GayHistory - 1970-79

1970

New York: Gründung der Gay Liberation Front, der ersten offiziellen Schwulenorganisation.

1971

Die Presse ist empört über Rosa von Praunheims Film "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt", der bei den Berliner Filmfestspielen im Juli uraufgeführt wird. Es entstehen heftige Diskussionen und mehrere Schwulengruppen.

In der Bundesrepublik bilden sich mehrere Gruppen, z.B. die "Homosexuelle Aktion Westberlin" (HAW), "Rote Zelle Schwul" (ROTZSCHWUL) (Frankfurt) und "Gay Liberation Front" (Köln). Quasi der Beginn der deutschen Schwulenbewegung.

Gründung der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung (DGSS) durch den offen schwulen Rolf Gindorf. Ihr "Düsseldorfer Arbeitskreis Homosexualität und Gesellschaft" widmet sich erfolgreich dem Aufbrechen anti-schwuler Strukturen, z.B. durch Medien- und Lobbyarbeit, Mitgestaltung der Richtlinien für Sexualerziehung an den Schulen u.ä.

Erste Homosexuellendemo in der Bundesrepublik: Deutsche Schwulengruppen treffen sich dazu im April in der katholischen Stadt Münster. (Andere Quelle: 1972)

1972

New York: Gründung der Organisation National Gay and Lesbian Task Force, eine Art Amnesty International für Schwule, die gegen die Diskriminierung und Unterdrückung von Schwulen vorgehen will. Mit 32.000 Mitgliedern ist sie die größte Homosexuellenorganisation der USA.

1973

Den Anfang der feministischen lesbischen Literatur markiert Rita Mae Browns Roman "Rubyfruit Jungle" ("Rubinroter Dschungel").

§175, Teil 4: Die Schutzaltersgrenze wird im Juni auf 18 Jahre gesenkt. Teil 5 (1980)

1975

Der Verlag rosa Winkel wird im Oktober von Egmont Fassbinder mit dem Ziel gegründet, Schwulenpolitik, -szene und -wissenschaft öffentlich zu machen.

Israel: Gründung der Society for the Protection of Personal Rights for Lesbians, Gay Men and Bisexuals (SPPR) in Tel Aviv, der ersten und einzigen derartigen Organisation im Nahen Osten.

1976

Erste Volkshochschul-Kurse für Schwule und Lesben in Deutschland (an der VHS Düsseldorf), organisiert und geleitet von Rolf Gindorf.

1977

"Anderes Ufer" - So heißen die beiden Schwulencafés, die im April eröffnet werden, das eine in Berlin, das andere in Frankfurt/M. Das besondere bei beiden: nicht versteckt im Hinterhof, sondern mit offenen Fensterfronten.

Harvey Milk, erster offen schwul lebender Politiker in den USA, wird in San Franzisko zum Stadtdezernenten gewählt. 1978 wird er ermordet.

1978

"Ich bin schwul" titelt im Oktober der "Stern", in dem sich 682 Schwule zu ihrer Homosexualität bekennen.

"Prinz Eisenherz", der erste schwule Buchladen Europas, wird im November in West-Berlin eröffnet. Mann muss für ein Buch nun nicht mehr einen Pornoladen aufsuchen.

Gründung der ersten deutschen professionellen, hauptamtlichen Beratungsstelle für Schwule, Lesben und Bisexuelle als Institut für Lebens- und Sexualberatung der Deutschen Gesellschaft für Sozialwissenschaftliche Sexualforschung ("DGSS-Institut") durch den offen schwulen Sexualwissenschaftler und -Berater Rolf Gindorf.

Ursula Sillge organisiert das erste republikweite Lesbentreffen der DDR.

1979

In Berlin findet erstmals der "Christopher Street Day" (CSD) als eine feierliche Demonstration statt. (CSD-Termine)

Im Juli findet das Schwulentreffen "HOMOLULU" in Frankfurt/M. statt, das größte und bunteste bisher in Deutschland, über das sogar in der Tagesschau berichtet wird.

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Letztes Update: 22.07.2003, 04.41 Uhr

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