Ratgeber: Safer Sex für Jungs |
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Das GayStation-Team dankt dem Team von Spot 25 - Schwule Jugendgruppe Zürich für die Bereitstellung dieser Safer-Sex-Broschüre!
Inzwischen gibt es die neue Broschüre von Spot25 und der Aids-Hilfe Schweiz. Sie ist anders aufgemacht, umfangreicher und auch bei uns zu finden: [schwul] - Infos zu Coming Out und Safer Sex für schwule und bisexuelle Jungs

Der Titel sagt's ja: Diese Broschüre wurde von jungen Schwulen speziell für junge Schwule geschrieben. Aber eigentlich ist es egal, ob du auf Männer oder Frauen stehst. Oder ob dich das Thema einfach so interessiert. Zum Beispiel als Mutter, als LehrerIn oder als J+S-LeiterIn. Infos übers Coming Out, über Liebe und Sex zwischen Männern, über schwules Leben gehen alle etwas an - genau so wie das HI-Virus und die Ansteckungsmöglichkeiten.
In der Tat ist die Männerliebe weiter verbreitet als oft wahrgenommen. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigten mehrfach, dass ein Drittel aller Männer schon Sex mit einem Mann hatten und etwa 5% ausschließlich homosexuelle Kontakte pflegen. Das heißt also, dass in der Schweiz - meist versteckt und unsichtbar - über 300 000 homosexuelle Männer und Frauen leben.
Wir schreiben darüber. Bi- und homosexuell zu fühlen ist nämlich okay. Auch wenn's einem nicht immer einfach gemacht wird. Und Sex macht Spaß. Trotz Aids. Und sich verlieben ist wundervoll...
Miteinander zu reden ist wichtig. Bi- und homosexuelle Jugendliche kannst du am einfachsten in einer schwul-lesbischen Jugendgruppe kennenlernen. Komm vorbei. Oder hole uns zu einem Gespräch in dein Schulzimmer. Besorgte Eltern können gerne mit unseren Vätern und Müttern sprechen. Trau dich! Unsere Adressen findest du am Ende. Tag und Nacht kannst Du unser Coming-Out-Band abhören: 01-273 11 77.
Wir danken der Aids-Hilfe Schweiz (AHS) für die Betreuung unseres Projektes. Ebenfalls danken wir dem Institut für Sozial- und Präventivmedizin der Universität Zürich und der Abteilung Infektionskrankheiten, Departement Innere Medizin des Universitätsspitals Zürich, die unsere Texte auf ihre medizinische Korrektheit überprüft hatten. Dem Patronatskomitee und den Sponsoren danken wir ganz herzlich für die moralische und finanzielle Unterstützung.
Lars, Patrik, Oliver, Marcel, Adi, Oli Schwul-lesbische Jugendgruppe SPOT 25 / 0ktober 92
Ihr habt zusammen auf deinem Bett gelegen, euch stundenlang unterhalten. Über alles mögliche, worüber man eben so redet. Da hast du auf einmal angefangen, ihn ganz sanft zu streicheln. Ohne einen Ton zu sagen. Du konntest nicht anders, du musstest es einfach tun. Und es hat euch beide glücklich gemacht. Nachher wart ihr total erschöpft und seid sofort eingeschlafen. Du bist fast ausgetickt vor Glück. So hattest du dich noch nie gefühlt...
Als du diesen Traum zum erstenmal hattest, dachtest du dir nichts weiter dabei. Aber er kam wieder, fast jede Nacht. "Das geht schon wieder vorbei", hast du dir gesagt. Aber es ging nicht vorbei. Auch dann nicht, als du deine erste Freundin hattest. Im Gegenteil. Du hast dich in Jungs verliebt, hast dauernd an sie denken müssen.
Sicher, du findest auch Mädchen nett. Aber nur bei Jungs kriegst du dieses gewisse Kribbeln. Du kannst nichts dagegen tun. Und du möchtest nicht mehr länger warten. Du willst, dass deine Träume endlich wahr werden.
Am liebsten würdest du es noch heute ausprobieren. Doch: "Wird er mich verstehen oder einfach nur auslachen? Wie werden die anderen reagieren? Was werden meine Eltern sagen? Und was ist mit Aids?" Viele Fragen auf einmal. Oft weißt du nicht mehr, wo dir der Kopf steht, weißt nicht, ob du lachen oder weinen sollst.
Augenblicke, in denen du Sexualität ungestört genießen kannst, stellen sich nicht einfach so ein. Auf dem Weg von der Sehnsucht bis ins Bett des Partners (oder in dein eigenes) gilt es, einige Hürden zu überwinden - zum Beispiel diejenige des Ansprechens. Wer seinen Traumprinzen nur aus der Ferne beobachtet, ohne ihm seine Verliebtheit mit Worten zu gestehen oder mit den Augen zuzuzwinkern, kann auf die Erfüllung seiner Wünsche warten, bis er grau wird. Jemanden ansprechen heißt aber: Aus sich herauskommen, den Schritt ins Ungewisse wagen, ehrlich sein, ja auch: Verletzlich werden.
Nehmen wir an, zwischen zwei Männern habe es gefunkt (was ja hin und wieder vorkommen soll). Die beiden schauen sich tief in die Augen und landen früher oder später miteinander im Bett. - Oder auch nicht! Stellen wir uns vor, einer unserer beiden frisch Verliebten wolle schneller zur Sache kommen, fordere von seinem Gegenüber eine Art Liebesbeweis. Dieser aber winkt ab und sagt: "Bitte warte noch - ich bin noch nicht so weit." Falls der ungeduldigere Partner wirklich verliebt ist, wird er das akzeptieren und zuwarten; er wird einsehen, dass es so etwas wie ein "Recht auf Sex mit einem Menschen" nicht gibt. Andernfalls zieht er sich vielleicht zurück und die Story hat schon vor der Bettkante ihr Ende gefunden.
Es mag tausend Gründe dafür geben, weshalb ein Mann mit einem andern Mann nicht - oder nicht sofort - in die Pfanne will, obwohl er diesen vielleicht sehr gerne hat: die Angst vor dem "ersten Mal" (mit dem neuen Partner - oder vor dem "ersten Mal" überhaupt); fehlendes Vertrauen in den Partner; die Befürchtung, eine nicht gewünschte, tiefe menschliche Bindung einzugehen oder eine bereits bestehende Beziehung zu gefährden; die Hemmung, mit diesem Akt seine Vorliebe für Männer an den Tag zu legen usw. - und schließlich: die Angst vor Aids. Eben diese Angst möchten wir dir mit den folgenden Informationen nehmen.
Aids soll kein Grund sein, mit jemandem nicht ins Bett zu gehen. Ohne den Respekt vor dieser Krankheit zu verlieren, sollst du Sex in vollen Zügen genießen können.
Aids steht für Acquired Immuno-Deficiency Syndrome, was so viel heißt wie erworbene Immunabwehrschwäche. Diese Abwehrschwäche setzt eine Infektion mit dem Human Immunodeficiency- Virus, kurz HIV, voraus.
Über das HI-Virus weiß die heutige Wissenschaft relativ viel. Wo es vorkommt und wie es übertragen wird, ist bekannt. Ebenso, dass das HIV ein sehr empfindliches Virus ist. Überall, wo es an die Luft kommt, nämlich außerhalb des Körpers, geht es innerhalb von wenigen Minuten ein. Hingegen ist die Frage nach dem Ursprung des Virus in einigen Punkten noch ungeklärt.
Wer sich mit HIV infiziert, merkt meist erst nichts davon. Manchmal kommt es zu einem grippeähnlichen Krankheitsbild mit Fieber und Lymphknotenschwellung. Der Organismus bildet nach einigen Wochen Antikörper, die in einem Test festgestellt werden können. Dieser Zustand wird "HIV-positiv" genannt. Wer sich mit dem HIV angesteckt hat, kann es ein Leben lang weitergeben.
HI-Viren befallen Zellen des Abwehr- oder Immunsystems (z.B. die T-Helferzellen). Dadurch kommt es mit der Zeit zu einer Lahmlegung des Immunsystems. Es gibt Hinweise dafür, dass dabei auch andere Erreger den Vorgang mitbeeinflussen können. Als "Aids" wird der Zustand bezeichnet, bei dem der Körper infolge der fortgeschrittenen Immunschwäche andere Krankheiten (z.B. Lungen- oder Darmentzündung usw.) nicht mehr abwehren kann. Ob es sich bei einer solchen Karnkheit nur um diese selbst oder um Anzeichen des Krankheitsbildes "Aids" handelt, kann nur von einem Arzt oder einer Ärztin festgestellt werden.
Trotz weltweiten Anstrengungen ist eine wirksame Schutzimpfung in nächster Zukunft nicht zu erwarten. Es gibt momentan kein Heilmittel, das Aids sicher heilen oder eine HIV-Infektion rückgängig machen kann. "AZT", "ddI" und andere Medikamente, die sich in der Erprobung befinden, können mit von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlichem Erfolg ein Hinauszögern des Krankheitsverlaufes bewirken.
Wenn Sperma, Scheidenflüssigkeit oder Blut eines Menschen mit HIV direkt in die Blutbahn eines andern gelangen, besteht ein hohes Übertragungsrisiko. Konkret: durch ungeschützten Geschlechtsverkehr (anal oder vaginal) oder durch Spritzentausch.
Die Haut in After oder Scheide und an der Eichel ist sehr fein und das darunterliegende Gewebe sehr stark durchblutet. Beim Bumsen entstehen häufig kleinste Verletzungen (sogenannte Mikroläsionen), die mit bloßem Auge gar nicht erkennbar sind, jedoch für eine HIV-Übertragung ausreichen. Das macht klar, warum Bumsen ohne Gummi so riskant ist. Obwohl Speichel eine HIV-hemmende Wirkung hat, kann eine Infektion über den Mund nicht ganz ausgeschlossen werden. Die zentralen Botschaften des Safer Sex heißen also:
Im alltäglichen Leben und bei Safer-Sex-Praktiken spielt es keine Rolle, ob ein Mensch HIV-positiv oder aidskrank ist. Denn:
Auch zwei HIV-positive Partner sollen sich an Safer Sex halten. Mögliche Re-Infektionen könnten den Ausbruch von Aids beschleunigen.
Woran wir Spaß haben, schreiben wir offen. Denn wer informiert ist und Safer Sex kennt, kann das Risiko einschätzen und Sex sicherer genießen.
Küssen und schmusen kannst du ohne Bedenken. Auch Zungenküsse sind safe. Fahr mit deiner Zunge über den ganzen Körper, erkunde mit deiner Zunge den ganzen Mann. No Problem - genieße es!
Zart oder heftig, zu zweit oder zu mehreren, vor dem Cheminee oder im Heu - Knutschen, Kuscheln, Streicheln und Wichsen bleiben Nummer Eins. Und Petting und Wichsen ist safer! Übrigens macht das Aneinanderreiben der Körper erst richtig geil (versucht's mal mit Gleitmittel).
Viele Leute glauben, oraler Sex sei ein Hauptübertragungsweg des HIV, weil das Virus im Samen durch den Mund in deinen Körper gelangen könne. Es gibt bis heute jedoch keine sicheren Hinweise dafür. Darüber hinaus wurde eine infektionshemmende Wirkung von Speichel und Magensaft nachgewiesen. Auch wenn eine Ansteckung auf diesem Weg nicht ausgeschlossen werden kann, wird das Risiko als klein eingestuft. Trotzdem empfehlen wir dir, nicht in den Mund abzuspritzen (und abspritzen zu lassen). Spiel lieber auf Nummer sicher und zieh' das Glied vor dem Orgasmus aus dem Mund. Der Lusttropfen stellt übrigens beim Blasen so gut wie kein Risiko dar. Willst du in den Mund abspritzen, dann benütze ein Präservativ (die gibt es auch mit Geschmack, z.B. Erdbeer, Vanille, usw.). Es schützt übrigens auch vor einer Ansteckung mit Mund-Tripper.
"Don't be silly, put a condom on your willy!" Bumsen, das heißt die Einführung des Penis in den After oder die Scheide, ist ohne Pariser ein sehr großes Risiko. Egal, ob du ungeschützt gebumst wirst oder jemanden ohne Pariser bumst. Auch der Coitus interruptus (ohne Abspritzen) kommt nicht in Frage!
Die meisten HIV-positiven Männer steckten sich beim ungeschützten Bumsen an. Benütze deshalb immer Pariser und reichlich wasserlösliche Gleitmittel!
"Gummischwänze" und andere Sex-Toys sind sicher, solange du sie nicht mit deinen Partnern teilst. Bei gemeinsamem Gebrauchen schützt auch hier ein Gummi, der beim Austauschen des Dildos gewechselt wird.
Arschlecken gilt als safe bezüglich des HI-Virus. Du kannst dir beim Rimming jedoch andere Krankheiten holen (zum Beispiel Hepatitis).
Ja, eurer Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Sex heißt Phantasie, ist das Erleben und Ausleben von Phantasien, die Männer miteinander teilen. Sex ist alles, was ihr euch vorstellen könnt, alles, wobei ihr eure Körper fühlen könnt, und alles, was dabei gut tut. Eine Entdeckungsreise aller Möglichkeiten, voller Zärtlichkeit und Sinnlichkeit, voller Lust und Befriedigung.
Okay ist alles, was den Beteiligten gefällt und "sicher" ist. Sex ist ein Moment des Sichloslösens, des Schwebens und der Hingabe. Nehmt euch die Zeit und die Ruhe - Eile kann die Lust ersticken. Safer Sex heißt auch, sich miteinander sicherer fühlen, Verständnis füreinander haben.
Wie wär's zum Beispiel mit gemeinsamem Duschen und Baden? Oder mit dem Lutschen der Zehen und Lecken der Füße? Mit zärtlichem Streicheln von Ohren, Brustwarzen und Schenkeln? Oder mit einer knallharten Sportmassage? Manche mögen's süß und schlecken Honig und Schoggi-Creme vom Body, andere lieben es exklusiver und schlürfen den Champagner aus Lovers Bauchnabel. Videos und Sauna können ebenso anturnen wie ein heißer Discoabend oder ein klassisches Ballett. Übrigens: Mit dem Partner über Sex zu reden kann eine ganz schön scharfe Sache sein. Und du kriegst erst noch raus, auf was der andere steht.
Der Gebrauch von Parisern ist Übungssache. Wenn du Gummis noch nicht kennst, besorgst du dir am besten eine Packung und probierst sie vorerst mal für dich allein aus. Du wirst sehen: Schon nach zwei oder drei Versuchen läuft alles glatt.
Pariser und Gleitmittel kannst du in Supermärkten, in Warenhäusern, Drogerien und Apotheken kaufen. Es gibt sie auch diskret im Versand; unter anderem bei der "Rubber Company", einer Abteilung der Aids-Hilfe Schweiz.
Verwende nur Kondome mit dem OK-Gütesiegel (z. B. Hot Rubber, Cosano von Migros, Ceylor, Crest und Harmony). Diese hauchdünnen und extrem dehnbaren Gummis lassen beim richtigen Gebrauch keine HI-Viren durch. Beachte auch das aufgedruckte Ablaufdatum. "Fancy-Condoms", poppig-farbige mit oder ohne Noppen, nach Erdbeer oder Pfefferminz riechende und was es sonst noch gibt, bringen zwar etwas Farbe in euer Schlafzimmer, aber sie weisen in fast allen Fällen kein OK-Gütesiegel auf und genügen somit nicht unserem Qualitätsanspruch. Auch die Pariser aus den Automaten lassen qualitativ oft zu wünschen übrig, so dass du besser immer geprüfte Gummis selber dabei hast. Falls du meinst, dass die gängigen Gummis für dein Glied zu klein oder zu gross sind, gibt es in den "Condomerias" und Sex-Shops Extragrößen.
Wenn "er" steht und ihr Lust auf's Bumsen habt, dann ist es Zeit für den Pariser. Vorsicht beim Öffnen der Packung, Zähne und Fingernägel können den Gummi beschädigen. Ein Tropfen wasserlösliche Gleitcreme ("Hot Rubber Lubricant", "Cosano-Gel" von Migros oder "K-Y") auf die Eichel kann den Genuss erhöhen. Probier's mal aus.
Dann setzt du den Pariser so auf die Eichel, dass der Gummiwulst nach außen zeigt und rollst ihn bis zum Ansatz ab. Bist du unbeschnitten, dann ziehe dabei die Vorhaut zurück. Übrigens kann dein Partner dir dabei behilflich sein.
Manche Kondome haben an der Pariserspitze ein Reservoir für den Samen. Das ist nicht unbedingt nötig - entscheidend ist, dass sich kein Luftpolster an der Pariserspitze befindet. Der Gummi würde sonst dort vermehrt belastet, und es könnte sich eine Schwachstelle bilden.
Verwende nun genügend wasserlösliches Gleitmittel. Das glitschige Zeug vermindert die Reibung zwischen Gummi und Haut - so entstehen weniger Verletzungen, und das Präservativ reißt nicht. Spucke empfehlen wir dir nicht als Gleitmittel - sie genügt weder in ihrer Gleitfähigkeit noch in der Menge. Fetthaltige Gleitmittel wie Körperlotionen, Hand- und Hautcremes, Vaseline, Melkfett, Crisco, Massageöle u.a. lässt du in Küche, Bad und Stall stehen. Sie zerstören den Gummi - auch wenn man das mit bloßem Auge nicht erkennt.
Nach dem Orgasmus ziehst du dein Glied zurück, solange es noch steif ist. Halte dabei den Pariser am Gummiwulst fest. Und dann weg damit in den Abfall und nicht ins WC oder auf die Straße. Logisch, dass der Pariser nur einmal gebraucht wird!
Manche Paare haben wegen des Ansteckungsrisikos kein Problem: durch gegenseitige Treue. Wenn zwei nichtinfizierte Männer nur miteinander schlafen und mit niemandem sonst, können sie sich nicht anstecken. Logisch - wenngleich einige Punkte unsere Aufmerksamkeit verdienen:
Um den Menschen zu finden, der einem mehr bedeutet als jeder andere, muss man oft lange suchen. bei dieser Suche wirst du dich immer wieder verlieben und vielleicht auch Sex haben wollen. Mit Männern, mit denen du möglicherweise wunderschöne Monate verbringst - aber mit denen du dann doch nicht "für immer" zusammen bleibst. Und dann muss Sex eben Safer Sex heißen.
Wenn du mit einem Mann schläfst, dann schläfst du auch immer mit seiner Vergangenheit und er mit deiner Vergangenheit.
Auch wenn ihr bereit seid, einander sexuell treu zu sein, geht es nicht ohne Safer Sex. Denn bevor ungeschützter Sex in Frage kommt, sollten mindestens drei Monate absolut treues Liebesleben und dann negative Testresultate beider vorliegen. Zu diesem Zeitpunkt werdet ihr euch auch genügend kennen, um über Safer Sex bei allfälligen Seitensprüngen reden zu können.
Die heute üblichen Testverfahren prüfen, ob im Blut Antikörper gegen das HI-Virus vorhanden sind. Denn der Organismus reagiert mit der Bildung von Antikörpern auf eine Ansteckung mit dem HIV. Die meisten Menschen bilden diese Antikörper in zwei bis drei Monaten nach der Ansteckung mit HIV.
Werden beim Test HIV-Antikörper festgestellt, so lautet das Testergebnis positiv, sonst negativ. Aber aufgepasst: Ein negatives Ergebnis sagt nur aus, dass zum Zeitpunkt der Blutentnahme keine Antikörper nachweisbar waren. Bei zu früh durchgeführten HIV-Antikörper-Tests (wenn du also nach einer möglichen Infektion nicht mindestens drei Monate mit dem Test wartest) kann ein negatives Ergebnis trügen.
Tests, die das Virus direkt nachweisen können, werden noch nicht routinemäßig angewendet. Der oft gehörte Ausdruck "Aids-Test" ist falsch. Mit HIV-Antikörper-Test kann "nur" eine HIV-Infektion festgestellt oder ausgeschlossen werden.
Bei einzelnen Menschen bricht Aids kurze Zeit nach der Infektion mit HIV aus, die meisten jedoch leben jahrelang "positiv" und ohne Anzeichen von Aids. Statistische Quellen sagen aus, dass bei 50% der HIV-Positiven innerhalb von 10 Jahren das Krankheitsbild Aids festgestellt wird.
Willst du dich und andere schützen, brauchst du dazu keinen Test. Wichtig ist vielmehr, dass du die Risikosituationen erkennst und dich immer entsprechend verhältst. Eben "safer".
Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten. Erfahrungen der Aids-Hilfe zeigen, dass vor dem Test einige Überlegungen am Platze sind:
Wir empfehlen dir, dich zuerst zu fragen, ob für dich überhaupt je ein Ansteckungsrisiko bestanden hat. Ein Test scheint uns nur dann sinnvoll, wenn du dich einem Risiko ausgesetzt hattest. Die Angst, möglicherweise mit dem HIV angesteckt zu sein, haben viele Jugendliche. Über diese Angst mit jemandem zu sprechen, dem du vertraust, kann seelisch erleichtern und vielleicht klären, wie groß ein früher eingegangenes Risiko wirklich war. Die Aids-Hilfen bieten dir anonyme Beratung und Gesprächsgruppen an.
Wir empfehlen dir sehr, dich nur mit (persönlicher und anonymer) Beratung testen zu lassen. Verlange, dass dir das Ergebnis im Rahmen eines Gespräches, nicht brieflich oder telefonisch, mitgeteilt wird. Egal, ob positiv oder negativ, es ist zu erörtern, was der Befund aussagt und was er für das künftige Verhalten bedeuten kann. Bei einem positiven Testergebnis bietet das Gespräch vor allem die Möglichkeit, aufgefangen zu werden. Auch sollte klar sein, ob Freunde, Freundinnen oder Angehörige da sind, auf die du dich verlassen kannst. Es scheint uns fast unmöglich, einen positiven Testbefund psychisch zu verkraften, ohne sich jemandem anzuvertauen. Mit Freunden und Freundinnen über Angst, Wut, Verzweiflung und Trauer zu sprechen kann helfen.
Bedenke, dass sich die Teststellen an den Universitäts- und Kantonsspitälern in der Regel drei Arbeitstage Zeit nehmen, bis sie dir das gegebenenfalls mit verschiedenen Nachfolge-Untersuchungen überprüfte Resultat mitteilen. Eben diese Zeit zwischen der Blutentnahme und der Bekanntgabe des definitiven Resultates kann zur schweren Belastung werden. Die von Privatlabors angebotenen Ein-Tages-Tests empfehlen wir nicht, weil eben diese Verifizierungs-Abklärungen unter Umständen erst nach der Bekanntgabe eines möglicherweise falschen Testergebnisses durchgeführt werden.
Wir empfehlen dir, deinen Test unbedingt anonym (mit Code-Namen) durchführen zu lassen. Die Anonymität soll dich vor Diskriminierungen, zum Beispiel seitens der Versicherungen oder Arbeitgeber, schützen.
Spitäler (Krankenhäuser), private Labors und dein Hausarzt können den Test anonym machen; du musst es aber ausdrücklich verlangen und selber bezahlen. Sonst lässt der Rechnungsbetrag des Tests bei der zahlenden Versicherung zumindest Vermutungen aufkommen (positive Testresultate werden überprüft und sind somit teuer) und Kleingedrucktes in den Versicherungsbestimmungen kann deinen Hausarzt möglicherweise vom Arztgeheimnis entbinden. Bei Behandlungen von HIV-positiven Menschen ist die Anonymität natürlich nicht mehr gewährleistet; jedoch sind die Ärzte an das Arztgeheimnis gebunden. Wir raten dir deshalb, allfällige Versicherungen vor einem Test abzuschließen.
Für den Test spricht, dass heute gewisse Medikamente für HIV-positive Personen zur Verfügung stehen, die den Ausbruch von Aids verzögern und dadurch zur Lebensqualität beitragen können. Lass dich aber nicht täuschen: Es gibt momentan kein Medikament, das eine HIV-Infektion rückgängig machen oder Aids heilen kann.
Den Test über den Umweg des Blutspendens zu machen, ist verantwortungslos. Angenommen, du hast dich mit HIV angesteckt, aber dein Körper hat noch nicht mit der Bildung von Antikörpern reagiert, dann wird dein infiziertes Blut als "negativ" eingestuft und kann einem Patienten gegeben werden. Neben der Gefährdung von Mitmenschen sprechen auch die nicht gewährleistete Anonymität und die mangelnde Betreuung im Falle eines positiven Testbefundes dagegen. Geh' nur dann Blut spenden, wenn du keine Risiken eingegangen bist.
Und noch zu deiner Information: Der Test darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung der betreffenden Person durchgeführt werden. Das gilt in der Arztpraxis, im Spital (Krankenhaus), im Militär und im Justizvollzug und erst recht bei (routinemässigen) Anstellungsuntersuchungen. Du bist nicht verpflichtet, dein Testresultat bekanntzugeben (z. B. der Polizei).
Vielleicht kennst du zum jetzigen Zeitpunkt niemanden, bei dem Aids ausgebrochen ist. Vielleicht glaubst du, keinen HIV-positiven Menschen zu kennen, weil eine Infektion mit bloßem Auge nicht erkennbar ist. Tatsache aber ist, dass auch in der Schweiz immer mehr Menschen an Aids erkranken. Bis Herbst 1992 haben sich in unserem Land schätzungsweise 14000 - 26000 Personen mit dem HIV angesteckt, und über 2500 Menschen leben bereits mit dem Krankheitheitsbild Aids oder sind daran gestorben. Du wirst über kurz oder lang damit konfrontiert werden. Denn Aids gehört wie andere Krankheiten zu unserem Leben. Wir müssen dies akzeptieren, auch wenn es uns schwerfällt, und das Verdrängen als bequemere Lösung im Hintergrund lockt.
Ich stelle mir vor: Ich bin positiv, oder Aids ist bei mir schon ausgebrochen; ich bin auf Unterstützung angewiesen. Unterstützung, die ich sicher bei der Aids-Hilfe und bei Einrichtungen des Gesundheitswesens in oder ausserhalb des Spitals bekommen kann. Meine Freunde und Freundinnen, meine Familie hingegen brauche ich noch viel mehr als diese öffentlichen Hilfen. Sie sind die einzigen, die mir Hoffnung und Liebe geben können.
Die Situation wird für alle neu sein. Für den Partner, die Freunde, die Freundinnen und die Familie genau so wie für mich selbst. Es braucht wohl erst einige Zeit und viele Gespräche, um sich mit dieser Tatsache abzufinden. Ignoranz wünsche ich mir in dieser Situation genau so wenig wie falsches Mitleid. Ich möchte vielmehr spüren dürfen, dass du mich nicht ausschließt, Berührungen nicht meidest, mich nicht unnötig schonst, dass du mich einfach weiterhin als mich selbst behandelst. Freunde und Freundinnen brauche ich, die mir Mut machen, mit dieser Infektion zu leben. Ja, ich glaube, das wird mir am meisten helfen, weiterzukämpfen und weiterzuleben. Solltest du jemals vor der Situation stehen, dass dein Freund oder ein Freund, eine Freundin HIV-positiv oder an Aids erkrankt ist, versuchst du vielleicht, dich in seine oder ihre Lage zu versetzen. Wie möchtest du selbst behandelt werden? Möglicherweise spürst du, wie du dich verhalten sollst. Hast du noch Zweifel oder Angst vor einem persönlichen Kontakt, bieten dir die Beratungsstellen Hilfe. Überschätze dich nicht, wenn du dich plötzlich in der Helfer-Rolle findest. Auch du bist nur ein Mensch. Die Aids-Hilfen bieten den Betreuern und Betreuerinnen Unterstützung und spezielle Gruppen an.
Neben Aids gibt es verschiedene sexuell übertragbare Krankheiten, die heute meistens gut heilbar sind. Der Grundsatz "Je früher eine Krankheit erkannt wird, umso einfacher und rascher verläuft die Heilung" gilt bei allen. Zögere nicht, ärztlichen Rat einzuholen, wenn es beim Pinkeln brennt, wenn du plötzlich kleine Geschwüre am Glied, am After oder im Mund entdeckst oder wenn dir andere Beschwerden auffallen.
Deinem Arzt oder deiner Ärztin solltest du vertrauen und offen und sachlich mit ihm bzw. ihr über deine Beschwerden reden können. Hast du das Gefühl, er oder sie sei schwulenfeindlich oder nimmt dich nicht ernst, dann wechsle ihn bzw. sie. Auch wenn du noch bei den Eltern wohnst und finanziell abhängig bist, hast du das Recht auf freie Arztwahl. Die Info-Telefone für Schwule helfen dir, falls nötig, bei der Suche nach einer Fachperson.
Sollte bei dir eine sexuell übertragbare Krankheit festgestellt werden, informiere alle, mit denen du in letzter Zeit sexuelle Kontakte gehabt hast. Es ist möglich, dass sie angesteckt sind, ohne es zu merken.
Hier eine Darstellung der häufigsten sexuell übertragbaren Krankheiten.
Tripper kommt recht häufig vor. Er
macht sich durch Brennen im Glied beim Pinkeln bemerkbar. Tripper tritt
seltener auch im Anus oder im Mund auf. Tripper-Bakterien holst du dir
durch Blasen oder Bumsen (aktiv oder passiv) ohne Kondom mit einer angesteckten
Person.
Nach der Ansteckung dauert es einen bis
fünf Tage, bis sich der Tripper bemerkbar macht. Neben dem bereits
erwähnten Brennen sondert dein Glied dicke, zähflüssige
Eitertropfen ab. Wenn du jetzt nichts unternimmst, können zwar die
Anzeichen verschwinden, die Krankheit kann aber fortschreiten. Behandelt
wird sie mit einer Antibiotika-Kur.
Syphilis ist eine weniger häufige
Krankheit. Sie wird ebenfalls durch Bakterien übertragen, und du holst
sie dir beim Blasen oder ungeschützten Bumsen (aktiv oder passiv)
mit einem infizierten Partner.
Die Syphilis macht sich meistens nach zwei bis zehn Wochen durch ein etwa
erbsengroßes, rötliches Geschwür an den Kontaktstellen (Penis, After, Lippe,
Zahnfleisch) bemerkbar. Das Symptom ist schmerzlos und verschwindet nach einiger
Zeit wieder. Betrachte ein solches Geschwür als Warnzeichen und gehe sofort
zum Arzt. Jetzt ist Syphilis noch relativ einfach heilbar. Bleibt sie unbehandelt,
kann sie unter anderem das Hirn angreifen und zu Schwachsinn führen.
Hepatitiden sind Virusinfektionen, die
zu einer Leberschädigung führen und langanhaltende, starke Übelkeit
verursachen können. Augen und Haut können gelb wie Safran werden
(Gelbsucht).
Es gibt eine ganze Reihe von Hepatitiden: Hepatitis A, B, C, D und E. Alle
Formen können durch unsafe Sexualpraktiken oder durch Rimming übertragen
werden. Übrigens gibt es gegen Hepatitis B gute Schutzimpungen,
die wir dir empfehlen. Der Schutz nach einer Hepatitis-A-lmpfung beträgt
für die Mehrzahl mindestens ein Jahr. Die Hepatitis-B-lmpfung muss
in der Regel alle 5 bis 10 Jahre aufgefrischt werden. Da eine Hepatitis
D nur gleichzeitig oder nach einer Hepatitis B auftreten kann, schützt
letztere Impfung auch gegen Hepatitis D.
Wer angesteckt wird, muss nicht unbedingt
krank werden. Oft verläuft Hepatitis unbemerkt, doch kann die Infektion
(bei Hepatitis B, C, D) auch chronisch werden und zu Spätfolgen führen.
Wenn du Hepatitis-Virusträger bist, kannst du Hepatitis an deinen Partner
weitergeben.
Siehe auch unseren umfangreichen
Ratgeber: Hepatitis!
Filzläuse gehören nicht zu den
Krankheiten. Es handelt sich vielmehr um Ungeziefer, das relativ häufig
vorkommt und sich mit Vorliebe in den Schamhaaren, aber auch in der Brustbehaarung
und unter den Achseln festsetzt.
Filzläuse holst du dir durch engen Körperkontakt mit befallenen Personen.
Öfters bleiben die Eier der Filzläuse aber auch in wenig hygienischen Betten
zurück und warten dort auf ein nächstes Opfer. Mit Ausnahme des heftigen
Juckens, das die ausgeschlüpften Viecher verursachen, sind Filzläuse harmlos.
Kratzen ist reine Symptombehandlung: so verschwinden die Winzlinge nicht.
Hingegen sind sie mit einem entsprechenden Spezial-Gel aus der Apotheke
problemlos zu beseitigen (Jacutin).
(Siehe auch: Ratgeber: Filzläuse mit einer Ergänzung bzw. Berichtigung eines Besuchers zu obigem Text.)
Letztes Update: 25.07.2003 |
- Alle Angaben ohne Gewähr! - |