Philippe Jaroussky (*1978)

 

Une Concert pour Mazarin
(Italienische Kompositionen in französischen Sammlungen des 17. Jahrhunderts)

"Acclamate de terra" (Maurizio Cazzatti)
"Capriccio" (Girolamo Frescobaldi)
"Bienheureuse est une âme" (anonym)
"O quam clemens" (Francesco Foggia)
"Madre, non mi far monaca" (anonym)
"Sonata a tre sopra la Monica" (Francesco Turini)
"Fugue à quatre parties sur un sujet italien" (François Roberday)
"Sancta Maria" (Claudio Monteverdi)
"Canzon per cornetto e violino in risposta" (Lodovico Viadana)
"Surge, propera, amica mea" (Giovanni Paolo Cima)
"Laudate pueri" (Nicolo Fontei)
"Capriccio e ciaccona" (Maurizio Cazzatti)
"Passacaille pour le clavecin" (Luigi Rossi)
"In caligine umbrosa" (Giovanni Battista Bassani)

Philippe Jaroussky, Countertenor

Ensemble La Fenice
Jean Tubéry

***** Virgin Classics / EMI 19.02.2004 - 7243 5 45656 2 5 ****


Kardinal Jules Mazarin, Berater Ludwigs XIII. und dann XIV., war im Frankreich des 17. Jahrhunderts von herausragender Bedeutung. Geschichtlich am bedeutsamsten ist sein Name mit der Durchsetzung des Merkantilismus verbunden.

Aber wie auch schon in Italien nicht wenige Kardinäle eifrige Beförderer der Künste waren und z.B. die italienische Oper sich durchsetzen und einem jungen Händel zum Durchbruch verhalfen, fühlte sich Mazarin dieser Tradition verbunden und tat einiges zur Bereicherung des französischen Kulturlebens. Z.B. indem er zahlreiche italienische Künstler, darunter auch viele Musiker nach Frankreich und an den Hof des Königs holte. Natürlich ist seine Italienverbundenheit nicht von ungefähr, hat er doch, Giulio Mazzarini, auch selbst italienische Vorfahren.

Einige dieser Kulturschaffenden würdigt der supreme Countertenor Philippe Jaroussky in seiner neuesten Einspielung, die Entdeckungen italienischer Komponisten aus französischen Autografensammlungen des 17. Jahrhunderts vereint - darunter von Maurizio Cazzati. Allein schon welch ein Name! Brossard, in dessen Sammlung das "Acclamate de terra" gefunden wurde, das die CD mit einem ephebisch vom Himmel herabklingenden Lobpreis einleitet, schrieb über ihn: "Dieser Komponist ist für die Schönheit und Güte seiner Musik zu bewundern, mehr noch aber für die erstaunliche Fruchtbarkeit seines Genius." Das zweite Cazzati-Stück auf dieser Scheibe - "Capriccio e ciaccona" (Track 10) - unterstreicht diese Aussage vollkommen.

Neben diesem bodenständigen Werk sind natürlich Gesänge an die Jungfrau Maria dabei, denen Jaroussky ja 2006 eine weitere eigenständige CD widmet. Aber auch eher antiklerikale Stücke wie das anonyme "Madre, non mi far monaca" (Mutter, schick mich nicht ins Kloster), das nach einer generellen Unwillensbekundung mit den glänzend bissig intonierten Worten endet "Che posse la crepar" (Möge sie [die Äbtissin] doch verrecken!)

Gewohnt tonsicher und mit einer Rein- und Weichheit von den höchsten bis hin zu den tiefsten Tönen (einen Stimmumfang hat der Mann - phantastisch!), wie man sie sonst nur selten findet, stellt der erst 1978 geborene Franzose Philippe Jaroussky nach Einspielungen von Klassikern hier Stücke vor, die es in der Mehrzahl erstmals zu entdecken gilt - und dann gleich noch in dieser Qualität, so dass die Scheibe zu einer Referenzaufnahme erkoren werden kann!

Beim Hören der Scheibe entflieht man der Welt, besteigt die Flügel göttlichen Gesangs und schaut gleichsam von oben auf sich und die Welt herab. Wünschen wir uns weitere solche gesanglichen Ergüsse und wünschen dem auch optisch mehr als verlockenden Künstler eine lange Karriere und treue Fangemeinde. Und der neuen, ansprechend aufgemachten CD eine rege Käuferschaft. D.C.


Wer mehr über diesen Ausnahme-Sänger wissen will, sei an das Exclusiv-Interview verwiesen, dass Herr Jaroussky aus Anlass des Vivaldi: Heroes-Albums der gaystation gegeben hat!



Die Solo-CDs von Philippe Jaroussky

+ Diese CD (Vivaldis Heroes) bei amazon kaufen (natürlich vorher reinhören dank Hörproben)
+ Musiche Varie von Benedetto Ferrari (2006 bei Ambroise)
+ Die Virtuosen Kantaten von Vivaldi (2004) - Besprechung dazu in der Gaystation - Besprechung dazu in der Gaystation
+ Das Concert pour Mazarin (italienische Kompositionen in französischen Sammlungen des 17. Jahrhunderts) - Besprechung bei in der Gaystation
+ Die italienischen Motetten: Beata Vergine (2006) - dazu die Besprechung in der Gaystation

+ Die zauberhafte Agrippina-Einspielung von Dynamic mit Philippe Jaroussky als Muttersöhnchen Nero - eine enthusiastische Besprechung dazu
+ Weitere Einspielungen Jarousskys bei Amazon

Philippe Jaroussky

+ Biografie Philippe Jaroussky (EMI)
+ weitere interessante Informationen in unserem Exclusiv-Interview
+ Diskografie des jungen AusnahmeSoprans - leider nur bis 2005 aktualisiert

 

 

© Foto Ana Bloom

© Foto: Marc Ribes & Albert Vo Van Tao (04/2006)

1 CD
Label: Virgin Classics / EMI

Katalognr. 7243 5 45656 2 5

Spielzeit: 60'48''

Interpretation & Klang:

       hervorragend