Händel, Georg Friedrich

 

Teseo

Teseo ............ Jacek Laszczkowski
Medea ............ Maria Riccarda Wesseling
Clizia ............. Miriam Meyer
Agilea ............ Sharon Rostorf-Zamir
Egeo ............. Martin Wölfel
Arcane .......... Thomas Diestler

Vocalists of the Martin-Luther-University Halle-Wittenberg

Lautten Compagney Berlin

Dirigent: Wolfgang Katschner

Recorded live July 2004 at the "Schlosstheater Neues Palais", Potsdam

Also ich muss sagen: ich bin von dieser Operninszenierung einfach nur begeistert und kann mich ob meines Lobes gar nicht zurückhalten, muss gar aufpassen, nichts zu vergessen und nicht jemanden nur dadurch zu verprellen, dass er/sie nicht gleich am Anfang genannt werden.

Fange ich drum mit der Einschränkung an: ich möchte nicht wissen, welch umwerfendes Theaterereignis es geworden wäre, würde man heute noch eine Theatermaschinerie in Gang setzen, wie man es im Barock für Zauberopern tat - mit Feuerwerken, Feuer und Wasser sowieso, lebendigen Tieren auf der Bühne und im Zuschauerraum etc, etc.

Erstmals konnte man die hier auf DVD vorgelegte Inszenierung von Axel Köhler mit der musikalischen Untermauerung durch die Lautten Compagney Berlin auf den Halleschen Händelfestspielen 2003 sehen, wo das Publikum auch zurecht begeistert war. Als ein Jahr später im Schlosstheater Potsdam die Oper aufgezeichnet wurde, waren einige Rollen neu besetzt - und das durchaus nicht zum Nachteil. Nun hat man ja leider keine genaue Vorstellung mehr, wie göttlich Kastraten, die es zur Zeit Händels noch in Hülle und Fülle gab (erinnert sei nur an den berühmtesten, Farinelli, den Händels Konkurrenz nach London verpflichtete), klangen. Doch frage ich mich, ob der wahrhaft brillante Pole Jacek Laszczkowski nicht doch einen ganz guten Eindruck davon vermittelt - und dabei wurde Jörg Waschinski, der die Titelrolle bei der Erstaufführung sang, schon völlig berechtigterweise dauerbeklatscht. (Wahrlich juchzende oder kreischende Zuschauerinnen hat man - wie generell heute - auch in Halle vergeblich gesucht, was aber nichts an der Virtuosität und Klanggewalt beider männlicher Soprane ändert!)

Schon gar nicht will das Verharren auf den Leistungen der Titelhelden diejenigen z. B. der beiden doch recht unterschiedlichen Sopranistinnen Miriam Meyer (in der Rolle der Clizia, der Begleiterin/Freundin/Leidensgenossin von Teseos Geliebter Agilea) und Sharon Rostorf-Zamir (als Agilea) in irgendeiner Weise schmälern. Die "jugendlich hinreißende" (MZ) Miriam Meyer becirct auf der Bühne nicht nur ihre Gegenspieler, sondern um so mehr noch das Publikum. Und welch einen Kontrapunkt bildet dagegen die teuflisch schwarz und mit donnerndem Mezzo daherkommende Maria Riccarda Wesseling in der Rolle der Zauberin Medea, die - um die Zauberoper in Gang zu bringen - von Teseo verschmäht wird und darauf hin nur noch auf Eines sinnt: auf Rache!

Alles in allem kann ich nur eine eindeutige Empfehlung geben: unbedingt zulegen das Teil!!!

Das von Niccolo Haym verfasste Libretto beruhte auf der Vorlage von Phillipe Quinault aus dem Jahr 1647, die dieser für Jean Baptist Lully, den Hofkomponisten des Sonnenkönigs (vgl. auch den Film "Der König tanzt"), nach einer Vorlage von Racine verfasst hatte. Bei der Uraufführung am Londoner Queen's Theatre im Jahr 1713 brillierte der damals berühmte Kastratensopran Valeriano Pellegrini in der Titelpartie.

Zum Inhalt:

Teseo (Jacek Laszckowski) und Arcane (Thomas Diestler) kämpfen auf dem Schlachtfeld gegen ihre Feinde, ihre daheim, in Athen, belassenen Herzensdamen Agilea (Sharon Rostorf-Zamir) und Clizia (Miriam Meyer) vergehen sich in Sorge um ihre Männer. Bald darauf verkündet König Egeo (Martin Wölfel) den Sieg, Teseo kehrt triumphierend heim. Doch was muss er erfahren? Sein König hat ihm kurzerhand nicht nur seine Geliebte ausgespannt, nein, er will ihn zudem mit der Zauberin Medea (Maria Riccarda Wesseling) verkuppeln. Als diese von Teseo abgewiesen wird, gestaltet sie sich zur boshaften Furie, zaubert schreckliche Ungeheuer hervor und was noch alles und stiftet, da sich Teseo wenig beeindruckt zeigt, König Egeo an, ihn zu ermorden (töten zu lassen), da er doch einen Staatsstreich gegen ihn, Egeo, plane.
Doch es ist natürlich eine barocke Zauberoper und alles wird irgendwie gut, wobei das bei dieser Vorlage wirklich witzig daherkommt.

Pressestimmen zu der Aufführung/Inszenierung des TESEO durch den erfahrenen Händel-Interpreten Axel Köhler finden sich z. B. auf dessen Homepage.

Eine ausführliche Inhaltsbeschreibung und einige Bühnenbilder bietet die Homepage der Lautten Compagney, noch ein paar, allerdings qualitativ nicht berauschende Bühnenbilder auf der HP des Ausstatters Jörg WaschinskiD.C.

 

 

  

1 DVD
Label: Arthaus Musik
Katalog-Nr.: 100708

Spielzeit: ca. 166 Minuten

Interpretation: 
Klang:

    ausgezeichnet
    ausgezeichnet

 

Letztes Update: 27.02.2007, 01.17 Uhr

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