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Christoph Willibald Gluck (1714-1787) |
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ORPHÉE ET EURYDICE Orphée
................. Magdalena Kožena Orchestre Revolutionnaire et Romantique Inszenierung: Robert Wilson Aufzeichnung aus dem Theatre Musical de Paris - Châtelet,
Oktober 1999
Gluck und "Orfeus und der Eurydike" - das ist so noch mit das Einzige, was man weiß bzw miteinander verbindet. Oder vielleicht kennt man noch das fantastische Gluck-Album (Gluck Italian Operas) der inzwischen Goldene-Schallplatte-gekrönten Cecilia Bartoli. So oder ähnlich geht es vielen, ein bedauerliches Schattendasein lebt der arme Mann, und auch aus diesem Grunde möchte der Rezensent, dem es bis vor kurzem ähnlich ging, eine Lanze brechen für diesen Granden. Das Pech Glucks irgendwie ist sicher, dass er zwischen den Fronten steht. Er ist kein richtiger Barockkomponist mehr, auch wenn er Händel, Hasse oder Vivaldi selbst kannte - im Gegenteil: das war ja das Kampfziel Glucks: die Auswüchse der Barockoper zu überwinden, die Oper zu reformieren und neu aufzustellen. Andererseits lebte er aber für die üblicherweise als Klassiker der Oper Gehandelten zu früh. Deshalb auch lebt der gute Mann ein Schattendasein sowohl an den Opernhäusern als auch bei den meisten Klassiklabels. Oder es braucht altmusikalischer Schwergewichte wie Mark Minkowski, William Christie oder Sir Eliot Gardiner, die sich dafür stark machen, dass ein solcher Außenseiter ins Repertoire kommt. Ersterem ist es zu verdanken, dass es bei Archiv Produktion / Universal Classics einige Gluckopern in gewohnt gut aufgearbeiteten und dokumentierten Einspielungen vorliegen (warum jedoch drei davon mit Mireille Delunsch ist für den Rezensenten eher fragwürdig, da gibt es eindeutig bessere Besetzungen; leider!). Die anderen beiden haben an führenden Opernhäusern drei fulminante Aufführungen ins Leben gerufen, die verdienterweise ein solches Medienecho hervorriefen, dass sie für das Fernsehen aufgezeichnet wurden und nunmehr, sämtlich bei Arthaus, auf DVD vorliegen: Im Jahre 2001 hatte William Christie den Dirigentenhut auf bei der von Claus Guth fantastisch inszenierten Aufführung der Oper Iphigénie en Tauride (Iphigenie auf Tauris) am Opernhaus in Zürich. Zuvor schon übernahm 1999 Gardiner die musikalische Leitung, Robert Wilson die Inszenierung am Theatre Municipal de Paris - Châtelet für die bedingungslos zu empfehlende und hier zu besprechende Aufführung der Erfolgoper Orphée et Eurydice (in Berlioz'schen Bearbeitung von 1859). Da der Stoff sicher sattsam bekannt ist, muss er hier nicht weiter rekapituliert werden. Das Herausragende an dieser Inszenierung ist sicher, wie es dem gebürtigen Texaner Robert Wilson gelang, die szenischen und musikalischen Höhepunkte eindrucksvoll rüberzubringen - und hier vor allem die Besänftigung der Bestien, die Orfeus den Zugang zum Elysium verwehren durch seinen lieblichen Gesang oder das Erreichen der Champs d'Elyssée (elysäischen Gefilde), auf denen ihn durch die ebenfalls durch den Chor dargestellten seligen Geister seine durch Schlangenbiss auf der Hochzeit selbst getötete Gattin wiedererwecken und zuführen. Einfache Kostüme der Hauptdarsteller wie des Chores untermauern die einfache Herkunft der Helden der Oper, auch die Kulisserie ist nicht überladen, eher im Gegenteil. Vor allem mit dem Spiel der Farben erreicht Wilson eine eindrucksvolle Untermalung des Geschehens. Gesangstechnisch bietet natürlich Universal-Diva Magdalena Kožena eine untadelige Leistung, auch wenn dem Rezensenten Anne Sofie von Otter in der Einspielung selbiger Oper auf CD bei EMI klanglich besser rüberkommt. Lieblich und auch in ihren Klagegesängen wunderbar anzuhören haucht Madeline Bender Eurydice ihr Leben ein. Am allerbesten sowohl von ihrer darstellerischen Leistung als auch von ihrem Gesang gefällt dem Rezensenten jedoch Patricia Petibon in der Rolle des Liebesgottes Amor, der zunächst bei Jupiter die Sondererlaubnis aushandelt, DASS Orfeus in den Hades hinabsteigen und seine jung gestorbene Gattin zurückholen darf - aber nur unter der (fragwürdigen) Bedingung, dass er sie während der gesamten Aktion nicht ansehen darf, da sie ansonsten ein zweites Mal und endgültig stirbt, und der sich schließlich in Anbetracht der übergroßen Liebe und der Strapazen die Orfeus auf sich nimmt, am Ende über den Götterschluss hinwegsetzt und die gerade entsprechend Jupiters Entscheidung zum zweiten Mal gestorbene Euridike wiedererweckt und die Liebenden glücklich vereint. In meinen Augen ist Patricia Petibon eine ganz große, leider noch nicht entsprechend gewürdigte Sängerin! Was ist das Reformerische, das Neue, das Faszinierende an Gluck? Ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Vollkommenheit der Erklärung: das Anziehendste an seiner Musik ist deren Einfachheit, keine Kehlkopfakrobatik fordernden, endlosen Koloraturarien, sondern einfache, aber trotzdem nahe gehende Melodien. Auch das da-capo-Prinzip hat Gluck außer Kraft gesetzt, so wie generell das überkommene Schema - Rezitativ für die Handlung - Arien für die Gefühle oder einen Kommentar. Ersteres hat er aufgewertet und musikalisch ausgeformt, dafür die Arien etwas vereinfacht. Das Fulminante ist aber die Konzentration auf das Drama an sich, das nur durch die Musik umrahmt, inszeniert wird. Glucks Opern sind keine abendfüllenden Programme, sondern im Vergleich zu manchen Barockopern eher kurzweilig. Die hier besprochene Iphigenie geht gerade mal 1 3/4 Stunden! Dennoch sind die Opern unterhaltsam und spannend gleichermaßen - letzteres eine Eigenschaft, die manchem barocken Meisterwerk abhanden kommt. Auch gibt es bei Gluck andererseits keine Oper, die einfach nur gute Musik zu einem miserablen, die Haare zu Berge stehen lassenden Libretto wie manches Barocke oder auch von Rossini (der Ärmste) - bei Gluck bildet die Musik die Untermauerung des ausgefeilten Dramas! Doch nicht nur Arien und Rezitative werden verändert, auch das Orchester emanzipiert sich nunmehr endgültig und spielt eine entscheidendere Rolle - genau wie der Chor, der zum Teil die alte, aus der griechischen Tragödie überkommene Kommentatoren- und Handlungsschilder-Funktion übernimmt. Man schaue sich die szenische Umsetzung des Sagenstoffes am besten in dieser Einspielung an! D.C.
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Biografie bei Wikipedia Zu dieser Oper -
ausführliche Zusammenfassung des Inhalts samt Diskografie der CD- und
DVD-Aufzeichnungen! Gluck auf der Gaystation: - Alceste (mit Paul Groves, Anne Sofie von Otter; Sir John Eliot Gardiner;
Theatre Musical de Paris 2000) DVD |
Irgendwie skurril, aber irgendwie auch zauberhaft: Magdalena Kožena als Orphée
Bloß nicht umdrehen, sonst muss die Geliebte ein zweites Mal sterben! |
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Spielzeit: 100'
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