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Händel , Purcell, Bach, Fux |
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Almirante
Opera in three acts
Deborah York ·
Capella Leopoldina *** 1CD - Phoenix Edition Wien / Vertrieb Naxos - No 121 - Julii 2008 ***
Eine Barockoper anno 2008? Gibt es nicht? Nun ja, keine 100% neu geschaffene, aber eines der geilsten Pasticcios, die ich kenne. Was letztlich kein Wunder ist, hat sich der Täufer des Projekts, Jörg Zwicker, Gründer und Leiter der Capella Leopoldina in Wien doch auf die Preziosen der barocken Opernliteratur konzentriert und die ausdrucksstärksten Duette aus diversen Opern, Oratorien und anderen säkularen Werke der bekanntesten Barockkomponisten versammelt. Da er aber nicht einfach nur diese Prachtstücke hintereinander stellen wollte, hat er Thomas Höft beauftragt, für die Zwischenstücke zwischen diesen Höhepunkte neue Rezitative zu schreiben, die dann von Carmen Grasso ins Italienische übersetzt worden. Und hat somit eine neue Oper mit einer eigenen Geschichte verfasst, die es so im Barock nie gegeben hätte: nämlich eine mit nahe gehenden und begeisternden wie bewegenden Duetten nur so gespickte. Zur Zeit des Barocks herrschte größter Standesdünkel und jeder Sänger (jede Sängerin) verlangte genau die kanonisierte Anzahl von Soloarien, in denen er oder sie allein auf der Bühne brillieren konnte. Zusammen mit den anderen ihr Bestes zu geben war der Barockstars Sache nicht und so gibt es in den meisten Barockopern ein, maximal zwei Duette, selten mal ein Terzett und Tutti meist nur am Ende. Hier nun versammelt Zwicker erlesene und zu einem großen Teil auch erprobte Sahnestücke und lässt sie, unter Begleitung seines Orchesters, durch zwei fulminant harmonierende Sängerinnen interpretieren: 1) die Linzer Altistin Lydia Vierlinger (www.vierlinger.at), die mit ihrem Solo-Debüt "Vedo il ciel" einen Achtungserfolg errungen und in der Folge auch auf der Einspielung der neu ausgegrabenen Telemann-Oper "Pastorelle en musique" (Capriccio 2005) weiter auf sich aufmerksam gemacht hat und die mit einem klaren Ton bis in die Tiefen des einen oder anderen Gesangs überzeugt und einen mehr als gelungenen Kontrast abgibt zu 2) der engelsklaren, höhensicheren und in allen Tonlagen standsicheren Koloratur-Sopranistin Deborah York. Ursprünglich aus Sheffield, hat sie sich inzwischen in Berlin etabliert, ihr eigenes Studio und ein eigenes Ensemble (Amritza) eröffnet. 2009 wird sie die künstlerische Leitung der Barockakademie in Gmunden übernehmen. Nun genug der technischen Details. Welche Preziosen sind denn nun auf der CD versammelt? Nach einer Trompetenfanfare stimmen die beiden Sängerinnen in Henry Purcells dazu passendes SOUND THE TRUMPET und schildern so die Hochstimmung, die sich breit macht, dass der von ihr schon lange heimlich geliebte Feldherr Almirante nunmehr endlich ihre und die Stadt ihres Vaters. Wenig später entfachen in innigster Liebe, die sie mit dem berühmten SCHERZANDO SUL TUO VOLTO aus Händels Rinaldo untermauern. Eine der schönsten Liebeserklärungen, des weniger bekannten Bruders von Henry Purcell, Daniel Purcells MY DEAREST MY FAIREST bildet einen weiteren Höhepunkt in Akt 1. Getoppt wird dieser Anfang jedoch noch durch Entlehnungen aus der wohl bekanntesten Händeloper - GIULIO CESARE - noch im 1. Akt das Duett CARO! - BELLA! - PIÙ AMABILE BELTÀ, der den Zweifel der beiden Liebenden an der Redlichkeit der Gefühle und Liebesbezeugungen des anderen, gefolgt von SON NATA A LAGRIMAR, einem der nahegehendsten Klage- und Verzweifelungsgesänge des Barocks. "Ich lebe nur um zu weinen / seufzen" - was soll man mehr sagen? Nach diesem Tiefstpunkt, kann es eigentlich langsam wieder aufwärts gehen für die beiden. Nachdem Elmira ins Kloster geht, spürt sie der endlich siegreiche Almirante dort auf, aber nicht um sie zwangsweise zu entführen, sondern um, wie sie, der Welt zu entsagen und Gott zu loben. Für diese Inbrunstbekundungen griffen Zwicker und Höft auf Schmuckstücke aus dem Schatzkästchen Johann Sebastian Bachs zurück: darunter das "ENTZIEH DICH EILENDS .. DU FINDEST IM HIMMEL DEIN WAHRES VERGNÜGEN aus der Kantate BWV 124 "Meinem Jesum lass ich nicht" und vor allem GESEGNETE CHRISTEN aus BWV 184 "Erwünschtes Freudenlicht". Dieses Freudenlicht lässt beide auch die Redlichkeit der Gefühle füreinander erkennen und in Händels "Wiedervereinigungsgesang" SE RINASCE NEL MIO COR BELLA GIOJA; BELLA SPEME ("Freude und Hoffnung wieder in meinem Herzen wohnen") aus ARIODANTE. Ein fulminantes BEST OF BAROQUE OPERA, das in jeden Plattenschrank gehört! Wie die Vorschauen auf der Homepage verraten, wird uns das Label Phoenix aus Wien noch weitere Barock-Preziosen aus der Asche wiederauferstehen lassen! Im Januar 2009 die fantastische Hasse-Oper CLEOFIDE! Weiterhin ein so begnadetes Händchen den Labelmachern! Dirk Carius
*** Zusatzmaterial von der Homepage des Labels / aus dem Beiheft *** Gedanken des Librettisten Für einen Librettisten ist das natürlich eine verrückte Sache. Normalerweise arbeitet er mit lebenden Komponisten, denen es um ganz aktuelle, moderne Musik geht. Hier aber mit Partnern wie Purcell, Händel, Bach. Die Götter der Musikgeschichte. Der ursprüngliche Programm-Auftrag für diese CD lautete, die schönsten barocken Duette für Sopran und Alt zusammenzustellen. Die Musikauswahl war schnell getroffen, allerdings warf die Unterschiedlichkeit von fünf Komponisten einige programmatische Probleme auf. Beim genaueren Studium der Texte fiel Jörg Zwicker, dem Experten für Alte Musik und historische Aufführungspraxis, die mögliche inhaltliche Zusammengehörigkeit mancher Duette auf. So entschied er sich, gemeinsam mit dem Librettisten Thomas Höft, eine „neue“ Liebesgeschichte mit ergänzendem Libretto zu schreiben und so die musikalisch unterschiedlichen Meisterwerke mit überleitenden Rezitativen zu einer „neuen Barockoper“, rund um den Helden Almirante, dramaturgisch zusammen zu fassen. Händel hätte sicher nicht den Kopf geschüttelt. Schließlich hat er selbst oft genug ein Pasticcio zusammengestellt, mit Arien anderer Komponisten und fremden Melodien. Die ursprüngliche Problematik der verschiedenen Kompositionsstile wurde zur Chance, die dramatische Liebesgeschichte in unterschiedlichsten Farben zu erzählen. Ein festlich barockes wie auch sinnliches Feuerwerk mit der immer noch so lebendigen und stimmungsvollen Musik von Daniel und Henry Purcell, Georg Friedrich Händel, Johann Joseph Fux und Johann Sebastian Bach, wie geschaffen für die eindrucksvollen Stimmen von Deborah York und Lydia Vierlinger. Thomas Höft |
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Phoenix Edition Wien / Vertrieb Naxos
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Letztes Update: 16.11.2008, 13.10 Uhr |
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