Gluck, Christoph Willibald (1714 - 1787)

 

EZIO
(Prager Fassung 1750)

Ezio: Matthias Rexroth
Valentiano III.: Max Emanuel Cencic
Varo: Andreas Post
Fulvia: Mariselle Martinez
Onoria: Netta Or
Massimo: Mirko Roschkowski
 

*** 3 CDs - Coviello Classics / Note1 - September 2007 ***

Ezio, der glorreiche römische Feldherr Aetius, dem es gelang, den weithin gefürchteten und als unbesiegbar geltenden Attila in der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern in seine Schrenken zu weisen, nur um kurz darauf daheim einer vom römischen Imperator Valentianus III. initiierten Intrige zum Opfer zu fallen, ist wahrlich kein Unbekannter.

Im Gegenteil, sein von dem Altmeister barocker Librettokunst Pietro Metastasio in Worte und Geschichte gefasstes Schicksal wurde in der Tat von mehreren herausragenden Komponisten des Barock in Noten gesetzt und hätte somit durchaus eine Erwähnung in den diversen Opernführern verdient. Auch das sonst sehr informative Lexikon der Oper (hrsg. von Elisabeth Schmierer im Laaber Verlag) schweigt sich zu diesem Opernstoff aus. Vielleicht ist auch einzig die subjektive Wahrnehmung des Rezensenten falsch, aber gerade der EZIO ist auch ein Stoff, zu dem diverse Vertonungen durchaus greifbar sind.

Besonders lockt natürlich des Barock-Hochmeisters Händel EZIO (Alternativeinspielung hier) zum Vergleich heraus, aber auch der des mit Sachsen wie mit Italien und Wien sehr verbundenen Hasse lädt zum Vergleich geradezu ein. Indes ist die Variante, die ein Jahr vor Gluck Jommelli in Wien auf die Bühne brachte, leider noch nicht auf CD greifbar.

Naja, Glucks EZIO hier ist ja auch eine Weltersteinspielung und es gilt ihr folglich schon allein deshalb volle Aufmerksamkeit. Um so mehr verdient Glucks Oper sie, weil sie eben endlich auch das Bild des Nicht-Opernreformers Gluck zu vertiefen hilft, der bislang nahezu völlig vernachlässigt war. 1750, zwei Jahre bevor Gluck mit seiner Alceste erste Akzente in Richtung seines zurecht kursierenden Rufes setzte, zeigte er in Prag, wie vertraut er doch mit dem klassischen Stil der opera seria, des dramma per musica, war.

Auch wenn wir fast nichts Authentisches zum Widerhall der Prager Aufführungen wissen, können wir doch von der Wiederaufnahme der nur geringfügig editierten Gluckschen Fassung durch eine andere renommierte italienische Operntruppe in Leipzig 1751 schließen, dass sie doch ein ziemlicher Erfolg waren.

Das zeigt durchaus einige Parallelen zu heute. Von dem Erfolg oder Nichterfolg der einmaligen dreitägigen Aufführungen im Juni 2007 in Düsseldorf hat man leider in den Klassikmedien wenig vernommen. Um so bemerkens- und lobenswerter, dass nicht nur in Zusammenarbeit mit dem WDR, Der Kunststiftung NRW und der Deutschen Oper am Rhein in Düsseldorf diese Oper aufgezeichnet, sondern mehr noch so zeitnah in einer ansprechenden Edition auf den Markt gebracht wurde. UND sich der Hörer somit endlich selbst seine Meinung bilden kann!

Definitiv bringt Gluck auch auf dem Gebiet der später von ihm überwundenen opera seria Großartiges und hat einige wunderbare Stücke dabei. Indes: der letzte Kick zum euphorischen Urteil "zu Unrecht verkanntes Meisterwerk" fehlt noch. Was sicher auch am Klangbild der beiden Countertenöre in den Rollen der Hauptkontrahenten des EZIO. Zumindest der Rezensent kann v.a. dem Cencics nicht wirklich Begeistergunsfähiges abgewinnen (und steht damit sicher gegen viele). Matthias Rexroths Interpretation des Ezio ist demgegenüber viel ohrenschmausender, indes kommen zumindest beim Hören über die Wohnzimmer-Anlage in nicht wenigen Höhenlagen Unreinheiten und manchmal gar ein Jauelansatz, die ein grenzenloses Hörvergnügen verleiden. Auch die Damenstimmen liegen für den Rezensenten nicht völlig im Ohr, so dass leider in seinen Augen eine Chance verpasst wurde, ein bislang wenig bekanntes Werk wirklich zu popularisieren.

Dirk Carius

 

 

Zu Christoph Willibald Gluck

- Biografie bei Wikipedia
- ausführlicher Nachruf / Biografie in der Allgemeinen Deutschen Bibliografie (ADB) - Scans
- Werkeverzeichnis bei Operone mit Links zu einer Auswahl von CD-Releases
- Gluck: Sämtliche Werke im Bärenreuterverlag Kassel

Zu dieser Oper

- ausführliche Zusammenfassung des Inhalts samt Diskografie der CD- und DVD-Aufzeichnungen!
- Libretto Französisch

Gluck auf der Gaystation:

- Alceste (mit Paul Groves, Anne Sofie von Otter; Sir John Eliot Gardiner; Theatre Musical de Paris 2000) DVD
- Alceste (mit Donald Kaasch, Catherine Naglestad, Bernhard Schneider; Constantinos Carydis; Staatsoper Stuttgart 1999) DVD
- Orphée Iphigénie en Tauride (mit Juliette Galstian, Rodney Gilfry, Deon van der Walt; William Christie; Opernhaus Zürich) DVD
- Orphée et Eurydice (mit Magdalena Kozená, Madeline Bender, Patricia Petibon; Sir John Eliot Gardiner; Theatre Musical de Paris 1999) DVD
- Philemon et Baucis (mit Ditte Andersen, Ann Hallenberg; Christoph Rousset) CD


 

 

 

3 CDs
Coviello Classics / Note1
September 2007
 

Interpretation:
Klang:

    gut
    sehr gut  

 

Letztes Update: 27.09.2007, 01.27 Uhr

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