Rossini, Gioachino (1792-1868)

 
IL TURCO IN ITALIA

Fiorella ....... Cecilia Bartoli
Selim .......... Ruggero Raimondi
Narciso ....... Reinaldo Macias
Geronio ...... Paolo Rumetz
Zaida ......... Judit Schmid
Poeta ......... Oliver Widmer

Chor & Orchester des Opernhauses Zürich
Franz Welser-Möst

Bühnenbild: Tullio Pericoli
Kostüme: Tullio Pericoli
Inszenierung: Cesare Lievi

Aufnahme aus dem Opernhaus Zürich 2002
Schweizer Fernsehen DRS, TSR, TSI, Arte TV und RM Associates


**** 1 DVD im edlen Schuber - Arthaus Musik - 100 369 - 2004 ****

Ein Fest für die Sinne: im prachtvoll und exotisch-berauschenden Bühnenbild und entsprechend passenden Kostümen bewegen sich engagierte und stimmlich Hochleistung bringende Akteure, die diese Inszenierung von Rossinis Türken in Italien zu einem wahren Hochgenuss machen.

Dabei wurden erst nach der Wiederausgrabung der Oper Mitte der 1950er mit der Callas deren ursprüngliche Ehren wiederhergestellt. Bei ihrer Premiere 1813 hatte man sie zunächst für einen Abklatsch seiner kurz zuvor auf die Bühne gebrachten L'ITALIANA IN ALGERI gehalten, der ersten Rossini-Oper, mit der der Komponist auf den damals populären "Türkenzug", d.h. Opern und Theater mit orientalischem Flair und Personage zu kreieren, aufgesprungen war.

Dass dem nicht so war, sondern im Gegenteil die gesamte Partitur neu war, interessierte nach dem nicht gerade erfolgreichen Erstzyklus auch niemanden und so hat man von nicht vielen Pasticci unter diesem Namen berichtet, bei denen die Impressarii Erfolgsstücke aus anderen, nicht nur von Rossini erschaffenen, Opern "einbauen" ließen.

Eine der besten akustischen Einspielungen wie solch erbauende Inszenierung verdient natürlich auch eine ebenso edle Verpackung, die sie von Arthaus Musik auch bekommen hat. Eine hochwertige Kartonpackung in einem edlen Schuber macht die DVD auch zu einem Kauferlebnis der Extragüte!

Dirk Carius

 

Rossinis „Tiefe“ aufzuspüren, ohne die darüber rankenden „Rosen“ zu zerstören – das scheint sich auch das Regieteam der Züricher Produktion vom April 2002 vorgenommen zu haben. In den knallbunt-phantastischen Räumen Tullio Pericolis inszenierten Cesare Lievi und Daniela Schiavone absurdes Theater mit Herz und unzähligen Einfällen – ohne dabei die Musik „aus den Ohren“ zu verlieren.

Während zum Beispiel Fiorilla versucht, Ehemann Geronio trotz ihres „türkischen Kaffeestündchens“ in schmollendem Tonfall von ihrer moralischen Überlegenheit zu überzeugen, rückt sie ihm zärtlich immer näher. Erst als der ältliche Gatte noch nicht einmal einen „bacio“ zustandebringt, geht sie wütend zum zweiten Teil der Arie über und verkündet trotzig, die Anzahl ihrer Liebhaber künftig drastisch zu erhöhen.

Auch die an der zentralen Person des Dichters festgemachte „Theater auf dem Theater“-Thematik wird in dieser Inszenierung virtuos herausgearbeitet. Der „poeta“ versucht alles zu lenken, zu notieren und sogar buchstäblich zu dirigieren, was sich da auf der Bühne – die zugleich sein Schreibtisch ist! – abspielt. Das gelingt nicht immer, da die Figuren seiner Phantasie mitunter recht handfest gegen die vorgesehene Handlung protestieren.

Der Dichter kann also froh sein, dass ihm mit dem Souffleur ein „alter ego“ zur Seite gestellt wurde, was die spielerische Absurdität der Situation natürlich auf die Spitze treibt: der eine schreibt sein Drama gerade den Akteuren von den Lippen ab, der andere hat eben dieses Drama bereits als Regiebuch auf den Knien liegen, um denselben Akteuren daraus zu soufflieren.

Die Neue Zürcher Zeitung resümierte: „Ein höchst vergnüglicher Abend also, woran nicht zuletzt der Dirigent Franz Welser-Möst und das Orchester einen großen Anteil haben. Genau sind die Übergänge ausgehört, fein abgestuft die Tempi. Das ist mitnichten der plakative Rossini, der einem gerne sonst serviert wird, sondern ein differenzierter und mehrschichtiger. Wunderbar, mit welch feinem Humor die Rezitative von Enrico Cacciari am Hammerflügel begleitet werden. So wird auch musikalisch ein Raum geschaffen, in welchem die Sängerinnen und Sänger brillieren können.“

Und diese Gelegenheit wussten Cecilia Bartoli als umwerfend kapriziöse Fiorilla, Ruggero Raimondi als lüsterner Türkenfürst, Paolo Rumetz als liebenswert ungeschickter Don Geronio, Judith Schmid als treue Zaida und Oliver Widmer als praxisorientierter Theaterdichter bestens zu nutzen!


ZUSATZINFORMATIONEN / HÖRPROBEN


Links zur Oper

Zusammenfassung des Geschehens
Libretto in Italienisch
Libretto auf Deutsch

 

Links zu Rossini

- Leben (Deutsche Rossini Gesellschaft)
- Werk
- Leben und Werk (wikipedia)

Die Rossini-Minireihe von EuroArts 2006

- Der Heiratswechsel (La cambiale di matrimonio) (1810) + die Besprechung hier in der Gaystation
- Die seidene Leiter (La scala di seta) (1812) + die Besprechung hier in der Gaystation
- Signor Bruschino oder Der im Glücksspiel gewonnene Sohn (Il Signor Bruschino, ossia Il figlio per azzardo) (1813) + Besprechung hier in der Gaystation

 

 

alle Fotos Suzanne Schwiertz
mit frndl Genehmigung von www.arthaus-musik.com

 

1 DVD im edlen Schuber
Arthaus Musik

100 369
2004
 

Interpretation:
Klang:
Inszenierung:
    ausgezeichnet
    sehr gut
    ausgezeichnet

 

Letztes Update: 24.08.2008, 01.54 Uhr

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