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Christoph Willibald Gluck (1714-1787) |
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IPHIGÉNIE EN TAURIDE Iphigénie ........... Juliette Galstian Orchester La Scintilla des Opernhauses Zürich Inszenierung: Claus Guth Aufzeichnung aus dem Opernhaus Zürich 2001
Aber von wem war das nochmal? Gluck? Das war doch der mit dem Orfeus und der Eurydike (JA; und das auch zweimal, Italienisch und Französisch; beide Male wirklich gut!) - ahja. Und der ist gut? So oder ähnlich geht es vielen, ein bedauerliches Schattendasein lebt der arme Mann, und auch aus diesem Grunde möchte der Rezensent, dem es bis vor kurzem ähnlich ging, eine Lanze brechen für diesen Granden. Das Pech Glucks irgendwie ist sicher, dass er zwischen den Fronten steht. Er ist kein richtiger Barockkomponist mehr, auch wenn er Händel, Hasse oder Vivaldi selbst kannte - im Gegenteil: das war ja das Kampfziel Glucks: die Auswüchse der Barockoper zu überwinden, die Oper zu reformieren und neu aufzustellen. Andererseits ist er aber für die üblicherweise als Klassiker der Oper Gehandelten zu jung. Deshalb auch lebt der Gute ein Schattendasein sowohl an den Opernhäusern als auch bei den meisten Klassiklabels. Oder es braucht altmusikalischer Schwergewichte wie Mark Minkowski, William Christie oder Sir Eliot Gardiner, die sich für einen solchen Außenseiter stark machen, dass er ins Repertoire kommt. Ersterem ist es zu verdanken, dass es bei Archiv Produktion / Universal Classics einige Gluckopern in gewohnt gut aufgearbeiteten und dokumentierten Einspielungen vorliegen (warum jedoch drei davon mit Mireille Delunsch ist für den Rezensenten eher fragwürdig, da gibt es eindeutig bessere Besetzungen; leider!). Die anderen beiden haben an führenden Opernhäusern drei fulminante Aufführungen ins Leben gerufen, die verdienterweise ein solches Medienecho hervorriefen, dass sie für das Fernsehen aufgezeichnet wurden und nunmehr, sämtlich bei Arthaus, auf DVD vorliegen: Gardiner hat die musikalische Leitung, Robert Wilson die Inszenierung am Theatre Municipal de Paris - Châtelet übernommen für die bedingungslos zu empfehlenden Aufführungen des Orphée et Eurydice (Berlioz' Bearbeitung von 1859) und der Alceste und William Christie den Dirigentenhut auf bei der hier zu besprechenden Aufführung der Oper Iphigénie en Tauride (Iphigenie auf Tauris) am Opernhaus in Zürich. Und mit Claus Guth hat er nicht nur einen guten, sondern einfach nur brillanten Regie-Partner gefunden. Wie er die alte Tragödie der Herrscherfamilie des antiken Mykene nicht nur als Götterspektakel nacherzählt, sondern auf subtile, aber doch sehr anschauliche Weise psychologisiert, ist einfach nur hohe Schule. Mit 2-3 Hintergrundinformationen - und vielleicht gar ganz ohne sie - ergibt sich eigentlich alles allein aus der Inszenierung, da muss man den Text nicht unbedingt mitlesen. Iphigenie ist die Tochter von König Agamemnon und seiner Frau Klytemnästra. Agamemnon muss auf Druck seines Volkes und der Priesternschaft seine eigene Tochter opfern, damit die Götter ihn den Trojanischen Krieg gewinnen lassen (deren eine, Diana, rettet Iphigenie jedoch in letzter Minute und verschafft ihr ein Exil auf der Barbareninsel der Taurer, wo sie sie zur Hohepriesterin macht. Klytemnästra, über die Opferung der Tochter vergrämt, bringt mit ihrem Liebhaber zusammen ihren Mann um, was wiederum der Sohn der beiden (und Iphiegenies Bruder) Orest nicht verkraften kann und beide, Mutter und Liebhaber tötet. Schon in der Legende ist angelegt, dass Orest seine Morde nicht verkraftet und dem Wahnsinn anheimfällt. Letzteres trifft hier auf Orest und auf Iphigenie zu, und ihr Wahnsinn wird sinnfällig durch die Schatten, Doubles der beiden sowie ihrer Eltern, die Orest und Iphigenie verfolgen und bedrücken. Um ihren Albtraum-Charakter zu unterstreichen, haben diese Doubles überdimensionale Pappmaché-Köpfe auf und vollziehen auch symbolhaft die Handlungen, an die die beiden sich erinnern und/oder die sie thematisieren. Neben diesen geschwisterlichen Beziehungen und Verwicklungen gibt es eine weitere und sehr enge Verbindung zwischen Orest und seinem langjährigen Freund Pylades, der mit ihm zusammen auf Seereisen ging und nun an der Insel der Taurer zusammen mit Orest Schiffbruch erlitten hat. Der König (oder Häuptling) der Taurer, Thoas, der gleichzeitig auch, wenn schon nicht Chef, so doch aufmerksamer Wärter und Widersacher der Hohepriesterin Iphigenie. Aufgrund einer Prophezeiung seitens der Orakels, dass sein Ende, durch Fremde herbeigeführt, naht, lässt er alle Gestrandeten und sonstigen Besucher der Insel in Ketten legen und dann der Göttin Opfern - ein Job den auszuführen Sache der Hohepriesterin ist. Doch Iphigenie fühlt sich auf seltsame Weise hingezogen zu dem einen der Gefangenen und will erkunden, was mit ihm auf sich hat. Doch erkennen sich beide nicht (nach 15 Jahren vielleicht verständlich, aber natürlich nicht unbedingt) und geben in ihren Dialogen auch die endgültige Identität nicht preis. Man erfährt nur, dass Orest wie Iphigenie aus Mykene kommt, aber keine Einzelheiten dazu. Die Enthüllung der gemeinsamen Abkunft erfolgt erst viel später. Vor der Vereinigung der Geschwister stehen jedoch 2 Trennungspassagen für Pylades und Orest: einmal als sie von den Wachen getrennt werden, die andere, als Iphigenie anbietet einen der beiden zu retten gegen einen kleinen Dienst. Da sie heimlich ein Herz für den Hünen Orest entwickelt hat, möchte sich eigentlich diesen befreien. Aber Orest denkt gar nicht daran, sich befreien zu lassen und erreicht mit der Drohung, dass, sollte nicht Pylades freigelassen werden, er noch bevor er die frische Luft erreichen könne sich selbst umbringen würde, dass er bleiben darf - was wiederum bei Iphigenie wahre Kopfschmerzen bereitet!!! Nachdem nu Iphigenie der Abmachung notgedrungen zustimmt und Pylades gehen lassen will, gibt es eine Abschiedsszene der beiden - die ja denken, sie sehen sich nicht wieder - und die geht wirklich zu Herzen und gehört sicher zu den schönsten Duetten der Operngeschichte!!! So wie auch Rodney Gilfry ein erstklassiger Interpret für den von Schuldgefühlen und Angst verzehrten und sich seiner familiären Bande beraubt fühlenden Orest. Das absolute Glanzlicht dieser Aufführung ist jedoch Juliette Galstian in der Rolle der Titelfigur - diese Stimme ist einfach zum Niederknien! Was ist das Reformerische, das Neue, das Faszinierende an Gluck? Ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder Vollkommenheit der Erklärung: das Anziehendste an seiner Musik ist deren Einfachheit, keine Kehlkopfakrobatik fordernden, endlosen Koloraturarien, sondern einfache, aber trotzdem nahe gehende Melodien. Auch das da-capo-Prinzip hat Gluck außer Kraft gesetzt, so wie generell das überkommene Schema - Rezitativ für die Handlung - Arien für die Gefühle oder einen Kommentar. Ersteres hat er aufgewertet und musikalisch ausgeformt, dafür die Arien etwas vereinfacht. Das Fulminante ist aber die Konzentration auf das Drama an sich, das nur durch die Musik umrahmt, inszeniert wird. Glucks Opern sind keine abendfüllenden Programme, sondern im Vergleich zu manchen Barockopern eher kurzweilig. Die hier besprochene Iphigenie geht gerade mal 1 3/4 Stunden! Dennoch sind die Opern unterhaltsam und spannend gleichermaßen - letzteres eine Eigenschaft, die manchem barocken Meisterwerk abhanden kommt. Auch gibt es bei Gluck andererseits keine Oper, die einfach nur gute Musik zu einem miserablen, die Haare zu Berge stehen lassenden Libretto wie manches Barocke oder auch von Rossini (der Ärmste) - bei Gluck bildet die Musik die Untermauerung des ausgefeilten Dramas! Doch nicht nur Arien und Rezitative werden verändert, auch das Orchester emanzipiert sich nunmehr endgültig und spielt eine entscheidendere Rolle - genau wie der Chor, der zum Teil die alte, aus der griechischen Tragödie überkommene Kommentatoren- und Handlungsschilder-Funktion übernimmt. Aus allem Gesagten leitet sich wahrscheinlich schon ab, dass der Rezensent der Meinung ist, dass diese Scheibe nicht nur einen Preis (für eine erstklassige Opern-Videoeinspielung) verdient, sondern einfach als Referenzaufnahme eines herausragenden Operndramas in jede Liebhabersammlung gehört!!! D.C.
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Biografie bei Wikipedia Zu dieser Oper -
ausführliche Zusammenfassung des Inhalts samt Diskografie der CD- und
DVD-Aufzeichnungen! Gluck auf der Gaystation: - Alceste (mit Paul Groves, Anne Sofie von Otter; Sir John Eliot Gardiner;
Theatre Musical de Paris 2000) DVD Zu dieser Inszenierung
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Cover: Hinter Iphigénie ihr Schatten, der sie verfolgt
... aus dem sie sich erst allmählich befreit
Der Geist des Orest, wie er in der Rückblende seine Mutter Clytemnästra ermordet
hier über dem liegenden Pylade |
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1 DVD
Spielzeit: 108'
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