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Modest Mussorgsky |
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BORIS GODUNOV in Originalsprache Urfassung in 7 Akten Libretto von Mussorgskij selbst unter Verwendung der gleichnamigen Dramavorlage von Alexander Puschkin Boris Godunov - Matti Salminen Orquestra Simfònica i Cor del Gran Teatre del Liceu
Barcelona Recorded live at the Gran Teatre del Liceu, Barcelona, 2004
Boris Godunow - die Puschkinsche Tragigestalt - ist eine der gewaltigsten Basspartien der Opernwelt und Matti Salminen die ohne Zweifel passendste Besetzung für den notgedrungen zum Zar gemachten Bojaren. Und Salminen enttäuscht natürlich nicht. Ein weiteres Mal hat er seine Qualitäten als Bass unter Beweis gestellt. Ungewöhnlich und unerwartet jedoch die Inszenierung. Nicht das gewohnt - und von den meisten auch gewollt - historisierende Szenario mit prachtvollen Kostümen, einem fulminanten Zarenthron und angemessenen Räumlichkeiten, sondern eine spärliche Bühnenausstattung und der Zar im Anzug. Nicht businesslike, sondern eher so 2. Riege. Anstelle des Zarenthrons gibt es einen übergroßen, aber simplen Holzstuhl, der zu allem anderen als zum Sitzen einlädt. Und das Volk kommt daher wie in einer Verfilmung des Karl-Marx-Jugendromans Mohr und die Raben von London. Indes macht v.a. die starke schauspielerische Leistung der Akteure das psychologische Drama des eigentlichen Menschenfreunds und nun zwangsweise zum Gewaltherrscher Gewordenen auf sehr eindringliche Weise klar. Und da dies sicher ein allgemein gültiges Thema und auch immer potenziell aktuell ist, sei der Shift in Time erlaubt, auch wenn der Rezensent keinen Hehl daraus macht, dass ihm eine historisierende Inszenierung wie seinerzeit z.B. in Leipzig, bei der der Pope der Russisch-Orthodoxen Kirche der Stadt, der ja auch Künstler war und ist, eine wahrhaft märchenhaft-authentische Kulisse hingezaubert hat, lieber ist. Dirk Carius
Die DVD Booklet : English/ German/ French Bild: 16:9 anamorph
******* Begleittext im Booklet - Courtesy of
TDK *****
Boris Godunow ist zweifelsohne nicht nur die berühmteste und meistaufgeführte Oper Modest Mussorgskys, sondern auch die des russischen Musikdramas überhaupt. Das Libretto basiert auf der gleichnamigen Tragödie des bedeutenden Dichters Alexander Puschkin, der 1825 – ausgehend von Nikolai Karamsins Geschichte des russischen Reichs – ein Historiendrama über Wahnsinn und Tod des Zaren Boris geschrieben hatte. Mussorgsky ließ sich von diesem Text inspirieren und komponierte im Einklang mit seinen stark nationalistisch geprägten Überzeugungen eine Oper, in der das russische Volk die eigentliche Hauptrolle spielt. Die aus sieben Bildern bestehende Urfassung, die im Gran Teatre de Liceu in Barcelona im September / Oktober 2004 aufgeführt wurde und auf dieser DVD enthalten ist, wurde in den Jahren 1868 / 1869 von dem damals erst 30-jährigen Komponisten geschrieben. Er konnte sie jedoch selber nie auf einer Bühne sehen. Nachdem diese Fassung vom Musiktheaterkomitee der Kaiserlichen Theater aus formalen Gründen zurückgewiesen wurde, da eine sentimentale Intrige, eine große Frauenrolle sowie Balletteinlagen fehlten und den Verantwortlichen zudem auch der politische Inhalt missfiel, schuf Mussorgsky 1872 eine zweite Version, die einen Prolog und vier Akte umfasst und schließlich 1874 im Mariinsky-Theater in St. Petersburg uraufgeführt wurde. Diese Fassung – in der Neuorchestrierung von Rimsky-Korsakow – ist die weltweit bekannteste. Die zweite Version wurde ein großer Publikumserfolg, was jedoch die russischen Behörden eher beunruhigte: Sie fürchteten, die Oper könne sich in ein revolutionäres Manifest verwandeln. Doch auch die Partitur selbst erregte einiges Aufsehen. Sogar Mussorgskys Freunde aus der slawophilen »Gruppe der Fünf«, der neben Mussorgsky noch Balakirew, Cui, Rimsky-Korsakow und Borodin angehörten, waren von der Kühnheit der Musik verblüfft. Das erklärt auch Rimsky-Korsakows Handlungsweise, der zwar Mussorgskys Genie bewunderte, gleichzeitig aber auch seine »Ungeschliffenheit« fürchtete. Um die Oper zu »retten«, überarbeitete er den größten Teil der Orchestrierung und schuf so eine neue Klanggestalt. Diese Fassung fand in Russland und ganz Europa außergewöhnlichen Anklang – in so legendären Inszenierungen wie der mit dem berühmten russischen Bass Schaljapin in der Titelrolle. Doch mit den Jahren wuchs auch das Interesse an der Urfassung. Sie wurde neu herausgegeben, und 1928 feierte der »Ur-Boris« aus dem Jahre 1869 in Leningrad Premiere. Diese Version fand im Laufe des 20. Jahrhunderts immer mehr Verbreitung. Das Libretto erzählt von einer schwierigen und düsteren Epoche (1598–1605) in der Geschichte Russlands. Nach dem Tod Iwans des Schrecklichen 1584 kam Fjodor, sein Sohn aus erster Ehe, an die Macht. Er war schwachsinnig, aber friedfertig, und er wurde vom Volk geliebt. Beschützt wurde er von Boris Godunow, einem adligen Bojaren, der Iwans Vertrauen genossen hatte. Ein Sohn aus Iwans letzter Ehe, der nach dem Tod des Zaren zusammen mit seiner Mutter vor den Hofintrigen ins weit entfernte Uglitsch geflohen war, wurde 1591 im Alter von neun Jahren enthauptet, und das Verbrechen blieb ungesühnt. Nach Fjodors Tod 1598 brachte Boris’ Thronbesteigung neue Volksaufstände und Verschwörungen unter den Bojaren mit sich. Zu jener Zeit tauchte der »falsche Dmitri« auf – wahrscheinlich ein aus dem Kloster entflohener Novize –, der vorgab, jener Junge zu sein, den Boris angeblich umgebracht hatte. Mit Hilfe Polens – damals politisch und ideologisch mit Russland verfeindet – und mit Unterstützung der ehrgeizigen Marina Mnischeck, Tochter des polnischen Woiwoden von Sandomir, stellte er ein Heer zusammen, das nach Boris’ Tod 1605 in Russland einfiel. Boris’ Erstgeborener, ebenfalls Fjodor genannt, war zuvor umgebracht worden. Der »falsche Dmitri« wurde seinerseits ein Jahr später gevierteilt, als das russische Volk gegen die polnischen Katholiken aufbegehrte. Nach kurzen Regentschaften des Bojaren Wassili Schuisky, einer wichtigen Figur in der Oper, und des polnischen Königs Sigismund III. begründete dann Michail Romanow die Dynastie, die Russland bis ins 20. Jahrhundert regieren sollte. Boris Godunow beschreibt das Schicksal eines Mannes auf dem Höhepunkt seiner Macht: als russischer Zar und Erbe Iwans des Schrecklichen. Boris’ Persönlichkeit besitzt die Komplexität der großen Figuren der Weltliteratur: Er ist ein geborener Herrscher mit Gerechtigkeitssinn, der die Seinen und sein Volk liebt. Aber das Gespenst des Zarewitsch Dmitri, den er im Alter von neun Jahren köpfen ließ, verfolgt ihn – Gewissensbisse treiben ihn in den Wahnsinn und schließlich in den Tod. Die pessimistische Vision, die Mussorgsky vom russischen Volk zeichnet – repräsentiert durch einen großen, kraftvollen Chor – spielt in dieser Geschichte eine wichtige Rolle. Das russische Volk litt immer wieder unter der Willkür der Machthaber und wurde systematisch manipuliert, betrogen und unterdrückt. In diesem Zusammenhang sticht die Figur des Gottesnarren hervor, eines armen Mannes mit Visionen und prophetischen Gaben, der dem Zaren die Stirn bietet und ein Wehklagen voller böser Vorahnungen über die Zukunft des russischen Volkes anstimmt. Neben der persönlichen Tragödie von Boris Godunow spiegelt das Stück auch das kollektive Drama eines ganzen Landes wider. Mussorgsky versuchte in dieser Oper, auf westliche Einflüsse zu verzichten und die beeindruckende volkstümliche und religiöse Tradition der russischen Musik zu betonen. So verfügt die Partitur durch ihre imposante und düstere Orchestrierung, die den Geist der Tragödie wiedergibt, über eine außergewöhnliche Kraft und Kühnheit. Einige Szenen der Oper sind besonders hervorzuheben: 1. Als die Duma, die Versammlung der Bojaren, und das entsprechend manipulierte Volk ihm die Krone anbieten, drückt Boris Godunow während der Krönungszeremonie im Moskauer Kreml – unter dem Klang der berühmten Glocken – seinen Widerwillen in einem beklemmenden Monolog voller dunkler Vorahnungen aus (erstes und zweites Bild). 2. In seinem Kloster erzählt der Mönch und Chronist Pimen dem aufmerksam zuhörenden Novizen Grigori die schreckliche Geschichte des kleinen Zarewitsch und beschuldigt Boris, dessen Hinrichtung angeordnet zu haben. Grigori erkennt sich in der Person des Ermordeten wieder und flieht über Litauen nach Polen, nachdem er vorher die russische Polizei an der Nase herumgeführt hat (drittes und viertes Bild). 3. Als Boris von der Verschwörung in Polen erfährt, die der »falsche Dmitri« angezettelt hat, wird er von Sorgen und Angstzuständen geplagt, auch wenn nach außen hin familiäre und politische Harmonie demonstriert wird. Er leidet unter Gewissensbissen und schrecklichen Visionen (fünftes Bild). 4. Im sechsten Bild ist das russische Volk angesichts der drohenden Invasion des »falschen Dmitri«, der sich für den echten Zarewitsch hält, völlig verunsichert. Der Gottesnarr singt in seiner scheinbaren Einfältigkeit ein prophetisches Klagelied über das vom Schicksal gebeutelte russische Volk. 5. Boris leidet an Wahnvorstellungen und versucht, diese vor der Duma zu verbergen. Als jedoch der Mönch Pimen vor ihm steht, wächst sein Gram ins Unermessliche und er stirbt schließlich in den Armen seines Sohnes (siebtes Bild). Willy Deckers Inszenierung dieser Fassung des Boris Godunow beinhaltet zwei entscheidende Elemente: den großen und multifunktionalen Stuhl, der als königlicher Thron Macht symbolisiert, und die immer wiederkehrende Figur des unschuldigen Zarewitsch als Symbol für die Schuld, an der Gewissen und Leben des Zaren zerbrechen. Im Sinne der eigentlichen Tragödie soll der Zuschauer durch das zeitlose Bühnenbild, die nüchterne Ausstattung und die schlichten Kostüme das Stück nicht als historische Geschichte verstehen, sondern sich mit einem universellen Problem konfrontiert sehen: mit ungesühnter Schuld, die sich nicht verdrängen lässt. Puschkin und Mussorgsky ist es gelungen, dies klar und deutlich auszudrücken.
Teresa Lloret ***** SYNOPSIS - Courtesy of TDK ***** In the first and second scenes of the opera Boris is offered the crown by the Boyars’ Council and by the Russian people who are manipulated by the boyars to that end. Boris expresses his reluctance to accept it in a sombre monologue filled with dark presentiments that interrupts his coronation service in Moscow’s Kremlin Square. The famous Kremlin bells toll in the background. The third scene is set in a cell at the Chudov Monastery, where the novice Grigory listens closely while the monk and chronicler, Pimen, tells him the terrible tale of the young tsarevich and accuses Boris of ordering his execution. Grigory imagines that he is the murdered tsarevich and, in the fourth scene, flees across the Lithuanian border to Poland, having first escaped the Russian police. In Scene Five, Boris hears about the conspiracy that the “False Dmitry” has fomented in Poland. He is plagued by cares and anxieties, even though the outward situation is shown to him to be one of domestic and political harmony. He suffers from pangs of conscience and terrible visions. In Scene Six, the Russian people are completely unsettled by the threat of an invasion led by the “False Dmitry”, who regards himself as the true tsarevich. In his apparent simplicity the Holy Fool sings a prophetic lament for the starving Russian people. In the final scene, we find Boris suffering from delusions and trying to conceal these from the Duma. But when Pimen appears before him, his grief knows no bounds, and he finally dies in the arms of his son. |
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1 DVD TDK DV-OPBORIS
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Letztes Update: 27.02.2007, 01.17 Uhr |
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