme ohne Brüche, während die Hunt in den tieferen Lagen doch einige Schwachstellen aufweist. Dennoch gehen auch ihre Interpretationen dieser beiden Arien sowie der prachtvollen Klage an die Götter, ob es etwa barmherzig sei, ihm das Leben zu belassen, nur um ihn 1000 Tode sterben zu sehen ("Cieca Notte, 3/3), dem Hörer nahe! Bestechender hingegen kommt in dieser Einspielung Ginevra daher. Juliana Gondek zeichnet die verliebte, aber auch die leidende Königstochter mit stimmsichererem, vollen Sopran und lässt die widerstreitenden Gefühle und die jeweilige Figur auf der Bühne auch vor dem Ohr des Hörers plastisch auferstehen. Ähnlich beeindruckend ist der Bass Nicolas Cavallier, der der Rolle des Königs eine gehörige Autorität einröhrt. Seine Klage, dass ihm "mit dem Prinzen ... auch ein Stück von meinem Herzen" geraubt worden sei (2/13), gehört zweifellos zu den Höhepunkten der nunmehr wieder aufgelegten Einspielung aus Göttingen. Schließlich und endlich bleibt noch Lisa Saffer lobend zu erwähnen, die eine beeindruckende, der Interpretation der königlichen Gegenspielerin in allen Aspekten ebenbürtige Ausfüllung der Rolle der Dalinda zu hören gibt. Mit differenziertem Stimmeinsatz lässt sie sowohl Verliebtheit als auch die Lieblichkeit eines leicht zu verführenden (blonden(?) Dummchens sowie die Panik einer vom Tode Bedrohten deutlich hör- und genießbar werden. Gegenüber der Leistung der drei Letztgenannten fallen diejenigen der Mezzosopranistinnen Jennifer Lane als Polinesso und auch des Tenors Rufus Müller als Lurcanio deutlich ab. Alles in allem eine Bahn brechende Einspielung, die in Anbetracht des nunmehr sehr günstigen Preises in keinem Plattenschrank eines Händelfans fehlen sollte! Dirk Carius
- Zusammenfassung
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Spielzeit:
202 Minuten
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Letztes Update: 04.08.2007, 16.43 Uhr |
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