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Händel, Georg Friedrich (1689-1759) |
IL DUELLO AMOROSO
Accademia Bizantina Countenöre haben seit Jahren Konjunktur und sind aus dem Bereich der barocken Oper nicht mehr wegzudenken. Auch wenn es immer wieder Streit darum gibt, ob man ursprünglich für Kastraten geschriebene Arien mit Countertenören oder nicht doch lieber Frauenstimmen besetzen sollte, haben selbige sich einen festen Platz in der Aufführungspraxis barocker Opern erstritten. Zu den zweifellos bekanntesten Countertenören gehört sicher Andreas Scholl, der sich vor allem auf Händel eingeschossen hat und in zahlreichen Händelopern mitgewirkt hat. Sein Auftritt in Giulio Cesare in Kopenhagen wurde in den höchsten Tönen gelobt und war auch im Radio zu hören - eine der ansprechenden Interpretationen dieser faszinierenden Oper. Überhaupt haben es Scholl ja die Partien, die Händel für Senesino geschrieben hat, am meisten angetan! Der schon zahlreiche Preise eingeheimst habende, ursprünglich aus Kiedrich stammende Scholl hat es sogar schon ins Fernsehen gebracht, sendete Arte doch im Rahmen seiner sonntäglichen Klassikdokumentationen eine 45-minütige Reportage über diesen interessanten Interpreten, seine Ansichten zur barocken Gesangeskunst, seinem Berufsethos und v.a. zu seiner Arbeitsweise. Nun hat sich der mit Händel zu Ruhm Gekommene wieder drei nette Stücke von ihm vorgenommen, wobei das den Titel gebende DUELLO AMOROSO, das er zusammen mit der Sopranistin Hélène Guilmette bestreitet, zweifellos das das Barockliebhaberherz am höchsten schlagen lassende ist! Und das vor allem auch auf Grund der vollen Stimmeskraft, 100% sicheren Melodieführung und dem Klangvolumen der Stimme von Scholls Gesangesduellantin! Einfach großartig diese Frau! Von ihr werden wir sicherlich - und hoffentlich - noch viel hören!!! Gleichzeitig kehrt Scholl mit diesem Album offensichtlich Universal den Rücken und tritt wieder verstärkt mit dem Label in Verbindung, das ihn zu Ruhm brachte - Harmonia Mundi. Nach mehreren Einspielungen bei Universal (u.a. den Arias for Senesino, ein Erfolg auf ganzer Linie, aber auch ganz Ungewöhnliches wie irische Volkswaisen) sind wir gespannt, was weiter folgt. Dirk Carius **** Spontaneität, Lebensfreude und Disziplin -
ein großer Willkommensgruß der Harmonia Mundi im Kundenmagazin 02/2007 **** Der Countertenor Andreas Scholl 1967 kam Andreas Scholl im Rheingau zur Welt, einer wahrhaft paradiesischen Landschaft – die Sonne scheint fast ohne Unterlaß und bringt mit ihren Strahlen einen Wein hervor, der in Deutschland und in der ganzen Welt einen exzellenten Ruf genießt. Klein, aber fein: Diesem Selbstverständnis fühlt sich der Rheingau mit Recht verpflichtet, und als echtes Gewächs dieser Landschaft darf sich auch Andreas Scholl empfinden, der sich von den Kiedricher Chorbuben bis an die Spitze der internationalen Sängerelite gesungen hat. Scholl entstammt einem musikliebenden Elternhaus, seine musikalische Ausbildung begann früh bei den Kiedricher Chorbuben, einem Knabenchor in einem nahe beim heimischen Eltville gelegenen Ort. Ganz natürlich wurde die Musik ein Teil seines Lebens: „Nach der Schule haben wir Fußball gespielt, um sechs dann eine Stunde Gesangsunterricht, und danach ging’s wieder zurück zum runden Leder“ äußerte Scholl in einem Interview. Das Singen empfand er „nie als Zwang, der Unterricht hat immer Spaß gemacht“, und die Chorproben verfehlten ihre Wirkung auf das junge Gemüt nicht: Die Begegnung mit der geistlichen Musik vom Gregorianischen Gesang über die Motettenkunst von Lasso und Schütz bis hin zu Bach und Mendelssohn haben den Sänger nach eigenem Bekenntnis wesentlich geprägt. Bei großen Oratorien wie der Matthäus-Passion und der Johannes- Passion oder dem Messias mitzuwirken, stellte für den Jungen natürlich auch Ereignisse dar, die als formende Erlebnisse im Gedächtnis blieben. Noch in Kiedrich wurde Scholls Anlage für den Countertenor-Gesang entdeckt, und er wurde ermutigt, diese Begabung weiter zu entwickeln; kein selbstverständlicher Rat in Zeiten, als die hohe Männerstimmenlage noch mit dem Hautgout affektierter Unnatürlichkeit behaftet war. Für Scholl erwiesen sich die verständnisvollen Berater indes als Segen, und er landete schließlich an der Schola Cantorum Basiliensis. Dort erhielt er bei Richard Levitt und René Jacobs eine ebenso solide wie inspirierende Ausbildung, die ihn bald auf eigene künstlerische Wege führte. Heute unterrichtet Scholl selbst an dem prestigeträchtigen Basler Institut und empfindet sein eigenes pädagogisches Wirken als große Bereicherung, die ihn selbst auch immer wieder künstlerisch weiterbringt. Dem Schaffen Georg Friedrich Händels fühlt sich Scholl besonders verbunden, und das liegt nicht zuletzt an dessen Lieblingssänger Senesino, dem der Komponist zahlreiche Partien in die Kehle schrieb und dessen Stimmlage Scholl heute nahezu perfekt wieder ausfüllt. Die Musik Händels, der zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Italien als „caro sassone“ sensationelle Erfolge feierte, bietet sich folglich ideal dazu an, die Fähigkeiten von Andreas Scholl ins rechte Licht zu setzen: Kein spitzer Ton stört die melodiöse Linie, kein scharfes Timbre läßt den Glanz der Musik erblassen; perfekt füllt Scholl den Ambitus des großen Kastraten Senesino aus – und im gleichen idealen Maß paßt sich wiederum Händels Vokalmusik für hohe Männerstimme der Stimmlage Andreas Scholls an. Als Kastrat sang Senesino in einer Stimmlage, die zu Händels Zeit ihre Hochblüte erlebte und heute nicht mehr existiert. Mit den technischen Möglichkeiten von Falsett und Kopfstimme haben sich die Countertenöre in den letzten fünfzig Jahren dieses Repertoire von den weiblichen Altstimmen zurückerobert, und Scholl selbst empfindet beglückt seine stimmliche Verwandtschaft zu Händels Lieblingssänger Senesino. So transportiert er den künstlerischen Ausdruck eines Weggefährten Händels mit modernen stimmlichen Mitteln in die heutige Zeit. Überdies bezeugen die Kantaten dieser Einspielung eindrucksvoll die Meisterschaft des jungen Händel im italienischen Stil, dem er bis zu seinem Lebensende treu bleiben sollte. Mit seiner jüngsten Einspielung kehrt Scholl zu harmonia mundi zurück. Die Firma hat seinen künstlerischen Weg von den Anfängen bis zum Weltruhm begleitet, seine ersten Plattenaufnahmen im Concerto Vocale, dem Ensemble seines Lehrers René Jacobs, und sein Solodebüt veröffentlicht, bei harmonia mundi erschienen die Aufnahmen mit Philippe Herreweghe (darunter Bachs h-moll-Messe, die Scholl besonders schätzt) und Händels Messiah unter William Christie. Während seines Ausflugs in die Welt der Majors hielt sein Ursprungslabel ihm die Treue, stets gehörte der Sänger zu den künstlerischen Marksteinen des harmonia-mundi-Katalogs. Mit einem Programm von Arien Händels hat sich Scholl seinerzeit von harmonia mundi verabschiedet, jetzt kehrt er mit italienischen Kantaten aus der Feder des jungen Händel wieder – Willkommen zu Hause, Andreas Scholl! (Text: Detmar Huchting)
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2 CDs K617 (Vertrieb Harmonia Mundi) K617192/2
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Letztes Update: 02.03.2007, 19.40 Uhr |
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