|
Händel, Georg Friedrich (1685-1759) |
|
Sento Brillar + „Ottone, Il Complesso Barocco **** 1 CD - RCA Red Seal / Sony BMG - 88697318712 - Juli 2008 ****
Schon seit einiger Zeit findet das Arien-Picken der Gesangsgrößen unter thematischem oder historischem Aspekt immer mehr Anhänger und singen immer mehr auf den Spuren berühmter Vorfahren. Marketingtechnisch wieder bravourös begleitet hat das letzte Album der Cecilia Bartoli dieser neuen Art Zusammenstellung zu gehöriger Aufmerksamkeit verholfen. Ganz so neu ist die Sache indes nicht. Auch die (Ver)Suche, der Eigenart und Einmaligkeit der Gesangeskunst der Kastraten auf die Schliche zu kommen sind nicht neu und haben schon einige erstklassige Recital-Alben hervorgebracht. In diesem Jahr nun wird einer der ganz Großen der Zunft, der leider im Schatten seiner - ob verdient oder nicht - weitaus berühmteren Kollegen zumeist unbekannt oder erst in zweiter Garde genannt blieb, gleich zweimal gehuldigt. Und dies zweimal erstklassig - wenn auch mit unterschiedlichem Ansatz. Die Rede ist von Giovanni Maria Bernardino Carestini (1700 – ca. 1760). Klar, Kennern war er noch nie unbekannt, und man kam schon früh zu der Einschätzung, dass dieser Ausnahmekastrat wohl einer der herausragendsten Vertreter dieser Kaste gewesen sein musste. Die Arien, die ihm auf den Leib geschrieben wurden, gehören zu den anspruchsvollsten der Opernliteratur überhaupt. Nachdem sich im Frühjahr diesen Jahres der nicht minder Ausnahme-Countertenor Philippe Jaroussky mit einer umfassenden, Werke diverser Komponisten berücksichtigender Werkschau als würdiger Nachfolger Carestinis empfohlen hat, legt nunmehr die bulgarische, in der Barockszene bestens bekannter Sopranistin Vesselina Kasarova ihre Carestini-Hommage vor. Dabei konzentriert sie sich auf zwei Jahre im Schaffen Carestinis und auf dessen Begegnung mit einem der Großen auf kompositorischem Gebiet: Georg Friedrich Händel. Dieser hatte, nachdem die Londoner Adelsoper (Opera of the Nobility) ihm fast das gesamte Ensemble, darunter auch den oben schon genannten Primo uomo Senesino, abspenstig gemacht hatte, Carestini als Senesinos Nachfolger nach London gerufen und sollte ihm in den Jahren 1733-1735 einige Opern speziell auf den Leib schreiben. Deren beste nun bringt Vesselina Kasarova in gewohnt begeisternder Manier zu Gehör und beweist sich wieder einmal als Spitzeninterpretin allerersten Ranges. Sie eröffnet mit 2 Arien der Titelgestalt aus "Ottone, Rè di Germania", mit denen 1723 Senesino brillierte und die 1733 bei der Wiederaufnahme nunmehr Carestini sang, was aber nur wenige Änderungen in der Partitur mit sich brachte. Die sich anschließenden Arien des Teseo aus der Oper Arianna in Creta gehören zu den weniger bekannten, aber nicht minder lohnenswerten Kleinoden barocker Gesangeskunst. Auch die titelgebende Arie „Sento brillar nel sen/cor“ aus der Arkadien-Oper „Il Pastor Fido“ gehört zu diesen lyrischen Kostbarkeiten - Kasarovas wie Händels. Klangvolles Ende des Albums bilden zwei Arien des Ruggiero aus der Zauberoper "Alcina", in welcher Rolle die Kasarova 1999 ihr Händel-Debüt gab - und zwar in Barcelona. Einen der größten Erfolge der Verbindung Carestinis mit Händel bildete die bis heute viel gespielte und in mehreren Einspielungen vorliegende Oper Ariodante, deren Ouvertüre auch die Mittelpause des Albums stellt. Gerade was die gesanglichen Glanzpunkte des Titelhelden angeht, muss sich Kasarova einer großen Galerie von Vergleichseinspielungen stellen, braucht diesen Vergleich aber keineswegs zu scheuen. Ihre Interpretation wohl eines der bekanntesten Stücke Händels, wenn nicht der Barockliteratur überhaupt, wird neben den anderen einen würdigen Platz und ihr Album sicher einen gebührenden im Sammelschrank vieler Barockenthusiasten finden. (Hierzu sei erwähnt, dass ihre Interpretation der Titelpartie Anfang 2008 an der Bayrischen Staatsoper in München das Publikum zu stehenden Ovationen verführte!) Dass letzterem so ist, wird nicht zuletzt auch dadurch befördert werden, dass als Begleitung eines der renommiertesten Barockorchester gewonnen werden konnte, nämlich das Il Complesso Barocco unter der Leitung des Händel-Spezialisten Alan Curtis.
Kurzbiografie Vesselina Kasarova aus Stara Zagora, Bulgarien erhielt schon ab dem vierten Lebensjahr Klavierunterricht und gab die angestrebte Laufbahn als Pianistin nach dem Konzertdiplom auf, um Sängerin zu werden. Nach Abschluss des Gesangstudiums in Sofia übernahm sie größere Partien in der bulgarischen Hauptstadt. Nach ihrem ersten Preis beim Wettbewerb „Neue Stimmen“ in Gütersloh 1989 wurde sie an das Opernhaus Zürich engagiert und gastierte 1991 erstmals bei den Salzburger Festspielen. Kurz darauf folgte ihr Debüt als Rosina an der Wiener Staatsoper, deren Ensemble sie zwei Jahre angehörte. Schnell avancierte sie zum Publikumsliebling und sang seither an den größten internationalen Opernhäusern wie Mailänder Scala, Royal Opera House Covent Garden, Grand Théâtre de Genève, Liceo Barcelona, Teatro Comunale Florenz, Münchner Staatsoper, Deutsche Oper Berlin, Nederlandse Opera Amsterdam, Metropolitan Opera New York, Lyric Opera of Chicago, Opéra Bastille und Opéra Garnier in Paris. Für ihre Interpretationen der Mozart-Opern, des Belcanto-Faches und der französischen Oper wurde Vesselina Kasarova weltberühmt. Sie arbeitete mit bedeutenden Dirigenten wie Nikolaus Harnoncourt, Sir Colin Davis, Seiji Ozawa, Daniel Barenboim, Riccardo Muti, u. a. Liederabende und Konzerte führten sie in die großen Musikzentren der Welt wie Mailand, Paris, München, Berlin, Rom, Wien, Dresden, Hamburg, Madrid, Barcelona, Chicago, New York und Tokyo. Vesselina Kasarova ist ständiger Gast der Salzburger Sommerfestspiele, der Münchner Opernfestspiele und des Rossini-Festivals in Pesaro. Sie hat zahlreiche Aufnahmen für RCA eingespielt: „Tancredi“, „Werther“, „I Capuleti e i Montecchi“, „La Favorite“, Arien-CDs aus dem italienischen und französischen Repertoire. Außerdem nahm sie „Italiana in Algieri“, Auszüge aus Offenbach Operetten und eine Arien-CD auf. Ebenfalls erschienen sind Aufnahmen von Berlioz, Ravel, eine Lied-CD und eine Aufnahme mit bulgarischen Liedern. Bei RCA / Sony BMG Classical erschienen 2006 Gesamtaufnahmen von „La Clemenza di Tito“ und „La Cenerentola“. Im Februar 2008 folgte die CD “Belle Nuit” mit Arien aus Opern von Jacques Offenbach, die in die zweite Bestenliste des Preises der deutschen Schallplattenkritik aufgenommen wurde. Im August 2008 erscheint mit „Sento Brillar“ das erste Händel-Album von Vesselina Kasarova, begleitet wird sie dabei vom Il Complesso Barocco unter Alan Curtis. Zahlreiche Opernproduktionen mit ihr wurden im Fernsehen übertragen und sind auf DVD erhältlich. Für ihre Einspielungen wurde sie mehrfach mit dem Echo-Preis ausgezeichnet und erhielt von der internationalen Kritik Auszeichnungen für ihre herausragenden Leistungen auf der Opernbühne. Vesselina Kasarova gehört heute zu den gefragtesten Mezzosopranistinnen und wird auf der Opernbühne und im Konzertsaal von Publikum und Presse begeistert gefeiert. Zukünftige Engagements führen sie an alle bedeutenden Opernhäuser und Konzertsäle der Welt.
+
Leben und Werk Händels (wikipedia)
|
|
|
|
1 CD RCA Red Seal / Sony BMG
|