Händel, Georg Friedrich (1685 - 1759)

 

Natalie Dessay: DELIRIO

[1] - [12] Delirio Amoroso  HWV 99
[13] "Qui l'Augel da Pianta in Pianta" aus Aci, Galatea e Polifemo HWV 72
[14] - [19] Mi Palpita il Cor

Natalie Dessay, Sopran

Le Concert d'Astrée
Emmanuelle Haïme

Aufnahme aus dem Couvent des Dominicains de Haute-Alsace, Guebwiller (Frankreich), 17., 19., 20. u. 30. Juni sowie 3. Juli 2005


**** 1 CD und 1 Bonus-DVD  -  Virgin / EMI  -  0946 3438422 3   -   November 2005  ****

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Magdalena Kožená: ITALIAN CANTATAS


[1] - [9]  Delirio Amoroso  HWV 99 
[10] - [17] La Lucrezia  HWV 145
[18] - [21] Il Consiglio  HWV 170

Magdalena Kožená, Mezzosopran

Les Musiciens du Louvre
Marc Minkowski

Aufnahme


**** 1 CD  -  Archiv Produktion / Universal  -  469 065-2  -  September 2000 ****

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Véronique Gens: CANTATAS


[1] - [7]  La Lucrezia HWV 145
[8] - [13] Armida Abbandonata  HWV 105
[14] - [23] Agrippina Condotta a Morire  HWV 110

Véronique Gens, Sopran

Les Basses réunies

Aufnahme aus der Eglise du Bon-Secours, Paris, 5.-8. November 1996; 21. Oktober 1997 (Lucrezia)


**** 1 CD  -  Virgin / EMI  -  0946 363302 2 8  -  September 2006 ****
(Wiederauflage von 1996 als Virgin Classics)


Vier Jahre rund weilte Il Caro Sassone (der liebe Sachse), wie die Italiener mit Händel einen wahrhaftigen Europäer des 18. Jahrhunderts liebevoll nannten, auf dem Stiefel. Doch was er während dieser Zeit nicht nur selbst schuf, sondern auch karrieretechnisch vermochte, gelingt sonst nur wenigen. Nicht nur dass er fließend die Sprache beherrschte, nein er lernte auch die maßgeblichen Personen sowohl Roms als auch der anderen Kulturmetropolen kennen und es war hier in Italien, dass er den Grundstein für seine spätere Karriere in England legte.

Er ging auch bei den Großen der italienischen Opern-, Oratorien- und Kantatenwelt in die Lehre - allen voran natürlich bei dem nicht minder empfehlenswerten, dennoch häufig vernachlässigten Stammvater einer ganzen Musikerdynastie, bei Alessandro Scarlatti - und fand in Kardinal Pamphili, der auch einige Libretti für Händel beisteuern sollte, einen wichtigen Förderer seiner Arbeit.

Und den Einfluss dieses Meisters der Schmetter-, Gefühls- und Leidenschaftsgesänge merkt man den hier eingespielten Kantaten eindeutig an. Wobei Kantaten ja auch etwas in Verruf geraten sind, weil man sich meist etwas weniger Ausgefeiltes darunter vorstellt und es eher abtut.

Dabei sind diese Kantaten richtige kleine Meisterwerke und von der Länge schon mit Oratorien oder kleinen Opern zu vergleichen. Nur dass Sparsamkeit ein Haupttrumph dieser Kleinkunstform war und wir eben nicht diverse Stimmen für Erzähler und Handelnde haben, sondern alles von der Sopranistin selbst übernommen wird.

Steckenpferd des ursprünglichen Hallensers war auch in Italien schon die Großform der Oper, aber da in der italienischen Kapitole per päpstlichen Edikt sämtliche Opernaufführungen verboten waren, musste er notgedrungen auf kleinere Formen ausweichen, insbesondere auch solche, die in Privatpalästen nicht nur problemlos aufgeführt werden konnten und dabei doch das volle Können des Sachsen demonstrierten.

Und so kam es denn, dass Händel nicht wenige Kantaten schrieb und in den letzten Jahren haben sich gleich drei herausragende Damen der Gesangeswelt dieser Kleinode angenommen und sie auf Platte gepresst.


Hier haben wir nun drei Einspielungen italienischer Kantaten des in Halle geborenen Wahl-Londoners versammelt. Was nun haben diese Scheiben genau zu bieten - und sollte man alle drei auch zu Hause haben?


Nun, auf jeden Fall trifft das auf die schon mit einem passenden Titel versehene Einspielung von Natalie Dessay zu, die auch das wunderbare, die Titelgebung stützende Stück DELIRIO AMOROSO enthält! Die Virgin-Einspielung mit der französischen Ausnahmesopranistin und dem Concert d'Astrée - und eben insbesondere dieses Stück - versetzen einen doch in ein wahres akustisches oder Hörgenuss-Delirium. Neben der 37 Minuten langen titelgebenden Kantate Delirio Amoroso werden noch eine Arie (von allein 11:00) aus  Aci, Galatea e Polifemo (nicht zu verwechseln übrigens mit dem später in England neu komponierten Acis and Galatea) sowie die dem Liebesdelirium auch thematisch sehr nahe stehende und akustisch ähnliche Ergüsse bereitende Kantate "Mir bebt das Herz" (MI PALPITA IL COR) eingespielt. Gerade auch die zweite Kantate steht in ihrer Herrlichkeit der ersten in nichts zurück.

Eine Vorstellung davon, wie die Sanges- und Instrumentalkünstler interagierten, um diese Beispiele barocker Hochgenüsse zu fabrizieren, vermittelt jedoch nur die Deluxe-Ausgabe der Dessay-Einspielung, die mit einer 30-minütigen DVD "Hinter den Kulissen der Aufführung und Aufzeichnung" daherkommt und dadurch einen kleinen, aber feinen Vorteil gegenüber der Archiv-Produktion bietet.

Eine rundum gelungene Einspielung also - und dass sie in der Luxusausstattung noch mit einer 30-minütigen Bonus-DVD von den Einspielungsarbeiten daherkommt, macht sie noch mehr zu einer uneingeschränkten Empfehlung!


Auch die untadelige Einspielung der virtuosen in Brno gebürtigen Mezzosopranistin Magdalena Kožená bietet Hörgenuss pur. Auch bei ihr findet sich die oben schon besonders gewürdigte Kantate DELIRIO AMOROSO und um die reichliche halbe Stunde des Verliebtheitsdelirium mit angemessenen Klangerlebnissen aufzufüllen, hat sich die mit Sir Simon Rattle liierte vor allem mit der LUCREZIA ein weiteres sehr anspruchsvolles Stück gewählt.

Die Musiciens du Louvre sorgen in bewährter Manier für eine engagierte instrumentale Untermalung der mit Bravour vorgetragenen Gesangskunststücke.

So genügt denn auch diese Einspielung höchsten Anforderungen und bringt ein Klangerlebnis durch und durch, auch wenn man zur Hälfte das gleiche Stück wie bei der Dessay interpretiert bekommt. Dennoch uneingeschränkt zu empfehlen, ergänzen sie sich doch in den beiden zusätzlich mit eingespielten Stücken!!! 


Eine weniger glückliche Hand hatte seinerzeit (1996/97) die Französin und ebenfalls zu Klangproduktion erster Güte fähige Véronique Gens, sind doch sowohl die Stücke weniger eindrucksvoll als auch weniger ihrer Stimmlage entsprechend. Oder andersherum: selbstverständlich und vollkommen anerkennenswert KANN Mme Gens hohe, anspruchsvolle Tonlagen meistern, aber hier kommt eben besonders die hochtonige LUCREZIA nicht so eindrucksvoll rüber wie bei der Kožená, die sie auf einem niedrigeren Ton interpretiert.

Die vorliegende neue Ausgabe dieser Aufzeichnung von Händelkantaten ist im Rahmen der Virgin Classics zum Midprice erschienen, kommt in für derartige Re-Releases üblichen abgespeckten Aufmachung daher und ist - für den Rezensenten bedauerlich - nicht wirklich der erwartete Klanggenuss, den die Französin zum Beispiel in ihrer letzten Aufzeichnung, den französischen Barockarien TRAGÉDIENNES geboten hat. Warten wir also auf die nächste Neueinspielung! (Auch wenn zu begrüßen, dass bereits nach 10 Jahren Mme Gens zu den Klassikerinnen des Virgin-Labels gerechnet wird! D.C.

 

  

 

Natalie Dessay: DELIRIO
1 CD und 1 Bonus-DVD 
Virgin / EMI 
0946 3438422 3  

November 2005

Spielzeit: 62:02

Interpretation: 
Klang:

    ausgezeichnet
    ausgezeichnet


Magdalena Kožená: ITALIAN CANTATAS

1 CD 
Archiv Produktion / Universal
469 065-2 

September 2000

Spielzeit: 71:04

Interpretation: 
Klang:
    ausgezeichnet
    ausgezeichnet


Véronique Gens: CANTATAS

1 CD 
Virgin / EMI 
0946 363302 2 8 

September 2006

Spielzeit: 71:04

Interpretation: 
Klang:
    gut
    sehr gut

 

 

Letztes Update: 27.02.2007, 01.16 Uhr

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