Mozart, Wolfgang Amadeus (1756 - 1791)

 

La Clemenza di Tito

Tito - Stefan Dahlberg
Vitellia - Anita Soldh
Sesto - Lani Poulson
Servilia - Pia-Marie Nilsson
Annio - Maria Höglind
Publio - Jerker Arvidson

Chorus und Orchester des Schlosstheater Drottningholm
Arnold Östman

*** 1 DVD Arthaus - 102 009 - April 2006 ***
 

Nicht von der Verpackung abschrecken lassen: eine KLASSE-Inszenierung!!!

Die Oper allein ist eine der besten, die uns Mozart hinterlassen hat! Ein Meisterstück.

Und generell finde ich ja die Aufführungen aus dem Schlosstheater Drottningholm mit unter den besten, die es je gab, weil man sich im Rokokoschloss mit der gesamten Inszenierung wie natürlich allem voran mit den Kostümen sehr große Mühe gibt, eine ansprechende historische Szene hinzukriegen.

Und das ist auch in dieser Einspielung von 1987 wieder vollauf gelungen!

Als 1Festival noch ein richtiger, auch Opern-, Ereignissender war, bekam man ja auch mal dieses Kleinod neben der Cosí und der wunderbaren Inszenierung des Idomeneo zu sehen, aber jetzt schon sehr lange nicht mehr. Um so größer das Verdienst von Arthaus, diese kleinen und intimen Werke auf DVD herauszubringen. Unverständlich, zumindest für den Rezensenten, dass man eine derart wenig ansprechende Verpackung gewählt hat für alle diese Werke, auch wenn sicher die Erstellung des gemäldeartigen Covers nicht gerade billig war.

Hülle hin, Hülle her, drinnen (auf der Scheibe) wird man bestens unterhalten und somit für den vielleicht mangelnden optischen Genuss des Covers entschädigt.

La Clemenza di Tito - die Krönung des Titus - ist eine der letzten Opern Mozarts, die er begann und beendete, während er an seinem All-Time-Hit, der "Zauberflöte" schrieb. Na, eigentlich auch kein Wunder, dass er sich so beeilte.

Nicht nur waren die Zeitvorgaben sehr eng, nein, diesmal war auch der Lohn mehr als ansprechend, bot der Impresario Guardasoni das Doppelte des sonst üblichen Salärs.

Nämlicher war recht kurzfristig, drei Monate vor den Feierlichkeiten, mit der Aufführung einer für alle kostenlos aufzuführenden Krönungsoper zu Ehren der Thronbesteigung Kaiser Leopold des II beauftragt worden und musste sich sozusagen sputen. Ein Hintertürchen der Vereinbarung nutzend, griff Guardasoni auf ein bereits vorhandenes und schon zweimal (1734 von Caldara und 1754 von Gluck!) vertontes Libretto von Pietro Metastasio zurück, das er jedoch dem Geschmack der Zeit anpassen ließ durch den derzeitigen Hofschreiber und Nachfolger des Mozartlibrettisten di Ponte, Caterino Mazzolà.

Leopold war erklärtermaßen Fan der wahren italienischen Oper. Irgendwo verständlich, dass drum der italienische Impressario zunächst nicht den für nach eher deutschem Verschnitt gefertigte Stücke bekannten Mozart ansprach, sondern versuchte, Salieri, der ja zugleich der Hofkomponist war, zu gewinnen. Dieser war jedoch "überlastet" und drum griff Guardasoni auf Mozart zurück, mit dem er ja schon einmal in Prag ein glänzendes Geschäft und gute Erfahrungen in Bezug auf zuverlässiges Arbeiten unter Stress gemacht hatte.

Am 6. September 1791 folgte die Aufführung, die jedoch beim Herrscherhaus nicht auf das gewünschte wohl geneigte Ohr stieß - hatte doch Mozart damit geliebäugelt, durch die Clemenza in Zukunft weitere Aufträge seitens des Kaiserhofes an Land ziehen zu können. Leopolds Gemahlin gar sprach von einer "deutschen Schweinerei", die die Oper darstellte.

Mozart selbst wurde durch den überwältigenden Erfolg der Zauberflöte 24 Tage später entschädigt und spätere Aufführungen im 19. und 20. Jahrhundert wurden vom Publikum sehr viel wohlwollender aufgenommen. Dabei hatte sich Guardasoni nicht lumpen lassen und neben erstklassigen "Autoren" auch ein hochwertiges Ensemble engagiert, darunter den bekannten Kastraten Domenico Bedini für die Rolle des Sesto und den schon in Prag mit Mozarts Don Giovanni groß herausgekommenen Antonio Baglioni für die Titelrolle. Von beiden sprach die zeitgenössische Kritik nur in den höchsten Tönen

Neben dieser DVD-Edition ist auch die ebenfalls von Arthaus herausgebrachte mit der Inszenierung vom Glyndebournefestival von 1991 mit Philip Langridge und Ashley Putnam und in den tragenden Rollen sehr zu empfehlen!

Schließlich möchte ich ganz besonders noch einmal auf die hochwertige CD-Einspielung unter Leitung von Sir Charles Mackerras bei der Deutschen Grammophon mit Magdalena Kožena in der Rolle des Sesto hinweisen, die einen klanglichen Höhepunkt inspirierender Mozartinterpretation bietet! Die sollte der geneigte Mozartanhänger, wenn nicht selbst besitzen, so doch in jedem Falle zu Ohren nehmen! D.C.


ZUSATZINFORMATIONEN / HÖRPROBEN


Links zur Oper

- Zusammenfassung des Geschehens
- das Original-Libretto in Italienisch
- das Libretto in Deutsch

Einspielungen

- Die hier besprochene Aufführung aus dem Schloss Drottningholm
- Die DVD der Einspielung von Glyndebourne bei amazon
- Die an Originalschauplätzen gedrehte Tito-Verfilmung durch Ponnelle (mit den Wiener Philharmonikern) 
- La Clemenza di Tito in einer weiteren vie versprechenden Inszenierung der Opéra National de Paris von 2005 - hier gibt's den Promo-Clip

- Klanglich beeindruckende SACD-Aufnahme von Harmonia Mundi unter René Jacobs mit Bernarda Fink und Mark Padmore
- Die CD-Einspielung mit Magdalena Kožena in der Rolle des Sesto (+ausführliche Hörproben) wie immer auf der Amazon-Homepage
- Die CD-Aufnahme unter Harnoncourt von 1994 als CD (mit Klangproben)

TITO auf der gaystation

- DVD-Einspielung Glyndebourne
- DVD der Tito-Verfilmung durch Ponnelle
- CD-Einspielung mit Magdalena Kožena 

 

  

 

Das Schloss in Drottningholm

und die dortige Bühne

1 DVD
Arthaus
Katalognr. 102 009
April 2006

 

Interpretation:
Klang:
Inszenierung

    sehr gut
    sehr gut
    sehr gut  

 

Letztes Update: 27.02.2007, 01.17 Uhr

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