|
Mozart, Wolfgang Amadeus (1756 - 1791) |
|
Mitridate, Re di Ponto Verfilmung Jean-Pierre Ponnelle (Teatro Olimpico de Vicenza, 1986) Mitridate ...... Gösta Winbergh Concentus Musicus Wien Inszenierung/Regie: Jean-Pierre Ponnelle *** Deutsche Grammophon 00440 073 4127 *** Aufführung Opéra National de Lyon, 1986 Mitridate ....... Rockwell Blake Orchestre de l'Opéra de Lyon Inszenierung: Jean-Claude Fall & Gérard Didier *** EuroArts 2053609
*** Eine zweistündige Opera seria von einem 14-jährigen Komponisten, die heute noch aufgeführt wird - das muss man sich erst einmal auf der Zunge zergehen lassen und selbst dann fällt es einem schwer zu glauben, dass ein Knabe diesen Alters nicht nur den damaligen Sängern die Rollen auf den Leib geschrieben hat, sondern dass er auch mit Geschick die Dramatik unterschiedlich verteilt, Koloraturen die Aussage betonend und gesangsverschönernd einsetzt, dass Sänger damals wie heute von dem Stück begeistert sind, an dem sie sich bewähren müssen, aber danach ausgiebig produzieren können. Und so wurde denn auch die Aspasia in den 1980ern gleichsam zu einem Markenzeichen der Yvonne Kenny - sie ist ja auch in beiden hier besprochenen DVD-Produktionen in dieser Rolle zu sehen. Aspasia ist die Verlobte, gleichsam Angetraute von Mitridates I., dem König von Pontus (einem antiken Königreich am Schwarzen Meer), der sich gerade einmal wieder der einfallenden Römer erwehren muss und auswärts ist. Um die Invasoren zu täuschen, lässt er auch das Gerücht verbreiten, dass er gestorben sei, was dazu führt, dass seine beiden Söhne Sifare und Farnace ihren Befehl (die ihnen zugeteilten Gebiete nach bestem Wissen und Können zu verwalten) vergessen und in die Hauptstadt eilen, geeint in dem Ziel, dem Vater die Braut auszuspannen. Aspasia kann sich des zudringlichen Farnace kaum erwehren, der ihr zudem nicht sonderlich sympathisch ist, und spannt drum Sifare als Beschützer ein, fasst aber doch eine gewisse Zuneigung zu eben diesem Mitridate-Spross. Natürlich ist von der Dramatik vorauszusehen, dass nunmehr Mitridate zurückkehrt, das Missverständnis aufklärt und einigermaßen verunsichert und empört ist ob der sich während seiner Abwesenheit abgespielt habenden Intrigen. Kann er seiner Aspasia noch trauen? Zudem deckt sein Berater und Statthalter auf, dass sein Sohn Farnace zudem gut Freund mit den Römern sei - was den König dazu veranlasst, ihn in den Kerker werfen zu lassen. Dort indes wandelt sich Farnace, und als der König, unterstützt vom tugendhaften Sifare (der im Kampf fällt), erneut in die Schlacht ziehen muss, wird er - zunächst ohne des Königs Wissen - vom geläuterten Farnace, der die römische Flotte in Brand setzt, unterstützt. In einen aussichtslosen Hinterhalt geratend, stürzt Mitridates sich selbst ins Schwert und stirbt - in der Todesstunde vergibt er Aspasia, die sich nach seiner "Abreise" bereits selbst umgebracht hat, und auch Farnace, nachdem ihm von den die Römer schädigenden Taten seines Sohnes berichtet wird. Am Grabesbett versprechen die ihn Umstehenden Mitridate dessen Vermächtnis zu erfüllen und den Römern erbitterten Widerstand zu leisten. Bestellt wurde die Oper seinerzeit vom Statthalter der Lomardei, wo sie am zweiten Weihnachtsfeiertag des Jahres 1770 im Teatro Regio Ducale di Milano zur Uraufführung gelangte und zu "Viva il maestrino"-Rufen führte. Auch in den nächsten fünf Jahren sollte Mozart mit fünf weiteren Opern aufwarten - und nicht selten für den König der Lombardei. Nach etwa 20 Aufführungen wurde die Oper abgesetzt und verschwand unverständlicherweise von der Bühne und wurde erst 1971 wieder aufgeführt. In den 1980ern nahm sich dann Jean-Pierre Ponnelle, der auch andere Mozartopern verfilmt hatte, dieser Oper an und drehte sie in der wunderbaren Kulisse des Teatro Olimpico di Vicenza - schon mal einer Kulisse, die kaum von einer Operninszenierung getoppt werden kann. Dazu kommen eine wunderbare Akustik sowie die ausladenden, aufwändig gestalteten Kostüme, die die filmische Realisierung der Aufführung an der Opéra de Lyon aus demselben Jahr 1986 gegenüber einen nicht wett zu machenden Vorteil verschaffen. Zudem kommt, dass in einer ansonsten recht kargen Bühnenkulisse Gérard Didier vor allem auf Lichteffekte - den Wechsel von Hell und Dunkel - vor einem sich sonst wenig verändernden Hintergrund setzt, was aber den Vorteil hat, die Konzentration viel mehr auf die darstellerische Leistung sowie den Klang zu lenken. Da kommt aber die noch nicht ausgefeilte Aufnahmetechnik der 1980er ins Spiel: auf beiden DVDs lässt das ausgewogene Klangerlebnis auf sich warten - ist zumindest mit Einspielungen neueren Datums nicht zu vergleichen. Natürlich bekommt man einen guten Eindruck vom stimmlichen Potential der Beteiligten, aber richtig zum Tragen kommt das aus diesen Jahren leider nur auf einer CD-Einspielung. Beide Inszenierungen setzen auf historisierende Bekleidung, wobei dem Rezensenten keine Erkenntnisse vorliegenden, ob die der arabischen Welt von heute nachempfundenen Kostüme der Lyoner Aufführung eher an der Realität liegen würden oder die zum Teil barock, zum Teil dem 18. Jahrhundert nachempfunden anmutenden Kostüme der Filmfassung. Mehr fürs Auge bietet sicher die farbenfrohe Gestaltung Ponnelles. Die beiden Söhne sind in beiden Inszenierungen mit Damenstimmen besetzt, doch kommen rein von der Maske und Kostümierung die Damen aus Lyon viel mehr als Männer rüber als die der Verfilmung, die sich später vor allem auch mit Händelrollen einen Namen gemacht habende Ann Murray ist wahrscheinlich auch schwer in einen richtigen Mann zu veroptischen. Von der Gestik indes würde der Rezensent der ansonsten sehr guten Ashley Putnam als Sifare der Lyoner Aufführung Punktabzug erteilen. D.C. ZUSATZINFORMATIONEN Verfilmung
Ponnelle Aufführung
Lyon
|
|
|||
|
1 DVD
Aufführung
Lyon
|
Letztes Update: 27.02.2007, 01.17 Uhr |
- Alle Angaben ohne Gewähr! - |