Cecilia Bartoli

 

Opera Proibita

Arien aus seinerzeit verbotenen Opern von Händel, Caldara und Scarlatti (1660-1725)


Cecilia Bartoli, Mezzo-Sopran

Les Musiciens du Louvre
Dirigent: Marc Minkowski

Tracklist

1. Alessandro Scarlatti
“All’arme si accesi guerrieri”
(Aria dell Pace) from Cantata per la Notte del SS. mo Natale

2. Alessandro Scarlatti
“Mentre io godo”
(Aria della Speranza) from Il Giardino di Rose (Oratorio La Santissima Vergine del Rosario) #

3. Georg Friedrich Händel
"Un pensiero nemico di pace"
(aria della Bellezza) from Il Trionfo del Tempo e del Disinganno

4. Antonio Caldara
"Vanne pentita a piangere”
from Il Trionfo dell’Innocenza

5. Antonio Caldara
"Sparga il senso lascivo veleno”
from La Castità al Cimento (Il Trionfo della Castità )

6. Alessandro Scarlatti
"Caldo Sangue”
from Sedecia Re di Gerusalemme

7. Georg Friedrich Händel
“Come nembo che fugge col vento”
(aria del Piacere) from Il Trionfo del Tempo e del Disinganno

8. Alessandro Scarlatti
“Ecco negl’orti tuoi…. Che dolce simpatia” (recitative ed aria dell Carità from Il Giardino di Rose (Oratorio La Santissima Vergine del Rosario)

9. Alessandro Scarlatti
“Qui resta……L’alta Roma” (aria della Carità)
from San Filippo Neri

10. Georg Friedrich Händel
“Lascia la spina cogli la rosa” (aria del Piacere)
from Il Trionfo del Tempo e del Disinganno

11. Alessandro Scarlatti
“Ahi qual cordoglio…. Doppio affetto”
from Sedecia Re di Gerusalemme

12. Antonio Caldara
"Si piangete pupille dolente”
from Santa Francesca Romana

13. Antonio Caldara
Ahi quanto cieca…Come foco allo splendore” (Recit and aria dell’Imperatice Faustina)
from “Il Martirio di Santa Caterina”

14. Georg Friedrich Händel
“Disserratevi oh porte d’Averno”
from La Resurrezione

15. Georg Friedrich Händel
“Notte funesta…. Ferma l’ali”
from La Resurrezione
 

Lange mussten Barockfans darauf warten, jetzt singt Cecilia Bartoli auch Händel! Das neue Platten- und Aufführungsprojekt der Ausnahme(mezzo)sopranistin hat sich einiger einzigartiger Werke der im frühen 18. Jahrhundert in Rom tätigen Komponisten Georg Friedrich Händel (1685-1759) / Antonio Caldara (1671-1736) / Alessandro Scarlatti (1660-1725) angenommen, die sie hier zusammen mit den Musiciens du Louvre zusammen eingespielt hat.

Clever waren die Leute schon immer, wenn es darum ging, Regeln oder Vorschriften zu umgehen bzw. sich neuen Gegebenheiten anzupassen, ohne allzu viel zu verändern. Der geschäftstüchtige Händel gehörte zweifelsohne zu dieser Spezie. Andererseits war die Kirche schon immer für irgendwelche ebenso unverständlichen wie die eigene Beschränkung offenbarenden Vorschriften berühmt. Hier nun war es Papst Innozenz X. (welch passender Name), der kurzerhand einiges "Anstößige" verboten hatte, das ihm schon die ganze Zeit ein Dorn im Auge war. Er verpasste den antiken Statuen das berühmte Feigenblättchen und verbot auch sämtliche szenische Aufführungen, also auch die Oper! Naja, zumindest die szenische, also gespielte Oper. Folglich sagten sich die Herren Komponisten, dann machen wir eben was neues Altes - und erfanden das Oratorium! Das Wechselspiel von Rezitativ und Arie, wie es für die italienische Oper typisch war, blieb erhalten, und wohl auch das prächtige barocke Bühnenbild, nur eben keine szenische Darstellung. Und so konnten sich auch die Sänger weiterhin in ihren Koloraturen vergessen - und mussten sich nicht mal mehr bewegen.

Ein wirklich gelungener Vertreter dieser Gattung ist der "Triumph der Zeit und der Täuschung" Il Trionfo del Tempo e del Disinganno von 1707, den Händel nicht nur noch des Öfteren für andere Werke ausschlachten sollte, sondern auch als eben jenes Stück noch zweimal überarbeitete. Das erste Mal 1737, nunmehr in London, in seiner persönlichen wie beruflichen Lebenskrise, kramt er dieses Stück wieder aus, ändert aber fast alles und richtet es, vor allem durch Hinzufügen zahlreicher neuer Chöre auf noch bombastischere Wirkung aus - allerdings ohne großen Erfolg, die Aufführung ist ein Durchfaller. Und ein weiteres Mal zieht Händel das Stück kurz vor seinem Tode noch einmal aus seiner Schublade, er ist mittlerweile 72, seit Jahren erblindet. Für die abermalige Überarbeitung lässt er den Londoner Librettisten Thomas Morrell den ursprünglich von seinem römischen Gönner von vor 50 Jahren, Kardinal Benedetto Pamphilj, ins Englische umdichten und bringt es, wiederum umgearbeitet unter dem endgültigen Titel The Triumpf of Time and Truth neu heraus.

Für ihr Projekt jedoch wählte Cecilia Bartoli allesamt Stücke, die in ihrer Geburtsstadt Rom entstanden sind, was ja auch ob des Titels nahe liegt. Mit der Auswahl der Stücke will sie uns in die einzelnen Gefühlswelten der Zeit am Anfang des 18. Jahrhundert entführen - und gerade auch dafür sind ja auch die thematisch in die Richtung weisenden Stücke bestens geeignet. Schon in Händels Stück werden Belleza (Schönheit), Piacere (Vergnügen), Tempo (Zeit) und Disingnanno (Täuschung) zu allegorischen Figuren, die nicht nur damals und nicht nur auf der Bühne um ihre Vormachtstellung buhlen. So lange die Schönheit noch in ihrer Jugend ist, haben Zeit und Disingnanno schlechte Karten, Belleza von ihrer Selbstgenügsamkeit und Vergnügungssucht abzuhalten und zu einem "gottgefälligen" Leben zu überreden. Zu vielfältig und verlockend sind ja auch die Verlockungen des Piacere. Und da hat die Belleza mit ihrer Arie "Un pensiero nemico di pace" (Track 3) gut reden. Erst später besinnt sich Belleza, auch dank des unermüdlichen Zurredens seitens Disingnannos und Tempos, dass es Zeit ist den Vergnügungen zu entsagen ("Addio Piacere"). Ernüchterung tritt ein (die man auch durchaus der Figur der Täuschung, Disingnanno, zuschreiben kann), da die Schönheit nun einmal nicht ewig ist. Beschaulicher drum die Arie des Piacere "Come nembo che fugge col vento" (Track 7).

Alles in allem eine sehr ansprechende Mischung, äußerst genüsslich zu hören. Und wem die Kostpröbchen bei diversen Klassikläden zu wenig sein, hat auf der Homepage der Sängerin bei Decca die seltene Möglichkeit weitaus größere Ausschnitte aus dem aktuellen Album zu vernehmen - eine schnelle Onlineverbindung vorausgesetzt kann er unter Umständen das ganze Album hören. Ein Musikgenuss ist die CD vollauf.

Auch in diesem neuen Album glänzt die Bartoli mit fantastischen barocken Koloraturen, ihrem ausdrucksstarken, die vom Komponisten intendierten Tonstärken gefühlvoll nachvollziehenden Gesang, unterstützt von einem fabelhaften Orchester. Allein muss man kritisch anmerken, dass das Booklet die Sängerin gegenüber den Musikern über Gebühr in den Vordergrund rückt und sie mehr als einmal in unterschiedlichen Posen ablichtet. Trotzdem kann ich nur sagen: sofort kaufen, bei amazon und jpc derzeit zum absoluten Sonder-Einführungspreis (bis Oktober 2005).  D.C.


Weitere Links zu OPERA PROIBITA

- Einleitung in Cecilia Bartolis Projekt (Englisch)
- Einleitung in Cecilia Bartolis Projekt (Deutsch)
- Zum Hintergrund der verbotenen Opern und zu Händel in Rom (Deutsch)
 

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- CD Cecilia Bartoli: Opera Proibita
- CD-Gesamteinspielung von Händels "Il Trionfo Del Tempo"  bei Ops (2 CDs)

 

  

1 CD
Label: DECCA Classics
Katalog-Nr.: 4757029 (DDD) Standard Edition
                  4756924 (DDD) DeLuxe Edition

Spielzeit:          71'55"

Interpretation: 
Klang:

       hervorragend
       sehr gut

 

Letztes Update: 27.02.2007, 01.16 Uhr

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