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Händel, Georg Friedrich (1685 - 1759) |
Mit Unverständnis nimmt der Rezensent zur Kenntnis, dass mit diesem (natürlich auch schwer zu toppenden) neuen Händelband vorerst Schluss sein soll mit der dem Barockinteressierten so manchen leckeren Händelfestschmaus gebracht habenden Festspiel-Edition von Arthaus in Zusammenarbeit mit dem MDR. Bleibt zu hoffen, dass da noch nicht das letzte Wort gesprochen ist, denn SO macht Barockoper auch schon Spaß, bevor man überhaupt den ersten Ton hört!!! Nachdem auch schon die ersten beiden Händeleditionen aus Halle, der TESEO und der TAMERLANO edel aufgemacht waren, bringt Arthaus die letztjährige Inszenierung Axel Köhlers des ADMETO gleich in ganz edler Aufmachung. Da macht das Aufklappen schon Freude, und wenn man dann das Teil aufmacht, kriegt man nicht nur zwei DVDs mit der Videoaufzeichnung der Oper, sondern dazu noch die CD-Einspielung mit derselben Formation. So kann man, sollte der DVD-Player den Ton schlechter rüberbringen (daran krankt es ja manchmal noch) das gestochene Fernsehbild mit der über jeden Zweifel erhabenen Audiofassung auf CD genießen. Es ist dem Rezensenten eine besondere Freude, dass sich in letzter Zeit die Labels auch in der Tat immer mehr Mühe geben mit der äußeren Gestaltung ihrer DVD-Releases, denn das Auge kauft ja auch mit. Und hier gibt es wieder reichlich zu sehen. UND Geiles zu hören! Admeto ist ganz zu Unrecht eine der vernachlässigten Händelopern. Die einzige Einspielung, die es auch jetzt noch zu kaufen gab, war die von Virgin aus dem Jahre 1978 mit René Jacobs in der Verkörperung der Titelrolle und Rachel Yakar in der Rolle der Alceste sowie Jill Comez als Antigona. Mit dieser Einspielung gaben Alan Curtis und sein Il Complesso Barocco sozusagen ihren Einstand bei Virgin. Und ganz sicher hat diese Einspielung auch nach der neuen Aufnahme aus Halle ihren Platz im barocken Plattenschrank. Das Eine ersetzt ja nicht das Andere. Insbesondere René Jacobs in einer seiner frühen Gesangsrollen zu erleben lohnt die Investition in eine solche Scheibe. Und dazu hat man hier auch das Booklet zum Mitlesen, für die eher traditionellen Hörer. (Allerdings mangelt es, wie immer bei Virgin, an einer deutschen Übersetzung. Anglozentriert bringt man stets lediglich den Originaltext samt einer, so greifbar schon aus der Händelzeit stammenden, englischen Übersetzung. Hinzu kommt allerdings eine ausführliche englisch- wie auch deutschsprachige Dokumentation mit Hintergrundinformationen von Alan Curtis. Und die Bässe bei Alan Curtis sind einfach eine Ohrenweide! Nun aber zurück zur nunmehr vorliegenden Videoeinspielung. Verantwortlich für die Inszenierung zeichnet Coutertenor, oder, wie er sich auf seiner Homepage selbst bezeichnet, Altus Axel Köhler, der in letzter Zeit, trotz einer beeindruckenden Diskographie durch alle Label hindurch, immer wieder als Regisseur von sich reden machte. Insbesondere wenn es um moderne Adaptationen älterer Stoffe geht. Nun bevorzugt der Rezensent eindeutig, und das kam ja hier schon öfter zur Sprache, historisch-historisierende Interpretationen mit barocker Ausstattung, pompösen Kostümen und vielleicht sogar einem Bühnenzauber, wie man ihn vom Barock her kennt und wie er in dem DIESBEZÜGLICH (die Liebesgeschichte lassen wir da also getrost weg) wunderbaren Film VATEL gut vorstellbar rüberkommt mit geiler Kulissenschieberei, großartigen Maschinen, fliegenden Kutschen und Darstellern und üppiger Szenerie. Doch wie Axel Köhler den antiken Stoff modernisiert hat, kann sich durchaus sehen lassen! Auch wenn die Ausstattung etwas spärlich und modern ist, es bewegt sich genug, so dass man sich wahrlich nicht langweilt und farbenprächtig, wenn auch durch Beleuchtungseffekte erzeugt, ist es allemal! Und auch die Besetzung der Händelfestspiele kommt bestens klar mit der gesangstechnisch nicht einfachen Oper! Konnte doch Händel bei der Uraufführung Admetos in London aus dem Vollen schöpfen, hatte er zu der Zeit doch Vertreter der obersten Garde in den Titelrollen zu seiner Verfügung. Allen voran der Kastrat Senesino (mit dem Händel sich später überwarf und der dann in der Konkurrenz-Adelsoper sang und dadurch zum Ruin des Händelschen Unternehmens beitrug) in der Titelrolle und als seine beiden Geliebten die spätere Hassebraut Francesca Cuzzoni als Antigona und Faustina Bordoni als Alceste. Mit beiden Sopranistinnen zusammen, so liest man immer wieder, war ja nicht gut Kirschen essen und auch wenn Händel oft genug gegen Allüren seiner Stars opponierte, hat er ihnen doch die Arien auf den Leib geschrieben. Und das merkt man diesen Stücken an. Da haben Sänger zu allen Zeiten wahrlich zu knabbern - und doch kann sich, was dabei rausgekommen ist, bei beiden Einspielungen hören lassen! leichte stimmliche pluspunkte fährt sicher Rachel Yakar in der Curtiseinspielung gegenüber Romelia Lichtenstein ein, doch kommt insgesamt die Arthauseinspielung klanglich überzeugender; hier spürt man sicher auch die moderne Tontechnik, die das klangliche Erlebnis voll abrundet! Alles in allem kann ich nur eine eindeutige Empfehlung geben: unbedingt zulegen das Teil!!! Dirk Carius Laufzeit: 196 min LINKS zu dieser DVD + Libretto (Italienisch) bei karadar +
Aufführung bei den Halleschen Händelfestspiele von 1999 + ausführliche Kritiken der Händelaufführung mit Axel Köhler!
+ eine ziemlich vollständige Diskographie (inklusive CDs und DVDs) der Händelschen Opern und auch Oratorien gibt es bei http://gfhandel.org/ + ebenfalls bei http://gfhandel.org/ eine Übersicht über aktuelle Radio- und Fernsehausstrahlungen, zu erwartende CD- und DVD-Veröffentlichungen (in Englisch) + eine wunderbar ansprechend gestaltete Homepage mit sehr vielen Originalbildern aus der Händelzeit, Libretti (nur ITA) der einzelnen Opern und Oratorien, aber leider nur in Italienisch: www.haendel.it D.C.
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2 DVDs plus 2 CDs Spielzeit: 196 Minuten
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Letztes Update: 27.02.2007, 01.18 Uhr |
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