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Cavalli, Pier Francesco (1602 - 1676) |
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L'ORMINDO (1644) Einspielung 2006 L'Armonia (prolog): Sandrine Piau S Les Paladins
Man könnte in Anbetracht der Gleichzeitigkeit der ORMINDO-Einspielung mit der Videoaufzeichnung der Didone mit viel gutem Willen gar geneigt sein, davon zu reden, dass aus Anlass des 205. Geburtstages 2007 und des 130. Todestages 2006 endlich eine Rückbesinnung auf die Anfänge der italienischen Barockoper und die Hebung des Cavallischatzes stattgefunden hat. (Auch 2006 durften wir ja endlich die DVD-Premiere der seinerzeit im Fernsehen gelaufenen CALISTO unter Jacobs bei Harmonia Mundi genießen!) Hoffen wir, dass diesen beiden letzten Einspielungen neue Hörerlebnisse folgen. L'Ormindo ist im Übrigen das Ergebnis der dritten Zusammenarbeit zweier Großer, man könnte sagen Platzhirsche, der damaligen venezianischen Opernszene: des Komponisten Francesco Cavalli mit dem Librettisten Giovanni Faustini. 10 Jahre lang, bis zum frühen Tod Faustinis im Jahre 1651, prägten die beide die Opernszene Venedigs wie kein anderer. Insgesamt schuf Faustini 11 (von 14 insgesamt verfassten) Libretti nur für seinen bevorzugten Komponisten Cavalli und die meisten davon wurden zu großen Erfolgen. Dabei ist Faustini derjenige, dem wir es verdanken (im positiven wie negativen Sinne), dass aus den noch einfach zu verfolgenden arkadischen Schäferspielchen-Szenarien des Beginns der Oper die zum Teil äußerst verworrenen Interrelationen eines Großaufgebots an Personen wurden, die sich manchmal nur schwer wieder rückverfolgen lassen und die einen Leser manchmal wahrlich den Kopf verlieren lassen bei der Lektüre allein der Handlungszusammenfassung. Vom Grunde her geht es zumeist um zwei adlige Paare, deren Verbindungen unter- und zueinander auf verschiedenste Art und Weise gestört sind, die aber dennoch am Schluss zusammenfinden. Um diese Protagonisten herum jedoch gruppieren sich diverse Götter, Ungeheuer, Magier oder auch Dienstpersonen, die diese Verwirrungen hervorrufen, verstärken oder aber - am Ende - auflösen. Auch Ormindo hat eine - im damaligen Libretto auch lang und breit vorangestellte und geschilderte - komplizierte Vorgeschichte, die man wie folgt zusammenfassen kann: "Hariadeno, König von Marokko, hatte einst eine Schwägerin des Königs von Tunesien heimlich geliebt, sie dann aber verlassen, bevor er erfahren konnte, dass sie ihm einen Sohn geboren hatte und bei dessen Geburt verstorben war. Diesen Sohn zog ihre Schwester als den ihren auf. Im Alter hatte Hariadeno die junge Königstochter Erisbe geheirtatet. Bedroht von der Invasion eines Heeres von spanischen Eroberern hatte Hariadeno seine afrikanischen Verbündeten in der Stadt Anfa zusammengezogen, darunter Amida, den Fürsten von Tremisene, und Ormindo, den angeblichen Sohn des tunesischen Königs. Amida, der einst Sicle, der Herrscherin von Susio, die Ehe versprach, hat sich in Erisbe verliebt, die ihm wie auch Ormindo Hoffnungen macht. An diesem Punkt begann die Handlung der Oper: Anhand der jeweiligen Miniaturportraits ihrer Angebeteten erkennen Amida und Ormindo, dass sie dieselbe Frau lieben. Erisbe spielt aber nicht nur mit ihnen, sondern gaukelt auch ihrem Gemahl Liebe vor. Als ägyptische Wahrsagerinnen, also als Zigeunerinnen, verkleidet erscheint Sicle in Begleitung ihrer Amme Erice und ihrer Zofe Melide in Anfa und beeindruckt Amidas Pagen Nerillo mit ihren hellseherischen Fähigkeiten. Am Ende des I. Aktes beschließen die höheren Mächte in Gestalt des Schick- sals und des Liebesgottes, Amida wieder mit Sicle zu vereinen. Zu Beginn des II. Aktes versichern sich Erisbe und Amida ihrer Liebe. Sicle kommt hinzu und liest aus Amidas Hand den Verrat an einer früheren Geliebten, worauf Erisbe Amida verlässt. Mit doppeldeutiger Rede biete Erice Amida an, ihn mit der verlorenen Geliebten zusammenzubringen. Erisbe hat sich in der Zwischenzeit Ormindo zugewandt und mit ihm beschlossen, in seine Heimat Tunesien zu fliehen. Da greifen am Ende des II. Aktes noch einmal die höheren Mächte, diesmal in Gestalt Fortunas und des Chors der Winde, ein und lenken das Schiff der Flüchtigen zurück an die Gestade von Anfa. Zu Beginn des III. Aktes findet sich Amida an einem dunklen Ort vor der Stadt ein, wo Erice statt der erwarteten Erisbe den Schatten der vermeintlich toten Sicle beschwört. Amida von Trauer und neuer Liebe überwältigt, kann es schließlich gar nicht fassen, dass Sicle ihm höchst lebendig in die Arme sinkt. Am Arsenal übermannt Hariadeno derweil die Wut über Erisbes Flucht, als ein Bote die Nachricht bringt, dass Ormindo und Erisbe gefangen sind, und er gibt seinem Heerführer Osman den Befehl, die beiden Ehebrecher zu töten. Dieser aber - ermutigt von Erisbes Vertrauter Mirinda, die ihm dafür die Ehe verspricht - verabreicht den Liebenden statt eines Gifts einen Schlaftrunk und überreicht Hariadeno, als er die Leichen besichtigen will, im Auftrag Ormindos einen Brief der tunesischen Königin, in dem diese ihm die wahre Identität ihres vermeintlichen Sohnes entdeckt. Hariadenos abgrundtiefe Verzweiflung wandelt sich zu überglücklicher Erleichterung, als er erfährt, dass Ormindo und Erisbe nicht tot sind, und er überlässt seinem Sohn die Krone und die Frau." (Geschichte der Oper. Hg. von Silke Leopold. Bd. 1: Die Oper im 17. Jh. Laaber: Laaber-Verlag, 2007: 1, S. 169-170) Eine RUNDUM-Empfehlung!!! D.C.
- recht
kurze Biografie Cavallis bei wikipedia (Deutsch) und bei
karadar (Deutsch) - Diskografie
bei goldbergweb Zu dieser Oper - Eintrag
bei Operone inkl. ausführlicher Personage und Daten zur LP Aufnahme aus
Glyndebourne 1968
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Letztes Update: 06.10.2007, 18.50 Uhr |
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