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Tschaikowski, Petr Iljitsch (1840-1893) |
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SCHWANENSEE - SWAN LAKE - LEBEDINOJE OZERO Choreography by Vladimir Burmeister & Lev Ivanov (act II) Odette / Odile .... Svetlana Zakharova Pas de quatre SVETLANA ZAKHAROVA • ROBERTO BOLLE Directed for Stage by Florence Clerc & Frédéric Olivieri
Recorded live at the Teatro degli Arcimboldi, Milan, 14 April 2004
Bei einem schwulen Komponisten nicht ganz unberechtigt, gab es sowohl professionell, als auch von diversen schwulen Klubs, im Ernst oder als Klamauk. Unvergessen und nahe gehend das Tanzprojekt der Gruppe schwuler Freunde in Liebe! Stärke! Mitgefühl! Hier nun eine professionelle Aufzeichnung aus dem Teatro alla Scala - oder besser dem Ausweichquartier im Teatro degli Arcimboli (einem vollen Knüller, wie die Leitung der Scala resümierte, wurden doch dort neue Besucherkreise erschlossen, wodurch die Spielstätte auch nach Fertigstellung und Wiedereröffnung des umfassend rekonstruierten und modernisierten alten Opernhauses erhalten bleibt!). Die beiden Stars der Aufführung sind die aus der Ukraine stammende Svetlana Sacharova sowie der Primoballerino Roberto Bolle aus dem eigenen Hause. Schon wenn man das Cover sieht und auch die ersten Szenen des Balletts auf der Bühne, meint man zunächst, man hat eine schon ältere Aufzeichnung vor sich - ist es doch leider heute nur noch selten, dass historisierende Bühnenbilder findet und dann noch so schön anheimelnd wie bonbonfarben die Kulisse, so blass die Gesichter. Man fühlt sich in eine andere Zeit versetzt. Die doch längeren Haare der Männer tun ein Ähnliches. Und doch ist die Aufzeichnung aus dem Jahre 2004 und verdient Beachtung. Die Tanzleistung des Balletts der Mailänder Scala ist ganz sicher zu den hochwertigsten zu rechnen, die wir haben und sowohl die Beteiligten des Pas de Quatre, die zweite Reihe sozusagen, als natürlich die beiden Solotänzer sind über technische Mängel weiß Gott erhaben. Fraglich ist nur, warum, besonders im ersten und zweiten Akt, die Gesten des Prinzen Siegfried dermaßen effeminiert sein müssen, dass man es schon als störend empfindet. Im Laufe des Balletts - oder ist es nur Gewöhnung - nimmt diese Effeminiertheit ab und weicht einer eher authentischen Darstellung sowohl der erwachenden Leidenschaft wie der Verzweiflung, als seine Odette ihm am See entrissen oder als die seiner Angebeteten so ähnliche Odile (kein Wunder bei der gleichen äußeren Gestalt, ein Zauber kann so was!) den Schlosssaal verlässt. Und vollends rehabilitiert sich oder die Inszenierung Bolle in der wahrhaft meisterlich inszenierten Schlussszene: Siegfried im wütend tosenden See und am Ufer der sterbende Schwan! Einfach fantastisch! Natürlich sind allerorts die Schwanenszenen die bekanntesten; kein Wunder also, dass auch die zu findenden Szenebilder (s. Rahmen) sich auf diese beziehen. Dabei verdiente es auch die Schlosskulisse im Rahmen eines Szenebildes festgehalten zu werden! Und ganz grandios ist der Prolog gelungen, in dem die Entführung der Odette durch den übermächtigen, tosenden bösen Zauberer Rothbart vorweggenommen wird! Also: gucken! D. C. ******* Begleittext im Booklet - Courtesy of
TDK ***** Ob Tschaikowsky wohl schwante, als er 1871 im Alter von 31 Jahren bei einem Urlaubsaufenthalt für die Kinder seiner Schwester das kleine Ballett Lebedinoje osero vertonte, dass dieses Werk später in erweiterter Form als Schwanensee zum erfolgreichsten Ballett aller Zeiten, ja zum Synonym für das Ballett schlechthin werden sollte? Jedenfalls ging er sofort darauf ein, als er auf Anregung von Wladimir Petrowitsch Begitschew, Intendant des Großen Theaters in Moskau, im Sommer 1875 eingeladen wurde, ein Ballett zu komponieren. Zusammen mit seinem Bolschoi-Ballerino Wassili Fjodorowitsch Gelzer hatte der Intendant höchstpersönlich das Libretto nach diversen Legenden und Märchen – darunter Der geraubte Schleier aus Johann Karl August Musäus’ »Volksmärchen der Deutschen« – präpariert. Der Auftrag reizte den Komponisten nicht zuletzt, weil er, wie er in einem Brief an Rimsky-Korsakow formulierte, »schon lange das Bedürfnis verspürte, mich an dieser Art von Musik zu versuchen«. Dabei schwebten ihm als Vorbilder die Ballette von Delibes, insbesondere dessen Coppélia, vor. Und zudem hielt Tschaikowsky 5.000 Rubel für ein äußerst lukratives Angebot. Zu einer direkten Zusammenarbeit mit dem vorgesehenen Choreographen, wie sie dann für seine späteren Ballette Dornröschen und Der Nussknacker charakteristisch wurde, kam es indessen nicht. Eher scheint das Gegenteil der Fall gewesen zu sein: Wenzel Reisinger (1828–1892) war ein Routine-Ballettmeister, der mit der symphonisch ambitionierten Musik Tschaikowskys entschieden überfordert war. Er kürzte hier, arrangierte da um, und so wurde die Uraufführung am 4. März 1877 am Moskauer Bolschoi-Theater ein eher durchwachsener Erfolg (allerdings nicht der Misserfolg, als der er in diversen balletthistorischen Darstellungen bis heute beschrieben wird). Immerhin erlebte Lebedinoje osero in den folgenden fünf Jahren zwei Neueinstudierungen und kam so auf über vierzig Vorstellungen – für die damalige Zeit durchaus die Ausnahme. Die Version, die heute in vielerlei Form als Lebedinoje osero, Schwanensee, Swan Lake, Le Lac des cygnes, Lago dei cigni etc. an den Bühnen der Welt getanzt wird, hat Tschaikowsky selbst nicht mehr erlebt. Seinen Siegeszug hat das Ballett ganz bescheiden am 12. März 1894 im St. Petersburger Mariinsky-Theater angetreten: in einer Sondereinstudierung des zweiten Aktes als Gedenkvorstellung für den im November 1893 verstorbenen Komponisten und arrangiert von Lew Iwanowitsch Iwanow, Zweiter Ballettmeister neben dem berühmteren Marius Petipa. Dieser witterte augenblicklich das Potenzial, das in Tschaikowskys Partitur steckte, und sorgte für eine Neueinstudierung des kompletten Balletts am Mariinsky-Theater, die er sich mit Iwanow teilte. Dies geschah nicht ohne eigene Eingriffe in die Partitur, die Petipa sich von Hofkapellmeister Riccardo Drigo (1846–1930) arrangieren ließ. Sich selbst behielt er die Inszenierung des ersten und dritten Aktes vor, seinem Vize überließ er die »weißen« Akte zwei und vier am Gestade des Schwanensees. Uraufgeführt am 27. Februar 1895, gilt diese Fassung als Modell, auf das sich bis heute die Choreographen beziehen – auch wenn sie inzwischen radikale Änderungen vorgenommen haben. Dazu bietet ihnen die Überlieferung des Schwanen-Mythos mit seinen antiken Anfängen, in denen bekanntlich Jupiter in Gestalt des Schwans Leda die Frau des Spartanerkönigs beglückte, vielfältige Interpretationsmöglichkeiten. Schon hier wurde auch der androgyne Charakter des Schwans deutlich, der inzwischen etwa in den Inszenierungen von Matthew Bourne (Swan Lake, London 1995) und Stephan Thoss (Zwischen Mitternacht und Morgen, Hannover 2004) zu einem männlichen Corps von Schwänen geführt hat. Auch gibt es seit der radikalen psychoanalytischen Anverwandlung der Story durch Mats Ek 1986 beim schwedischen Cullberg Ballett mit den Mitteln des Modern Dance jede Menge dramaturgische und choreographische Neudeutungen, von denen John Neumeiers Hamburger Illusionen – wie Schwanensee mit ihrem historischen Bezug zu Ludwig II. von Bayern eine der erfolgreichsten ist (die sich zudem auf die Angabe im Original stützen kann »In Deutschland, märchenhafte Zeit«). Bereits in den ersten fünfzig Jahren nach der St. Petersburger Premiere der Petipa-Iwanow-Version hatte Schwanensee so viele Bearbeitungen erfahren, dass die Einstudierung 1953 am Moskauer Stanislawsky-und-Nemirowitsch-Dantschenko-Theater, basierend auf der Originalpartitur von Tschaikowsky und in der dort veröffentlichten Reihenfolge der einzelnen Nummern, einer Sensation gleichkam. Sie stammte von Wladimir Pawlowitsch Burmeister (1904–1971), dem Chefballettmeister des Hauses. Dieser hatte das Libretto dramaturgisch erheblich gestrafft. So zeigte er in einem Prolog, wie der Zauberer Rotbart die Prinzessin Odette in einen Schwan verwandelt, und entsprechend nach dem finalen Kampf, in dem Siegfried über Rotbart siegt, ihre Rückverwandlung, so dass dem Happy End der beiden Liebenden nichts mehr im Wege steht (sehr entgegen dem Original von 1895, das ihre Vereinigung erst in der apotheotischen Verklärung andeutete). Zu den sonstigen Veränderungen gehörte die Umdeutung des Narren in den Freund
Siegfrieds und das Arrangement der Nationaltänze im Divertissement des dritten
Aktes als Zaubereinlagen Rotbarts, der hier als eine Art Entertainer auftritt.
In dieser Burmeister-Version gelangte Le Lac des cygnes im Westen zuerst 1950 an
der Pariser Opéra zur Einstudierung; sie ist inzwischen international von
mehreren Kompanien übernommen worden und liegt auch der jüngsten Inszenierung
des Balletts an der Mailänder Scala zugrunde (in ihrem Ausweichquartier im
Teatro degli Arcimboldi), besorgt von Florence Clerc aus Paris und Frédéric
Olivieri, künstlerischer Direktor des Scala-Balletts. Sie wird in den
Hauptrollen getanzt von der 1979 in der Ukraine geborenen Svetlana Zakharova,
Gastballerina des St. Petersburger Mariinsky-Balletts, als Odette-Odile und von
dem Starballerino der Scala Roberto Bolle, geboren 1975 in Vercelli, als Prinz
Siegfried. ***** SYNOPSIS - Courtesy of TDK ***** Prologue: The girl Odette is picking flowers, but an evil bird-like creature puts a spell on her and turns her into a swan. Scene 1: The Park of a Castle Prince Siegfried and his friends are celebrating his coming of age at a private party. The guests drink to his health and the jester entertains them with his antics. The Prince is warned that his mother, the Princess Regent, is approaching. She is displeased with her son´s behaviour and he presents her with a bouquet of roses to pacify her. After the Princess has gone, the partying begins anew. Twilight falls. The guests depart and the Prince is left alone in the park. High above, Siegfried catches sight of a flock of white swans and the sight stirs the hunter´s urge in him. Seizing his bow, the Prince makes his way off into the heart of the forest. Scene 2: A Lake in the Forest in the Middle of the Night White swans are swimming near the shore; they are beautiful young maidens who have been transformed by the evil magician Rothbart. Only at night can they assume human form and the only power on earth, which can break this evil spell, is devoted love. Siegfried appears. He sees one of the white birds come to shore and draws his bow to shoot it. The bird suddenly turns into a beautiful woman - it is Odette, Queen of the swan-maidens. Odette´s beauty enthrals the Prince and he tries to capture her. She, however, is afraid of the evil magician and, as she avoids Siegfried, she disappears in the midst of the swan-maidens. Siegfried runs after Odette and vows eternal love and fidelity to her. Odette´s heart responds in the same way to Siegfried´s passionate love. Dawn breaks. Odette bids Siegfried a tender farewell and the white swans glide slowly away across the lake. Scene 3: A Ball at the Castle Siegfried must choose a bride from among the well-bred maidens who have been invited, but he remains indifferent to them all because he has given his heart to Odette. Only at his mother´s insistence does he dance with any of the prospective brides. He must, however, choose one of them, and as a token of his love, he must give his chosen bride a bouquet. As he faces this dilemma, however, a fanfare of trumpets heralds the arrival of new guests: the magician Rothbart and Odile, his daughter. The Prince is struck by her resemblance to Odette. Rothbart wants the Prince to fall in love with Odile so that he will break his vow of eternal love and fidelity; Odette will then remain in the sorcerer´s power forever. It is for this reason that he has given his own daughter Odette´s form and features. Odile seduces Siegfried, who is fascinated by her charm. He announces to his mother that the beautiful Odile is his choice. The wicked magician is jubilant. Suddenly Siegfried sees a vision of the true swan-maiden outside the castle window and realises that he has been deceived into breaking his vow. In despair, he rushes to the lake to find his beloved Odette. Scene 4: The Lakeside, at Night The swan-maidens stand dejected and sad. Odette has told them what has happened. Siegfried rushes in. He begs Odette to forgive him and he professes his undying love for her, but the enraged sorcerer summons the black swans and commands them to separate Odette and Siegfried. Siegfried grapples with the magician. Fearless in the encounter, he breaks Rothbart´s wing. The enchanter collapses, his power gone, and he dies. Love has broken the evil spell. The sun rises and shines radiantly on the Prince and Odette, who has regained her human features. |
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Letztes Update: 27.02.2007, 01.17 Uhr |
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