Magdalena Kožená

 


AH, mio cor!
Arien von Georg Friedrich Händel (1685 - 1759)

Arien aus Agrippina, Alcina, Amadigi di Gaula, Ariodante, Giulo Cesare, Hercules, Joshua, Orlando, Rinaldo, Theodora

Magdalena Kozena

Venice Baroque Orchestra
Andrea Marcon

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1. Ah, mio cor
2. Recit. acc: Where shall I fly? 
3. Pensieri, voi mi tormentate!
4. No.12 Aria Cara speme, questo core tu cominci
5. O Had I Jubal's Lyre (Original Version)
6. Scherza infida in grembo al drudo
7. Sinfony - With darkness deep Theodora
8. Desterò dall'empia dite
9. Ah Stigie larve! ... Vaghe pupille, non piangete, no
10. Dopo notte, atra e funesta
11. Lascia ch'io pianga
 

**** 1 CD - Archiv Produktion / Universal Music - 477 6547 - September 2007 ****


Emozioni, passioni e sentimenti stravagante
ODER
eine Freude, ein Juwel nach dem anderen zu bringen


Nun ist es natürlich keine neue Erkenntnis, dass es bei Oper, bei der Barockoper umso mehr, vor allem um grenzwertige Emotionen geht. Und natürlich auch nicht, dass sich an deren Auslotung eigentlich alle Solistinnen und Solisten in ihren Auftritten und zumal in ihren Soloalben mit mehr oder weniger großem Erfolg versucht haben.

Gerade auch DER Meister des Barock steht da hoch im Kurs und viele erstklassige Sängerinnen und Sänger haben ihr eigenes Album mit Händelarien vorgelegt. Nunmehr legt die tschechische Mezzosopranistin Magdalena Kožená ihre ganz persönliche Auswahl an Händel-Arien vor. Natürlich ist der 1973 in Brno Geborenen Händel ganz und gar nicht unvertraut, hat sie doch gleichsam mit ihm ihr Debüt bei der Deutschen Grammophon / Archiv Produktion gegeben, bei der sie seit 1999 exklusiv verpflichtet ist. Die nach wie vor zu den besten unter den vorliegenden gehörende Einspielung des Dixit Dominus führte sie das erste Mal mit den Musiciens du Louvre unter ihrem Dirigenten Marc Minkowski zusammen, mit dem die Kožená in der Folgezeit einige andere Barockperlen einspielte. Neben einer Auswahl italienischer Kantaten, die sie 2000 vorlegte, ist hier besonders die viel gepriesene und mit dem Diaposon d'or 2000 ausgezeichnete Einspielung des Rameauschen Dardanus zu nennen.

Mit McCreesh und dem Gabrieli Consort zusammen nahm die Kožená Paride ed Elena von Gluck auf – ein weiterer Meilenstein in ihrer Barockkarriere. Doch machte sie, neben ausgewiesenen Verdiensten um Johann Sebastian (Pfingstkantaten / English Baroque Soloists unter Gardiner 1999) und die gesamte Familie Bach (Lamento / Musica Antiqua Köln unter Goebel 2005), auch wiederholt mit Händel von sich reden, ohne sich einzig auf ihn zu konzentrieren.

Mit dem Altmeister des Barock stand sie auch in dessen wohl bekanntestem Werk Giulio Cesare in Egitto (HWV 17) auf der Bühne, und zwar als junger Sesto, der den Tod seines Vaters durch einen Feldzug gegen den 'großen Tyrann Ägyptens' rächen will und unter Caesars Ägide darf. Seinem zärtlichen, noch keineswegs siegesgewissen Anruf an die 'Süße Hoffnung', die 'seinem Herzen schon zu schmeicheln beginnt', haucht die inzwischen an allen europäischen Bühnen zu Hause Seiende Cara Speme eine anheimelnde Sinnlichkeit ein.

In ihrer Auswahl der Stücke ihres neuen Händelalbums griff die seit 2003 zur Ritterin des Ordens der Schönen Künste Ernannte insbesondere auf das reichhaltige Repertoire der Zauberopern zurück. Mit seinem frühen Rinaldo (HWV 7) war Händel seinerzeit der große Wurf in London gelungen – nicht zuletzt dadurch, dass er sich auf die Expertise Aaron Hills, der seinerzeit Leiter des Queen's Theatre, der angesagtesten Opernbühne Londons war, verließ. Neben einem perfekten Bühnenbild und einem wahren Feuerwerk von Effekten (man erinnere sich nur der Feuer speienden Drachen!) ist dieser Erfolg natürlich vor allem der ersten Riege der Sänger zu verdanken, die Händel für seinen englischen Erstling engagierte und denen er perfekte Barockarien auf den Leib schrieb. Eines der Glanzstücke dieser über 50 Mal aufgeführten Zauberoper ist zweifelsohne der Klagegesang Almirenas, der gefangen genommenen Geliebten des Titelhelden. Die Verzweiflung der ihr grausames Schicksal beweinenden und gleichzeitig ihre Freiheit ersehnenden jungen Frau (Lascia ch'io pianga mia cruda sorta) ist hier von der ersten bis zur letzten Note zu spüren. Effektreich wie die Barockoper, verzaubert auch die tschechische Sängerin, allen voran durch einen intonatssicheren Stimmumfang und durch eine Koloratursicherheit, die ihresgleichen sucht. Geschickt und passgenau spielt sie mit Volumen, Akzent und Tempo und vermag so den Figuren Authentizität einzuhauchen.

Einige ihrer Heldinnen sind wahrhaft verzweifelt wie Almirena. Ist es in ihrer Arie ein Lamento, welches diesen Seelenzustand untermalt Almirena untermalt, kommt er in dem verzweifelten Hilferuf Where shall I fly der Dejanira aus Händels Oratorium Hercules (HWV 60) anfänglich durch stakkatohafte, kaum über die Lippen kommende Partien, später durch die ganze Sangeskunst fordernde Koloraturen zum Ausdruck. In ihrer mustergültigen Interpretation scheut sich die Kožená nicht, auch die finsteren Tiefen dieser Partie auszuloten, auch wenn oder gerade weil so ein Klang entsteht, der vielleicht nicht so schön ist, aber umso mehr über den Inhalt verrät. Besonders zum Tragen kommt dies in Koženás Interpretation der Arie des Fratzen der Hölle, oh grässliche Lemuren halluzinierenden Rasenden Roland im Finale des zweiten Aktes von Händels Orlando (HWV 31). Hier lässt sie bewusst auch gesangskritisch vielleicht als unsauber zu bezeichnende Töne einfließen. Schließlich sei die Stimme der jeweiligen Emotion genau anzupassen und abzuwägen. Ich nutze meinen Stimmumfang gern, um verschiedene Färbungen auszudrücken. Wenn ich 'Oh! Had I Jubal's lyre singe, sollte meine Stimme engelsgleich klingen, in Orlandos Wahnsinnsszene dagegen kann ich mir sogar hässlichere Töne erlauben, denn sie sagen etwas über seinen Geisteszustand aus!

Ihr umfangreiches stimmliches Spektrum und ihre Koloraturgewandtheit stellt die tschechische Mezzosopranistin auch in zahlreichen wahren Sopranarien wie z. B. in Pensieri voi mi tormentate aus Agrippina (HWV 6) oder der fulminanten Arie der Melissa Desterò dall'empia Dite aus Amadigi di Gaula (HWV 11) mit ihren relativ hoch liegenden Koloraturen, in der die Singstimme zudem noch mit Trompete und Oboe wetteifern muss, unter Beweis.

Ideal geschaffen ist Koženás Stimme für die Partie des Ariodante. Wohl nicht zufällig hat sie einzig aus dieser Partie gleich zwei Arien für ihr Album ausgewählt. Im Gegensatz zu der etwas zu dünn geratenen Interpretation von Otters und der subtil- aggressiven Darstellung Janet Bakers, singt die Kožená beide Stücke mit in Höhen und Tiefen gleich voll und sinnlich klingenden Stimme. (Man kann nur hoffen, dass sich eine Gelegenheit ergibt, diese Partie demnächst komplett aufzunehmen!)

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1 CD - Archiv Produktion / Universal Music - 477 6547 - September 2007

 

Interpretation: 
Klang:

      ausgezeichnet
      ausgezeichnet

 

Letztes Update: 16.08.2007, 19.18 Uhr

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