Händel, Georg Friedrich  (1685-1759)

 

Dettingen Te Deum

Trinity College Choir Cambridge
Academy of Ancient Music

Stephen Layton

*** 1CD - Hyperion (UK) / Vertrieb: Codaex - CDA 67678 - April 2008 ***

Eine gelungene Einspielung eines nicht so oft zu hörenden Stücks von Händel.

Dirk Carius

*** Aus dem Beiheft www.hyperion-records.co.uk ***

HÄNDEL widmete nahezu seine gesamte Karriere der Komposition, Bearbeitung, Revision, Proben, Reklame und Aufführung von Werken für die Londoner Bühne. Abgesehen von einer erheblichen Zahl italienischer Opern zwischen 1711 und 1741, unter denen sich neue Werke und zahlreiche Wiederaufnahmen befanden, waren seine Oratorien genau, was man von einer Theatervorstellung erwartete. Einige Jahre nachdem er 1732 das englische Oratorium seinem Publikum vorgestellt hatte, begann Händel, durch die Aufführung von Konzerten, in denen er selbst das Solo spielte, sein Ansehen als brillanter Orgelvirtuose zwischen den Akten der Oratorien auszunutzen.

Das Autograph des Orgelkonzerts Nr. 14 in A-Dur HWV296a ist nicht datiert, aber das Papier, das er benutzte, lässt darauf schließen, dass er es Anfang 1739 komponierte. Die Uraufführung fand wahrscheinlich am 20. März 1739 im King’s Theatre, Haymarket, statt, als eine Wiederaufnahme des Alexanderfestes gespielt wurde. Anders als der Kontext der meisten seiner anderen Orgelkonzerte, wurde HWV296a wahrscheinlich in die Handlung der Hauptveranstaltung eingebaut. In früheren Aufführungen des Alexanderfestes folgte dem Rezitativ „Timotheus, plac’d on high“ sein Harfenkonzert in B-Dur, das musikalisch den Text illustrierte, der darauf anspielt, dass der Barde Timotheus die Leier für Alexander den Großen spielte. Die Dirigierpartitur der Ode zeigt jedoch, dass das Ende des Rezitativs zu einer Zeit— womöglich 1739—umkomponiert wurde, um einen glatten Übergang in eingeschobene Musik in A-Dur, der Tonart des Orgelkonzerts zu ermöglichen. Die Musik für dieses Konzert scheint Händel besonders gefallen zu haben, denn er verwendete alle vier Sätze im folgenden Oktober für das elfte seiner „Twelve Grand Concertos“, op. 6. Zwei Sätze in dieser Aufnahme—das ad libitum bt und Grave cl—sind Improvisationen des Organisten Richard Marlow.

Händels Prominenz im britischen Kulturleben wurde im Februar 1727 bestätigt, als sein Name in den Einbürgerungs-Akt aufgenommen wurde, den König Georg I. kurz vor seinem Tode in Osnabrück (auf dem Wege nach Hannover, das der Monarch London vorzog) verabschiedete. Die Entscheidung des Komponisten, offiziell Brite zu werden, gab ihm glücklicherweise den legitimen Status, um vier neue Anthems für den Krönungs- Gottesdienst für König Georg II. und Königin Caroline in der Westminster Abbey am 11. Oktober 1727 zu schreiben. „Zadok the Priest“ (HWV258) ist das berühmteste der vier zu diesem Anlass neu komponierten Stücke. Der Text wird aus 1. Könige 1: 38–40 paraphrasiert, und das Anthem wurde bei allen folgenden britischen Krönungen gespielt. Händel genoss wohl die Gelegenheit, grandiose, zeremonielle Musik für wesentlich größere Kräfte zu schreiben als ihm im Theater zur Verfügung standen (ein Augenzeuge der Probe behauptet, dass es 40 Sänger und 160 Spieler waren) aber die musikalischen Beiträge zur Krönung liefen alles andere als glatt ab. Die Aufstellung verschiedener Aufführender auf Emporen bedeutete, dass sie sich nicht gegenseitig sehen konnten und der schwierigen Akustik des Gebäudes ausgeliefert waren, und William Wake, der Erzbischof von Canterbury bemerkte in seinem Exemplar der gedruckten Gottesdienstordnung über ein weiteres Anthem Händels („The King shall Rejoice“): „… im Wirrwarr: alles durcheinander in der Musik“.

Es ist unwahrscheinlich, dass Händel je wieder eine Aufführung mit einem so großen Chor erlebte. Obwohl alle vier Krönungs-Anthems Anfang der 1730er Jahre in seine Theater-Oratorien aufgenommen wurden, war sein üblicher Chor bei diesen Gelegenheiten nur etwa halb so stark wie die Kräfte, die für einen Anlass von ikonischer 14 HÄNDEL Dettinger Te Deum nationaler Bedeutung versammelt worden waren. Aber dennoch dürfte er im Sommer 1743, als die Nachricht London erreichte, dass Georg II. in der Schlacht von Dettingen siegreich eine Armee gegen die Franzosen geführt hatte, auf die Gelegenheit gehofft haben, ein ähnlich ambitiöses Stück zur Siegesfeier zu komponieren und aufzuführen. Es war eine frühe Schlacht im Österreichischen Erbfolgekrieg und das letzte Mal, dass ein britischer Monarch selbst ein Heer anführte und in einer Schlacht focht. Es wurde ein Danksagungsgebet veröffentlicht, das am Sonntag, dem 17. Juli in allen Kirchen gelesen werden sollte, und Händel ergriff am gleichen Tag die Initiative, mit der Arbeit an einem großen Te Deum zu beginnen. In Anbetracht seiner ausgedehnten Form, des großräumigen Stils der Chorschreibweise und üppigen Instrumentation (einschließlich dreier Trompeten und Pauken) scheint der Komponist erwartet zu haben, dass in der St. Paulskathedrale ein großer Danksagungsgottesdienst mit seinem Te Deum im Mittelpunkt abgehalten würde, wie es 1713 nach dem Utrechter Frieden gewesen war.

Händel hatte jedoch fehlkalkuliert. Großbritannien war noch nicht offiziell im Kriegszustand mit Frankreich, und Georgs Heer war die provisorische sogenannte „pragmatische Armee“, die sich aus britischen, hannoveranischen und hessischen Truppen zusammensetzte. Außerdem hatte Georg angeblich mit einer hannoveranischen Schärpe gefochten, nicht in britischer Uniform. Die Schlacht bei Dettingen war im Wesentlichen eher ein nebensächliches Scharmützel als ein vorteilhafter oder begehrter Friedensvertrag nach einem schwierigen und langen Krieg (der erst im Oktober 1748 mit dem zweifellos unbefriedigenden Zweiten Aachener Frieden kommen sollte). Der Sieg des Kurfürsten von Hannover hatte nur wenig langfristigen Wert für Großbritannien, auch wenn er das königliche Ego aufgeblasen hatte. Georg II. hatte sich lange danach gesehnt, ein Militärheld zu sein, und sein Wunsch hatte sich endlich erfüllt. Aber die Skala und Manier des Sieges machten es unwahrscheinlich, dass die britische Regierung eine öffentliche Danksagung in der emblematischen nationalen Kathedrale veranstalten würde, nicht zuletzt, weil es unter den Politikern der Opposition Empörung angeregt hätte, die schnell darauf hingewiesen hätten, dass Großbritanniens Interessen oft denen der deutschen Provinz der königlichen Familie untergeordnet waren.

Die letzte Seite von Händels Autograph, auf der er das Werk nach seiner Vollendung datiert und signiert hätte, ist heute verloren, aber sein Assistent John Christopher Smith schrieb am 28. Juli 1743 an den Earl von Shaftesbury: „[Händel] ist jetzt mit einem großen Te Deum und Jubilate beschäftigt, das anlässlich der Rückkehr des Königs aus Deutschland aufgeführt werden soll (aber er hält es geheim, und ich würde zu niemand anderem darüber sprechen als zu Eurer Lordschaft), und wenn ich bedenke, wie viel Papier er von mir hatte, darf ich annehmen, dass es fast fertig ist. Ich denke, dass es perfekt eingeschätzt ist, um Hof und Stadt mit einer solch großartigen Komposition und Aufführung zu besänftigen und gefallen.“

SUNDAY TIMES CLASSICAL CD OF THE WEEK

GRAMOPHONE RECOMMENDS


'In a performance as expert and committed as this, the pealing D major choruses have an elemental boldness and grandeur of effect of which Handel invariably possessed the secret … Stephen Layton obviously believes strongly in a work that today ranks almost as neglected Handel. Under his fervent, energetic dirction, Trinity College Choir (topped by a notably pure soprano line) strike a nice balance between choral-scholarly refinement and early, swashbuckling directness. The Academy of Ancient Music match them in style and panache, with superb trumpet solos from David Blackadder … Choral-orchestral balance is ideally judged in the atmospheric acoustic of Trinity College Chapel. Complementing the inspiriting performance of the Te Deum is a properly overwhelming account of Zadok the Priest … and a delightfully deft one (on a silvery-toned, six-stop chamber organ) of the A major organ concerto' (Gramophone)

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'A magnificent Te Deum … Great singing with sprightly playing from the Academy' (Observer)

'The youthful voices of Trinity's choir sing superbly throughout, and quite magnificently in Zadok, which rounds off the disc climactically after a stylish performance of the A major Organ Concerto by Richard Marlow' (Sunday Times)

'Prepare the sand buckets: the opening of Handel's Dettingen Te Deum is incendiary. Trinity College Choir, the Academy of Ancient Music and the conductor, Layton, deal brilliantly with the reflective moments in a setting written to celebrate George II's victory over the French in 1743' (The Times)

'In a performance as precise and exuberant as this (wonderfully expresive diction from the Trinity Choir), its trumpet-and-drum-fuelled extroversion comes across as elementally exciting' (Daily Telegraph)

'The performances are brilliant … The choral singing is a model of clarity and beauty and Stephen Layton leads this magnificent performance with a true sense of occasion' (Goldberg)

'This rip-roaring Handel disc … There's no want of youthful vigour here, expressed in glorious technicolour at salient points in the martial Dettingen Te Deum and Zadok the Priest. Yet it's the disciplined refinement of the music-making that delivers the purest pleasure. Recommended' (Classic FM Magazine)

'The score simply teems with incredible invention … Layton's tempos are faultless, the Academy of Ancient Music plays as though possessed, and Neal Davies's solos lend an authority complementing the more soft-grained soloists from within the choir (itself fresh-sounding and impeccably collegiate in every sense). A stylish Zadok and nimble Organ Concerto are welcome bonuses, but if you're still to be persuaded by the Dettingen, this is the performance to do it' (BBC Music Magazine)

'There is no shortage of recordings of Zadok the Priest, but its combination with the Dettingen Te Deum and the organ concerto connected with Alexander's Feast is without rival. Stephen Layton directs the distinctive and well-balanced mixed-voice Choir of Trinity College, Cambridge with excellent players from the Academy of Ancient Music in readings that are full of vigour and rhythmic bite, exquisitely offset by the gentler musings of the contrasting slower, lyrical passages' (International Record Review)

'The Dettingen Te Deum … is a cracking work and a deservedly popular part of Handel's corpus. This recording shows off the piece's martial exuberance. The first movement, in particular, is stirring stuff, and David Blackadder (trumpet) is magnificent … The Organ concerto in A is one of Handel's most charming works, and is played happily and charmingly by Richard Marlow' (Early Music Review)

'On a new release by Trinity College Cambridge under Stephen Layton, all goes splendidly, the three trumpets and timpani adding to the rich sound … an exciting album' (Liverpool Daily Post)

 

 

 

2 CDs
Hyperion (UK) / Vertrieb: Codaex

CDA 67681
Mai 2008


 

Interpretation:
Klang:
    sehr gut
    sehr gut

 

Letztes Update: 31.08.2008, 19.58 Uhr

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