|
Philippe Jaroussky (*1978) |
|
VIVALDI: HEROES Arien aus Philippe Jaroussky, Countertenor Ich halte ihn für einen der, wenn nicht den authentischsten und stimmgewaltigsten Countertenor und einen, der einem einen Einblick geben kann, welche Faszination die Stimmen der Kastraten zuzeiten der Barockoper ausgeübt haben müssen. Es gibt wahrlich nicht viele, die (gerade auch) die höchsten Töne der Kastratenarien und Kantaten mit solcher Bravour, Sicherheit und Klarheit der Stimme zu singen im Stande sind - und dabei niemals die Anstrengung der Stimme spüren lassen, noch gar gepresst oder anderswie verkrampft klingen! Seit einigen Jahren per Exklusivvertrag mit dem Label Virgin Classics (EMI) verbunden, bringt er dort im Januar 2007 sein inzwischen viertes - bzw. zählt man seine im vorigen Jahr bei Ambroise erschienene Referenz an Benedetto Ferrari, dessen Andromeda den Beginn des Siegeszuges der Oper in öffentlichen Theatern verhieß, mit, fünftes - Soloalbum heraus: ein fulminantes Best of Vivaldi Opera, eine Sammlung von Kleinoden und wahren Schätzen barocker Arienkunst aus der Feder des Rot(haarig)en Priesters. Natürlich hat er mit dem neuen Album wirklich nicht nur eine NEUE Herausforderung, sondern eine WIRKLICHE gesucht. Nicht dass Vivaldi ihm fremd wäre, im Gegenteil: gerade auch durch Einspielungen mit Vivaldi hat er sich ja einen Namen gemacht. Die sehr unterschiedlich fordernden Vivaldi-Arien dieser Einspielung indes konzentrieren die Anforderungen auf engstem Raum und verlangen eine Stimmbeherrschung und einen Stimmumfang, den nur wenige haben! Das fängt schon bei der ersten, der Eröffnungsarie an. Bei Se in ogni guardo tu vibri un dardo (Wenn du in jedem Blick einen Pfeil schleuderst), der aufbrausenden und zugleich tief philosophischen Arie des Argillano aus Orlando finto pazzo, hört man die Pfeile einem gleichsam um die Ohren sausen und im Gegensatz zu Manuela Custer, die den Argillano auf der Gesamteinspielung im Rahmen der Vivaldi-Edition bei Opus111 singt, kommt hier mit Jaroussky erst die volle Wucht der Arie herüber und zeigt der "französische Wunderknabe" viel größere Stimmsicherheit und -beherrschung als seine zumeist in Italien tätige Kollegin, die auch in der Vivaldischen Juditha Triumphans zu hören ist. Ist aber auch ein wirklicher Brocken für jeden Gesangsvirtuosen dieses Stück. Überhaupt scheint der nur schein-wahnsinnige Roland es Jaroussky besonders angetan, ist dies doch die einzige Oper, von der er zwei Arien für seine Best of ausgewählt hat. Neben forsch-fröhlichen oder gar fanfarenhaft-dramatischen Stücken hat Jaroussky auch wieder einige sehr lyrische Stücke ausgewählt, die er in dieser Einspielung auch wieder mit der gewohnten Leichtigkeit und der schon vielfach überlegen demonstrierte Sicherheit vom untersten bis höchsten Ton seines ungewöhnlich großen Stimmumfangs interpretiert. Hier hat er endgültig zu Vivaldi gefunden und es sollte mich wundern, wenn er nicht zu einem der gefragtesten Vivaldi-Interpreten avanciert. Einige herausragende Vivaldi-Opern sind bereits - und eben zum Teil auch unter Beteiligung Philippe Jarousskys - erschienen, so La Verità in Cimento (mit Bertagnolli, Laurens, Mingardo, Stutzmann, Jaroussky), L'Olimpiade (mit Mingardo, Invenizzi, Giordano) 2003, oder aus dem Jahre 2006 gleich zwei: der einfach fantastische Tito Manlio und die nicht weniger anregende Griselda. Auch die famose Oratoriums-Einspielung Juditha Triumphans (mit Kozena, Comparato, Cararo) von 2001 hat die Zuhörer begeistert und sei unseren Lesern noch einmal herzlichst an selbiges gelegt. Neben diesen schon als Gesamteinspielung vorliegenden Vivaldi-Opern bietet uns dieses Album einen Vorgeschmack, was uns - zum Beispiel - in der seinerzeit von der Kirche verbotenen Oper Farnace oder im Il Tigrane erwartet, die noch ihrer CD-Aufnahme harren. Insofern. KAUFEN!!!. D.C.
+ Diese
CD (Vivaldis Heroes) bei amazon kaufen (natürlich vorher reinhören dank Hörproben) Philippe Jaroussky +
Biografie Philippe Jaroussky (EMI) VIVALDI in der Gaystation Opern Arien-Sammlungen DVDs |
© Foto Ana Bloom
© Foto: Marc Ribes & Albert Vo Van Tao (04/2006)
|
|
|
1 CD Spielzeit: 63:15
|