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Philippe Jaroussky (*1978) |
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Aus Anlass der Veröffentlichung seines neuen Soloalbums ... VIVALDI: HEROES Arien aus Philippe Jaroussky, Countertenor ... hatte die Gaystation, vertreten durch Dirk Carius, die einmalige Chance, den Countertenor in einem exklusiven Interview gaynauer zu befragen zu seinem Hintergrund, seiner Herkunft und bisherigen Karriere, aber vor allem auch zum Faszinosum der Kastratenstimmen/-rollen und ihrer Interpretation heute sowie aktuelle und künftige Projekte. Dabei hat uns Philippe sehr interessante Einblicke gewährt. Doch lest selbst:
GAYSTATION: Herr Jaroussky, als erstes möchte ich Ihnen ganz herzlich zu Ihrem nunmehr fünften (bei Virgin selbst vierten) Soloalbum gratulieren, das Sie bei Virgin Classic im Januar 2007 herausgebracht haben und in dem Sie wiederum – oder gar noch klarer als in den vier Vorgängern und diversen Opern- und Oratorieneinspielungen bei Virgin oder auch anderen Labeln – Ihre ganz einzigartigen Qualitäten als Countertenor und Interpret barocker Arien unter Beweis stellen. Doch sind Sie zum Gesang, so liest man, erst später gekommen, nachdem Sie sich vordem vor allem mit der Violine und dem Klavier sowie Kompositionsstudien beschäftigt haben. Wie kamen Sie dennoch zum Gesang? Wer hat Sie entdeckt bzw. auf diese, für die Hörer dankbar aufgenommene Schiene? PHILIPPE JAROUSSKY: Es ist vollkommen richtig, dass ich zum Singen erst durch ein Aha-Erlebnis gekommen bin. Aber der Reihe nach. Meine musikalische Ader entdeckt und gefördert hat eigentlich mein Musiklehrer in der Schule, der meinen Eltern nahe legte, ich könnte es zu etwas bringen, wenn ich diese Ambitionen und Potenzen weiter entwickelte. Da war ich 12. Zunächst fing ich in der Tat an Geige zu spielen - nur ist das etwas spät, um wirklich noch virtuos zu werden. So widmete ich mich mit 15 dann dem Klavier. Als es darum ging, genauere Pläne für meine Zukunft abzustecken, wusste ich
eigentlich nur, dass ich etwas mit Musik gern machen würde, war mir aber
unschlüssig, welche Richtung es sein sollte. Ich dachte damals durchaus daran,
vielleicht Komposition zu belegen oder aber Dirigent zu werden. Aber richtig
entschlusskräftig war ich für keine dieser Optionen. Jacek war auch so freundlich, sich nicht nur mit mir zu treffen, sondern mich auch mit seiner Lehrerin bekannt zu machen - Nicole Fallien - die dann auch meine Lehrerin wurde und bis heute ist. Ja, und so verlegte ich mich denn auf eine Gesangskarriere. Ohne dass dabei für meine Lehrerin von vornherein festgestanden hätte, dass ich Countertenor würde. Im Gegenteil: sie probierte mit mir alle Stimmlagen aus und gemeinsam merkten wir, dass ich mit der Kopfstimme am natürlichsten, unproblematischsten vorankäme. So wählte ich denn diesen Weg.
PHILIPPE JAROUSSKY: Meine Großeltern waren in der Tat Russen; sie mussten allerdings 1917, als die Kommunisten nach der Revolution die Macht übernahmen fliehen und sind so in Paris gelandet. Und obwohl ich außer durch die Musik und vielleicht mal ein Buch eigentlich sonst keinen Bezug zu dieser russischen Kultur, geschweige denn zur Sprache, hatte (ich spreche bis heute kein Russisch), war es doch ein ganz seltsames Gefühl der Vertrautheit oder des Hergehörens, als ich im vorigen Jahr (2006) zu zwei Konzerten in Moskau weilte. Das hat mich auch selbst fasziniert. Was mich genauso fasziniert ist, dass es offensichtlich überdurchschnittlich viele Countertenöre mit slavischen Vorfahren gibt - man denke neben den schon erwähnten Jacek Laszczkowski, an Jörg Waschinski oder Jochen Kowalski. Da liegt die durchaus eine nähere Betrachtung der Frage nahe, ob die Affinität zur Kopfstimme eben in unserer slavischen Seele fußt.
PHILIPPE JAROUSSKY: Na richtig entdeckt würde ich eigentlich nicht sagen. Die Initiative ging eigentlich von mir aus. Ich habe schon während meiner Ausbildung angefangen, mich nach möglichen Beteiligungen bei Aufführungen alter Stücke umzuschauen - nach dem Motto: Versuch macht klug. Und Gérard war dann einer von denen, der mir eine Chance eingeräumt hat. Und der mich mit dem Label Virgin in Kontakt gebracht hat, bei dem ich ja bis heute bin. GAYSTATION: Genau, und das mit einem Exklusivvertrag. So weit zu sehen, war das auch der Start Ihrer Schallplattenkarriere. Was kam danach? PHILIPPE JAROUSSKY: Nun, zu etwa dieser Zeit habe ich auch bei k617 zusammen mit Flavio Oliver, einem einzigartigen Sopranisten, die wunderbare INCORONAZIONE DI POPPEA von Monteverdi eingespielt [Erscheinungsdatum: November 2000 - gaystation], nachdem wir zuvor schon mit Konzerten in einigen Städten gastiert hatten. Überhaupt festigte sich durch die damaligen Erfahrungen ein Grundsatz heraus: nämlich möglichst erst konzertant testen, wie das Programm ankommt und gleichzeitig, wie man es am besten interpretiert. Dieses Zusammenwachsen und gegenseitige Vervollkommnen durch die gemeinsamen Konzerte kann man in keiner noch so großzügig bemessenen Studioaufzeichnung erreichen. Und so habe ich seither immer versucht, Plattenprojekte vorher zu testen.
PHILIPPE JAROUSSKY: Ja, das war auch eine sehr interessante Produktion - und mein erstes Zusammentreffen mit Jean-Claude Malgoire. Eine weitere glückliche Fügung und fruchtbringende Begegnung. Ohne Malgoire wären sicher viele inzwischen hoch geschätzte Künstler nicht das, was sie sind. Ein Wesenszug Malgoires ist es, immer wieder Neuentdeckungen eine Chance zu geben und so hat er diverse Kollegen und Kolleginnen gefördert und schon während ihres Studiums bzw. ihren frühen Jahren eine Möglichkeit gegeben, ihr Können zu zeigen und sich selbst auf einer realen Bühne zu probieren und beweisen. Dabei gibt er uns allen sehr viel Freiraum und testet so lange, bis er die Idealbesetzung zusammen hat. Doch zurück zur Frage, meine größere Erstbekanntschaft mit Vivaldi und seinem Opernschaffen war die Rolle des unglücklich verliebten Numidierprinzen Arbace in der Oper CATONE IN UTTICA, einem wunderbaren Stück - und einem, das mich bewogen hat, mich in diversen anderen Vivaldi-Projekten einzubringen.
PHILIPPE JAROUSSKY: Nun ja, das lässt sich so eindeutig nicht sagen. Es gab sowohl Anfragen an mich als auch Initiativen meinerseits.
PHILIPPE JAROUSSKY: Could you be as kind as to give me a short hint which is your favourite Vivaldi recording? I will make up something, if you don't like to go into detail.
PHILIPPE JAROUSSKY: Natürlich habe ich hier zunächst erst einmal auf Arien zurückgegriffen, die ich in den Aufführungen der diversen Vivaldiopern, an denen ich beteiligt war, schon gesungen habe. Andere habe ich in Solokonzerten in diversen Städten schon im Programm oder als Zugabe gehabt und so hat sich denn eine bunte Mischung ergeben. Und das war mir auch sehr wichtig: nicht nur das Feurig-Temperamentvolle, aber auch nicht nur das Gefühlvolle, Ruhige oder gar Traurig-Melancholische zu betonen, sondern einen Querschnitt Vivaldischen Opernschaffens zu geben.
PHILIPPE JAROUSSKY: Jean-Christophe ist ein weiterer Glücksfall in meinem Werdegang. Auch mit ihm gab es sehr schnell ein auch menschliches Einverständnis. Gemeinsame Konzerte führten uns auf diverse Tourneen und wir verstanden uns immer besser. Da lag es nahe, auch bei den Einspielungen auf diese gemeinsamen Erfahrungen und die Chemie aufzubauen und die Vivaldi-Arien mit dem Ensemble Matheus einzuspielen. Auch wenn die bei Opus111 unter Vertrag stehen. Glücklicherweise haben sich unser beider Label verständigt und so g bei diesem gemeinsamen Projekt irgendwelche Probleme. Auch bei meinen Projekten gewährt mir Virgin große Freiheiten und so werden Jean-Christophe und sein Ensemble und ich sicher noch so manches Mal zusammen arbeiten. IS JEAN-CHRISTOPHE INVOLVED IN ONE OF THE PROJECTS YOU TOLD ME ABOUT?
PHILIPPE JAROUSSKY: Bisher leider nicht, nein. Es ist auch noch kein konkretes Projekt geplant. Allerdings hat mich William Christie für ein ganz besonderes Projekt begeistert und gewonnen - und da könnte ich mir sehr gut vorstellen, dass das auch auf Film festgehalten wird. Und zwar werden unter seiner Leitung nur Männer, davon sieben Countertenöre!, die Stefano-Landi-Oper "IL SANT'ALESSIO" aufführen, ein Projekt, das nicht nur sehr viel Spaß macht, sondern auch einzigartig ist von seiner Besetzung und dadurch sicher ganz neue Einsichten eröffnet. Dies wird übrigens seit langem wieder die Möglichkeit bieten mit Max-Emmanuel [Cencic - gaystation] zusammenzuarbeiten, der auf der Bühne die Rolle meiner Frau spielen wird! Ich freue mich schon sehr auf diese Aufführungen, die im Sommer 2007 beginnen.
PHILIPPE JAROUSSKY: Da ist in der Tat schon etwas - sogar faktisch fertig.
Die Aufzeichnungen sind bereits gemacht, nur wird das Album erst im nächsten
Jahr, also 2008, erscheinen. Dabei handelt es sich um ein Album, welches eine
Auswahl der bekanntesten Arien umfasst, die seinerzeit für den Kastraten
Carestini geschrieben wurden. Nachdem seinen Kollegen, vor allem natürlich
Farinelli, aber auch Cafarelli oder Händels Star Senesino, schon entsprechende
Alben gewidmet wurden, dachte ich mir, wäre es an der Zeit, auch diesen großen
Kastraten seiner Zeit - der noch dazu weitaus länger "im Geschäft" war als der
viel bekanntere und umschwärmte Farinelli - zu seinen Ehren kommen zu lassen.
Gerade auch Händel hat ja in seiner Ariodante und seinem Rinaldo wahre Perlen
der Musikliteratur diesem Kastraten auf den Leib geschrieben. Aber auch Hasse
("Clemenza di Tito") und Porpora ("Siface") haben zu seinem Repertoir
beigesteuert. GAYSTATION: Man liest von stehenden Ovationen, die Sie mit diesem Programm z.B. im Théatre des Champs Elysées in Paris bekommen haben. Insofern schade, dass wir uns noch ein Jahr gedulden müssen, bis wir Ariodantes Klagearie "tu preparati a morire" und die anderen Beiträge zur Rehabilitation Carestinis aus Ihrem Munde hören dürfen. Ihr inoffizielles Debüt in Deutschland gaben Sie am 29. Februar 2004, als Sie für den erkrankten Andreas Scholl in einem Konzert mit italienischen Barock-Kantaten mit der Accademia Bizantina unter Ottavio Dantone einsprangen. Ihr offizielles und von Publikum wie Kritik gleichermaßen gefeiertes Deutschland-Debüt feierten Sie ein Jahr später als Telemaco in einer Neuproduktion von Monteverdis Il Ritorno d’Ulisse in Patria unter dem inzwischen Altmeister barocker Operninszenierungen René Jacobs an der Berliner Staatsoper. Wird man Sie in nächster Zeit wieder auf deutschen Bühnen bewundern können? PHILIPPE JAROUSSKY: Leider nicht wirklich. Ich werde wohl erst im nächsten Jahr (2008) mit 2 Konzerten in Berlin gastieren, ansonsten ist für die nächste Zeit nichts geplant.
PHILIPPE JAROUSSKY: Das lässt sich wirklich nicht so einfach beantworten. Ein Bild davon, was den besonderen Charme der Kastraten ausgemacht hat, können wir uns heute nur schwer machen. In einer BBC-Dokumentation über die Castrati (BBC4) wurden einerseits die unterschiedlichen Klangbilder, die ein Knabe, eine Mezzosopranistin und ein Countertenor für ein und dieselbe Melodie bieten und dann wurde mit wissenschaftlichen Methoden versucht, das Faszinosum der Helligkeit der Knabenstimme, die mit den Mitteln eines ausgebildeten männlichen Stimm- und Resonanzapparats dieselbe Melodie interpretiert und es wurde klar, dass alles maximal Annäherungen sein können. Ich für meinen Teil bin fest davon überzeugt, dass alle Interpretationsansätze ihre Berechtigung haben und dass im Gegenteil einige Rollen, die ursprünglich für Kastraten geschrieben wurden, heute am besten von Frauenstimmen interpretiert werden sollten, während für andere, ohne damit die Rolle der Countertenöre überbetonen zu wollen, diese Stimmen geradezu prädestiniert erscheinen. Händels Giulio Cesare beispielsweise ist sicher bei dramatisch begabten Mezzosopranistinnen am besten aufgehoben, während Countertenöre doch für Rollen, die mehr ins Poetische gehen oder aber kindlich-jugendliche Rollen darstellen ...
PHILIPPE JAROUSSKY: Na, wir wollen mal nicht zu den Sternen greifen. Von einer Goldenen Schallplatte sind wir noch um einiges entfernt. Dennoch tut sich etwas im Hörempfinden der Klassikliebhaber, und neben dem errungenen ECHO Klassik, über den ich mich sehr gefreut habe - an dieser Stelle ein dickes Dankeschön an alle Fans in Deutschland und einen ganz lieben Gruß - bin ich in Frankreich im Jahr 2004 für den Victoire de la Musique nominiert worden, was vor wenigen Jahren geradezu undenkbar war. Insofern lass ich die Zukunft einfach auf mich zukommen und freue mich, wenn es noch einmal klappt. Die GAYSTATION dankt Herrn Jaroussky für die Zeit, die er sich für die Beantwortung unserer Fragen genommen hat und EMI/Virgin Deutschland für die einmalige Gelegenheit dieses Gespräch führen zu können. Wir wünschen Herrn Jaroussky noch viele Erfolge - und mit ihm natürlich auch Virgin/EMI! D.C. ***Im Einzelnen handelt es sich um
Philippe Jaroussky auf der Gaystation + Diese
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Biografie Philippe Jaroussky (EMI) VIVALDI in der Gaystation Opern Arien-Sammlungen DVDs |
© Foto Ana Bloom
© Foto: Marc Ribes & Albert Vo Van Tao (04/2006)
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1 CD Spielzeit: 63:15
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