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Georg Friedrich Händel (1685-1759) |
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BELSHAZZAR Oratorio in three acts von Georg Friedrich Händel HWV 61 In englischer Sprache mit deutschen Übertiteln Belshazzar, König von Babylon: Nicholas Sales Händelfestspielorchester Halle (auf historischen Instrumenten) Gemeinschaftsproduktion der OPER HALLE und der Direktion der Händel-Festspiele Halle 2008 Premiere 06. Juni 2008 weitere Vorstellungen: Mi 11.06.2008 Sa 07.03.2009 Ein Oratorium auf der Opernbühne per se ist nichts Neues, fand doch selbst die Uraufführung des für die diesjährigen Festspiele zum Thema "Geistliche Musik im profanen Raum" gewählten BELSHAZZAR auf einer Opernbühne statt, nachdem Händel sich aufgrund der Pleite der es eigentlich bewirtschaftenden Opernkompagnie das King's Theatre für eine Abonnementreihe von (geplanten) 24 Oratorienaufführungen gesichert hatte. Oratorien, noch dazu in englischer Sprache gesungen, waren der neue Renner und kamen jedenfalls deutlich besser an als die vordem vom großen Hallenser favorisierten italienischen Opern. So wollte er also nach diversen Niederlagen vorher endlich wieder Fuß fassen - ein Unternehmen, das aber; auch aufgrund einer persönlichen Intrige einer Dame von Stand, die ihre Soirees und Bälle justament auf die Tage der Händelschen Aufführungen legen und gleichzeitig Aushänge und Plakate mit Ankündigungen der Händelschen Vorstellungen entfernen ließ, leider nicht von Erfolg gekrönt war. Dabei hat dieser Parabel auf die fatalen Auswirkungen von Völlerei, Gotteslästerung, Wollust, Disziplinlosigkeit etc. doch einiges zu bieten. Thematisch behandelt wird die Eroberung Babylons durch die Perser. Der Klassikliebhaber und wohlhabende Privatgelehrte Charles Jennens, der auch schon das Libretto des Messiah für Händel verfasst hatte, nutzte für seine Textvorlage nicht nur die biblische Darstellung im Buch David, sondern griff auch noch auf geschichtliche Darstellungen bei Xenophon (von hier die Anleihe der Gestalt des um seinen ermordeten Sohn trauernden, Rache suchenden Gobrias) sowie Herodot (wo Jennens auf die Figur der Mutter des "Übeltäters" Belshazzar, DIE moralische Instanz des Dramas "entdeckte"). Auch wenn einige meinen, einen starken aktuell politischen Bezug (im Sinne eines Vorwurfs an den amtierenden, nicht PATRIOT, also nicht englischstämmigen, König) und eben darin auch einen Anhaltspunkt für den mehr oder weniger Durchfall des Stückes nach der Uraufführung sehen wollen, fasste es wohl Händel primär als "living drama" und geschichtliches Drama auf. Anders als bei der Uraufführung, die dem neuen Geist und Anforderungen an ein Oratorium folgend eben NICHT szenisch erfolgte, haben die Oper Halle und die Händel-Festspiele beschlossen in diesem Jahr, passend zum Thema, eben ein weiteres Oratorium szenisch zur Aufführung zu bringen. Und was dabei herausgekommen ist, kann sich durchaus sehen lassen. Der (im Übrigen schucklige) Franzose Philippe Calvario hat den Spagat Historisch-Historisierendes mit modernen und symbolischen Inszenierungsmöglichkeiten gut gemeistert und trotz eines relativ einfachen, überschaubaren Bühnenbilds in Zusammenarbeit mit dem einzigartigen Ralf Rossa vom gleichnamigen Ballett des Halleschen Opernhauses eine faszinierende, in jedem Falle die Aussage des Werkes für jeden eindeutig darstellende Choreografie entworfen, die dem Rezensenten sehr gefallen hat. Keine gewaltigen, dafür aber der Erklärung und Deutung bedürfenden mystischen Rätsel, sondern solide die Aussage der Musik unterstützende Bühnenarbeit. Dafür einen DICKEN Pluspunkt nach Halle! Die geäußerte Kritik, Calvario habe lediglich einzelne Bilder aneinander gereiht, kann der Rezensent so nicht teilen; schon gar nicht einen Mangel an Regietheater. Zumindest für mich muss es nicht immer eine modernistische, groß verkomplizierende Ideenkompilation sein! Für die musikalische Umrahmung / Leitung hat man in Halle auf Martin Haselböck zurückgegriffen, einen ausgewiesenen Alte-Musik-Spezialisten (der jedoch bislang, das nur zur Vollständigkeit mit Opern oder Oratorien nicht so viel zu tun hatte). An seinem Dirigat des bewährten Händel-Festspielorchesters ist grundsätzlich nichts auszusetzen. Auch an Solisten hat man einige bekannte Namen nach Halle verpflichten können. Der einsame Star dieser Aufführung ist jedoch Lokalmatadorin Romelia Lichtenstein, die, u. a. aus Leipzig kommend, wo sie auch schon studiert hat, seit 2007 an der Oper Halle verpflichtet ist - und das nicht nur aufgrund ihrer tragenden, moralisch aufrechten und konsistenten Rolle (der mahnenden, weit blickenden Mutter). Die Leipziger Sopranistin glänzt von ihrer großartigen Eingangsszene bis zum Schluss in allen unterschiedlichen Charakter- und Meinungsäußerungen und mit einer Koloratur- und Tonsicherheit sowie einem natürlichen, völlig unangestrengten Volumen, das das Hallesche Opernhaus mit Leichtigkeit erfüllt und in Atem hält. Auch ihr Mimenspiel passte perfekt zum textlich Geäußerten - das war einfach nur perfekt und es ist dem Rezensenten unbegreiflich, warum gerade sie deutlich weniger Brava-Rufe erhielt als z.B. die beiden Countertenöre. Der Barcelonese Jordi Domenèch ist natürlich schon als arriviert zu betrachten und hat auch einiges Beachtenswerte geleistet, zumindest bei der besuchten Aufführung jedoch am 8.6. hatte er im ersten Akt arge stimmliche und vor allem voluminöse Probleme und konnte sich zeitweise gegen den Klang des Orchesters kaum durchsetzen. Im dritten Akt hat er zwar deutlich an Lautstärke zugelegt und -so kann man sagen - überzeugt; einzig in Stücken, die auch eine Koloraturgewand- und sicherheit verlangen hatte er in den Ohren des Rezensenten einige deutliche Schwachpunkte. So die Stimmführung zu weit nach unten führte, fehlten wiederum Volumen und auch Resonanz - alles in allem kein Grund für ausdauernde Bravorufe. Gut ja, aber sehr gut oder gar bravo - leider nein. Dabei ist der Rezensent eindeutig ein Anhänger der hohen männlichen Stimmen, jedoch wieder mal in seinem Urteil bestärkt, dass absolut überzeugende Counter eben leider doch die Ausnahme sind! Stimmlich und vor allem in den lyrischen Partien überzeugender war da schon David DQ Lee, aber leider gilt auch hier, dass im ersten und zweiten Takt eben beide Countertenöre bei entsprechender Orchestrierung nur schwach zu vernehmen waren - ein Problem, das bei anderen Darstellern nicht zu bemerken war. Komischerweise war auch hier das Manko im dritten Akt behoben, so dass der Rezensent nicht ausschließen will, dass es möglicherweise ein in der Tiefe der Kulisse im ersten Teil der Grund dieser akustischen Genussbeeinträchtigung war. Eine herausragende Leistung indes hat der für eigentlich angekündigten Raimund Nolte besetzte Bass Florian Boesch abgegeben und man kann nur bedauern, dass man diesen sowohl tiefe Trauer wie auch Rachsucht brillant umsetzende Bassist nur so selten zu hören war. Bleibt der in der Titelrolle besetzte Tenor Nicholas Sales, der den Raum mit Leichtigkeit erfüllte und auch ansonsten eine zu Kritik keinen Anlass bietende Darstellung geboten hat. Eine überwältigende Rolle in Händels Oratorien spielen die Chöre natürlich und hier ist Jens Petereit, der, seit 2003 Chordirektor in Halle, die Choreinstudierung verantwortet hat, ein unumschränktes Lob auszusprechen. Dabei brillieren die Chöre, allen voran der der Juden, der ja besonders viel zu singen hat, nicht nur stimmlich, sondern unterstützen auch schauspielerisch das Geschehen! BRAVI!!! Wie bereits angekündigt, hat auch das Hallesche Ballett unter Ralf Rossa einen großen Anteil an der gelungenen Inszenierung. In grellbunten, figurbetonten und durchaus auch karikativen Kostümen (entworfen von der an nicht wenigen kommerziellen Entertainmentshows geschulten Mina Ly) haben sich die Tänzer einiges einfallen lassen, um das Laszive, Wollüstige ... (und daher zu Händels Zeiten weit mehr als heutzutage Verpönte und jeder vor allem scharfen Bestrafung Würdige) gut zu illustrieren. Dirk Carius
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Königsmutter Nitrocis bei ihrer Anklage der menschlichen, in Babylon fatal gehuldigten Untugenden.
Der jüdische Prophet deutet dem sich seiner Wollust hingebenden Belsazar die tödliche Inschrift von Gottes Hand.
Der "edle", in Gottes Auftrag Frieden suchende und das sündige Babylon erobernde Cyrus beugt sich über den soeben getöteten Tyrannen.
Belsazar in seiner Wollust (aber es war keineswegs die ganze Zeit Vielweiberei auf der Bühne, genauso wenig wie lesbischer Sex, wie bei MDR Figaro berichtigt.)
Mutter Nitrocis will ihren Sohn trösten, aber vor allem zur Reue und Umkehr bewegen, auf dass Gott von der Durchsetzung seines verheerenden Urteilsspruchs absieht.
alle Fotos (c) Gert Kiermeyer
Opernhaus Halle
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Letztes Update: 12.06.2008, 07.56 Uhr |
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