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Lauritz Melchior
Helge Roswaenge
Jussi Björling
John McCormack
Georgs Thill
Ivan Kozlovsky
Der singende Automat
Folge 2 von "Die Tenöre der Schellackzeit".
Lauritz Melchior, amerikanischer Tenor dänischer Herkunft, wurde am
20.3.1890 in Kopenhagen geboren und verstarb am 18.3.1973 in Santa Monica
(Kalifornien). Mit 23 Jahren gab er sein Debüt als Silvio (Der Bajazzo,
Leoncavallo), also als Bariton. Vier Jahre lang blieb er in dem Stimmfach, bevor
er sich auf das Tenorfach umschulen ließ. Im Jahre 1918 übernahm er seine
erste Tenorrolle als Tannhäuser (Wagner). Er perfektionierte seine Stimme in
London, Berlin, München und Bayreuth. Cosima und Siegfried Wagner wurden auf
ihn aufmerksam und luden ihn 1924 zum ersten Mal ein. Bis 1931 gab er jedes Jahr
Gastspiele in Bayreuth. Er galt ohne Zweifel als der größte Wagner-Tenor
seiner Epoche. Er sang an der Hamburger und Berliner Staatsoper, er gastierte in
Wien, München, Paris, Brüssel, Mailand, Stockholm, Chicago und San Francisco.
1926 wurde er an die Met berufen, der er bis 1950 treu blieb und dort in 500
Aufführungen auftrat. Auch beim amerik. Film, in Operetten, Revuen und Musicals
wirkte er seit 1947 mit. Nach seiner Karriere und aus Anlaß seines 75.
Geburtstages errichtete er im Jahre 1965 eine Stiftung, die Melchior Heldentenor
Foundation, die junge Heldentenöre förderte. Melchior war ein Heldentenor par
excellence, mit einem strahlenden Glanz in den hohen Tönen und enormer Dramatik
in der Diktion. Neben Wagner sang er auch Verdi (Radames in Aida und Otello),
Meyerbeer (Der Prophet). E wurde mit dem Titel des Kammersängers ausgezeichnet.
Auf dieser DVD kann man die ganze Spannbreite seines Könnens noch einmal
erleben.
Helge Roswaenge, auch er stammt aus Kopenhagen, wo er am 29.8.897 geboren
wurde. In München ist er am 19.6.1972 verstorben. Bevor Roswaenge zum Gesang
kam, studierte er Chemie an der Technischen Hochschule von Kopenhagen. Danach
ließ er sich in Kopenhagen und Berlin zum Sänger ausbilden. Sein Debüt gab er
1921 am Mecklenburgischen Landestheater Neustrelitz als José in Carmen
(Bizet). Weitere Stationen waren das Landestheater von Altenburg (Thüringen,
1922-24), das Stadttheater Basel (1924-26), das Opernhaus von Köln (1926-29).
Es folgte die Berliner Staatsoper, an der er bis 1945 eine glanzvolle Karriere
absolvierte. Gleichzeitig war er seit 1930 Mitglied der Staatsoper von Wien. Es
folgten Gastspiele in London, Mailand, Kopenhagen, Stockholm, Brüssel,
Amsterdam, München, Hamburg, bei den Salzburger Festspielen. Dort wurde er als
Tamino, Florestan und Hüon bewundert. Auch in Bayreuth war er für zwei Jahre
als Parsifal zu hören (1934 und 1936). Am Stadttheater von Zürich, bei den
Festspielen von Bregenz und Bad Hersfeld war er zu Gast. In den Jahren 1963/64
trat er noch mit großem Erfolg im Madison Square Garden (New York) auf.
Roswaenge verfügte über eine kräftige und schöne Stimme mit enormer
Tonfülle, leistete sich aber auch oft stimmliche Eskapaden. Auch er ist auf
dieser DVD nochmals zu bewundern.
Jussi
Björling, ein weiterer Tenor aus dem Norden. Er wurde am 05.2.1911 in
Stora Tuna (Schweden) geboren und verstarb, 49-jährig, am 9.9.1960 in Siaræ
bei Stockholm. Bereits als 5-jähriger Knabe wurde er durch seinen Vater mit dem
Gesang vertraut gemacht. Mit seinen Brüdern Olle und Gösta gründete der
Vater, inklusiver seiner Person, ein Gesangsquartett, das in der ganzen Welt
auftrat. 1930 begann seine Laufbahn auf der Opernbühne. Die Opernfreunde
weltweit erlebten im Laufe der Jahre eine der schönsten Opernstimmen seit
Caruso. Mehr aus seinem Leben ist unter der Rubrik Arien
und Sängerportraits zu finden.
John McCormack wurde am 14.6.1884 in Athlone (Irland) geboren, er
verstarb in Glena Booterstown (bei Dublin) am 16.9.1945. McCormack wurde bereits
früh Mitglied des Palestrina-Chors der Kathedrale von Dublin. Seine
Gesangsstudien absolvierte er bei Vincenzo Sabbatini in Mailand. 1906 gab er
sein Debüt, unter dem Namen Giovanni Foli, als Titelheld in Mascagnis Amico
Fritz. Bereits ein Jahr später sang er an der Covent Garden Oper London den
Turridu in Cavalleria rusticana (Mascagni). Bis 1914 feierte er dort sehr
große Erfolge. Weitere Stationen in seiner Bühnenkarriere waren: Teatro San
Carlo (Neapel), Teatro Regio (Parma), Manhattan Opera House (New York), er
gehörte der Chicago-Philadelphia Opera Company an, und schließlich gastierte
er an der Met. Mit der berühmten Nellie Melba unternahm er eine Tournee durch
Australien und in den Konzertsälen der ganzen Welt wurde er umjubelt. 1932 sang
er bei der Schlussveranstaltung des Eucharistischen Weltkongresses in Dublin Panis
angelicus von César Franck (auch auf der DVD enthalten). In London gab er
1938 sein Abschiedskonzert. Lediglich 21 Opernrollen hatte McCormack in seinem
Repertoire. Mit seinen Konzerten irischer Volkslieder hatte er Riesenerfolge.
Mit einem Titel wurde ein Plattenumsatz von über vier Millionen erreicht.
Obwohl der Sänger seit 60 Jahren verstorben ist, gilt er in Irland nach wie vor
als einer der ganz großen Interpreten und wird immer noch sehr verehrt. Neben
Caruso gehörte McCormack zu den bedeutendsten Sängern der damaligen Zeit.
Seine Stimme war von edler Klangschönheit, vollendet in den Phrasierungen und
gesangstechnisch bestens ausgebildet. Das war es, weshalb der Sänger McCormack
so überwältigend gefeiert und verehrt wurde. Zeugnis davon gibt es ebenfalls
auf dieser DVD zu sehen und zu hören.
Georges Thill, wohl der bekannteste Tenor aus Frankreich. Er wurde am
14.12.1897 in Paris geboren und verstarb am 17.10.1984 in Lorgues. Er studierte
am Conservatoire National in Paris und bei dem berühmten italienischen Tenor
Fernando de Lucia in Neapel, dessen Manierismen er aber nicht übernommen hat.
(Davon wird in dem Kapitel Der singende Automat noch die Rede sein.) 1924
gibt Thill sein Debüt an der Grand Opera von Paris als Nicias in Thaïs
von Massenet. Den ersten größeren Erfolg hatte Thill dann als Herzog in Verdis
Rigoletto, gefolgt in der Rolle des Kalaf in Turandot von Puccini. Diese
Rolle brachte ihm sensationellen Erfolg ein, die er dann auch 1928 in Verona
sang. Es folgten Auftritte an der Mailänder Scala, am Teatro Colón in Buenos
Aires, an der Met. Es schlossen sich an der Londoner Covent Garden, die
Staatsoper Wien, die Königliche Oper von Stockholm, das Théâtre de la Monnaie
in Brüssel. Er gab seine Stimme auch moderneren Werken, wie La tour de feu
von Lazzari, Satan von Gunsbourg, Vercingétorix von Canteloube, Naïla
von Gaubert und Rolande von Rabaud. Seinen Abschied gab Thill 1953 an
der Opéra-Comique als Canio im Bajazzo von Leoncavallo. Auch beim
Tonfilm wirkte Thill mit, u.a. in der Verfilmung von Charpentiers Oper Louise.
(Auch davon ein Ausschnitt auf der DVD.) Seine Stimme zeichnete sich durch
Ausdruck und Glanz ihres Timbres aus. Nach der Bühnenkarriere zog es Georges
Thill aufs Land nach Südfrankreich.
Iwan Kozlowski, ein russischer Tenor, dessen Name in unseren
Breitengraden nicht so bekannt ist. Das liegt wohl daran, dass Stalin ihn nicht
hat außer Landes gehen lassen, da er ihn sehr schätzte und verehrte. Kozlowski
wurde am 24.3.1900 im Dorf Marjanowka (Gebiet um Poltawa, Ukraine) geboren.
Seine Gesangsausbildung erhielt er am Konservatorium von Kiew. 1920 Debüt am
Stadttheater von Poltawa im Faust von Gounod. Die nächsten sängerischen
Stationen waren: Opernhaus von Charkow (1924), Stadttheater von Schwerdlowsk
(1925), Bolschoj Theater Moskau (1926). Diesem Haus bewies er seine Treue bis
1957. Ihm wurde der Stalinpreis, der Leninorden und der Titel
"Volkskünstler der UdSSR" verliehen. Neben dem russischen Repertoire
sang er aber auch italienische, französische und deutsche (Lohengrin)
Opernliteratur. Seine Stimme habe ich auf dieser DVD erstmalig gehört und ich
war begeistert von ihrer Schönheit, die sich bis ins hohe Alter gehalten hat.
Noch mit 70 Jahren gab er in Moskau ein Konzert, das auf Schallplatte
aufgezeichnet wurde. Kozlowski hatte eine wundervolle, gut gebildete, lyrische
Tenorstimme. Sein differenzierter Vortrag, die Kunst des Ausdrucks sind mehr als
zu bewundern. Von seiner herrlichen Stimme kann man sich auf dieser DVD
überzeugen.
Der singende Automat. Hier werden die ersten Schallaufzeichnungsgeräte
vorgestellt, wie die 78er Geschwindigkeit der Schellackplatten zu bewerten ist,
was ist Belcanto. Von dem Tenor Fernando di Lucia (siehe Georges Thill) gibt es
keine laufenden Bilder, dennoch wurde ihm in diesem Kapitel viel Zeit
eingeräumt. Vor allem seine gesanglichen Extravaganzen, die er sich heute wohl
bei keinem Dirigenten erlauben dürfte. Di Lucia wurde am 11.10.1860 in Neapel
geboren und verstarb auch dort am 21.2.1925. Er war ein gefeierter Opernstar.
Seine erste Schallplatte wurde 1902 gemacht, 1922 die letzte. Und insgesamt
wurden es fast 500 Platten.
Diese DVD mit der Folge 2 von Belcanto - Die Tenöre der Schellackzeit brachte
200 Minuten lang Interessantes, Spannendes und Wissenswertes aus vergangener
Zeit. Ein wunderbares Dokument, ebenso wie die erste Folge. A.L.
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