Vincent van Gogh: Zwischen Erde und Himmel. Die Landschaften

Tipp

Vincent van Gogh

Zwischen Erde und Himmel. Die Landschaften

 

Hardcover, 312 Seiten, 187 Abb., davon 164 farbig, 39,80 Euro / 59 CHF, ISBN 978-3-7757-2302-2

 

Vincent van Gogh - Zwischen Erde und Himmel. Die Landschaften - Ausstellung im Kunstmuseum Basel

 

Kunstmuseum Basel

 

Das Kunstmuseum Basel zeigt eine Van Gogh - Ausstellung (26.4. - 27.09.) und bezeichnet sie als das wichtigste Kunstereignis Europas in diesem Jahr. Wer die Ausstellung gesehen hat, ist geneigt, dem zuzustimmen.

Es ist die erste Museumsausstellung, die sich dem gesamten Landschaftswerk van Goghs widmet. Sie ermöglicht anhand des Landschaftsthemas die künstlerische Entwicklung van Goghs nachzuvollziehen. Sichtbar wird vor allem sein Weg zu seiner individuellen farbbetonten Malweise, hin zu intensiv gesteigerten Farbklängen.

Mit van Gogh (1853 - 1890), der fälschlicher Weise als Prototyp des verkannten Genies gilt, verbinden sich heroische Legenden eines Sieges im Untergang. Der Ausstellung, die anhand der einzelnen Stationen des Lebens und Wirkens van Goghs chronologisch aufgebaut ist, und dem Katalog mit seinen fachkundigen Essays und Einführungstexten zu den Werkgruppen, gelingt es, zwischen den Werken und ihren Auslösern und Kontexten eine sinnvolle, sachliche und vergnüglich zu rezipierende Verbindung herzustellen.

Van Gogh, dessen quantitativ größter Teil seines Œuvres dem Landschaftssujet gewidmet ist, haderte zunächst damit, ein Landschaftsmaler zu sein, wie seinen Briefen an seinen Bruder Theo zu entnehmen ist. Er unterlag wohl dem im 19. Jahrhundert  üblichen Denken in Gattungskategorien, in dessen Hierarchie das Portrait und die Figurendarstellung einen prominenteren Platz einnahm. Tatsächlich bezieht van Gogh in allen Schaffensperioden den Menschen auf die Landschaft und umgekehrt, ohne seinen Figuren portraithafte Züge zu verleihen. Da ist zunächst der einfache Landarbeiter, später in Paris Ausflügler, Touristen oder Liebespaare in den Parks und Gärten der Stadt, in der Arleser Zeit entdecken wir wieder bäuerliche Figuren, die aber als Sämann, Schnitter oder Arbeiter im Weinberg, indem sie an neutestamentliche Gleichnisse erinnern, biblisch-mythisch aufgeladen sind. In seiner letzten Schaffensperiode in Auvers ließ van Gogh diese symbolische Dimension wieder hinter sich und zeigt die Landschaft menschenleer oder mit winzigen Staffagefiguren ausgestattet. Bereits in Arles scheint der reife Künstler nunmehr versöhnt mit der Landschaftsmalerei, an seinen Bruder Theo schreibt er: "Aber ob nun in Figur oder in Landschaft, wie sind die Maler doch stets bestrebt gewesen, den Leuten klarzumachen, dass ein Bild etwas anderes ist als die Natur in einem Spiegel, etwas anderes, als nachmachen, nämlich neu schaffen." Damit postuliert er zugleich ein grundlegendes Leitmotiv der Moderne.

Landschaftsmalerei wird oft mit unmittelbaren Gefühlserlebnissen und -eindrücken in Verbindung gebracht. Die Emotionalität, das Erleben der Landschaft als Resonanzraum seiner Innenwelt mag ein Grund gewesen sein, warum der von psychischen Krisen belastete Künstler, der schließlich tragisch durch eigene Hand sein Ende fand, sich so intensiv diesem Sujet widmete.

Der Katalog beleuchtet in vielen Dimensionen, die Relationen zwischen Künstlerpersönlichkeit und Werk, speziell der Landschaftsmalerei, er betrachtet auch die Rolle Theo van Goghs, der als Kunsthändler und Mäzen seines Bruders zugleich überzeugter Sammler seines Landschaftswerkes war, er zeigt Vinzent van Goghs Auseinandersetzung mit der zeitgenössischen französischen Landschaftsmalerei, insbesondere dem Impressionismus und Postimpressionismus auf und wie van Gogh seine ganz eigene Richtung findet. Außerdem nimmt er übergreifende Werkkonzepte wie Zyklen und Triptychen in den Blick und geht auf Wirkung und Rezeption des Künstlers ein. Nicht zuletzt sind die zahlreichen farbigen Abbildungen ein Genuss. Jeder Kunstliebhaber weiß, dass Abbildungen nie an die Originale heranzureichen vermögen, dennoch gestatten sie hier Stimmungen und Lichtverhältnisse der Malerei dieses herausragenden Künstlers nachzuvollziehen. Und wer es vermag, sollte sich unbedingt die Ausstellung in Basel ansehen.

 

Edgar Kitter

 

Vincent Van Gogh
Zwischen Erde und Himmel. Die Landschaften
Hrsg. Kunstmuseum Basel, Text von Carel Blotkamp, Gottfried Boehm, Laura Coyle, Walter Feilchenfeldt, Bernhard Mendes Bürgi, Seraina Werthemann, Nina Zimmer

Deutsch
2009. 312 Seiten, 187 Abb., davon 164 farbig
24,80 x 30,60 cm
gebunden mit Schutzumschlag

 

 

 

Katalog-Cover    © Hatje Canz Verlag

Blumenbeete in Holland, April 1883
Öl auf Leinwand | 48.9 x 66 cm
National Gallery of Art, Washington, Collection of Mr. and Mrs. Paul Mellon
© The Board of Trustees, National Gallery of Art, Washington

Blick auf Arles mit Iris im Vordergrund, Mai 1888
Öl auf Leinwand | 54 x 65 cm
Van Gogh Museum (Vincent van Gogh Foundation), Amsterdam
© Van Gogh Museum (Vincent van Gogh Foundation), Amsterdam

Ernte in der Provence, Juni 1888
Öl auf Leinwand | 51 x 60 cm
The Israel Museum, Jerusalem
Gift of Yad Hanadiv, Jerusalem, from the collection of Miriam Alexandrine de
Rothschild, daughter of the first Baron Edmond de Rothschild
© The Israel Museum by Avshalom Avital

Sommerabend, 1888
Öl auf Leinwand | 74 x 92 cm
Kunstmuseum Winterthur, Winterthur, Geschenk von Dr. Emil Hahnloser, 1922
© Kunstmuseum Winterthur, Winterthur

Hatje Cantz Verlag
€ 39,80

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