Rameau, Jean-Philippe (1683 - 1764)

 

Les Boréades (1764)

Alphise: Barbara Bonney
Abaris: Paul Agnew
Calisis: Toby Spence
Borée: Laurent Naouri
Borilee: Stéphane Degout
Adamas/Apollon: Nicolas Rivenq
Semire: Anna-Maria Panzarella
Nymphe: Jael Azzaretti

Ballet La La La Human Steps
Choreografie: Edouard Lock

Les Arts Florissants
William Christie

Bühnen-Regie: Robert Carsen
Video Regie: Thomas Grimm "Aufnahme" 2003 at Opera National de Paris

Les Arts Florissants
William Christie

Aufnahme aus der Opéra National de Paris / Palais Garnier von 2003
 

**** 2 DVDs Opus Arte / BBC - Mai 2004 - Katalog-Nr.: OA 0899 D *****


Eine abwechslungsreiche Inszenierung mit zahlreichen Effekten - einfache, wenige farbenfrohe Kostüme kontrastieren mit Blütenmeer und Blütenregen.

Les Boreades - das sind die beiden Söhne Calisis und Borilée (Borileas) des Gottes der Nordwinde Borée (Boreas). Einen von ihnen soll Alphise, die Königin von Baktrien, ehelichen, so nicht ihr Land von einem fürchterlichen Unwetter verheert werden soll. Sie liebt jedoch heimlich Abaris, so wie er, ebenso heimlich natürlich, sie. Als ihrer beider Liebe füreinander offenbar wird, gibt es kein Zurück mehr und nun erst recht weigert sich Alphise klein bei zu geben und einen der Windgott-Söhne zu heiraten. Lieber dankt sie ab.

Aber natürlich ist ein Gott kein Irgendwer und so lässt Boreas die Widerspenstige in sein unterirdisches Königreich entführen. Der kleinmutige Geliebte Abaris will sich drum zunächst, seiner Liebe beraubt, selbst töten und muss erst vom Hohepriester des Apollo wiederaufgerichtet und auf den richtigen Weg, die Befreiungsmission für seine Alphise, geschickt werden. Die natürlich erfolgreich ist, da - wie sich herausstellt - der gute Mann ebenso göttlicher Abstammung ist, nämlich Sohn eines One Night Stands von Apollo (welch ein Zufall) und einer Nymphe des Boreas. Also auch ein Boreade und insofern ist ja alles gut.


Wirklich alles? Nun ja, die Geschichte in jedem Falle. Ansonsten sehr symbolträchtig die Ausstattung (Alphise trägt die ganze Oper schwarz und wechselt erst zum Happy End in ein weißes Kleid der Unschuld). Sinnträchtigerweise, ob der Bedrohungen und düsteren Aussichten sowohl im Privaten als auch den "Staatsgeschäften", überwiegen die grauen, schwarzen Töne in der ganzen Oper, nicht nur zuzeiten des unterirdischen Boreas-Reiches. Allerdings wird den das Farbenfrohe suchende Augen auch Sprenkel Buntes geboten - z. B. gleich am Anfang in der wunderbar und aufwändig gestalteten Sommerwiese, durch die Alphise mit ihrer Vertrauten spaziert. Allerdings hätte man für die Augen des Referenten den Gegensatz von normaler und Unterwelt auch durch mehr Licht verdeutlichen dürfen - mal abgesehen davon, dass er eh das Bunte, Üppige, eben typisch Barocke oder eben prachtvolle Ober-Unterwelt-Inszenierungen, wie mehrere Varianten des Orpheus bevorzugt - auch wenn natürlich die Aussichten für Baktrien so toll nicht sind (was eben Licht nicht unbedingt rechtfertigt).

Passend zum Stück sind auch die das Besondere der französischen Oper ausmachenden Ballettstücke eher grazil und symbolträchtig. Das Bild ist dank HD-Technologie gestochen scharf bei sehr guter Filmregie. Klanglich ist die Einspielung nicht das Meisterstück, weder von der figurativen Ausgestaltung noch von der Stimmgewalt der Interpretinnen. Das mag ein bisschen ungerecht sein ob des zuvor Gesagten und soll bitte keine Kritik an den schon oft bewiesenen Abmischkünsten von Radio France sein.

Alles in Allem: Die Boreaden sind sicher weder von der musikalischen Ausgestaltung noch von ihrer Inszenierung her ein Schmankerl für Barockliebhaber, aber durchaus eine Bereicherung des Repertoires. Für Rameaufans ein in mehreren Aspekten guter Kontrast zur glanzvoll barocken DVD-Einspielung der INDES GALANTES (ebenfalls aus der Pariser Nationaloper).

Rameaus erst posthum bekannt gewordenes Werk wurde erstmals am 16. September 1964 in Paris (Maison de la Radio) konzertant aufgeführt und ist auch seitdem nicht so oft zu sehen oder hören. D. C.


Zusatzinformationen zur DVD

Bild: 16:9
Audio: DTS SURROUND / LPCM STEREO
Untertitel: EN/FR/DE/ES
Laufzeit insgesamt: 160 Minuten (+ 58 Min Extras)

Extras
+ THE TRIUMPH OF LOVE (57:22) - Interviews mit Robert Carsen, William Christie, Barbara Bonney, Paul Agnew, Laurent Naouri


WEBLINKS zu dieser Oper

- Eine Vorschau der Oper (offizieller OpusArte-Teaser) kann auf der Homepage von Opus Arte angesehen werden

+ Zusammenfassung der Handlung (Deutsch)
(Libretti bislang nicht online verfügbar!)

+ Diskografie dieser - wie auch weiterer - Opern Rameaus
+ eine zweite, mindestens genauso gute Diskographie


Zum Komponisten

+ Biografie Rameau (engl.) mit Portraits
+ Übersicht über wichtige Opern Rameaus

in der Gaystation siehe auch

+ Besprechung Les Indes Galantes (Les Arts Florissants / William Christie, DVD)
+ Besprechung Les Paladins (Les Arts Florissants / William Christie, DVD)
+ Besprechung Platée (Musiciens du Louvre unter Marc Minkowski, DVD)


Kauf-Links

+ Diese DVD bei Amazon kaufen
+ Erato-Gesamtaufnahme der Oper (3 CDs) - von 1987 - mit Smith, Rott, Langridge, Aler, Lafont Huttenlocher für 6,99!!!

+ Platée auf DVD
+ Les Boreades auf DVD (Barbara Bonney, Paul Agnew, Toby Spence, Stephane Degout, Laurent Naouri, Nicolas Rivenq, Anna-Maria Panzarella, Jael Azzaretti Opera National de Paris / Les Arts Florissants / William Christie)
+ Les Paladins auf DVD (Topi Lehtipuu, Stéphanie d’Oustrac, Laurent Naouri, Sandrine Piau, René Schirrer, François Piolino Les Arts Florissants / William Christie - OpusArte)

 

  

 

2er DVD-Pack
Label: Opus Arte / BBC
Katalog-Nr.: OA 0899 D

Spielzeit: 160 + 58 Minuten

Interpretation & Klang:

       gut

Bild        herausragend
Inszenierung        herausragend

 

 

Letztes Update: 27.02.2007, 01.17 Uhr

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