Cavalli, Pier Francesco (1602 - 1676)

 

LA DIDONE (1644)

Einspielung Teatro Malibran, Venice - September 2006

Didone: Claron McFadden,
Enea: Magnus Staveland,
Iarba / Corebo: Jordi Domenech,
Cassandra / Giunone: Manuela Custer,
Ecuba / Mercurio / Ilioneo: Marina De Liso,
Creusa / Anna / Damigella: Donatella Lombardi,
Ascanio / Amore / Fortuna: Isabel Álvarez,
Anchise / Sicheo / Eolo: Antonio Lozano,
Acate / Pirro: Gian Luca Zoccatelli
Sinon greco / Un vecchio: Filippo Morace
Venere / Iride / Damigella: Maria Grazia Schiavo
Giove / Nettuno / Un cacciatore: Roberto Abbondanza

Europa Galante Orchestra
Fabio Biondi


**** 2 DVDs  -  Dynamic / KlassikCenter Kassel  -  Dyn33537  -  Juni 2007 ****


Ein unglaubliches Erlebnis! Überwältigend sowohl von der Kulisse als auch der gesangstechnischen Interpretation. Ein Fest für Auge und Ohren auf 2 DVDs. Eine uneingeschränkte und unbedingte Empfehlung!

So macht Barockoper Spaß: man nehme eine tolle Bühne und handverlesene Sängerinnen und Sänger, die Spaß daran haben, eine richtig geile alte Oper aus den Anfängen wieder ans Licht zu holen und dekoriere sie mit der Szenerie angemessenen Kostümen. Dazu ein erfahrenes Orchester wie Europa Galante unter Fabio Biondi und schon ist eigentlich der Erfolg garantiert.

Hier geschehen am traditionsreichen Teatro Malibran in Venedig, dem Ort, an dem LA DIDONE 1641, wenn auch an einem anderen Theater, seine Uraufführung erlebte. Die Titelrolle wird brillant von Claron McFadden intoniert und Magnus Staveland gibt einfach einen geilen Enea ab! Nicht nur gesanglich. Beeindruckend als Jupiter und Neptun - Roberto Abbondanza in einer rundherum gelungenen Produktion.

Mit dieser erstklassigen Einspielung einer weiteren Oper Francesco Cavallis wird es nach langer musikeditorischer Pause endlich möglich, das Meisterwerk eines zu Unrecht vergessenen Wegbereiters der italienischen Barockoper weiter zu erschließen.

Man könnte in Anbetracht der Gleichzeitigkeit der Videoaufzeichnung der Didone mit der ORMINDO-CD-Einspielung mit viel gutem Willen gar geneigt sein, davon zu reden, dass aus Anlass des 205. Geburtstages 2007 und des 130. Todestages 2006 endlich eine Rückbesinnung auf die Anfänge der italienischen Barockoper und die Hebung des Cavallischatzes stattgefunden hat. (Auch 2006 durften wir ja endlich die DVD-Premiere der seinerzeit im Fernsehen gelaufenen CALISTO unter Jacobs bei Harmonia Mundi genießen!) Hoffen wir, dass diesen beiden letzten Einspielungen neue Hörerlebnisse folgen.

L'Ormindo ist im Übrigen das Ergebnis der dritten Zusammenarbeit zweier Großer, man könnte sagen Platzhirsche, der damaligen venezianischen Opernszene: des Komponisten Francesco Cavalli mit dem Librettisten Giovanni Faustini. 10 Jahre lang, bis zum frühen Tod Faustinis im Jahre 1651, prägten die beide die Opernszene Venedigs wie kein anderer. Insgesamt schuf Faustini 11 (von 14 insgesamt verfassten) Libretti nur für seinen bevorzugten Komponisten Cavalli und die meisten davon wurden zu großen Erfolgen.

DIDONE
Handschriftliche Partitur und Libretto in der Biblioteca Marciana, Venedig
Bibl.-Nr. der Partitur: It. IV 355 (=9879), Bibl.-Nr. des Librettos: Dramm. 908.4. Zwei Kopien des Librettos sind erhalten: eine enthält nur die Synopsis (1641, Pietro Miloco), die andere ist vollständig (1656, Andrea Giuliani)

Opera in musica von Giovanni Francesco Busenello, Uraufführung am Teatro San Cassiano, Venedig 1641.

Personen
Iris (Prolog)
Dido, Königin von Karthago / Aeneas, trojanischer Anführer / Anchises, Aeneas’ Vater / Ascanius, Aeneas’ Sohn / Kreusa, Aeneas’ Gemahlin / Jarbas, König von Gaetulien / Anna, Didos Schwester / Kassandra, trojanische Prinzessin / Sychaeus, Didos Gemahl (ein Geist) / Pyrrhos, ein griechischer Anführer / Coroebus, ein mygdonischer Prinz / Sinon, ein Grieche / Illionius, Aeneas’ Gesandter und Gefährte / Achates, Aeneas’ treuer Gefährte / Hekuba, ältliche Gattin des Königs Priamos / Jupiter / Juno / Merkur / Venus / Cupido / Neptun / Aeolus / Fortuna / Die Grazien / Chor karthagischer Mädchen / Chor der Jäger / Chor der Trojaner / Chor der Meernymphen

Der Inhalt
Im Prolog führt Junos Dienerin Iris aus, der Fall Trojas sei die gerechte Strafe für das beleidigende Verhalten des Paris gegenüber ihrer Herrin gewesen. Alsdann schildert der erste Akt das brennende Troja sowie die Flucht des Aeneas mit seinem Vater Anchises und seinem kleinen Sohn Ascanius. Der erste Akt endet, als das trojanische Heer Segel setzt.

Der zweite Akt beginnt in der Stadt Karthago, wo Jarbas der Königin Dido, die er leidenschaftlich liebt, einen Heiratsantrag macht. Sie aber weist ihn zurück, da in ihr noch immer die Erinnerung an ihren ersten Gatten Sychaeus glüht. Inzwischen bittet Juno Aeolus, einen Sturm zu entfachen, der die trojanische Flotte zerstören soll. Doch Neptun greift ein; er scheucht die Winde zurück und besänftigt die Elemente. Die Flotte des Aeneas geht an der karthagischen Küste vor Anker, um die Sturmschäden zu beheben. Dido empfängt Illionius, den Gesandten, und Ascanius, den Sohn des Aeneas. Letzterer ist aber in Wirklichkeit Cupido, der mit Hilfe seiner Mutter Venus die Gestalt des Kindes angenommen hat. Sein Pfeil trifft die Königin, worauf diese sich in Aeneas verlieben wird, sobald sie seiner ansichtig wird. Am Ende des zweiten Aktes stürzt Jarbas, wahnsinnig vor Eifersucht, davon.

Zu Beginn des dritten Aktes gesteht Dido ihrer Schwester Anna, dass sie Aeneas liebt. Diese rät ihr, Sychaeus zu vergessen und eine „neue, kostbare Knospe in dem [ihrem] geheimen Garten aufgehen“ zu lassen (novo inesto peregrino / nel segreto tuo giardino). Zu diesem Ende bringt sie in Vorschlag, Dido solle eine Jagd veranstalten, während derer sie sich „mit Freude und Vergnügen / tief in einer Höhle / mit dem trojanischen Helden verwandeln“ könne (nel sen d’un cavo speco / con l’Heroe troiano teco / trasformar in gioie i guai). Derweil hoffen zwei Mädchen, die Didos Leidenschaft erkannt haben, selbst auf Cupidos Vergnügungen. Sie laden Jargas ein, mit ihnen in einer Grotte zu scherzen. Während der Jagd bricht ein Sturm los, vor dem sich Dido und Aeneas in eine Höhle flüchten. Jupiter schickt Merkur zu Aeneas, der Didos Liebhaber geworden ist, und fordert ihn auf, seiner höheren Bestimmung zu folgen. Aeneas ruft seine Leute zusammen und scheidet, nachdem er neben der schlafenden Dido eine Abschiedsklage gesungen hat. Als Dido erwacht, erscheint ihr der Schatten des Sychaeus. Merkur hat Jarbas inzwischen von seinem Wahnsinn geheilt. In einer mächtigen Klage schickt sich Dido eben an, sich zu erstechen, als Jarbas eintritt und sie rettet. Als er sich dann seinerseits entleiben will, hält Dido ihn zurück. Endlich gibt sie seinem Liebeswerben nach. Die Oper endet mit einer Arie des Jarbas und einem Duett des neuen Paares.

Eine RUNDUM-Empfehlung!!! D.C.


Zu Pier Francesco Cavalli

- recht kurze Biografie Cavallis bei wikipedia (Deutsch) und bei karadar (Deutsch)
- Verzeichnis der Opern Cavallis (wikipedia Englisch)
- Homepage bei haendel.it mit Kurzbiografie und Libretti zu 4 Opern Cavallis (in Italienisch)

- Diskografie bei goldbergweb
- Diskografie (besonders die älteren HM-Editionen)
 

Zu dieser Oper

- Libretto in Italienisch bei haendel.it
- andere Version des Libretto bei librettidopera.it
- 1997er DHM-CD-Aufnahme unter Thomas Hengelbrock und dem Balthasar-Neumann-Ensemble
mit Laurence Dale - Aeneas; Yvonne Kenny - Dido/Kassandra; Judith Howarth - Kreusa/Juno; Wessela Zlateva - Venus

- ausführliche Besprechung auf Deutsch (der DHM-Aufnahme)

 

 

 

2 DVDs 
Dynamic / KlassikCenter Kassel 
Dyn33537 
Juni 2007

Interpretation & Klang:

       herausragend

Inszenierung        gaynial

 

Letztes Update: 06.10.2007, 18.50 Uhr

- Alle Angaben ohne Gewähr! -

© 1997-2008 A. Lotze, GayStation