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Porpora, Nicola (1686 - 1768) |
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Vêpres Vénitiennes + Antonio Vivaldi: Flöten- und Cellokonzert Isabelle Poulenard, Sopran Choeur Éclats Les Passions *** 1 CD - Ligia Digital - LIDI 020218507 - Dezember 2007 ***
Porpora war zu seiner Zeit nicht nur ein berühmter Gesangslehrer, sondern auch ein europaweit gefeierter Komponist. Neben zahlreichen Opern verfaßte er auch geistliche Vokalmusik, darunter die hier eingespielten Vespern. Die Zusammenstellung des Programms mit den eingeschobenen Konzerten Vivaldis soll einen Eindruck vermitteln, in welcher Form in den Kirchen und Kapellen der Mädcheninternate in Venedig musiziert wurde. **** 2 CDs - K617 - K 617 177/2 - Januar 2006 ****
Und dabei war Porpora in der Tat nicht irgendwer, was die Barockoper und die Förderung des Kastratengesangs angeht. Als Kapellmeister des Prinzen Philipp von Hessen-Darmstadt und zugleich Gesangslehrer an dessen Conservatorio di San Onofrio gehörten zu seinen Schülern solch herausragende Vertreter der italienischen Gesangeskunst wie Porporino, Caffarelli, Felice Salimbeni sowie an erster Stelle der vielleicht bekannteste und starallürenhafteste unter ihnen - Farinelli alias Carlo Broschi (1705-1782). Diesem und anderen seiner Schüler hat er nicht wenige Opernarien speziell auf den Leib geschrieben. Besonders Farinelli hat sich quasi als Inbegriff des männlichen Kastraten-Sängers als Phänomen erhalten und seit dem gleichnamigen, wenngleich durch viele sachliche Fehler in Misskredit geratenen Film ist er auch einem breiten Publikum bekannt. Einige der von Porpora speziell für ihn komponierten Arien sind ja auf Sammelalben bereits enthalten - so auf dem offiziellen Soundtrack zum Film FARINELLI, der leider per Oktober 2006 mit deutschem Synchronton noch nicht auf DVD erhältlich ist, was um so unbegreiflicher ist, da der Soundtrack des Films seit Jahren zu den bestverkauftesten Klassikscheiben überhaupt zählt. Trotz der Tatsache, dass das Booklet zur CD mit zu den dürftigsten zählt, die der Rezensent gesehen hat. Das Besondere der Soundtrack-Einspielung ist das Aufteilen des teilweise schier unbezwingbaren Tonumfangs der Arien auf den Countertenor Derek Lee Ragin als prinzipielle Besetzung und auf die Sopranistin Ewa Mallas-Godlewska in den hohen Tonlagen. Ein sehr netter Versuch, das schwer vorstellbare nachvollziehbar und hörbar werden zu lassen - und man muss schon genau hinhören, um die aber doch klar feststellbaren Schnittstellen zu identifizieren. Auch das Projekt der ehrgeizigen Mezzosopranistin Vivica Genaux "Arias for Farinelli" bringt einige sehr nette Stücke des Lehrers für seinen berühmtesten Schüler zur Vorführung. Mag man über die Stimme an sich geteilter Meinung sein, erweist sich die Genaux hier als sichere Interpretin der anspruchsvollen Farinelli gewidmeten Arien. Ganze Werke dieses Großen des Barocks indes sind bislang nur sehr selten aufgezeichnet worden. Um so größer anzurechnen das Unterfangen, dem sich offensichtlich die Real Compañía Ópera de Cámara unter Juan Bautista OteroVerdienst verschrieben hat - nämlich der Wiederbelebung des glücklicherweise recht gut überlieferten Bühnenwerks von Porpora. Als Premiere in dieses nur zu unterstützende Projekt, die bei dem französischen Label K617 herausgekommen ist, hat man die hier zu besprechende Oper von 1720 gewählt, die aber keineswegs das erste große Bühnenwerk des napolitanischen Kapellmeisters war! Zwei pikante Details rechtfertigten nach Ansicht Oteros diese Wahl: Zum Einen markierte diese Oper das Bühnendebüt des gerade mal 15jährigen Farinelli und zum Anderen basierte sie auf dem wiederum ersten Libretto des Mannes (der hier noch junge 22 war), der die italienische Oper des 18. Jahrhunderts maßgeblich beeinflussen sollte: Pietro Metastasio (1698-1782). Und diese Anstrengung hat sich hörtechnisch sehr gelohnt. Herausgekommen ist eine solide gemachte, mit guten Interpreten besetzte, die Standards historischer Aufführungspraxis herausragend exemplifizierende Einspielung. Und eine musikalisch reich verzierte! Auch eine stringente Handlung, die in den Arien trotz der Gesamtdauer von nur 2 Stunden genügend Auslauf für die Solisten bietet. Doch bietet diese Edition sicher noch einige Kuriosa: Da ist zunächst die reichlich Sprachenmischmasch bietende Betitelung, die auch das zweite Kuriosum schon ankündigt. So wie die Oper hier erklingt ist sie nicht geschrieben worden. Vielmehr ist das Libretto des Metastasio anhand der Berichte des Ariost über den Rasenden Roland "umsortiert", die Reihenfolge der Szenen also verändert worden. Ob das dem Gesamteindruck dienlich oder hinderlich war, kann man so nicht sagen. Der Stringenz der Handlung hat es sicher einen guten Dienst erwiesen. Hat sich das Label K617 schon in der Vergangenheit mehrfach mit herausragenden Sängerensembles hervorgetan, so ist das auch hier der Fall. Indes ist die Anpassungsfreude an außerfranzösische Märkte nur mit mangelhaft zu bezeichnen. Gibt es den Begleittext des musikalischen Leiters selbst noch in Spanisch, Französisch und Englisch (im Anhang), so kann man das Libretto lediglich im italienischen Original und in einer französischen Übersetzung nachlesen, was für den wenn schon eher anglophil ausgerichteten deutschen Markt sicher von Nachteil ist. (Ein Manko auch des ebenfalls französischen Labels naive, das die vielen schönen Vivaldi-Opern im Rahmen ihrer Gesamtwerkeschau des italienischen Meisters herausbringt, hier allerdings mit englischer Übersetzung und, zumindest in einigen Teilbänden der Edition zumindest mit deutschem Begleittext.) Doch sollten diese, vielleicht auch unsere eigene Ignoranz beleuchtenden Nachteile uns nicht davon abhalten, uns die rechhaltige musikalische Welt des Nicola Porpora zu erschließen. Mögen uns noch viele der über 40 erhaltenen Opern des Napolitaners zu Ohren kommen. Wie auch immer - was herausgekommen ist, ist in jedem Falle sehr hörenswert. Ein sehr gutes Beispiel für ein gelungenes unautorisiertes Pasticcio. D.C.
*** Das sprachliche Kauderwelsch bezüglich des Titels des Stücks und somit der CD ist original. Europäische Multilingualitätdes 21. Jh.?
gibt es leider online auch noch nicht so DIE ultimative seite - ein optisch
sehr
ansprechendes Projekt ist jedoch die ausführliche und bebilderte Biografie
bei www.haendel.it (In Italienisch!) - Verzeichnis der erhaltenen Opern Porporas samt
Links zu evtl. schon vorhandenen Einspielungen oder zumindest belegten
Aufführungen in neuester Zeit bei http://www.operabaroque.com/
- fundierte Besprechung bei klassik.com
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Spielzeit: 2h05’35
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Letztes Update: 20.03.2008, 02.37 Uhr |
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