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Heinrich Ignaz Biber (1644-1704); Georg Muffat (1653-1704) |
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Heinrich Ignaz Biber (1644-1704) Antonio Bertali (1605-1669) Cantus Cölln Concerto Palatino *** 1 CD - Harmonia Mundi - HMA 1951667 - 1999 / November 2007 *** Heinrich Ignaz Biber (1644-1704) zählt zu den vielen unverdienterweise in Vergessenheit Geratenen der deutschen / habsburgischen Barockmusik. Im Dienste des Salzburger Erzbischofs stehend und dort schließlich das Amt des Hofkapellmeisters bekleidend, hat Biber zahlreiche Messen, Oratorien und auch Litaneien geschrieben. Zwei der Glanzstücke der Mess-Musikliteratur bilden seine Missa Salisburgensis, deren 1998er-CD-Einspielung unter Musica Antiqua Köln 2003 bei Universal Classics als eine der wenigen SACDs nochmal auf den Markt gebracht wurde, und die MISSA CRISTI RESURGENTIS mit The English Concert, 2004 bei Harmonia Mundi erschien. 1998 wurden im Stift zu Melk neben den St-Josefs-Litaneien Bibers weitere Kirchmusik seiner Kollegen Georg Muffat (1653-1704) (Missa "In labore requies") und Antonio Bertali (1605-1669) aufgezeichnet, die jetzt im Rahmen der Reihe Musique d'abord bei Harmonia Mundi neu aufgelegt wurden. Schon von der Komposition erlebt man ein weiteres Mal Barock at its best und die unnachahmliche Akkustik der Melker Abtei trägt ihren Teil dazu bei, dass diese CD als eine uneingeschränkte Empfehlung als ideale Beigabe für den weihnachtlichen Gabentisch dem geneigten Leser ans Herz bzw Ohr gelegt sei! Dirk Carius "Ihre tolle Dramaturgie von Polyphonie und Raumklang, von Pracht und
Kontemplation kleidet die grandiose Architektur des Barock in Klänge. Gerade in
den zurückhaltenden Momenten erreichen die Interpreten unter Junghänels
umsichtiger Leitung berückende Schönheit, aber auch der schiere Pomp kommt nicht
zu hart." Den Fürsterzbischöfen von Salzburg, denen nicht nur als Metropoliten über zwölfhundert Jahre die Führung der bayerischen Kirchenprovinz anvertraut war, sondern die auch bis zur Säkularisation im Jahre 1803 als weldiche Reichsfürsten ein wohlhabendes und begütertes Erzstift regierten, war die Musikpflege an ihrer Metropolitankirche, dem Salzburger Dom, stets ein Anliegen. Die davon herrührende Musiktradition erreichte einen ihrer glanzvollsten Höhepunkte im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts im Wirken von Heinrich Ignaz Franz Biber (1644-1704) und Georg Muffat (1653-1704). Biber, aus Nordböhmen gebürtig, kam nach seiner vermutlich bei Johann Heinrich Schmelzer und in dessen Wiener Umkreis genossenen Ausbildung 1670 über Kremsier an den Salzburger Hof, wo er seine zunächst als Violinist begonnene Karriere 1684 mit dem Kapellmeisteramt krönen konnte. Muffat, aus Savoyen stammend, erhielt seine musikalische Ausbildung in Paris im Umkreis von Lully und gelangte nach einer höheren humanistischen Ausbildung im Elsaß und an der Universität Ingolstadt über Wien und Prag 1678 nach Salzburg, wo er sich als Hoforganist zum kongenialen Partner Bibers entwickelte. Die Voraussetzungen dafür erwarb sich Muffat vor allem während eines vom Salzburger Landesfürsten gewährten Studienaufenthaltes in Rom bei A. Corelli und B. Pasquini. Im Gegensatz zu Biber, dessen Laufbahn sich als hochdotierter Hofkapellmeister unter den Fürsterzbischöfen Max Gandolph GrafKuenburg (1668-1687) und Johann Ernst GrafThun (1687-1709) am Salzburger Hofvollendete, fand Muffat imJahre 1690 einen neuen Wirkungskreis als Kapellmeister am Passauer Hof unter Fürstbischof Johann Philipp Graf Lamberg (1690-1712), einem sowohl kunstsinnigen als auch in der Reichspolitik höchst aktiven und erfolgreichen Bischof, der auf Vorschlag von Kaiser Leopold I. im Jahre 1700 überdies zum Kardinal kreiert wurde. Beide Komponisten beeinflussten die europäische Musikentwicklung in nachdrücklicher Weise, Biber hauptsächlich auf dem Gebiet der virtuosen solistischen Violinmusik und Muffat einerseits in der Vermittlung des bei Corelli kennen gelernten Concerto grosso und andererseits mit seinem Apparatus musico-organisticus, der ersten bedeutenden Sammlung barocker Orgelmusik vor Bach. Als Komponisten vokal-instrumentaler Musik sind Biber und Muffat bald in Vergessenheit geraten und erst relativ spät wiederentdeckt worden, obwohl ersterer ein umfangreiches CEuvre in dieser Gattung vorzuweisen hat. Die Gründe dafür lagen vermutlich teils in der großen Besetzung der Vokalkompositionen, teils in ihrer überwiegend handschriftlichen Überlieferung. Die "Lytaniae de S. Josepho" ist dem Spätwerk Bibers zuzuordnen und ihre Entstehung ist im Zusammenhang mit der am Salzburger Dom 1677 errichteten Josefsbruderschaft zu suchen, die zu den bedeutendsten und finanzkräftigsten Fraternitäten Salzburgs zählte. Mittelpunkt der religiösen Aktivitäten dieser Erzbruderschaft war das am 19. März auch in Salzburg begangene Josefsfest, das Papst Gregor XV. im Jahre 1621 zum gebotenen Feiertag erklärt hatte. Vor allem waren die nachmittägige Prozession und die sich daran anschließende Litanei, die am Bruderschaftsaltar in der Domkirche, dem Schneeherrnaltar im rechten Mittelschiff, abgehalten wurde, dadurch akzentuiert, daß der Fürsterzbischof selbst jedes Jahr mit dem gesamten "Corteggio" daran teilnahm. Die handschriftliche und einzige Quelle des Werkes, die sich in den Musikalienbeständen des Salzburger Doms erhalten hat, und vermutlich auch die Komposition selbst dürften etwa zwischen 1692 und 1696 entstanden sein. Neben Messe und Vesper zählten Litaneien auch in der Tradition der Salzburger Kirchenmusik im 17. und 18. Jahrhundert zu jenen Kompositionen, die außerhalb des liturgisc.\len Gottesdienstes in Andachten, den so genannten "pia exercitia" (frommen Übungen), mannigfach Verwendung fanden. Die Textfassung der Litanei zu Ehren des hl. Josef, der die von Salzburg 1691 beantragte römische Approbation versagt blieb, wandelte sich mehrmals. Bibers Vertonung liegt die älteste TextVariante zugrunde, deren Verfasser unbekannt ist. Mit 413 Takten zählt das Werk zu den umfangreichsten geistlichen Kompositionen Bibers. In der Aufteilung des Textes in sieben Abschnitte steht es in der Tradition jenes Litaneientypus, der sich im 17. Jahrhundert herausbildete, im 18.Jahrhundert fortsetzte und durch die Übernahme der neapolitanischen Kantatenform in den Dimensionen auszuweiten begann. Stilistisch bleibt Biber allerdings seiner Zeit noch weitgehend verbunden. aus dem Begleitheft; Text von Dr. Ernst Hintermaier
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1 CD - Harmonia Mundi - HMA 1951667 - 1999 / November 2007
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Letztes Update: 10.11.2007, 18.24 Uhr |
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