Vivaldi, Antonio (1714 - 1787)

 
AMOR SACRO – VIVALDI MOTTETTI

01. - 04. In furore iustissimae irae RV 626 [15’22]

05. - 08. Nulla in mundo pax sincera RV 630 [13’48]

09. - 12. In turbato mare irato RV 627 [16’41]

13. - 16. Sum in medio tempestatum RV 632 [20’02]

SIMONE KERMES, Sopran

Venice Baroque Orchestra
ANDREA MARCON

**** 1 CD  -   00289 477 5980  -  Archiv Produktion / Universal Classics  -  Februar 2007 ****


Die Vivaldi-Edition bei naive/Opus 111 hat uns in den letzten Jahren, nach nur sporadischen Einspielungen früher, eine wahrhaft neue Welt erschlossen: die des Opernschaffens dieses Virtuosen und Neuerers der Instrumentalmusik aus Italien. Und da waren schon einige SEHR interessanten Sachen dabei, die über die diversen Möglichkeiten sicher schon den Weg in das Ohr des barockinteressierten Klassikliebhabers gefunden haben.

Was dabei etwas in den Hintergrund gerückt ist, wird nunmehr durch eine vollends gelungene Neueinspielung dem geneigten Ohr geboten: das kirchenmusikalische Schaffen, genauer gesagt vier Motetten des "Roten Priesters", die erhalten geblieben sind. Wobei das Wort Motetten vielleicht etwas langweilig klingt - das ist diese Musik aber ganz und gar nicht.

Da muss man sich auch nur die Titel der einzelnen Stücke anstehen - da geht es emotionsgeladen her, nicht nur wutentbrannt ("Im Grimm deines gerechten Zornes", 01) oder höchst erregt im "zornig aufgewühlten Meer" (09), sondern in den ruhigen Arien auch sehr gefühlvoll. Das kann z.B. klagend sein, dass "es in der Welt keinen Frieden" gibt (05) oder rührig bittend, dass der "gütigste Vater" (Pater piissime) den Vortragenden oder die gesamte Gemeinde gütlichst "in ihrem Schmerz verschonen" solle (02).

Vorgetragen werden diese Kleinode gesangsmusikalischen Schaffens von der in Leipzig gebürtigen, stimmkräftigen und zu vielen Klangfarben fähigen Sopranistin Simone Kermes, der Archiv Produktion nach einer schon glanzvollen Rodelinda-Einspielung von Händel nunmehr endlich ein Soloalbum gewährt hat. Und was man zu hören bekommt, hat das in die Kermes gesteckte Vertrauen voll gerechtfertigt. Souverän meistert sie alle gesangstechnischen und interpretatorischen Fallstricke, die il prete rosso da den Gesangskünstlern seiner wie nachfolgender Zeiten gestellt hat.

Möge diesem, wie auch dem schon angekündigte Nachfolgealbum Amor Profano mit weiteren Solostücken Vivaldis Erfolg beschieden sein! Eine voll geile CD - ein MUSS für die Ohren! D. C.


***** Zur Vertiefung: Pressetext der Universal *****

An Energie, Lebhaftigkeit, Kontrastreichtum und Eingängigkeit stehen Vivaldis weniger bekannte Motetten für Solostimme seinen berühmten Vier Jahreszeiten keineswegs nach. Für den kirchlichen Gebrauch geschrieben, wurden diese hochvirtuosen Stücke für Sopran und Streicher aus dem 18. Jahrhundert dennoch oft als Konzerte für Singstimme bezeichnet, die ein Maximum an Ausdruckskraft und eine brillante Technik erfordern.

Simone Kermes präsentiert Vivaldis Stimmfeuerwerk mit bemerkenswerter Sicherheit. Die faszinierende deutsche Sängerin wird mit Lob geradezu überschüttet: »Ein Meryl-Streep-Typ mit Goldsopran und virtuoser Koloratur« (Opernwelt). Aufgrund ihrer Konzert- und Opernauftritte sowie ihrer bisherigen Aufnahmen – u. a. der Titelpartien in der zumindest teilweise von Vivaldi komponierten Andromeda liberata (ebenfalls mit Marcon und dem VBO) und in Händels Rodelinda (unter Leitung von Alan Curtis) – gilt sie inzwischen als eine der eindrucksvollsten Sängerinnen der Gegenwart.

Kermes wird lebendig von Andrea Marcon, einem der zurzeit angesehensten Dirigenten von Barockmusik, und seinem bereits seit einem Jahrzehnt bestehenden Venice Baroque Orchestra begleitet. Das Orchester – »flexibel, farbig und virtuos« (BBC Music Magazine) – hat seine Meisterschaft in diesem Repertoire immer wieder bestätigt. Mit vier viel gepriesenen Veröf¬fentlichungen bei Archiv Produktion und Hunderten von Konzertauftritten hat Marcons VBO jetzt einen festen Platz unter den führenden internationalen Ensembles mit Originalinstrumenten.

Unter Motetten verstand man im 18. Jahrhundert außerhalb der Liturgie stehende musikalische Beiträge zur katholischen Messfeier. Unsere Auswahl reicht von einigen der ersten Werke Vivaldis in dieser Gattung aus den Jahren 1713–17 bis zu zwei seiner letzten, die er in den 1730er Jahren komponierte. Zwar haben alle dieselbe Form (Dacapo-Arie, Rezitativ, zweite Dacapo-Arie in einer anderen Tonart und abschließend ein mitreißendes »Alleluia«), doch die Stücke verwenden eine ungeheure Vielzahl von vokalen und instrumentalen Effekten.

Vivaldis Solo-Motetten sind nicht nur virtuose Bravourstücke, sondern bieten auch ein breites Spektrum an emotionalem Ausdruck: Strahlendes E-dur und der wiegende Siciliana-Rhythmus beispielsweise beschwören paradiesische Glückseligkeit in Nulla in mundo pax sincera, rasche Skalenfiguren und stürmische Tonrepetitionen erzeugen die »Wut-Effekte« von In furore iustissi¬mae irae, während In turbato mare irato mit Bass-Tremolos das Donnergrollen nachahmt und mit weiten Schwüngen der Gesangslinie und der Instrumentalbegleitung das Gefühl wogender Wellen vermittelt. Fast 300 Jahre nach ihrer Komposition werden diese vokalen Edelsteine unter den Händen äußerst einfühlsamer, überragender Interpreten wieder zum Funkeln gebracht.



SIMONE KERMES – A BIOGRAPHY  (Pressetext Universal)

Soprano Simone Kermes studied in her native Leipzig with Helga Forner and also attended masterclasses given by Dietrich Fischer-Dieskau. She won first prize in the 1993 Mendelssohn Competition in Berlin and three years later won the Bach Prize in the Leipzig Bach Competition. Opera appearances have taken her to the Brooklyn Academy of Music in New York, the Théâtre des Champs-Élysées in Paris, the Stuttgart State Opera and the Teatro Nacional de São Carlos in Lisbon in a repertoire that has included Mozart’s Konstanze, Fiordiligi and Donna Anna, Donizetti’s Lucia di Lammermoor, Stravinsky’s Anne Trulove and Handel’s Alcina. Concert engagements have taken her to New York’s Carnegie Hall, the Berkeley Festival, Tokyo’s Opera City Hall, London’s Barbican Centre, Moscow’s Tchaikovsky Hall, the Amsterdam Concertgebouw, the Prague Autumn Festival, the Istanbul Music Festival, the Dresden Music Festival and the Vienna Resonanzen Festival. Among the orchestras and ensembles with whom she has appeared are the Leipzig Gewandhaus and Prague Symphony orchestras, the Dresden Staatskapelle, the Orquesta Nacional de España, Musica Antiqua Köln, the Ensemble Mattheus and Concerto Köln, while the conductors with whom she has worked include Riccardo Chailly, Leopold Hager, Rafael Frühbeck de Burgos, Lothar Zagrosek, Thierry Fischer, Steven Sloane, Theodor Currentzis, Reinhard Goebel and Jean-Christophe Spinosi.

Simone Kermes’s recordings feature a wide-ranging repertoire extending from Vivaldi to Engelbert Humperdinck. Several of them, including Vivaldi’s Griselda, in which she takes the part of Ottone, and Haydn’s Die Schöpfung, have won prizes ranging from the Diapason d’Or to the Jahrespreis der Deutschen Schallplattenkritik and the Echo Klassik Award. For Deutsche Grammophon/Archiv Produktion, Simone Kermes has already worked with Andrea Marcon and the Venice Baroque Orchestra on Vivaldi’s Andromeda liberata, and she sings the title role in Handel’s Rodelinda with Il Complesso Barocco conducted by Alan Curtis.

Eine voll geile CD - ein MUSS für die Ohren  D. C.


Zum Komponisten Antonio Vivaldi

+ ausführliche Biografie bei Wikipedia
+ Werkeverzeichnis nach Gattungen
+ umfangreiche Diskographie (natürlich in keiner Weise vollständig) und Bibliographie zu Vivaldi
+ Portraits und Autographen bei karadar.com

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00289 477 5980
Archiv Produktion / Universal Classics

Februar 2007

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Letztes Update: 27.02.2007, 00.16 Uhr

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