Conti, Francesco Bartolomeo (1682-1732)

 

DAVID
Oratorium

Einspielung Virgin Classics / Complesso Barocco 2007

David - Marijana Mijanovic;
Micol - Simone Kermes;
Abner - Sonia Prina;
Gionata - Birgitte Christensen;
Saul - Furio Zanasi;
Falti - Vito Priante

Il Complesso Barocco
Alan Curtis


****  2 CDs  -  EMI / Virgin  -  0946 3 78877 2 1 -   August 2007  ****



Francesco Bartolomeo Conti (1682-1732) gehört noch immer zu den großen Unbekannten, einspielungstechnisch Unerschlossenen und zu denen, die es erst noch zu entdecken gilt. Dabei hatte er - und nicht zuletzt geschuldet seiner Stellung als Wiener Hofkomponist - einen handfesten Einfluss auf die Musikszene seiner Zeit und auf zahlreiche Komponisten. Auch einem Händel war Conti wohl bekannt.

Und nach einer langen Zeit der Konzentration auf Händel, der wir fantastische Einspielungen zu verdanken haben wie zuletzt den Fernando oder Floridante oder vor einigen Jahren den bombastischen Rodrigo, hat sich Alan Curtis mit seinem Ensemble Il Complesso Barocco auf neue Pfade begeben.

Jüngstes Ergebnis dieser neuen Suche ist die hier zu besprechende Einspielung des DAVID, eines stimmgewaltigen Oratoriums aus der Feder eben jenes Conti. Auch für die neue CD ist es Curtis gelungen, ein handverlesenes und sehr passendes Ensemble zusammenzufinden. Obwohl: ganz ohne Bezug zu Händel ist auch dieses Oratorium nicht. Die anspruchsvolle Rolle des Saul, eines "tenore baritonale", der das tiefe G bewältigen muss, wurde in Contis Aufführung von Francesco Borosini gesungen, für den Händel später, als Borosini nach London kam, die Rolle des Bajazet im Tamerlano schrieb. Und irgendwie muss Händel ja auch auf die Idee für den Saul gekommen sein. Gut möglich, dass er Contis Libretto von Borosini bekam und sich in diesem Sinne ein Kontakt ergab.

In der vorliegenden Einspielung brilliert die inzwischen europaweit geschätzte Mezzosopranistin Marijana Mijanovic in der Titelrolle und wird kraftvoll unterstützt von einer der in meinen Augen stimmgewaltigsten, treffsichersten und koloraturgewandten Sopranistinnen der Gegenwart - Simone Kermes (ihre Einspielung ausgewählter geistiger Kantaten Vivaldis gehört für den Rezensenten zu den besten CDs des Jahres 2006 und sei hiermit noch einmal nachdrücklich empfohlen!) - in der Rolle von Davids Gattin, der Michal (Micol) unterstützt.

Auch wenn im Vergleich zu anderen, v.a. auch zu Alessandro Scarlattis Oratorien, dieses Werk jedoch eher ruhig ist und weniger reich und gewaltig daherkommt, gibt es doch einige Genussstücke. Die Kermes (oder aber Davids Frau Mical) hat denn auch gleich in Track 5 auf CD 1 eine 5-minütige Arie "Quale augellino al monte", die einen auf das noch Kommende wohlig einstimmt. Keineswegs nach steht ihr Birgitte Christensen als Jonathan (Gionatha), die den absoluten Höhepunkt der ersten CD "Perché pecchi ingiustamente" mit bombastischem Sopran zum Besten gibt.

Dirk Carius

 

*** Pressetext ***

Der jüdische König Saul ist eifersüchtig auf den jungen David und versucht dessen Beliebtheit beim Volk zu untergraben. Vergeblich: Am Ende der Geschichte, die sogar einen Mordanschlag auf David enthält, fällt Saul in der Schlacht. David, der einst mit seiner Steinschleuder Goliath besiegte, wird neuer König. Der in Florenz geborene Komponist Francesco Bartolomeo Conti brachte seine Version der Geschichte erstmals 1724 in Wien auf die Bühne. Conti war ein herausragender Virtuose auf der Theorbe, einer großen barocken Laute – genau das richtige Instrument, um den Klang von Davids legendärer Harfe zu imitieren. Händels Saul entstand 15 Jahre später und wurde zum Teil mit denselben Mitwirkenden aufgeführt. 2003 leitete Curtis die wahrscheinlich erste Aufführung von Contis David in der Geburtsstadt des Komponisten. Für seine Einspielung stellte er ein äußerst reizvolles Ensemble zusammen – allen voran die Altistin Marijana Mijanovic in der Titelrolle.

 

 


Zu CONTI

- großer Beitrag beim ORF

- Beitrag in Spanisch bei goldbergweb

 

 

 

Portrait des Komponisten als Theorbist

 

 

2 CDs 
EMI / Virgin
0946 3 78877 2 1

August 2007

Interpretation & Klang:

       sehr gut

 

Letztes Update: 26.08.2007, 19.37 Uhr

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