Aufbruch in die Gotik

Tipp

Aufbruch in die Gotik

Der Magdeburger Dom und die späte Stauferzeit

 

Gebunden, 2 Bände, zahlreiche Abb., 69,90 Euro / 115 CHF, ISBN 978-3-8053-4062-5

 

Aufbruch in die Gotik - Landesausstellung Sachsen-Anhalt

 

Es war der Palmsonntag des Jahres 1207, als der neue Kardinal-Erzbischof Albrecht II. glanzvoll in Magdeburg einzog. Schon fünf Tage später, am darauf folgenden Karfreitag musste er den von Kaiser Otto dem Großen gestifteten Dom in Flammen sehen. Was nach dem Stadtbrand vom ottonischen Dom ruinös stehen blieb, ließ der Kardinal abtragen. Doch erst spätestens 1209 begann er mit dem Bau der gotischen Kathedrale.

Unter Otto dem Großen hatte sich Magdeburg im 10. Jahrhundert von einem Grenzort des Reiches zum Mittelpunkt eines neuen Erzbistums gewandelt. Zur Ausschmückung des Domes hatte der Kaiser antikes Baumaterial aus Italien kommen lassen und wählte den Dom als Ort seiner Grablege. Archäologische Befunde zeigen uns, dass sich auf dem Magdeburger Domhügel eine ottonisch-romanische Nord- und Südkirche befunden hatten, deren Funktion bis heute nicht schlussendlich geklärt ist. Die seit 2006 laufenden archäologischen Forschungsgrabungen im Magdeburger Dom brachten vor einem Jahr auch einen Bleisarg zutage, der laut Inschrift die Gebeine der Königin Edgith, der ersten Gemahlin Ottos des Großen, enthält. Dieser Neufund und die Erkenntnisse über die Vorgängerbauten der gotischen Kathedralkirche werden in der Ausstellung "Aufbruch in die Gotik" im Magdeburger Kulturhistorischen Museum erstmals öffentlich gezeigt.

Noch 1199 hatte König Philipp von Schwaben mit einer prächtigen Festtagskrönung im ottonisch-romanischen Dom das Weihnachtsfest gefeiert. Walther von der Vogelweide dichtete über dieses Ereignis die berühmte „Magdeburger Weihnacht“. Davon zeugt in der Ausstellung die Weingartner Liederhandschift, eine der wichtigsten Überlieferungen des höfischen Minnesangs.

Im Jahr 1209 legte der Magdeburger Erzbischof Albrecht II., der in Paris und Bologna studiert hatte, den Grundstein für die erste Kathedrale auf deutschem Boden, die in der neuen, aus Frankreich stammenden Bauform der Gotik errichtet wurde. 800 Jahre nach seiner Grundsteinlegung ist der Dom zu Magdeburg, obgleich aufgrund vielfältiger Einflüsse Hybrid, heute das bedeutendste Bauwerk Sachsen-Anhalts und die zweitgrößte gotische Kathedrale Deutschlands nach dem Kölner Dom.

Kostbare originale Leihgaben aus insgesamt 10 europäischen Ländern und den USA verwandeln das Kulturhistorische Museum Magdeburg für die Zeit der Ausstellung in eine Schatzkammer.  Insgesamt 400 Exponate, darunter glanzvolle Insignien kirchlicher Macht, ein Altarretabel, wertvolle Goldschmiedearbeiten, liturgischer und Reliquienschmuck, kostbare Handschriften und Miniaturen und anmutige Skulpturen veranschaulichen die Kunst, die Kultur und die Geschichte der späten Stauferzeit, genau, den Zeitraum von 1198 bis etwa 1250. Die Ausstellung zeigt die Funktion der hoch aufragenden gotischen Kathedralen, die bis heute manche unserer Städte prägen, ebenso wie die für ihren Bau notwendigen technischen Innovationen. Die Bauskulptur, die Glasmalerei und auch die Kunstschätze im Innern der Kathedralen erstrahlten im neuen Stil der Gotik. Das 13. Jahrhundert ist eine Epoche des europaweiten Wissens- und Kulturtransfers. Die politische Gewichtung verlagerte sich im Heiligen Römischen Reich auf die weltlichen und geistlichen Fürsten. Das Weltbild der Menschen sowie das Leben der Bürger in den erstarkenden Städten des beginnenden 13. Jahrhunderts sind ebenso Thema der Ausstellung.

Zusammen mit dem Katalogband, der jedes Ausstellungsstück abbildet und kommentiert ist im Verlag Philipp von Zabern ein umfangreicher Essayband erschienen, der kaum einen Aspekt aus Kunst, Kultur und Leben im 13. Jahrhundert auslässt. Er widmet sich zunächst dem Kaiserdom Ottos des Großen um dann in mehreren Aufsätzen die vielfältigen Einflüsse auf die Architektur, die Neuerungen in der Skulptur, die Glasmalerei, die Kunstgeschichte und die Rezeption des Magdeburger gotischen Doms zu beleuchten. Die Bedeutung des Doms als Ort des Gottesdienstes und der Heiligenverehrung sowie als Grablege des Kaisers Otto des Großen, der Königin Edgith und der Erzbischöfe wird erörtert. Buchmalerei, Goldschmiedekunst, Wandmalerei, höfische Kultur, das volkssprachliche Schrifttum sowie die Musik der Gotik sind ebenso Themen der Essays, wie das Recht, der Aufbruch in die Wissensgesellschaft, der politische Wandel, Wirtschaft und städtisches Leben  zu dieser Zeit. Das zweibändige Werk bietet einen umfassenden und anschaulichen Einblick in die Zeit der Gotik.

 

Edgar Kitter

 

Aufbruch in die Gotik

Hrsg.: Kulturhistorisches Museum Magdeburg

Verlag Philipp von Zabern 2009; Deutsch; 2 Bände (nur geschlossen beziehbar); Essay: 500 Seiten mit 234 Farb- und 53 sw-Abb.; Katalog: 624 Seiten mit 483 Farb- und 10 sw-Abb.; Format: 21 x 28 cm; geb. mit Schutzumschlag

ISBN 978-3-8053-4062-5

Einführungspreis bis 31.1.10!
Danach € 89,90 (D) | sFr 146,00

69,90 € [D]  | 115,00 SFR [CH]

 

Aufbruch in die Gotik. Der Magdeburger Dom und die späte Stauferzeit

Landesausstellung Sachsen-Anhalt im Kulturhistorischen Museum Magdeburg: 31.08.2009 bis 06.12.2009

 

Cover  © Verlag Philipp von Zabern

Verlag Philipp von Zabern
€ 69,90

Shops:

© 2009 Edgar Kitter