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Rubens im Wettstreit mit Alten MeisternVorbild und NeuerfindungRubens im Wettstreit mit Alten Meistern, Ausstellung in der Alten Pinakothek MünchenRubens' jugendlicher Amor, der einen Bogen schnitzt, wendet sich dem Betrachter zu und schaut ihn - ein mögliches nächstes Opfer - an, wobei der Blick keineswegs so aggressiv und heimtückisch wirkt, wie im Original Parmigianinos (1503-1540). Noch weitere erhebliche Veränderungen nahm Rubens (1577 - 1640) in seiner Kopie vor. So verlieh er der femininen Erscheinung des Liebesgottes einen muskulöseren Körper und befreite das Haar von dem weiblichen, die Ringellocken zusammenhaltenden Haarband. Lediglich der Hüftbereich des Heranwachsenden hinterlässt einen androgynen Eindruck. Die für Rubens typischen blauen und rosafarbenen Schattierungen des Inkarnats akzentuieren den muskulösen Körper des Jungen. Die beiden Eroten im Hintergrund erscheinen nun in ganzer Figur, und der fast gewaltsame Griff des einen wurde zu einer zärtlichen Geste umgeformt.In seiner schöpferischen Auseinandersetzung mit geschätzten Vorbildern widmete Rubens sich zum einen – vorwiegend in den 1620er Jahren – den Werken der eigenen Maltradition. Dafür stehen etwa die in der Münchner Alten Pinakothek ausgestellten Gemälde nach niederländischen Vorlagen von Quentin Massys, Willem Key oder Jan Cornelisz. Vermeyen, berühmten Vertretern der Antwerpener Malschule des 16. Jahrhunderts. Mindestens so bedeutungsvoll war für Rubens jedoch zeitlebens der schöpferische Wettbewerb mit den bewunderten Meistern italienischer Malerei. Vor allem ab den 1630er Jahren rückte dabei für den reifen Rubens immer mehr eine bestimmte Künstlerpersönlichkeit in den Vordergrund, mit der er auf dem Höhepunkt seines Schaffens in seinem letzten Lebensjahrzehnt den malerischen Wettstreit voll Respekt und Begeisterung aufnahm: Tizian (1488/90 - 1576). Rubens lernte bereits in jungen Jahren Gemälde Tizians
kennen, doch wesentlich bedeutungsvoller gestaltete sich dessen intensive
Begegnung mit dem Werk des Venezianers während seines zweiten Zu den Höhepunkten der Münchner Alten Pinakothek gehören die Werke von Peter Paul Rubens. Insgesamt 60 seiner Gemälde werden hier dauerhaft präsentiert. Die Ausstellung Rubens im Wettstreit mit Alten Meistern. Vorbild und Neuerfindung präsentiert jedoch eine Facette im Werk des Malers, die hinsichtlich seiner enormen schöpferischen Kreativität überrascht: die Kopien, die er nach Vorlagen berühmter Meister malte. Nur in Ausnahmefällen schuf Rubens Reproduktionen im modernen Sinne, um für ihn nicht erreichbare Werke zu seiner Verfügung zu haben. Vielmehr schuf er durch die Veränderung kleiner Details, aber auch durch seinen unverwechselbaren Pinselduktus nicht nur eine Nachschöpfung, sondern sogar eine Neuinterpretation seiner Vorbilder. Die Einstufung eines Werks als Kopie gegenüber dem Original bedeutet häufig eine Abwertung. In Rubens Oeuvre steht die Kopie für einen künstlerischen Dialog, der sich auf Augenhöhe vollzog. Rubens begegnete dem Vorbild mit großem Selbstbewusstsein, indem er Änderungen vornahm und den künstlerischen Wettstreit suchte. So wurde die Kopie zum Ausgangspunkt eines überaus kreativen Prozesses, der zu neuen Lösungen führte und sein schöpferisches Potenzial sichtbar macht. Der Ausstellungskatalog
enthält neben dem oben erwähnten Essay eine Einführung in die Ausstellung Edgar Kitter
Rubens im Wettstreit mit Alten Meistern
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Katalog-Cover © Hatje Cantz Verlag
Peter Paul Rubens (1577-1640) nach Girolamo Francesco Maria Mazzola, genannt Parmigianino (1503-1540),
Amor schnitzt den Bogen, 1614, Leinwand, 142,5 x 107 cm, München,
Bayerische Staatsgemäldesammlungen
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Hatje Cantz Verlag |
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