Händel, Georg Friedrich (1685 - 1759)

 

ARIODANTE - 1735   (HWV 33)

Opera in three Acts
Libretto von Antonio Salvi

Vom Spoleto Festival 2007

Ariodante: Ann Hallenberg
Ginevra: Laura Cherici
Dalinda: Marta Vandori Iorio
Polinesso: Mary-Ellen Nesi
Re di Scozia: Carlo Lepore
Lurcanio: Zachary Stains
Odoardo: Vittorio Prato

 

*** 2 DVD - Dynamic / Vertrieb: KlassikCenter Kassel - Dyn33559 - März 2008 ***

Produktion des Festivale di Spoleto 2007


Ariodante, die erste der Opern, die Händel, nachdem er zum Ende der Spielzeit 1733/34 aus dem King's Theatre am Haymarket "vertrieben" worden und vieler seiner Vorzeigestars verlustig gegangen war, komponierte, kommt zusätzlich zu faszinierenden Arien mit Tanz- und Balletteinlagen daher, da er im Ausweichdomizil, dem Covent Garden Theatre, auf die Compagnie der später zu einigem (Un)Ruhm gelangten Mademoiselle Sallé zurückgreifen konnte. Zusätzlich zu den Tanzeinlagen wartete Händel in seinen Covent-Garden-Opern mit Chorszenen auf (die bei Ariodante den Abschluss der Oper bilden), für deren Ausgestaltung das Ensemble, das John Rich an seinem Theater etabliert hatte, in die Inszenierung einband.

Nachdem Händel nach dem 1733er Orlando 1734 neben seinem eigenen Pasticcio Oreste vor allem auch solche "Pastetchen" aus der Feder Vincis oder auch Hasses auf dem Plan hatte, wartete er an der neuen Heimstätte 1735 gleich mit zwei Kassenschlagern auf: neben Ariodante mit seinem Evergreen Alcina, die seitdem ungebrochen Besucher an Bühnen in aller Welt in ihren Bann zieht.

Der Stoff des Ariodante beruht auf Ariostos Rasendem Roland, einer schier unerschöpflichen Quelle im Barock, und erzählt die Geschichte eines hoffnungsvollen Prinzen, Ariodante, der auf die Gegenliebe von Ginevra, des Königs Tochter, trifft und auch vom Herrn Papa freudig aufgenommen und schon zum offiziellen Thronfolger gekürt werden soll. Dies ruft naturgemäß Neider auf den Plan, hier in Form des Herzogs von Albany Polinesso, der mittels einer Intrige die Liebe der beiden vernichten und Ariodante aus dem Wege räumen soll. Im Zeitalter ritterlicher Ehre gehört dazu nicht viel: man verführe lediglich eine Hofdame (Dalinda), die in Liebe zu einem entfacht ist, dazu, sich in die Kleider der Königstochter zu zwängen und einem Einlass in den Palast zu gewähren und spitze den Liebhaber (Ariodante) an, dass seine Liebste ihm, wie leicht zu zeigen Hörner aufsetzt, und schon ist der Plan geglückt. Der vermeintlich Gehörnte will sich töten, die untreue und Unheil und Schande über den Thron bringende Tochter wird verstoßen und soll nur wieder in ihre Rechte gesetzt werden, wenn sich ein Edler findet, der ihre Ehre verteidigt. Na, und wer soll diese Ehre natürlich retten: niemals anders als Polinesso selbst.

Die Rechnung hat er jedoch ohne den Bruder des vermeintlich toten Ariodante gemacht, Lurcanio mit Namen, der Polinesso seiner gerechten Strafe zuführt. Und weil natürlich die Oper glücklich enden muss, stellt sich am Ende heraus, dass Ariodante sich gar nicht umgebracht hat, im Gegenteil Dalinda vor dem Mord durch Polinesso (der sie zum Schweigen bringen wollte) rettet und die wahre Geschichte der Täuschung erfährt und glücklich jubelnd stimmen alle ins Happy End.

Im Gegensatz zum Original ist die Geschichte in Händels Libretto gekürzt, was dazu führt, dass die Rezitative recht kurz und knapp sind, was viel Raum für wunderschöne Arien und damit Charakterisierung der Figuren ließ. Besonders für den Titelhelden gibt es einige Perlen, die dem neuen Star der Händelschen Truppe, Carestini, auf den Leib geschrieben wurden. Dieser muss wirklich ein wahres Stimmwunder gewesen sein, so dass adäquate Besetzungen heute nur sehr schwer zu finden sind. In der hier zu besprechenden Einspielung hat die Mezzosopranistin Ann Hallenberg die Titelrolle übernommen und ist damit keine schlechte, aber leider auch keine herausragende Besetzung. In der Gesamteinspielung bei Harmonia Mundi hat diese Rolle die 2007 verstorbene Lorraine Hunt gesungen und das ist kein Vergleich. Zum Niederknien indes ist die Interpretation der wohl bekanntesten Arie Scherza Infida durch Philippe Jaroussky auf seinem neuen Carestini-Album.

In Szene gesetzt ist diese Ariodante-Aufführung in modernen Zeiten, wie man erfährt in den 1940ern / 1950ern. Die Kostüme sind nett gemacht und warum auch nicht. Einen schwungvollen Bass bietet Carlo Lepore als König von Schottland, auch wenn man leider einräumen muss, dass die Bass-Arien bei Händel mit zu den schwächsten gehören, sein Hauptaugenmerk eindeutig den Rollen der Hauptfiguren, die eben zumeist aus den hohen Lagen kamen.

Überzeugend, das zum Abschluss, kommt in dieser Einspielung Ginevra daher - +berzeugend intoniert von Laura Cherici!

Dirk Carius

*** Pressetext www.dynamic.it ***

On 8th January 1735 at the Covent Garden in London, Georg Friederich Handel presented his new opera Ariodante on a libretto by Antonio Salvi adapted by Paolo Rolli and inspired by Ariosto. The opera did not immediately win public favour and thus failed to furnish a definitive solution for the fate of Handel’s company, but with time it was to be understood and appreciated and has remained on playbills among the more successful and interesting titles. Handel’s particular attention to the expressive aspect was most probably the reason for the opera’s limited commercial success: the characters fit only partially into the customary types of opera of the day. The tendency to formulate autonomous patterns in the expressive genre is also underlined by an illustrious contemporary, John Mainwaring, in his Memoirs of the life of George Frederick Handel.

Extraordinary is also the strength of the instrumental composition, which again in Ariodante is intended now as support to the voices now as independent, coinciding with steps in the sinfonia and with delightful dance motives. In this production of the Spoleto Festival, at his 50th anniversary, Alan Curtis conducts the Complesso Barocco and an extraordinarily agile Ann Hallenberg in the title role. Scenes and costumes by John Pascoe. Together with Giulio Cesare and Rodelinda, Ariodante is considered one of Handel’s operatic masterpieces. It was composed for London’s Covent Garden theatre, where it was first performed on January 8th, 1735. Alan Curtis and his Complesso Barocco rank among the best specialists in baroque music, and regularly record for Virgin, Deutsche Grammophone and now also for Dynamic. Thanks to the interesting and personal touch of the director Alan Pascoe, this production comes across as a very credible show. Pascoe and Curtis, incidentally, already gained remarkable success with Vivaldi’s Ercole sul Termodonte, published by Dynamic in 2007

 

 

Spielzeit:          197 Minuten

Interpretation: 
Klang:

      sehr gut
      sehr gut

 

Letztes Update: 20.03.2008, 01.35 Uhr

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